Motorradlacke mit Spezialeffekten im Überblick
Candy, Chrom und Chamäleon: Diese Lacke fallen auf
Candy, Chrom, Chamäleon oder Holografie: Spezialeffektlacke können einem Motorrad einen völlig neuen Charakter verleihen. Wir zeigen, wie die wichtigsten Effektlacke funktionieren, wie sie verarbeitet werden und welcher Schwierigkeitsgrad dabei zu erwarten ist.
Candy, Chrom, Chamäleon und Holografie: Entdecke die wichtigsten Spezialeffektlacke für Motorräder, ihre Wirkung, Anwendung und Unterschiede. Man spricht heute eher von Lacksystemen als einfach von Lacken, da es sich um Zwei- oder Dreischichtsysteme mit mehreren Arbeitsschritten und Produkten handelt – von der Grundierung bis zum Klarlack.
Motorradlacke mit Spezialeffekten
Spezialeffektlacke für Motorräder entsprechen ebenfalls den im Automobil-, Motorrad- und sogar Fahrradbereich verwendeten Produkten. Sie sind sowohl in lösemittelhaltiger Ausführung als auch als moderne wasserbasierte (Hydro-)Systeme erhältlich. Einige Spezialisten für Effektlacke haben ein so umfangreiches Sortiment an Spezialfarben entwickelt, dass es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, alle zu beschreiben. Deshalb konzentrieren wir uns auf die wichtigsten Effektlacke.
Chamäleonlacke
Chamäleonlacke gehören zur Familie der Perlglanzlacke. Ihre Farbe entsteht durch die Lichtreflexion und nicht durch herkömmliche Farbpigmente. Ihr besonderer optischer Effekt besteht darin, je nach Betrachtungswinkel unterschiedliche Farben wiederzugeben. Man spricht dabei von einer Farbwanderung, da der Lack mehrere Farbwechsel ermöglicht. Je nach Produkt können zwei bis hin zu acht verschiedene Farbwechsel auftreten.
Anwendung: Mit Spritzpistole oder Spraydose auf einen schwarzen Untergrund auftragen. Mehrere sehr dünne Schichten bis zur vollständigen Abdeckung des schwarzen Untergrunds aufbringen und anschließend mit einem glänzenden Klarlack versiegeln.
Schwierigkeitsgrad: Gering
Candy-Lacke
Candy-Lacke wurden in den 1970er-Jahren in Kalifornien aus Druckfarben entwickelt und gehörten zu den ersten Lacken für individuelle Fahrzeuglackierungen. Candy ist eine transparente Tönung, die das Licht filtert und einfärbt.
Das Lacksystem besteht aus mehreren Schritten. Zunächst wird eine reflektierende Metallic-Grundierung aufgetragen, welche das Licht zurückwirft. Anschließend wird ein mit Candy-Konzentrat eingefärbter Klarlack aufgebracht. Das Ergebnis ist eine außergewöhnlich tiefe und brillante Farbwirkung.
Anwendung: Zuerst einen Aluminium- bzw. Silber-Metallic-Lack auftragen. Anschließend einen Klarlack verwenden, dem 5–6 % Candy-Konzentrat beigemischt werden. Die endgültige Farbe hängt von der Grundierung, der Konzentration des Candy-Konzentrats und der Anzahl der aufgetragenen Klarlackschichten ab.
Schwierigkeitsgrad: Mittel
Chromlacke
Chromlacke sind Speziallacke, die herkömmliche chemische Metallisierungsverfahren ersetzen. Sie sind kostengünstiger und können auf nahezu jedem vorbereiteten oder grundierten Untergrund verarbeitet werden. Ihr besonderer Effekt besteht darin, polierte Metall- oder Spiegeloberflächen zu imitieren. Nach dem Verdunsten von etwa 99 % der flüssigen Bestandteile bleibt ein hauchdünner Film aus reinem Metall zurück.
Es gibt verschiedene Chromlacksysteme. Einige lassen sich in einem Arbeitsgang auftragen und sind einfach zu verarbeiten, jedoch weniger widerstandsfähig. Andere bestehen aus mehrstufigen Systemen und bieten Korrosionsschutz, Kratzfestigkeit sowie eine besonders hohe Haltbarkeit.
Anwendung: Mit Spritzpistole oder Spraydose auf einen harten, hochglänzenden Untergrund auftragen. Die Chromschichten müssen extrem dünn sein. Die Einhaltung der Trocknungszeiten zwischen den einzelnen Schritten ist entscheidend für ein perfektes Spiegelfinish. Abschließend wird ein geeigneter Klarlack aufgetragen, der den Chromeffekt schützt, ohne den Spiegelglanz zu beeinträchtigen.
Schwierigkeitsgrad: Hoch
Fluoreszierende Lacke
Fluoreszierende Lacke werden häufig im Motorradbereich eingesetzt, insbesondere im Rennsport, sowohl für Verkleidungen als auch für Helme. Sie zeichnen sich durch besonders intensive und leuchtende Farben aus, die sich deutlich von ihrer Umgebung abheben.
Sie gehören zur Familie der photolumineszenten Farben, da sie mehr Licht reflektieren als herkömmliche Farbtöne. Ihr größter Nachteil besteht in ihrer geringen UV-Beständigkeit, was in der Branche allgemein bekannt ist.
Anwendung: Mit Spritzpistole oder Spraydose unbedingt auf weißem Untergrund auftragen. Mehrere Schichten aufbringen und anschließend vorzugsweise mit einem UV-beständigen Klarlack versiegeln.
Schwierigkeitsgrad: Gering
Holografische Lacke
Holografische Lacke enthalten metallische Pigmente mit einer mikroskopisch gewellten Struktur. Dadurch entstehen irisierende Regenbogeneffekte. Diese Lacke sind halbtransparent bis halbdeckend, sodass die Untergrundfarbe je nach Schichtdicke sichtbar bleibt oder überdeckt wird.
Der holografische – auch prismatische – Effekt ist hauptsächlich bei direkter Beleuchtung sichtbar und verschwindet weitgehend ohne direktes Licht. Es gibt verschiedene holografische Lacke, die sich hauptsächlich durch die Größe ihrer Pigmente unterscheiden – von sehr feinen Partikeln (10 µm) bis hin zu groben Glitterpigmenten (200 µm).
Anwendung: Mit Spritzpistole oder Spraydose vorzugsweise auf schwarzem Untergrund auftragen. Mehrere ultradünne Schichten aufbringen und anschließend mit einem glänzenden Klarlack versiegeln.
Schwierigkeitsgrad: Mittel
Bericht vom 19.08.2026 | 1.308 Aufrufe