Triumph Trident 800 vs. Triumph Street Triple 765 RX

Alltag und Rennstrecke

Wozu braucht es die Street Triple RX überhaupt, wenn die ebenfalls neue, universellere Triumph Trident 800 ordentliche 115 PS, ein voll einstellbares Fahrwerk, Quickshifter, Tempomat und moderne Assistenzsysteme mitbringt – und gleichzeitig über 4.000 Euro weniger kostet?

Wozu braucht es die Oberklasse-Street-Triple mit dem Typenkürzel RX überhaupt, wenn die für 2026 ebenfalls neue, deutlich universellere Triumph Trident 800 ordentliche 115 PS, ein voll einstellbares Fahrwerk, Quickshifter, Tempomat und moderne Assistenzsysteme mitbringt und gleichzeitig über 4.000 Euro günstiger ist? Wir haben die beiden Roadster-Schwestern aus dem britischen Hinckley auf den verwinkelten Straßen rund um Neukirchen am Großvenediger zum Kopf-an-Kopf-Duell gebeten.


Kein Wunder, dass die neue Trident 800 derzeit für Gesprächsstoff sorgt. Sie schließt nicht nur die Lücke zwischen Trident 660 und Street Triple, sondern bringt bereits in der Basis schräglagensensitive Assistenzsysteme, ein voll einstellbares Fahrwerk und eine Ausstattung mit, die man bislang eher deutlich teureren Motorrädern zugeordnet hätte. Genau deshalb stellt sich die Frage mehr denn je: Reicht die Trident mittlerweile aus oder kann die neue Street Triple RX ihren satten Aufpreis noch rechtfertigen?


Zwei Dreizylinder, zwei unterschiedliche Philosophien

Wenig überraschend setzen beide Naked Bikes auf charismatische Triumph-Dreizylinder, deren Charaktere sich aber grundlegend unterscheiden. Die Trident 800 übernimmt den 798-Kubik-Motor der Tiger Sport 800 und liefert 115 PS sowie schubstarke 84 Newtonmeter Drehmoment. Die Street Triple RX vertraut dagegen auf den aus der Daytona stammenden 765-Kubik-Dreizylinder mit satten 130 PS, der jedoch "nur" 80 Newtonmeter Drehmoment auf den Asphalt stemmt.
Interessant ist dabei weniger die Spitzenleistung als vielmehr die Leistungsentfaltung. Die Trident schiebt bereits aus mittleren Drehzahlen kräftig an und vermittelt ein angenehm souveränes Fahrgefühl. Man muss den Motor kaum fordern, um zügig unterwegs zu sein. Genau das macht sie auf der Landstraße ausgesprochen angenehm.
Der größte Unterschied zeigt sich allerdings nicht auf dem Datenblatt, sondern im Alltag. Während die Street Triple für ihre 130 PS konsequent über Drehzahl gefahren werden möchte, genügt der Trident oft einfach ein beherzter Dreh am Gasgriff. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren oder beim schnellen Überholmanöver reicht häufig das vorhandene Drehmoment aus, ohne dass man erst einen Gang zurückschalten muss. Genau dieses schaltfaule, entspannte Fahrgefühl macht den 798-Kubik-Dreizylinder so sympathisch.
Die Street Triple verfolgt dagegen einen deutlich sportlicheren Ansatz. Sie verlangt nach Drehzahl, belohnt engagierte Fahrer dafür aber mit einem begeisternden Hochdrehzahl-Charakter, der bis zum Begrenzer förmlich explodiert. Wer gerne aktiv fährt, den Schaltfuß im Quickstep durch das Getriebe repetieren und das Triebwerk arbeiten lässt, wird die RX schnell ins Herz schließen


Triumph Trident 800 Antrieb
798-ccm-Drilling der Triumph Trident 800
765-ccm-Dreizylinder der Triumph Street Triple RX
765-ccm-Dreizylinder der Triumph Street Triple RX

Fahrwerk: Komfort gegen kompromisslose Präzision

Noch deutlicher werden die Unterschiede beim Fahrwerk.
Die Trident 800 verfügt über eine voll einstellbare Showa-Upside-down-Gabel sowie ein ebenfalls abstimmbares Federbein. Triumph hat dabei bewusst einen gelungenen Mittelweg gewählt. Das Motorrad bleibt stabil, spricht gleichzeitig aber angenehm sensibel auf Unebenheiten an. Gerade auf schlechten Landstraßen oder längeren Touren fühlt sich die Trident ausgesprochen ausgewogen an.
Die Grundabstimmung fällt bewusst etwas komfortabler aus. Dadurch verliert sie zwar einen Hauch Präzision gegenüber der RX, steckt Flickstellen, Bodenwellen und schlechten Asphalt aber deutlich gelassener weg. Gerade auf typischen Alpenstraßen entsteht dadurch ein Fahrkomfort, den man in dieser Klasse nur selten findet.
Die Street Triple RX spielt jedoch in einer anderen Liga. Vorne arbeitet eine Öhlins NIX30-Gabel, hinten ein Öhlins STX40-Federbein. Das Resultat ist ein Motorrad, das jede Lenkbewegung unmittelbar umsetzt und ein enormes Maß an Rückmeldung vermittelt.
Besonders bei sportlicher Fahrweise wird schnell klar, warum die RX zukünftig als Referenz unter den Mittelklasse-Nakeds gelten darf. Sie wirkt messerscharf, extrem präzise und bleibt selbst bei sehr hohem Tempo stoisch stabil. Wer regelmäßig Rennstrecken besucht oder auf der Landstraße das letzte Quäntchen Präzision sucht, wird den Unterschied sofort spüren.


Triumph Street Triple RX
Das Öhlins-Fahrwerk der RX besticht mit sensationeller Rückmeldung und Präzision

Ergonomie: Alltag oder Attacke?

Bereits beim Aufsteigen wird deutlich, dass beide Motorräder unterschiedliche Fahrer ansprechen.
Mit ihrer Sitzhöhe von lediglich 810 Millimetern empfängt die Trident ihren Fahrer ausgesprochen zugänglich. Der breite Lenker und die entspannte Sitzposition sorgen sofort für Vertrauen. Man steigt auf und fühlt sich unmittelbar zuhause.
Verantwortlich dafür sind nicht nur die niedrigere Sitzhöhe, sondern auch die deutlich tiefer positionierten Fußrasten und der angenehm entgegenkommende Lenker. Man sitzt eher im Motorrad als auf dem Motorrad und kann problemlos viele Stunden im Sattel verbringen.
Die Street Triple RX setzt dagegen auf eine deutlich sportlichere Ergonomie. Die Lenkerstummel, die um fast drei Zentimeter höhere Sitzposition (839 Millimeter) und der spitzere Kniewinkel bringen den Fahrer wesentlich aktiver ins Motorrad. Genau diese Sitzposition vermittelt enorme Kontrolle bei schneller Gangart, verlangt auf längeren Etappen allerdings deutlich mehr Einsatz.
Die serienmäßigen Stummellenker sorgen für ein fantastisches Gefühl am Vorderrad und machen auf der Rennstrecke absolut Sinn. Im Alltag wirken sie jedoch fast schon überqualifiziert. Wer mehrere Stunden unterwegs ist, braucht eine gewisse Leidensfähigkeit und eine gute Rumpfmuskulatur. Die Trident kennt diese ergonomischen Kompromisse schlicht nicht und gehört aktuell zu den komfortabelsten Roadstern ihrer Klasse.


Auch beim Gewicht trennt die beiden Motorräder mehr, als es die nackten Zahlen vermuten lassen.
Die Street Triple RX bringt fahrfertig lediglich 188 Kilogramm auf die Waage und ist damit rund zehn Kilogramm leichter als die Trident. Verantwortlich dafür ist unter anderem der Aluminiumrahmen, während die Trident auf einen Stahl-Brückenrahmen setzt.
Diese zehn Kilogramm machen sich bemerkbar. Die RX lenkt noch spontaner ein, wechselt spielerischer die Richtung und wirkt insgesamt deutlich leichterfüßiger. Die Trident fährt sich keineswegs schwerfällig, vermittelt aber bewusst etwas mehr Ruhe und Gelassenheit.
Dass die Street Triple dabei so leichtfüßig wirkt, liegt nicht zuletzt an ihrer Konstruktion. Der Aluminiumrahmen stammt konstruktiv aus der Supersport-Ecke und passt perfekt zum kompromisslosen Charakter des Motorrads. Die Trident verfolgt dagegen bewusst den universelleren Ansatz.


Triumph Trident 800
Die Ergonomie der Trident 800 punktet mit einem guten Mix aus Sportlichkeit und Komfort

Bremsanlagen: gut gegen besser

Auch bei der Verzögerung setzt die Street Triple RX den Maßstab.
Die Brembo-Stylema-Monoblockzangen liefern eine beeindruckende Kombination aus Biss, Dosierbarkeit und Transparenz. Zusammen mit der hochwertigen Bremspumpe ergibt sich eine Bremsanlage, die man eher an einem Supersportler erwarten würde.
Die Trident verzögert ebenfalls kräftig und absolut vertrauenswürdig, erreicht aber nicht ganz das außergewöhnlich hohe Niveau der RX.


Auch beim Cockpit verfolgen beide Motorräder unterschiedliche Ansätze.
Die Trident übernimmt das bekannte Kombiinstrument aus LCD- und TFT-Anzeige. Es ist hervorragend ablesbar und erfüllt seinen Zweck tadellos, wirkt mittlerweile aber etwas in die Jahre gekommen. Immerhin ist eine Connectivity-Funktion mit Pfeil-Navigation mit an Bord.
Die Street Triple RX setzt dagegen auf ein vollständig digitales Display mit zeitgemäßer Optik und zahlreichen Darstellungsmöglichkeiten. Perfekt ist allerdings die Lesbarkeit auch hier nicht, besonders bei schwierigen Lichtverhältnissen könnte sie besser sein.


Trident 800 Cockpit
Trident 800 Cockpit mit LCD/TFT-Mix
Triumph Street Triple RX
Kommandozentrale der RX

Alltag oder Adrenalin?

Letztlich entscheidet weniger die Technik als vielmehr der Einsatzzweck.
Die Trident 800 ist das Motorrad für Fahrer, die möglichst viele Einsatzbereiche mit einem einzigen Motorrad abdecken möchten. Sie überzeugt mit angenehmer Ergonomie, kräftigem Durchzug, modernster Ausstattung und einem ausgesprochen harmonischen Gesamtpaket. Gerade im Alltag wirkt sie oft sogar souveräner als ihre sportliche Schwester.
Nach zwei intensiven Testtagen rund um Neukirchen fiel mein persönliches Urteil überraschend eindeutig aus. Auf Alpenpässen schlägt mein Herz tatsächlich für die Trident 800. Sie fährt sich unglaublich leicht, verlangt kaum Konzentration auf den Motor und vermittelt dennoch ausreichend Sportlichkeit, um selbst ambitionierte Fahrer glücklich zu machen. Weder Motorleistung noch ”mehr” Fahrwerk habe ich auf öffentlichen Straßen jemals vermisst.
Die Street Triple RX verfolgt dagegen ein kompromissloseres Konzept. Sie möchte gefordert werden und belohnt engagierte Fahrer mit einer Präzision und Fahrdynamik, die an einem Serienmotorrad sonst nur selten zu finden ist. Im Grunde fühlt sie sich wie eine Daytona ohne Verkleidung an. Wer regelmäßig Rennstrecken besucht oder wirklich jede Kurve maximal attackieren möchte, wird den Aufpreis nachvollziehen können. Dann spielt die RX ihre Qualitäten voll aus. Auf öffentlichen Straßen muss man diese Performance allerdings auch erst einmal abrufen können.


Fazit: überraschend knapp

Die neue Trident 800 (Ö: ab 11.395 Euro, D: ab 9695 Euro) rückt näher an die Street Triple RX (Ö: ab 16.095 Euro, D: ab 13.995 Euro) heran als man vermuten würde. Sie bietet mehr Leistung, als man im Alltag jemals benötigt, überzeugt mit ihrem kräftigen Dreizylinder und verbindet Sportlichkeit mit einem Komfortniveau, das viele Fahrer sogar bevorzugen dürften. Ihre vielleicht größte Stärke ist, wie einfach sie schnelles Motorradfahren macht. Man muss nicht permanent den richtigen Gang suchen oder den Motor bis an den Begrenzer treiben, um flott unterwegs zu sein. Die Street Triple kann objektiv mehr, verlangt ihrem Fahrer dafür aber auch deutlich mehr Engagement.
Die Street Triple RX bleibt dennoch das emotionalere Motorrad. Sie ist leichter, stärker, präziser und kompromissloser. Wer jede Kurve maximal attackieren möchte oder regelmäßig Rennstreckenluft schnuppert, wird den Aufpreis nachvollziehen können. Die eigentliche Überraschung dieses Vergleichs lautet jedoch: Für die Mehrheit der Motorradfahrer dürfte mittlerweile tatsächlich die Trident 800 das bessere Gesamtpaket sein. Sie fährt sich entspannter, kostet deutlich weniger und liefert dennoch so viel Fahrspaß, dass man die fehlenden 15 PS im öffentlichen Straßenverkehr nur selten vermissen wird. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, welches Motorrad objektiv besser ist, sondern vielmehr: Wie viel Sportlichkeit braucht man persönlich wirklich?!


Fazit: Triumph Trident 800 2026

Die Triumph Trident 800 bleibt der Trident-Idee treu: zugänglich, unkompliziert, fahraktiv - nur eben spürbar erwachsener als ihre 660er-Schwester. Der neue 798er-Triple liefert Elastizität, der serienmäßige Quickshifter funktioniert erstklassig, und das Gesamtpaket aus Fahrwerk, Reifen, Elektronik und Ergonomie macht die Trident 800 zu einem Motorrad, das in der Stadt leichtfüßig und auf der Landstraße rund wirkt. Dazu kommt eine sehr gute Verarbeitung und ein Design, das klar als Trident erkennbar ist - mit etwas mehr Bulligkeit und Diskussionsthema Kennzeichenhalter.


  • Elastischer, druckvoller Triple-Motor
  • Quickshifter serienmäßig und hervorragend abgestimmt
  • Gelungene Ergonomie für viele Körpergrößen
  • Ausgewogenes Fahrwerk mit gutem Alltags-/Sport-Kompromiss
  • Guter Reifen ab Werk (Michelin Road 6)
  • Bremsen gut dosierbar
  • Umfangreiche Serienausstattung
  • Stabil auch bei Autobahntempo
  • Hochwertige Verarbeitung und gelungenes Trident-Design
  • Display optisch nicht ganz premium
  • Tankverkleidung anfällig für Kratzer (Tankpad empfohlen)
  • Kupplungshebel nicht einstellbar

Fazit: Triumph Street Triple 765 RX 2026

Die neue Triumph Street Triple RX richtet sich kompromisslos an sportlich orientierte Fahrer. Mit ihrem drehfreudigen 765-Kubik-Dreizylinder, dem hochwertigen Öhlins-Fahrwerk, den bissigen Brembo-Stylema-Bremsen und der konsequent vorderradorientierten Ergonomie bringt sie so viel Rennstrecken-DNA auf die Landstraße wie kaum ein anderes Naked Bike ihrer Klasse. Gleichzeitig verlangt sie ihrem Fahrer aber mehr Einsatz ab als die Trident 800. Wer den Motor gerne ausdreht, präzise Linien fährt und maximale Rückmeldung sucht, wird von der RX begeistert sein. Für den Alltag ist sie bewusst kompromisslos ausgelegt, genau darin liegt aber auch ihre Stärke. Als neues Topmodell der Street-Triple-Baureihe setzt die RX den Fokus klar auf Fahrdynamik und Emotion und spricht all jene an, die auf der Landstraße oder gelegentlich auch auf der Rennstrecke das Maximum aus jedem Kilometer herausholen möchten.


  • Drehfreudiger, begeisternder Triple-Motor
  • Überragendes Öhlins-Fahrwerk mit voller Einstellbarkeit
  • Extrem präzises und direktes Handling
  • Hervorragendes Gefühl fürs Vorderrad
  • Brembo-Stylema-Bremsanlage auf Top-Niveau
  • Hohe Schräglagenfreiheit und sportliche Ergonomie
  • Geringes Gewicht und spielerisches Einlenkverhalten
  • Moderne Elektronik inklusive Quickshifter und Tempomat
  • Fahrdynamik und Rückmeldung auf Referenzniveau
  • Sportliche Sitzposition und Lenkerstummel auf langen Strecken anstrengend
  • Motor verlangt häufige Gangwechsel für maximale Performance
  • Hoher Anschaffungspreis
  • Fahrwerk für schlechte Straßen straff abgestimmt

Bericht vom 13.08.2026 | 7 Aufrufe

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