Colorado BDR planen: Route, beste Reisezeit, Motorrad
Colorado Backcountry Discovery Route - Alles was du wissen musst
Es gibt zwei Arten, sich auf die Colorado Backcountry Discovery Route vorzubereiten. Die eine liest Hochglanzprospekte und landet mit dem falschen Motorrad im falschen Monat am gesperrten Pass. Die andere weiß vorher, wie lang die Strecke wirklich ist, wo der Sprit ausgeht und was passiert, wenn es auf 3800 Metern zu regnen anfängt. Clemo und ich haben die COBDR im Juli 2026 self-guided gefahren. Hier steht, was wir vorher gern gewusst hätten.
Was die COBDR wirklich ist
Die Backcountry Discovery Route (BDR) ist eine US-amerikanische Non-Profit-Organisation, die sich auf die Entwicklung und Dokumentation von Offroad- und Schotterstrecken für Reiseenduros spezialisiert hat. Ziel der Initiative ist es, mehrtägige, zusammenhängende Routen durch verschiedene US-Bundesstaaten – wie etwa Colorado, Washington oder Nevada – auszuarbeiten und der Motorrad-Community zugänglich zu machen. Dafür stellt die BDR detaillierte GPS-Tracks, Kartenmaterial und umfassende Reiseinformationen zur Verfügung. Neben dem reinen Fahrerlebnis abseits befestigter Straßen geht es der Organisation vor allem darum, einen nachhaltigen Motorradtourismus zu fördern und ländliche, oft strukturschwache Regionen entlang der Strecken wirtschaftlich zu unterstützen. Für Fahrer von Adventure-Bikes bieten die BDR-Netzwerke eine strukturierte und legale Möglichkeit, die abgelegenen Landschaften der USA auf unbefestigten Wegen zu erkunden.
Zuerst die Zahl, die überall falsch herumgeistert. Die offizielle Colorado Backcountry Discovery Route ist 745 Meilen lang und in sechs Abschnitte geteilt. Sie beginnt am Four Corners Monument, wo New Mexico, Arizona, Utah und Colorado zusammenstoßen, und endet an der Grenze nach Wyoming. Die Abschnitte reichen von 81 Meilen zwischen Steamboat Springs und der Staatsgrenze bis zu 144 Meilen zwischen Lake City und Buena Vista.
Unsere eigene Aufzeichnung zeigt rund 1700 Kilometer. Das ist kein Widerspruch, sondern eine andere Zahl: Sie enthält An- und Abreise ab Denver und alles, was wir uns zusätzlich angeschaut haben. Die meisten Fahrer brauchen für die reine Route vier bis sechs Tage. Wir haben acht Fahrtage daraus gemacht, weil wir gefilmt haben und weil ich niemandem raten würde, die Hochpässe im Akkord abzuhaken. Und weil wir zusätzliche Leckerbissen mit eingebaut haben - mit der Hilfe von Colorado Motorcycle Adventures aber auch mit Hilfe von onX und lokalen Begegnungen!
Vom Charakter her ist das keine Hard-Enduro-Reise. Clemo bringt es auf den Punkt: Wer in Österreich stabil auf Schotter fährt, kann das hier fahren. Für die schweren Stellen gibt es Bypasses. Was dich fordert, ist nicht die einzelne Passage, sondern die Summe: Höhe, Distanz, Wetter und die Tatsache, dass Hilfe weit weg ist.
Die Route Tag für Tag
Wir sind von Norden nach Süden und wieder hoch gefahren, in acht Fahrtagen. Der Auftakt führt über die US 40, die die Kontinentale Wasserscheide gleich dreimal quert: Berthoud Pass auf 3446 Metern, Muddy Pass auf 2674 und Rabbit Ears Pass auf 2873. Drei Wasserscheiden an einem Tag, bevor die Reise richtig losgeht.
Danach wird es Schotter. Über den Lynx Pass geht es hinunter an den oberen Colorado River, eine lange Uferetappe über die Trough Road. Merke dir Kremmling: Auf diesem Abschnitt gibt es praktisch keine Tankstelle.
Der vierte Tag ist der mit der größten Höhenspanne. Von Glenwood Springs am Fluss auf 1756 Metern hinauf über den Hagerman Pass auf 3635 Meter, einen rauen Vierrad-Pass über die Wasserscheide, dann über den Weston Pass auf 3634 Meter. Dazwischen liegt Leadville auf 3094 Metern, mit 10.152 Fuß die höchste eingemeindete Stadt der USA und 1877 als Silberstadt gegründet. Ein guter Kaffee- und Tankstopp, und ein ehrlicher Test, wie dein Kreislauf mit Höhe umgeht.
Tag fünf verbindet zwei Pässe, die man kennen sollte. Der Cottonwood Pass bringt dich asphaltiert auf 3696 Meter, den höchsten geteerten Übergang über die kontinentale Wasserscheide. Gleich danach der Cumberland Pass auf 3663 Meter, unbefestigt und trotzdem die höchste durchgehende Straße der USA, die mit einem normalen Pkw befahrbar ist. Gebaut wurde sie 1882, um Erz von Tincup zur Bahn in Pitkin zu bringen. Der Tag endet über den Slumgullion Pass in Lake City. Dessen Nordrampe ist mit neun Prozent die steilste durchgehend asphaltierte Straße Colorados, und du fährst sie bergab ins Ziel.
Tag sechs ist die Königsetappe: der Alpine Loop. 65 Meilen unbefestigte Straße zwischen Lake City, Silverton und Ouray, mit vier Pässen jenseits von 3800 Metern. Engineer auf 3901, California auf rund 3940, Cinnamon auf rund 3850, dazu Hurricane. Alles oberhalb der Baumgrenze, loser Fels, ausgesetzte Kehren.
Die letzten beiden Tage führen über die westlichen San Juans nach Durango und von dort auf der US 550 wieder nach Norden: Coal Bank Pass 3243 Meter, Molas Pass rund 3325 Meter, Red Mountain Pass 3358 Meter. Das ist die Million Dollar Highway, die Otto Mears 1883 als Mautstraße in den Fels sprengen ließ. Enge Serpentinen, kaum Leitplanken, senkrechte Abbrüche. Am Ende wartet Ouray auf 2375 Metern, das sich seit jeher Switzerland of America nennt, weil die Berge auf drei Seiten senkrecht aus dem Talkessel steigen.
Motorrad und Logistik: Colorado Motorcycle Adventures
Wir sind self-guided gefahren, und das funktioniert nur mit einem Partner vor Ort. Unsere beiden Aprilia Tuareg 660 kamen von Colorado Motorcycle Adventures in Golden bei Denver. Die stellen nicht nur das Motorrad hin, sondern montieren das Navi mit allen Tracks, legen die Butler-Karte dazu und übernehmen die Logistik. Clemos Formulierung trifft es: Du fliegst rüber, und fertig.
Wer sich das nicht allein zutraut, bekommt dort auch eine geführte Tour mit erfahrenem Lead, Sweep, Begleitfahrzeug und Gepäcktransport. Phil von CMA hat uns erzählt, dass sie rund 50 Mietmotorräder im Bestand haben, von der BMW GS über KTM bis zur Aprilia. Dazu kommen Routenplanung, Offroad-Trainings und eine eigene Werkstatt. Für die BDR sind sie der bevorzugte Partner in Colorado.
Einen Rat von Phil solltest du ernst nehmen: Fahr nicht allein. Er hat zwei Wochen vorher zu zweit eine Stunde gebraucht, um ein umgefallenes Motorrad wieder aufzustellen. Allein wäre das nicht gegangen. Auf knapp 4000 Meter Seehöhe werden selbst profane Tätigkeiten sehr anstrengend.
Beste Reisezeit und die Höhen-Realität
Das offizielle Fenster für die COBDR ist Juli bis September. Ende Juni geht je nach Schneelage, aber die hohen Pässe sind teils erst im Juli frei. Ein Local am Crooked Creek Pass hat es uns so gesagt: Motorradfahren hier beginnt Ende Mai oder Anfang Juni, es endet im November, und schneien kann es jederzeit, auch im August. Wer flexibel ist kann also auch kurzfristig entscheiden. Denn in Wahrheit hängt alles von den Schneemengen im Winter ab. 2026 war ein schneearmer Winter - wir hätten auch schon im Juni fahren können, dann hätten wir weniger Hitze in den Tälern gehabt. Aber niemand kann sagen wie es 2027 aussieht! Die Offroad-Pässe werden nicht geräumt. Hier muss die Sonne die Schneemassen ins Tal befördern - und das kann eben auch mal bis in den Juni hinein dauern.
Wichtiger als der Monat ist die Tagesdynamik. Phil warnt zu Recht: Wenn es in der Höhe regnet, kann die Temperatur um 30 Grad Fahrenheit fallen, also rund 17 Grad Celsius, und zwar schnell. Wir hatten an einem einzigen Tag 37 Grad im Tal und 6 Grad oben im Regen. Nachmittagsgewitter über den offenen Hochlagen sind der Normalfall, nicht die Ausnahme. Plane die hohen Pässe für den Vormittag. Wir hatten bei unserer Tour an 5 Tagen am Nachmittag kurze Regenschauer. Diese kamen immer pünktlich zwischen 14 und 15 Uhr.
Genau deshalb ist Bekleidung hier kein Nebenthema. Meine iXS Venture-Air 1.0 Kombi aus zweilagigem Ripstop hat diese Spreizung mitgemacht, die großen einstellbaren Belüftungen decken Offroad-Hitze und kalte Passabfahrten gleichermaßen ab, und AA-zertifiziert ist sie auch. Nach 2000 Kilometern für mich klar empfehlenswert: Jacke und Hose. Auf dem Kopf hatte ich bewusst den geschlossenen Arai Tour-X5 mit Visier, ECE 22.06, dessen flache Seitenflächen die Cardo-Montage sauber aufnehmen.
Tanken: die 120-Meilen-Realität
Der Punkt, an dem Planung wirklich wehtut. Wir sind an einem Tag 120 Meilen gefahren, ohne eine einzige Tankstelle zu sehen. Auf der COBDR ist das kein Ausreißer, sondern eingeplant. Daher sind Hardenduros als Transportmittel nur dann möglich, wenn sie einen Zubehörtank montiert haben. Für die klassische BDR Strecke sind jedoch handelsübliche Reiseenduros voll in Ordnung. Wir sind mit der Aprilia Touareg 660 gefahren. Erfahrene Piloten schaffen das auch mit einer BMW R 1250 oder R 1300 GS. Wir haben jedoch einige zusätzliche, schwierigere Passagen eingebaut. Für diese Passagen war die etwas schlankere und leichtere Aprilia eine gute Wahl. Als "optimales" Gefährt würde ich Fahrzeuge wie die Aprilia Tourag, die Tenere 700, die V-Strom 800DE, die KTM 890 Adventure R oder die BMW F 900 GS bezeichnen. Leichte Piloten mit wenig Gepäck können auch auf kleine Hubräume zurückgreifen. Doch beachtet dabei die knallharte Physik. Pro 100 Meter Seehöhe verlieren 4 Takt Motoren ohne Turbolader ca. 1 % an Leistung. Auf 4000 Meter sind das also rund 40% weniger als auf Meereshöhe!
Drei Stellen musst du dir merken. Kremmling vor der langen Flussetappe. Lake City als letzte Tankstelle vor dem gesamten Alpine Loop, denn zwischen Lake City, Silverton und Ouray gibt es keinen Sprit. Und die Versorgungspunkte rund um Taylor Park, die saisonal sind und auf die du dich nicht blind verlassen solltest. Ein Local fährt dort mit 150 bis 175 Meilen Reichweite und nimmt bei langen Abschnitten zusätzlich Benzintaschen mit. Das ist der ehrliche Maßstab.
Wer sollte das fahren
Fahrerisch brauchst du solide Schottererfahrung, keine Wettkampfhärte. Körperlich brauchst du Respekt vor der Höhe: Auf 3800 Metern bist du außer Atem, bevor du es glaubst. Und organisatorisch brauchst du einen Partner, ein funktionierendes Kommunikationssystem und die Bereitschaft, Pläne zu ändern.
Für die Verständigung unterwegs war das Cardo Packtalk Edge Mesh-System der stille Held. Nicht wegen der Musik, sondern weil du Spurrillen, Weidevieh und Gegenverkehr ansagen kannst, bevor der andere hineinfährt. Auf Schotter ist Reden ein Sicherheitsgewinn.
Praktische Planung vor Ort
Waldbrände und Sperrungen gehören dazu. Uns hat es einmal erwischt, die Strecke war wegen eines Feuers dicht. Die Infos bekommst du auf Google Maps, wo Brände eingezeichnet sind, und auf der Offroad-Plattform onX. Am zuverlässigsten aber, indem du unterwegs mit Leuten redest. In Colorado ist das kein Smalltalk, sondern Informationsbeschaffung. An jeder Tankstelle steht jemand, der die Piste vor dir gefahren ist, und niemand hier findet es seltsam, wenn du fragst. In der rauen Wildness hier ist es ganz normal das man sich hilft, miteinander spricht und sich austauscht.
Unser Fazit nach acht Fahrtagen: Diese Route ist wirklich empfehlenswert, und das Niveau passt exakt zur Reiseenduro. Plane 745 Meilen + ein paar touristische Extra-Kilometer, rechne deine Anreise dazu, buche zwischen Juli und September, tanke in Kremmling und Lake City voll, und fahr nicht allein.
Colorado Reise 2026
Bericht vom 18.08.2026 | 602 Aufrufe