KTM zahlt bei “Nockenwellen”-Problemen von 790 und 890 Twin-Motor
LC8c von 2018 bis 2020 betroffen - Camshaft Problem geklärt
KTM hat in den letzten Jahren weltweit Tausende von Motorrädern mit dem LC8c- Paralleltwin-Motor verkauft. In vielen Foren liest man von Problemen mit der Nockenwelle. Jetzt spricht KTM.
Kommentare, Foren, Facebookgruppen: Diese Probleme mit dem LC8c geistern herum
In KTM- und anderen Motorrad-Foren im Internet liest man von Problemen vieler KTM-
Besitzer mit der Nockenwelle an Motoren der LC8c-Plattform. Es gibt eigene Facebook-
Gruppen, die teilweise an die 10.000 Mitglieder stark sind und auch unter unseren Videos
lesen wir immer wieder Kommentare, in denen (ehemalige) KTM-Fahrer uns ihr Leid klagen,
um es höflich zu formulieren. Doch was ist dran an den Problemen mit diesem Motor? KTM
hat lange geschwiegen, nun gibt es jedoch eine Stellungnahme.
KTM bezieht Stellung zu Problemen mit eingelaufenen Nockenwellen
Bei den betroffenen Motoren handelt es sich um 790er Motoren, die zwischen 2018 und
2020 in Österreich bei 790 Duke und 790 Adventure und vereinzelt auch um 890er Motoren die 2020 in der 890 Duke R verbaut wurden. Eine geringe Anzahl dieser Motoren zeigte jedoch ein Problem mit
übermäßigem Verschleiß der Nockenwellen, so dachte man zunächst.
Ursachenforschung: Nicht die Nockenwelle, sondern die Schlepphebel
Nach umfangreichen Untersuchungen stellte KTM fest, dass nicht die Nockenwelle selbst
das Kernproblem war, sondern die Schlepphebel. Diese waren bei den früheren Modellen vor
2021 zu schmal konstruiert, was zu erhöhtem Verschleiß führte. Ab dem Jahr 2021 wurde
eine breitere Version der Schlepphebel eingeführt, um die Haltbarkeit zu verbessern. Darüber
hinaus wurde eine neue DLC-Beschichtung (Diamond-Like Carbon) aufgetragen, um die
Bauteile besser vor Abnutzung zu schützen. Obwohl es in der Diskussion oft um die Nockenwelle ging, zeigte sich in 99 % der Fälle, dass
die Verfärbung der Nockenwelle keinen Einfluss auf die Funktion hatte.
Technische Verbesserungen am LC8-Motor ab 2021
Zusätzlich zu den breiteren Schlepphebeln und der verbesserten Beschichtung wurden
weitere Modifikationen vorgenommen, um die Haltbarkeit der LC8c-Motoren zu steigern. So
wurde beispielsweise der Wellendichtring ausgetauscht, da der ursprüngliche Zulieferer ein
nicht ausreichendes Lastenheft erhalten hatte und so eine in manchen Fällen unzureichende
Dichtigkeit auftrat. Auch die Dichtung am Zylinderkopf wurde überarbeitet: Statt der alten
Halbmond-Form wird nun eine Trapezform verwendet, die für eine deutlich bessere
Abdichtung sorgt.
Ein weiteres Problem betraf in seltenen Fällen die Ölzufuhr zum Zylinderkopf. Es wurden
Rückstände aus dem Produktionsprozess in den Ölkanälen gefunden, was zu einem Mangel
an Schmierung und schließlich zu übermäßigem Verschleiß führen konnte. Um dies zu
beheben, hat KTM eine zusätzliche Einheit zur Reinigung der Ölkanäle eingebaut.
Welche Modelle sind betroffen, wie hoch ist der Anteil an der Gesamtproduktion?
Betroffen sind die
- 790 Duke Modelle der Baujahre 2018 bis 2020
- 790 Adventure Modelle der Baujahre 2019 bis 2020
- vereinzelt 890 Duke R Modelle des Baujahres 2020
Es ist wichtig zu betonen, dass keines der betroffenen Motorräder aus der chinesischen Produktion stammt, die Verlagerung der Produktion dieser Motoren nach China erfolgte erst 2023. Von den rund 55.000
weltweit verkauften Motorrädern dieser Modellreihe sind etwa 250 Maschinen von diesem
Problem betroffen, was einem Anteil von etwa 0,5 % entspricht.
Woran erkennt man, ob das eigene Motorrad betroffen ist?
Fahrer eines KTM-Modells aus der genannten Bauzeit sollten auf folgende Symptome
achten:
- Leistungsverlust im niedrigen Drehzahlbereich
- Probleme beim Starten des Motors
- Seltsame Geräusche aus dem Motor oder Zylinderkopf
Wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen auftreten, wird dringend empfohlen, sich an den
nächstgelegenen KTM-Händler zu wenden. Dieser kann die Maschine auf mögliche Schäden
an den Nockenwellen und Schlepphebeln überprüfen und notwendige Reparaturen
durchführen. Wenn man ein Modell aus den betroffenen Baujahren fährt, aber keines der
Symptome auftritt, kann laut KTM bedenkenlos weitergefahren werden.
Betroffene erhalten Kulanz auch außerhalb der Garantie und rückwirkende Kostenübernahme durchgeführter Reparaturen
KTM hat sich dazu verpflichtet, alle betroffenen Motorräder auf Kulanzbasis zu reparieren,
selbst wenn sie nicht mehr unter Garantie stehen. Einzige Voraussetzung ist eine
nachvollziehbare Servicehistorie. Dabei zeigt sich KTM großzügig: Auch Kunden, deren
Wartungen nicht lückenlos beim Vertragshändler durchgeführt wurden, erhalten
Unterstützung, solange sie entsprechende Belege für externe Wartungen vorlegen können.
Der Händler überprüft das Motorrad auf mögliche Anzeichen des Problems und ersetzt bei
Bedarf die betroffenen Bauteile, wie den Zylinderkopf, die Nockenwelle und die
Schlepphebel. Für Kunden, die bereits Reparaturen aus eigener Tasche bezahlt haben,
übernimmt KTM die Kosten rückwirkend.
Bericht vom 26.10.2024 | 66.428 Aufrufe