BMW R 12 G/S Custom von VTR: die Herzberg 12

Herzberg 12: VTRs Liebeserklärung an den Boxer

In Schmerikon steht ein Töff, der seinen Namen selbst erklärt, wenn man Dani zwei Minuten zuhört. Die Herzberg 12 basiert auf der BMW R 12 G/S, dem ersten Heritage-Boxer, der Dani zufolge wirklich ins Gelände kann, und sie ist für ihn ein Herzensprojekt.

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Dani kommt aus dem Motocross und dem Supermoto, Enduro-Rennen ist er nie gefahren, doch den Erzberg kennt in dieser Szene jeder. Als BMW mit der R 12 G/S den ersten Heritage-Boxer brachte, der ernsthaft Offroad kann, war für ihn klar, dass daraus ein besonderes Projekt wird. Aus dem Erzberg und dem Herzblut wurde die Herzberg, die 12 steht schlicht für die Modellreihe. Ein kleines Wortspiel, hinter dem eine ernste Zuneigung steckt.


Wer VTR nicht kennt, sollte kurz wissen, woher der Name kommt, weil er viel über die Werkstatt erzählt. VTR steht für Velo, Töffli, Rasenmäher, das war die Ausrichtung der Ursprungsbude in Tann, aus der alles hervorging. Dani hat den Betrieb 2014 übernommen und die BMW-Umbauten von Tag eins aufgebaut, weil er darin eine Marktlücke sah. Den alten Namen liess er für das Standardgeschäft noch ein paar Jahre stehen, bis die Leute VTR kannten. Heute trennt sich das sauber in VTR Motorrad, das gewöhnliche Händlergeschäft in Schmerikon, und VTR Customs, die Umbauschmiede dahinter. Die humble Herkunft passt zur Herzberg besser als jedes Hochglanzversprechen.


Der Name als Programm: Zwischen Erzberg-Härte und Herzblut entsteht ein Töff, der seine Herkunft im Detail trägt
Der Name als Programm: Zwischen Erzberg-Härte und Herzblut entsteht ein Töff, der seine Herkunft im Detail trägt

Stage Medium beim Herzberg-Umbau: Customizing für mehr als nur Privatbankiers

Die Herzberg ist kein Einzelstück ohne Preisschild, sondern das Ergebnis einer bewussten Entscheidung. Dani hatte über Jahre Kunden im Laden, die seine wilden Custom-Bikes sahen und sich dieses Heck und jene Front wünschten. Sobald er ihnen die Umbaukosten von rund 30'000 Franken nannte, kippte die Stimmung, weil kaum jemand so viel Geld für einen Töff locker hat. Daraus entstand das Flatrate-Konzept mit den Stufen Small, Medium und Large, bei dem eine Einheit für ungefähr 5'000 Franken bereits sichtbar etwas verändert.


Die Herzberg ist bewusst als Stage Medium gebaut, nicht als grosse Stufe, weil ein Stage Large schnell wieder in teure Regionen führt. Farbe mit gutem Gespür, ein Sattel mit Lederbezug in Dark Brown, ein kürzeres Heck von Raisch und passende Details ergeben zusammen einen Auftritt, der weit teurer aussieht, als er ist. Zum Verkauf steht sie mit den Kineo-Rädern für ca. 33'400 Franken, mit Serienfelgen für rund 29'400 Franken, der reine Umbau liegt bei etwa 13'900 Franken. Dani formuliert seinen Anspruch schnörkellos, er will Sachen anbieten, für die man nicht Privatbankier sein muss.


Vintage-Ehrlichkeit statt Vollausbau: Die Vision hinter der Herzberg R 12 G/S

Beim Thema Dakar winkt Dani ab, zumindest für dieses Bike. Bei früheren luft-ölgekühlten Boxern war die Paris-Dakar-Ära mit Fahrern wie Hubert Auriol durchaus eine Inspiration, an der Herzberg wollte er stattdessen einen ehrlichen Heritage-Lack. Der Serientank der R 12 G/S baut hoch und wirkt etwas kastig, deshalb hat VTR ihm unten eine mattschwarze Linie gegeben, damit die Silhouette klassischer daherkommt. Weil der Rally-Look mit hohem Windschild und Plexi-Handschützern gerade Hochkonjunktur hat und Unit Garage die Teile passend im gelben Ton anbot, wanderten sie an den Töff.


Interessant ist, was VTR bewusst nicht ersetzt hat. Die Gabel bleibt serienmässig und wurde nur schwarz eloxiert, und darin steckt Haltung. Dani könnte ein Öhlins-Fahrwerk verbauen, dann wäre man aber in einer Budgetklasse, die er High-End-Customizing nennt und nicht mehr Flatrate. Für sich selbst würde er vermutlich zum Öhlins greifen, doch die Serienabstimmung der R 12 G/S hält er ohnehin für sehr gut. An den älteren 1250er-Supermoto-Umbauten hat VTR schon Touratech- und Wilbers-Komponenten mit der ESA kombiniert, hier sah er dafür keinen Grund.


Wer mehr über die einzigartigen Umbauten erfahren will, findet hier den Imagefilm von VTR Customs


Ehrlich geblieben: Die schwarz eloxierte Seriengabel und die klassische Tanklinie zeigen VTRs Vintage-Haltung
Ehrlich geblieben: Die schwarz eloxierte Seriengabel und die klassische Tanklinie zeigen VTRs Vintage-Haltung

Auspuff und Papiere inzwischen strassenlegal: Einfluss von VTR auf die Customizing-Szene

Auf dem Preisschild stand beim Auspuff noch der Vermerk, die Anlage sei ab Frühling 2026 strassenlegal. Dieser Zeitpunkt ist erreicht, der Akrapovic im R 80 G/S-Stil aus Titan ist mittlerweile zugelassen, der Töff ist strassenlegal unterwegs. Dani legalisiert solche Anlagen über die Hersteller. Bei den älteren Boxern hat er das schon mit Unit Garage gemacht und dafür das Schweizer Papier erstellt, allerdings nur, wenn ihm ein Prüfbericht vorliegt. Eine EU-Zulassung gilt in der Schweiz nämlich nicht automatisch, deshalb braucht es den zusätzlichen Schritt, und beim Herzberg ist er inzwischen erledigt.


Eine Einschränkung führt das Preisschild offen auf. Die Scheinwerferabdeckung von Unit Garage ist in der Schweiz nicht legal und bleibt ein Showteil, wer sauber unterwegs sein will, lässt sie weg.


Sauber dokumentiert: Der Akrapovic in Titan ist inzwischen zugelassen, die Showteile sind klar als solche gekennzeichnet
Sauber dokumentiert: Der Akrapovic in Titan ist inzwischen zugelassen, die Showteile sind klar als solche gekennzeichnet

Warum der Herzberg für Dani von VTR Customs zählt

Wenn Dani aus der ganzen VTR-Palette nur einen Töff behalten dürfte, fällt seine Wahl auf die R 12 G/S. Er beschreibt sich selbst als Heritage-Fahrer, sitzt viel auf den älteren Boxern und schätzt an diesem Modell, dass es die klassische Linie mit echtem Offroad-Können und flotter Gangart auf der Strasse verbindet. Für einen einzelnen Sonntagmorgen alleine würde er die Herzberg trotzdem stehen lassen, weil sie ein neues Fahrzeug im Verkauf ist. Dann greift er lieber zu einem seiner anderen Umbauten.


Die Retro-Welle nimmt insgesamt ab, das spürt VTR bei den Verkaufszahlen wie beim Customizing, und trotzdem entsteht ein Bike wie die Herzberg. Sie ist der Beweis, dass Heritage nicht nur Nostalgie sein muss, sondern auch fahren darf, und dass Handwerk auch dann Freude macht, wenn der Markt gerade in eine andere Richtung schaut.


Herzstück im Wortsinn: Von allen VTR-Umbauten wäre die R 12 G/S der eine Töff, den Dani behalten würde
Herzstück im Wortsinn: Von allen VTR-Umbauten wäre die R 12 G/S der eine Töff, den Dani behalten würde

Bericht vom 08.07.2026 | 11.313 Aufrufe

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