Chigee XR-1 Härtetest: Dashcam für verlässliche Aufnahmen

Einmal montieren, nie wieder dran denken: Die Blackbox von Chigee

Zwei Kameras, ein (verstecktes) Modul und möglichst kein Aufwand: Die Chigee XR-1 soll jede Fahrt automatisch im Hintergrund aufzeichnen. Wir haben die Dashcam an ein Trackbike montiert und unter extremen Bedingungen wie Hitze, Wheelies und Rennstrecke getestet. Das Ergebnis geht weit über klare 60-fps-Videos hinaus.

Eine Actioncam ist großartig, solange sie geladen, eingeschaltet und ihr Speicher im entscheidenden Moment nicht voll ist. Genau hier kommt die Chigee XR-1 ins Spiel. Nachdem die 1000PS Redaktion Chigees Kamerakonzept bereits in Verbindung mit dem AIO-6 Zusatzdisplay ausprobiert hatte, interessierte uns nun die radikalere Variante: zwei fix montierte Kameras, eine kleine Haupteinheit, kein zusätzliches Display und im Idealfall auch kein Gedanke mehr daran. Zündung an, Aufnahme läuft. Zündung aus, Parküberwachung wartet auf Erschütterungen. Weniger Actioncam, mehr unauffällige Blackbox: Die Chigee XR-1 zeichnet das Geschehen vor und hinter dem Bike vollautomatisch mit 1080p bei bis zu 60 fps auf.


Das Entscheidende ist dabei nicht die kristallklare Videoqualität, sondern die Wahrscheinlichkeit, im Falle eines Falles tatsächlich eine Aufnahme zu besitzen. Genau deshalb landete das System nicht auf einem gemütlichen Tourer, sondern auf NoPains Hypermotard 698 Mono, wo wir einen kompletten Trackday inklusive Wheelies, harter Bremsmanöver, Vibrationen und Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke absolvierten.


Eine nicht immer perfekt ausgerichtete oder optimal stabilisierte 60-FPS-Aufzeichnung ist besser als keine.

NoPain, 1000PS Testredaktion

Chigee XR-1 Lieferumfang und erster Eindruck

Die XR-1 wirkt beim Auspacken erfreulich wenig nach Multimedia-Zirkus. Im Standardpaket stecken die Haupteinheit, zwei Kameras, zwei Kamera-Mounts, Stromkabel, Kabelbinder, Klettbänder, 3M-Klebestreifen und Montagewerkzeuge. Was fehlt, ist ausgerechnet jener kleine Baustein, ohne den überhaupt nichts aufgezeichnet wird: eine microSD-Karte. Chigee verlangt eine schnelle Karte bis 256 GB; auch der optionale kabelgebundene GPS-Lenkercontroller gehört nicht zum Standardpaket.


Die Verarbeitung der Komponenten macht einen robusten Eindruck, wobei Chigee für die Haupteinheit IP69K (hoher Schutz gegen Regen, Spritzwasser, Dreck und Hochdruckreiniger) und für die Kameras IP68 (Regen, Spritzwasser, Staub) angibt. Das Hauptmodul besteht aus einem robusten Polycarbonat-Gehäuse mit elastischen TPU-Komponenten, die Stöße abfangen sollen. Intern sitzt die Platine schwimmend gelagert, um Vibrationen zu entschärfen, während eine Aluminiumstruktur die entstehende Wärme ableitet. Unser Trackday mit reichlich Hitze, harten Schlägen und permanenten Vibrationen brachte die XR-1 jedenfalls nicht aus dem Tritt.


Technische Daten: Chigee XR-1

EIGENSCHAFTBESCHREIBUNG
KameraFront und Heck · Novatek NT99235 · 1920×1080 @60FPS · 136,6° Weitwinkel-FOV · f/1.8 (2G+4P+1 IR-CUT)
ProzessorDual-Core A53
RAM2 GB
WasserbeständigkeitHauptgerät: IP69K / Kameras: IP68
ZertifizierungenCE / FCC / RoHS
Kamerakabel-LängeFrontkamera: 1 m / Rückkamera: 2,5 m
Maximale microSD-KartenkapazitätBis zu 256 GB (im Lieferumfang nicht enthalten)
KartenanforderungU3 / A2 / V30 oder höher empfohlen
Hauptgerätmaße70,6 x 55,6 x 24,5 mm
Gewicht126 g (Hauptgerät) / 375 g (Komplettpaket)
Eingangsspannung11–18 V DC
BluetoothBluetooth 5.0
WLAN5-GHz-WLAN, laut Chigee über 10 MB/s
Integrierter LautsprecherUnterstützt
ParkaufnahmeCa. 60 Sekunden pro Auslösung
Park-StandbyCa. 350 µA Verbrauch
Unterspannungsabschaltung11,8 V, automatische Abschaltung zum Schutz der Fahrzeugbatterie
GPS-FernsteuerungOptionales kabelgebundenes Zubehör
Preis XR-1 (UVP)€ 261,95

Die technischen Werte und Preise stammen aus Chigees aktueller Produktseite, Handbuch und Support-FAQs (Stand: August 2026).

Mit einer 256-GB-Karte nennt Chigee für getrennte Front- und Heckdateien bei 1080p/60fps rund 27,3 Stunden Aufnahmezeit; im Fusion-Modus (Front- und Heckaufnahme kombiniert) steigt sie auf etwa 54,6 Stunden, dafür verliert man die unabhängigen Kameraspuren.


XR-1 Montage mit einer Stolperfalle

Die deutschsprachige Anleitung ist kurz, verständlich und grundsätzlich ausreichend. Zwei Kameras ausrichten, Kabel sauber verlegen, Haupteinheit verstauen und die drei Stromleitungen anschließen: Rot geht an Batterie-Plus, Schwarz an Masse beziehungsweise Batterie-Minus und Gelb an ein echtes zündungsgeschaltetes ACC-Signal. Das klingt nach drei Kabeln und fünf Minuten, kann bei modernen Motorrädern aber zum kleinen Elektrikseminar mutieren, denn genau das richtige ACC-Kabel zu identifizieren war auch bei uns der einzige Montageschritt, der ernsthaft Konzentration verlangte. Chigee selbst empfiehlt im Zweifelsfall die Kontrolle mit dem Multimeter: ungefähr 12 Volt bei eingeschalteter Zündung, null Volt nach dem Ausschalten.


Das Hauptgerät gehört laut Chigee geschützt in die Verkleidung oder unter die Sitzbank und weg von starken Wärmequellen. Bei unserer Hypermotard war dort schlicht kein sinnvoller Platz vorhanden, außerdem wollten wir für den Performance Check schnellen Zugriff, Fahrtwind und maximale Wetterexposition. Also montierten wir die Einheit bewusst außen. Elegant ist anders, Schutz vor Langfingern ebenso, technisch machte die XR-1 daraus aber kein Drama.


Ein Kritikpunkt aus einem weiteren unserer Praxistests bestätigt übrigens exakt, was schon das Datenblatt vermuten lässt: Das vordere Kamerakabel misst nur 1 Meter, hinten stehen 2,5 Meter zur Verfügung. Je nach gewünschter Kabelführung lassen sich die beiden identischen Kameras einfach tauschen, um die Kabel ordentlich zu verlegen. Pragmatisch gelöst, auch wenn der extrem große Sprung zwischen 1 Meter und 2,5 Metern Kabellänge schwer nachvollziehbar bleibt.


Chigee GO App und Inbetriebnahme des XR-1

MicroSD einsetzen, im Gerät formatieren, Chigee GO am iOS- oder Android-Smartphone installieren, koppeln, aktivieren und anschließend das OTA-Update einspielen. Danach waren bei unserem Testsystem sämtliche Komponenten initialisiert und auf aktuellem Stand. Die App ist dabei nicht bloß ein Komfortextra, sondern das eigentliche Display der XR-1: Livebild für die Kameraausrichtung, Zugriff auf Front und Heck, Galerie, Download sowie Einstellungen für Collision Lock, Parküberwachung und Videoausgabe finden hier statt. Firmware-Updates werden ebenfalls vollständig über Chigee Smartphone-App durchgeführt.


Das Ganze funktioniert erfreulich unkompliziert. Nach der ersten Autorisierung verbindet sich das Smartphone rasch wieder und Clips werden über das eigene 5-GHz-WLAN mit mehr als 10 MB/s übertragen.


Die Verwendung ist absolut easy, ein Traum. Man muss sich um nichts kümmern, das Gerät macht alles selbständig.

NoPain, 1000PS Testredaktion

XR-1 Automatik statt Actioncam-Stress

Hier trifft Chigee den Nagel ziemlich sauber. Ist die XR-1 korrekt verkabelt, gibt es vor einer normalen Fahrt nichts mehr zu tun. Das Motorrad wird gestartet und die Aufnahme beginnt automatisch; eine laufende Loop-Aufzeichnung überschreibt irgendwann die ältesten nicht gesperrten Dateien. Die Segmente können auf eine, zwei oder drei Minuten gestellt werden. Einen klassischen Record-Schalter gibt es bewusst nicht: Solange die XR-1 versorgt wird, zeichnet sie auf.


Die beiden Tasten am Hauptmodul können einen Clip sperren beziehungsweise ein Foto aufnehmen; langer Druck erzwingt Neustart oder Kartenformatierung. Nur: Wird das Modul so montiert, wie es aus Sicherheits- und Diebstahlsicht sinnvoll wäre, also tief unter der Sitzbank, sind diese Tasten nicht besonders hilfreich. Für spontane Aktionen während der Fahrt gibt es deshalb den optionalen GPS-Lenkercontroller. Der liefert zusätzlich Route, Geschwindigkeit, Entfernung und Fahrzeit.


Praktisch gelöst, aber mit Lücke: Die akustische Sprachausgabe informiert zuverlässig über den Systemstatus oder Probleme mit der Kamera und Speicherkarte – ideal bei versteckter Montage. Schade nur, dass Deutsch aktuell noch nicht unterstützt wird.


Trackday statt Kaffeefahrt mit der XR-1

Eine Motorrad-Dashcam im gelassenen Stadtverkehr zu testen, ist das eine – ein Trackday als Härteprüfstand hingegen etwas völlig anderes. Deshalb bekam die XR-1 auf der Hypermotard 698 Mono einen ganzen Tag lang das volle Programm: Hohe Drehzahlen, harte Lastwechsel, ankerartige Verzögerungen, Curbs, Vibrationen und Sommertemperaturen weit über 35 Grad ließen die Grundfunktion absolut kalt. Sämtliche erwarteten Aufnahmen waren am Ende lückenlos vorhanden.


Besonders amüsant arbeitete der G-Sensor (Kollision-Sperre). Chigee sperrt bei einer ungewöhnlichen Erschütterung oder einem harten Stoß den aktuellen Clip automatisch gegen Überschreiben; die Empfindlichkeit lässt sich in den Stufen High, Medium, Low und Off regulieren. Unsere Hypermotard interpretierte vor allem das Wiederaufsetzen des Vorderrads nach einem Wheelie mit bemerkenswerter Konsequenz als Notfall. Das System tat also genau das, was es sollte. Für schlechte Straßen oder Offroad-Passagen empfiehlt selbst Chigee eine reduzierte Empfindlichkeit.


XR-1 Bildqualität mit bis zu 60 fps

Wer von einer 1080p-Dashcam Kinomaterial erwartet, verwechselt Dokumentation mit Content-Produktion. Das XR-1-Material besitzt nicht die Reserven einer hochwertigen Actioncam für nachträgliche Crops, spektakuläre Reels oder Nachtaufnahmen mit Hollywood-Anspruch. Seine Aufgabe ist banaler und wichtiger: Bewegungsabläufe, Fahrzeuge und möglichst viele Details brauchbar festhalten. Genau darin funktionierte unser Testsystem überzeugend. Bei 60 fps waren Kennzeichen und andere Details in unseren Aufnahmen gut ablesbar, während Bewegungen sauberer eingefroren wurden als bei niedrigerer Bildrate. Auch in einem weiteren Alltagstest von uns erwiesen sich 1080p/60 fps als hilfreich, um Kennzeichen entgegenkommender Fahrzeuge sauber erkennen zu können.


Chigee verspricht Smart HDR, Bildstabilisierung und einen Blickwinkel von 136 Grad. Die Bildqualität geht absolut in Ordnung, ein Wundermittel sind die Features jedoch nicht: Während die Software leichte Vibrationen gut ausbügelt, stößt sie an extrem flexiblen Positionen – wie dem hinteren Kotflügel einer Supermoto – an ihre Grenzen. Zudem kann ein breites Sichtfeld keinen schiefen oder ungünstig gewählten Blickwinkel ausgleichen. Auf der Rennstrecke zeigte sich einmal mehr: Eine durchdachte Montage bleibt Pflicht.


XR-1 Rückkamera als Digitalspiegel

Eine völlig ungeplante Stärke zeigte sich während des Tests, weil NoPains Smartphone per SP Connect am Lenker saß. Öffnet man dort das Livebild der Heckkamera, wird aus der Dashcam kurzerhand ein digitaler Rückspiegel. Die Perspektive ist breit, der rückwärtige Verkehr gut erkennbar und insbesondere bei Motorrädern mit vibrationsfreudigen, winzigen bzw. nicht vorhandenen Spiegeln kann das erstaunlich nützlich sein.


Ein vollwertiger Ersatz ist das Smartphone als Monitor trotzdem nicht: Die XR-1 ist primär als unauffällige Motorrad-Blackbox gedacht, nicht als dauerhaftes Rückfahr-Display. Wer ein solches Live-Bild sucht, greift konzeptionell lieber direkt zu einem Chigee AIO-System mit Kameraanschluss – und spart sich die XR-1-Empfangseinheit komplett.


Eigentlich wollten wir die XR-1 nach dem Trackday wieder demontieren. Jetzt bleibt sie fix drauf.

NoPain, stolzer XR-1 Besitzer

XR-1 Parkwächter im Fahrerlager

Der Parkmonitor gehörte zu jenen Funktionen, die in der Praxis absolut überzeugten. Wird das ausgeschaltete Motorrad bewegt, schlägt die XR-1 auf Erschütterung an und nimmt über beide Kameras gut 60 Sekunden lang auf. Im Fahrerlager funktionierte das auf den Punkt: Reifenwärmer abziehen, Bike vom Ständer heben – Zack, Bewegung registriert, Szene gesichert.


Auch der Stromverbrauch ist durchdacht: Chigee gibt für den Park-Standby ca. 350 µA an und schützt die Batterie durch eine automatische Abschaltung bei Unterschreiten von 11,8 Volt. Das nimmt Sorgen, beseitigt bei Transporten auf dem Hänger aber nicht jedes Restrisiko. Wer die Funktion nicht braucht, schaltet sie einfach per App ab.


Tipp: Für absolute Sicherheit lässt sich die Stromversorgung über einen diskreten Schalter komplett trennen. Genau diesen Weg werden wir bei unserem Bike gehen: Trackday – SCHALTER AN, Standzeit oder Transport – SCHALTER AUS.


Die Kehrseite: XR-1 Einbauaufwand und Aufpreis-Details

Die XR-1 will nach der Montage unsichtbar werden, verlangt davor aber saubere Handarbeit: einen geeigneten Platz für die Haupteinheit, zwei perfekt ausgerichtete Kameras, durchdachte Kabelwege und einen ordentlichen elektrischen Anschluss. Plug & Play ist das System auf App-Seite – keineswegs aber am Kabelbaum. Wer bei Plus, Minus und Zündungsplus Fragezeichen vor Augen hat, sollte die Installation definitiv jemanden überlassen, der mit Fahrzeugelektrik umgehen kann.


Dazu kommen das etwas knappe vordere Kamerakabel, die fehlende microSD-Karte im Lieferumfang und die derzeit fehlende deutsche Sprachausgabe. Zudem halten Features wie GPS-Tracking, Tempo-Einblendung und ein schnell erreichbarer Lock-Knopf erst über den optionalen Controller Einzug.


Fazit: Chigee XR-1 Dashcam

Die Chigee XR-1 punktet nicht mit einzelnen Features, sondern mit dem perfekten Zusammenspiel aus Automatik, Front- und Heckaufzeichnung, Loop Recording, Collision Lock und Parkmonitor. Nach korrekter Montage wird aus einem weiteren elektronischen Zubehörteil tatsächlich jene Blackbox, die Chigee verspricht: Zündung an, Aufnahme läuft, Zündung aus, Parkwächter übernimmt. Unser Trackday mit Wheelies, heftigen Lastwechseln und mehr als 35 Grad brachte das System funktional nicht aus der Ruhe; dass dabei regelmäßig Wheelie-Landungen als Kollision konserviert wurden, ist eher ein Argument für einen funktionierenden Sensor als gegen ihn, verlangt bei sportlichem Einsatz aber die passende Empfindlichkeit.

Die Bildqualität bei 1080p/60fps reicht für den eigentlichen Zweck sehr gut, und dass Kennzeichen beziehungsweise Verkehrssituationen nachvollziehbar bleiben, ist unterm Strich wertvoller als cineastische 4K-Romantik. Instruktoren, Fahrschulen, Tourenfahrer, Pendler oder schlicht Motorradfahrer, die im Fall der Fälle nicht nur ihre Erinnerung als Datenträger besitzen wollen, finden hier ein starkes Werkzeug.

Wir wollten die XR-1 nach dem Trackday eigentlich wieder demontieren. Jetzt bleibt sie drauf. Kompliment an Chigee!


  • Zuverlässiger automatischer Start
  • Front und Heck mit 1080p/60fps
  • Gute Detailerkennbarkeit
  • Überzeugender Parkmonitor
  • Collision Lock funktioniert konsequent
  • Schnelle App-Anbindung
  • Robuste IP69K/IP68-Ausführung
  • Kein Display und kein Laden notwendig
  • Elektrischer Einbau mit ACC-Anschluss erforderlich
  • Frontkamerakabel mit 1 Meter knapp bemessen
  • MicroSD nicht enthalten
  • Deutsche Sprachansagen fehlen derzeit
  • GPS und Lenkerbedienung kosten extra
  • 1080p ist keine High-End-Actioncam-Qualität

Bericht vom 20.08.2026 | 1.826 Aufrufe

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