Honda NC750X, X-ADV und Forza 750 im Alltags- & Reise-Test
Warum Südeuropa diese 750er versteht
Die Honda NC750X, der X-ADV und der Forza 750 fahren bei uns unter dem Radar, sind aber in Südeuropa sehr erfolgreich. Vier Tage in Portugal - von Lissabon ans Meer und weiter ins Landesinnere - sollen die Frage klären, warum diese Fahrzeuge in Südeuropa so beliebt sind.
Es gibt Motorräder, die beeindrucken am Stammtisch. Und es gibt Motorräder, die überzeugen im echten Leben. Die Honda NC750X, der Honda X-ADV und der Honda Forza 750 gehören eindeutig zur zweiten Sorte. Auf dem Papier liefern alle drei keine Sensationswerte. 59 PS, 69 Nm. Sie glänzen aber durch DCT, niedrigen Verbrauch & viel Praxisnutzen. In Mitteleuropa klingt das schnell nach Vernunftkauf. In Portugal, Spanien oder Italien klingt es nach: genau richtig. Nicht umsonst gehört vor allem der Honda X-ADV hier zu den meistverkauften Motorrädern überhaupt. Gregor, Schaaf und ich wollen herausfinden, warum das so ist.
Testroute - eine erweiterte Feierabendrunde ab Lissabon
Dazu haben wir uns mit Hilfe von Calimoto eine Tour zusammengestellt, die für diese Fahrzeuggattung passend scheint. Sie beginnt nicht auf der leeren Traumstraße, sondern mitten im pulsierenden Herzen von Lissabons Altstadt. Viel Verkehr, enge Gassen, steile Straßen, hektische Ampelstarts, schlechte Parkmöglichkeiten und permanent dieser südeuropäische Verkehrspuls, der einem im Auto den letzten Nerv raubt.
Danach geht es hinaus Richtung Serra de Montejunto als Kulisse für spektakuläre Felsen und kurvige Bergstraßen an. Auf dem Weg Richtung Atlantik wird das Land ruhiger, trockener und rauer. Wir erreichen schließlich die famose muschelförmige Bucht von São Martinho do Porto, wo wir uns zu einem Kaffee niederlassen. Wieder am Weg ins Landesinnere erreichen wir den Parque Natural das Serras de Aire e Candeeiros mit seinen Kalkmassiven, Höhlen und kargen Hügeln. Herrliche Fernblicke auf engen wenig befahrenen Straßen. Hier steigern wir das Tempo und die Grinser unter dem Helm werden breiter.
Der 750er-Motor: kein Trumpf fürs Quartett, aber ein Held für den Alltag
Alle drei Modelle nutzen den bekannten 745-Kubik-Reihenzweizylinder. Er leistet rund 59 PS und 69 Nm. Damit liegt man in jeder Alltagssituation goldrichtig. Der Motor bietet schon früh ordentlich Drehmoment, schiebt sauber an und wirkt bei Landstarßentempo nicht angestrengt, auch wenn die drei mit DCT ausgestatteten Hondas keine Leichtgewichte sind.
Positiv überrascht der Klang. Der 750er klingt bassig und sonor. Nicht künstlich laut, nicht sportlich überinszeniert, sondern erwachsen. Vor allem am X-ADV und am Forza 750 wirkt das fast wie ein kleiner Luxusmoment, weil man auf einem Roller-Konzept sitzt, aber akustisch nicht an einen Staubsauger erinnert wird. Während andere Großroller auf Variomatik setzen kommt Hondas DCT hier toll zur Geltung, knackiger im Ansprechverhalten und spaßiges Durchfeuern der Gänge mit den Schaltern am linken Lenkerende.
DCT: In Lissabon versteht man den Sinn sofort
Alle drei Testfahrzeuge waren mit Hondas Doppelkupplungsgetriebe unterwegs. Das DCT ist bei vielen Motorradfahrern noch Diskussionsthema, meistens bei denen die es noch nicht versucht haben. Im Stress Lissabons zeigt es sich nach fünf Minuten. Wer dort im Stop-and-Go, bergauf, bergab, zwischen Autos, Rollern, Lieferwagen und Fußgängern unterwegs ist, will dieses Feature nicht mehr missen. Nicht hundertfach ein- und auskuppeln - einfach fahren.
Das DCT ist der klassischen Roller-Variomatik überlegen. Es ist ein echtes 6-Gang-Getriebe, das automatisch schaltet und auf Wunsch manuelle Eingriffe erlaubt. 2025 wurde die DCT-Abstimmung bei niedrigen Geschwindigkeiten verbessert, wodurch das Ansprechen im Stadtverkehr sanfter wurde. Eine Wohltat beim beim geschmeidigen Einfädeln, Wenden, Rangieren und Anfahren an der Ampel.
Auf der Landstraße passt das System ebenfalls. Je nach Fahrmodus schaltet es früher oder später hoch, eine Balance zwischen maximaler Leistung Spritsparen. In den sportlicheren Modi dreht es die Gänge weiter aus, wer die volle Kontrolle möchte kann das System manuell overrulen oder gänzlich im manuellen Modus fahren. Insbesondere bergab zur idealen Nutzung der Motorbremse (einstellbar!) lege ich das ans Herz.
Honda NC750X: Schaafs Wahl - das Motorrad im Test
Schaaf war kaum von der NC750X herunter zu bekommen. Die NC ist das ehrlichste Fahrzeug und das einzige Motorrad dieser Runde. Sie ist ein Motorrad für Menschen, die fahren müssen und trotzdem gern fahren wollen.
Die NC750X ist das klassische Brot-und-Butter-Motorrad im besten Sinne, allerdings mit mehr Fahrspaß, als man ihr auf den ersten Blick zutrauen würde. Sie bietet Zugänglichkeit, praktische Features, Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit und niedrigen Verbrauch. Sie ist nicht aufregend, aber sie spendet mit jedem Kilometer Vertrauen und das macht sie so sympathisch.
In unserem Test in Portugal zeigt sie ihre Stärken besonders klar. In Lissabon schätzt man die übersichtliche Sitzposition und ihre Berechenbarkeit. Auf Landstraßen bleibt sie stabil, gutmütig und ausreichend flott. Das Fahrwerk ist nicht High-End, aber es funktioniert und ist sehr komfortabel ausgelegt. Der Zweizylinder-Motor passt sehr gut zum Konzept der NC.
Beim Raum fürs Gepäck setzt sie sich in unserem Test nach vorne. Die NC750X war mit dem kompletten originalen Honda-Kofferset ausgerüstet. Dazu kommt das praktische Staufach an der Stelle, an der andere Motorräder den Tank tragen. Für eine viertägige Tour ist das Gold wert. Für den Alltag in Südeuropa erst recht. Helm, Regenzeug, Einkauf, Kamera, Laptop - rein damit. Ein Fahrzeug, das als einziges Fahrzeug eines Haushalts funktionieren soll, muss genau das können.
Honda X-ADV: Gregors Favorit und der freche Grenzgänger
Roller? Motorrad? SUV auf zwei Rädern? Adventure-Crossover? Honda hat mit dem X-ADV eine eigene Kategorie geschaffen, die mittlerweile von weiteren Herstellern kopiert wird.
Auf der Tour ist der X-ADV das Fahrzeug, das die größte Aufmerksamkeit erregt. Er steht breit da, wirkt robust und vermittelt mehr Abenteuer, als ein normaler Großroller je ausstrahlen könnte. In der Stadt profitiert er vom DCT, vom Stauraum, von der aufrechten Sitzposition und vom guten Überblick. Auf schlechten Nebenstraßen und im Hügelland wirkt er durch längere Federwege souveräner als klassische Roller. Er kann schlechteren Asphalt, Schotterparkplätze und die wilden Zufahrtsstraßen Richtung Aussichtspunkt besser wegstecken. Etwas, was uns Gregor stets über das Kommunikationssystem wissen lässt, um nicht zu sagen unter die Nase reibt - in seiner slowenischenÜberschwänglichkeit laut und dank Cardo Packtalk in kristallklarer Qualität
Der X-ADV ist nicht der rationalste Vertreter im Test, aber vielleicht der emotionalste. Er macht aus jedem Mal Pendeln ein kleines Abenteuer und bietet beim Wochenendausflug dennoch den Komfort eines Großrollers. Für unseren Trip durch Portugal ist das ideal. Unter der Woche durch die Stadt, am Wochenende ans Meer oder ins Hügelland und das mit Stil.
Honda Forza 750: Pokys Wahl und der souveränste Roller der Runde
Stadtkind Poky identifiziert sich am meisten mit dem Forza 750, der beliebte 1000PS Dauertester 2023 ist in der aktuellen Ausbaustufe noch besser geworden (USB-Buchse im Staufach vorne, beleuchtetes Fach unter der Sitzbank, Tempomat...). Der Forza ist die eleganteste Lösung im Test. Er ist weniger rustikal als der X-ADV, weniger Motorrad als die NC750X und dadurch am stärksten auf urbane Souveränität getrimmt.
In Lissabon ist der Forza 750 das entspannteste Fahrzeug, das beginnt schon im Stand beim lockeren Aufsteigen. Der niedrigste Schwerpunkt macht Rangieren und Parken zum Kinderspiel. Er gleitet souverän durch den Verkehr, wirkt hochwertig, schützt gut und vermittelt dieses angenehme Gefühl, mit einem großen Fahrzeug unterwegs zu sein, ist aber immer noch schlank genug um zwischen den Autos durchzuzirkeln. Auf der Landstraße überrascht er mit Stabilität und einem sportlicheren Charakter (Pirelli Diablo Rosso Scooter!) er kann deutlich mehr, als man ihm optisch zutraut, auch wenn das flotte Fahren mangels Vorderradtransparenz etwas Überwindung kostet.
Gepäck und Reisetauglichkeit: Honda 750er
Auf einer viertägigen Tour merkt man schnell, wie praktisch ein Fahrzeug wirklich ist. Bei allen drei Hondas ist Gepäcktransport leicht. Die NC750X punktet mit Kofferset und Staufach. Der X-ADV bietet Roller-Stauraum und lässt sich mit Zubehör tourentauglich machen. Der Forza 750 bringt ohnehin die Roller-DNA mit und macht Alltagsgepäck besonders unkompliziert, hat jedoch überraschenderweise ein minimal kleineres Staufach als der X-ADV.
Langsam nähere ich mich der Erkenntnis, was diese Fahrzeuge in Spanien und Portugal so erfolgreich werden lässt: Die einspurige Mobilität ist hier nicht nur Freizeitvergnügen. Pendeln, Einkaufen, Wochenendtouren fahren, an den Strand flitzen, die engen Altstadtgassen meistern und irgendwo Platz finden, wo eigentlich keiner ist - all das müssen die zweirädrigen Wunderwuzzis können, da sie oft als einziges Fahrzeug genutzt werden.
Gemeinsamkeiten: Die essentiellen Stärken in Südeuropa bedeuten zu wenig Thrill für den DACH-Raum
Die drei Hondas sind eng verwandt, aber nicht austauschbar. Gemeinsam sind ihnen der 750er-Zweizylinder, das DCT, der niedrige Verbrauch, die entspannte Leistungsentfaltung und die starke Alltagstauglichkeit. Sie fahren sich einfach, überfordern nicht und wirken im Betrieb erfreulich unaufgeregt.
Genau das wird ihnen bei uns in Mitteleuropa als Charakterarmut ausgelegt. Wir suchen oft Fahrzeuge die uns unterhalten, ja vielleicht sogar mit Kapriolen prüfen. In Südeuropa wird täglich gefahren, hier zählt vor allem eines: Die 750er-Hondas machen das Leben leichter. Gleichzeitig sind sie nicht seelenlos, das hat unsere Tour gezeigt.
Unterschiedliche Konzepte bringen drei Antworten auf dieselbe Frage
Die NC750X ist das Motorrad für Pragmatiker. Sie ist am universellsten, am ehrlichsten und mit Kofferset die beste Reisepartnerin für Fahrer, die nach der Arbeit die weite Welt erkunden wollen.
Der X-ADV ist der Charakterkopf. Er ist teuer, bietet als Grenzgänger jedoch eine einzigartige Mischung aus Roller, Motorrad und leichtem Abenteuergerät. Er ist das Fahrzeug für Menschen, die Rollerkomfort wollen, aber keine Roller-Identität.
Der Forza 750 ist der kultivierte Souverän. Er ist urban, elegant, stabil und erstaunlich erwachsen auf der Landstraße. Pokys Wahl ist damit die bequemste, reifste und urbanste Interpretation des 750er-Konzepts.
Fazit: In Portugal wirkt die Honda-750-Familie plötzlich nicht vernünftig, sondern brillant
Nach vier Tagen von Lissabon ans Meer, in die Berge, weiter Richtung Fátima und zurück ist die Antwort klarer als am Anfang. Diese drei Hondas sind in Südeuropa nicht deshalb beliebt, weil sie spektakulär sind. Sie sind beliebt, weil sie reale Probleme der hiesigen Bevölkerung auf luxuriöse Weise lösen. Verkehr, Parken, Hitze, schlechte Straßen, Gepäck, Pendeln, Wochenendausflug - alles Dinge, die in einem Motorradtest oft als Nebenthemen behandelt werden. Im Süden sind sie die Hauptprüfung.
In Mitteleuropa fragt man vielleicht: Warum nur 59 PS? In Portugal fragen wir uns nach vier Tagen eher: Warum braucht man eigentlich mehr?
Anmerkung: Die Test-Fazits stammen aus den letzten Einzeltests der drei Modelle.
Fazit: Honda X-ADV 2026
Die Honda X-ADV 2025 ist kein Roller, kein Motorrad, keine Reiseenduro – und genau deshalb so spannend. Sie vereint die Welten des Praktischen und des Emotionalen. Wer bisher zu wenig gefahren ist, weil alles zu umständlich war, bekommt hier ein Vehikel, das zum Fahren animiert. Der Spagat zwischen Alltag, Tour und Abenteuer gelingt ihr auf faszinierende Weise.- intuitives DCT-Getriebe
- hoher Fahrkomfort
- robustes Fahrwerk
- vielseitige Alltagstauglichkeit
- hochwertige Verarbeitung
- Roller Stauraum mit Motorrad Fahrleistungen
- elektronische Ausstattung praxisnah
- hoher Einstieg
- breiter Schrittbogen
- relativ schwer, Sitzposition auf langen Touren zu inaktiv.
Fazit: Honda NC750X DCT
Die Honda NC750X behält auch mit dem Jahrgang 2025 ihre Talente, was Alltagstauglichkeit, praktische Details, Zugänglichkeit und niedrigen Verbrauch betrifft. Das einzigartige DCT Doppelkupplungsgetriebe ist sogar noch besser, weil harmonischer abgestimmt. Ein neuer Aspekt ist nun die Sportlichkeit, die Motor- und Getriebeeinheit und das agile Handling mit tiefem Schwerpunkt schon vorher möglich machten, nun aber durch die neue, stabilere Doppelscheibenbremse an der Front auf ein neues Level gehoben wird. Durch die ausgeprägte Touren-Tauglichkeit verwundert es nicht, dass sich die NC750X trotz oder vermutlich sogar gerade wegen ihres bereits 13-jährigen Bestehens so gut verkauft. Wer es sich leisten kann, sollte unbedingt in die DCT Doppelkupplung investieren – das macht die NC750X erst so richtig einzigartig!- sehr handlich
- günstig
- niedriger Verbrauch
- top Handling dank niedrigem Schwerpunkt
- 23 Liter Stauraum anstelle des Tanks
- Doppelkupplungsgetriebe DCT
- einstellbare Fahrmodi
- gute Bremsen
- Windschild nicht verstellbar
Fazit: Honda Forza 750 2026
Der Honda Forza 750 überzeugt als sportlicher Maxi-Scooter mit hohem Fahrkomfort und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Dank seines stabilen Chassis, des sanft abgestimmten DCT-Getriebes und des effektiven Windschutzes bietet er sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn und Landstraße eine angenehme Fahrt. Der begrenzte Stauraum ist ein kleiner Nachteil, kann jedoch durch optionales Zubehör ergänzt werden, sodass der Forza 750 eine rundum gute Wahl für Pendler und Tourenfahrer ist.- Sportliches Fahrverhalten
- Sanftes DCT-Getriebe
- Euro5 Plus-konformer Motor
- Elektrisch verstellbares Windschild
- Effektiver Windschutz und Tempomat
- Starke Bremsen
- Begrenzter Stauraum
- Kleines Handschuhfach
- Komplexere Bedienung des Windschilds
- Zubehör notwendig für zusätzlichen Stauraum
FAQ zu Honda X-ADV 2025 - heute
Bericht vom 21.07.2026 | 2.686 Aufrufe