Westwind Heavy Cavalry: Softgepäck ans BMW Originalsystem
Wie sich die Heavy Cavalry auf echter Tour anfühlt
Eine der ersten Softtaschen, die ohne Umbau direkt an die Originalträger der R 1300 GS Adventure passt. Wie schlägt sie sich auf Tour mit Asphalt und leichtem Schotter? Eindrücke aus Ostösterreich.
Zwei Tage im ostösterreichischen Voralpenland, hinauf auf den Pfaffensattel, weiter Richtung Stuhleck, dazwischen immer wieder ein paar Kilometer Schotter. Unterwegs war das Testteam eigentlich mit der grossen BMW GS Adventure, doch am Motorrad hing etwas, das im Verlauf der Tour mehr Aufmerksamkeit bekam als erwartet. Statt der schweren Alukoffer waren die Heavy Cavalry Softtaschen von Westwind Moto montiert, einer Marke, die im deutschsprachigen Raum noch kaum jemand auf dem Schirm hat. Genau deshalb lohnt der genaue Blick darauf, wie sich die Taschen montieren lassen, wie sie sich in Fahrt verhalten und ob sie halten, was der schlanke Auftritt verspricht.
Eine Marke, die man noch nicht auf dem Schirm hat - Motorradgepäck von Westwind Moto
Westwind Moto ist kein Name, der im deutschsprachigen Raum sofort geläufig ist. Die Marke wurde vor einigen Jahren von ein paar Reisefahrern gegründet, die auf ihren eigenen Touren nach ordentlichem Gepäck suchten und feststellten, dass gutes Zeug entweder sehr teuer oder nicht ganz nach ihrem Geschmack war. Also entstanden die ersten eigenen Taschen. Diese Herkunft merkt man den Produkten an. Es geht nicht um Hochglanz, sondern um Funktion zu einem Preis, der im Vergleich zu den bekannten Premiumsystemen fair wirkt.
Das Vertrauen in die Marke speist sich weniger aus langer Historie als aus dem Eindruck, den die bisherigen Westwind Produkte hinterlassen. Die Verarbeitung wirkt sauber, die Details sind durchdacht, und nichts deutet darauf hin, dass am falschen Ende gespart wurde. Wer im Netz stöbert, findet ein sehr ähnliches Bild. Viele Rückmeldungen loben Material und Preisleistung, ein wiederkehrender Kritikpunkt sind lediglich die anfangs etwas straffen Riemen und die im Neuzustand noch steifen Taschen. Kein Drama, aber gut zu wissen.
Westwind Moto Heavy Cavalry: Montage direkt an das Originalsystem der BMW
Das eigentlich Spannende an der Heavy Cavalry ist, wo sie sich festhält. Sie zählt zu den ersten Gepäcklösungen, die ohne Zusatzrahmen und ohne Umbau direkt an das Originalsystem der R 1300 GS Adventure gehen. Angesetzt wird sie genau dort, wo bei der GS ohnehin die Aufnahmen sitzen. Die Verbindung übernehmen Halter aus gefrästem Aluminium, die satt und ohne Spiel greifen. Das ist kein Detail für Datenblattfans, sondern etwas, das sich beim Fahren bemerkbar macht, weil nichts wackelt und nichts klappert. Wer schon einmal mit klappernden Nachrüsttaschen unterwegs war, weiss, wie viel dieser satte Sitz wert ist.
Wie gut das System im Alltag funktioniert, zeigte sich fast nebenbei. Beim Wiegen der beiden Motorräder waren die seitlichen Taschen in Sekunden ab. Werkzeuglos, einfach gelöst und abgenommen. Wer am Abend im Quartier absteigt, nimmt die beiden Seitentaschen mit und lässt den Rest am Bike. Eine integrierte Sicherung sorgt zudem dafür, dass sich die Taschen nicht ganz so leicht entwenden lassen.
Mehr Infos zu den Heavy Cavalry findet man auf der Produktseite von Westwind Moto
Auf der Strasse und im leichten Gelände - Heavy Cavalry von Westwind Moto im Test
Im Fahren ist die beste Tasche oft die, die man vergisst. Und genau das gelingt der Heavy Cavalry über weite Strecken. Die Silhouette ist bewusst schlank gehalten, die Taschen tragen kaum auf und stehen nicht wie Segel im Wind. Auf den zügigen Passagen über den Pfaffensattel bremst hinten nichts, und breiter als ohnehin wird die GS Adventure dadurch auch nicht. Selbst in den engen Kehren, wo sich die grosse Reiseenduro schon mal in Schräglage zirkeln lässt, sitzt das Gepäck tief und nah am Motorrad. Nichts pendelt, nichts arbeitet gegen die Fuhre.
Der Geländeanteil blieb überschaubar. Ein paar Schotterabschnitte, lockerer Untergrund, etwas Staub, aber kein wildes Offroad. Bei diesen grossen und schweren Maschinen fährt man mit Respekt, und dafür waren die leichten Softtaschen die richtige Wahl. Die originalen Alukoffer wären ebenso möglich gewesen, doch für eine Zweitagestour mit ein wenig Schotter fiel die Entscheidung bewusst auf das leichtere Gepäck. Jedes Kilo weniger am Heck zahlt sich aus, sobald der Untergrund uneben wird. Weiche Aussenkanten sind im Gelände ohnehin sympathischer als hartes Alu, das bei einem Umfaller gern Dellen mitbringt. Ein harter Geländeeinsatz war das nicht, das gehört zur ehrlichen Einordnung dazu. Für das gemischte Reisen aber, das die meisten GS Fahrer tatsächlich machen, passte die Kombination.
Packen, Wetter und Preis - Westwind Moto Heavy Cavalry
Die beiden Taschen fassen unterschiedlich viel, 35 Liter links und 40 Liter rechts. Das klingt nach wenig Unterschied, im Alltag ist die etwas grössere Seite aber praktisch, weil der sperrige Kram gern an einem Ort landet. Für zwei Tage reicht das mit Reserve, Tetris beim Packen bleibt aus. Beim Material setzt Westwind auf robustes 1680D Ballistic Nylon mit stabilisierenden Einlagen, damit die Tasche auch halb leer ihre Form behält. Der Hersteller gibt die Heavy Cavalry als wasserdicht an. Ein echter Dauerregen stand auf dieser Runde nicht auf dem Programm, nur ein paar feuchtere Stellen, ein abschliessendes Urteil zur Wasserdichtigkeit steht also noch aus. Fest steht, dass Reissverschlüsse und Rollverschlüsse einen sehr soliden Eindruck machen.
Ein Schnäppchen im absoluten Sinn ist das komplette Set nicht, es liegt bei rund 1300 Euro für beide Taschen samt den passenden Aluminiumaufnahmen. Bestellt wird direkt beim Hersteller. Im Verhältnis zu einem hochwertigen Alukoffersystem eines grossen Namens relativiert sich der Preis allerdings schnell. Wer eine R 1300 GS Adventure fährt und ein Gepäcksystem sucht, das leicht ist, sauber an die Originalpunkte passt und im Gelände nicht gleich Sorgen macht, findet mit den Westwind Moto Heavy Cavalry eine spannende Alternative zum naheliegenden Werksregal.
Bericht vom 28.08.2026 | 5.768 Aufrufe