Lone Rider MTL9 Motorrad-Scheinwerfer im Test

Es werde Licht: 23.200 Lumen, intelligent gesteuert

Zusatzscheinwerfer gibt es günstig, kompakt und oft direkt vom Motorradhersteller. Die Lone Rider MTL9 wollen jedoch weit mehr sein als zwei leistungsstarke Leuchten. An der BMW R 1300 GSA klären wir, ob 180 Watt LEDs, die MotoCAN-Integration und eine besonders intelligente Steuerung den stolzen Preis rechtfertigen.

von nopain am 14.08.2026

Moderne Motorradscheinwerfer sind heute bereits erstaunlich leistungsfähig, doch selbst das serienmäßige LED-Licht einer BMW R 1300 GS Adventure stößt irgendwann an seine physikalische Grenzen. Nämlich genau dort, wo der Fahrer nachts mehr als nur Asphalt erkennen muss: weit hinter dem nächsten Leitpflock, tief in den Kurvenradius hinein und vor allem links und rechts neben der Fahrbahn, wo Reh, Feldhase oder ein unbeleuchteter Traktor selten höflich im Lichtkegel stehen bleiben. Aber auch tagsüber, im dichten Stadtverkehr, bei diffusem Wetter oder tief stehender Sonne, kann zusätzliche Präsenz entscheidend sein. Wer früher gesehen wird, hat schlicht mehr Reserven.


Zusatzscheinwerfer schließen genau diese Lücke. Entsprechend gibt es sowohl von BMW selbst als auch von bekannten Zubehörherstellern zahlreiche modellspezifische Lösungen. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht, ob die Lone Rider MTL9 Motorcycle Lights heller leuchten als klassische Zusatzscheinwerfer. Das tun sie. Spannender ist, inwieweit ihr Mehrwert aus der klugen Kombination aus Lichtleistung, Lichtverteilung, Robustheit und Integration über das übliche Prinzip ”zwei Lampen, ein Relais, ein Schalter” hinausgeht und ob sich der hohe Preis im realen Einsatz rechtfertigen lässt.


Denn die MTL9 bündeln Positionslicht, breites Nahfeldlicht, Fernlicht und einen extrem fokussierten Spot in zwei massiven Gehäusen, kommunizieren über MotoCAN mit der BMW und lassen sich über die serienmäßigen Bedienelemente steuern.


Damit richten sie sich an Connaiseure, Vielfahrer, Pendler, Reiseenduristen und Nachteulen, die regelmäßig bei Wildwechsel, schlechtem Wetter oder weitab beleuchteter Straßen unterwegs sind.


Brachiale Lichtleistung mit intelligenter Integration.

Die Lone Rider MTL9 sind weit mehr als zwei helle Lampen.

Was die Lone Rider MTL9 vom Mitbewerb unterscheidet

Lone Rider bezeichnet die MTL9 selbstbewusst als ”das intelligenteste Zusatzbeleuchtungssystem für Motorräder weltweit”. Solche Superlative riechen normalerweise schon beim Öffnen der Herstellerwebseite nach Voodoo und Nebelmaschine, doch hier steckt tatsächlich mehr dahinter als eine App und ein bunt leuchtender Ring. Pro Leuchte arbeiten getrennte Lichtbereiche für Nahfeld, Distanz und Positionslicht. Über den MotoCAN greift das System auf Signale wie Fernlicht, Blinker, Warnblinker, Hupe, Geschwindigkeit sowie den erkannten Tag- oder Nachtbetrieb zu. Die Leuchten hängen damit nicht als elektrische Fremdkörper am Motorrad, sondern werden Teil der vorhandenen Bedienlogik.


Der Praxisvorteil ist erheblich: Im Stadtverkehr treten die MTL9 zurückhaltend auf, auf dunklen Landstraßen leuchten sie breit aus und bei höherem Tempo schalten sie automatisch zusätzliche Reichweite frei. Ein separater Controller oder die Suche in verschachtelten Menüs entfällt. Trotzdem bleibt ein Restrisiko menschlicher Euphorie, denn wer alles auf 100 Prozent stellt, produziert zwar eindrucksvolle Lichtkegel, macht sich jedoch im Gegenverkehr keine Freunde. Das System kann viel, muss allerdings auch vernünftig konfiguriert werden.


Erster Eindruck – Lone Rider MTL9

Die beiden runden MTL9-Scheinwerfer wirken massiv, sauber gefertigt und mit ihren tiefen Kühlrippen wie industrielle Beleuchtungstechnik. Jede Lampe misst 114 Millimeter im Durchmesser, ist 75 Millimeter tief, erreicht mit Halter 125 Millimeter Höhe und wiegt 840 Gramm. Das Paar bringt somit 1.680 Gramm auf die Waage, bevor Halter, Leitungen und MotoCAN dazukommen. Federgewicht ist anders, doch eine BMW R 1300 GSA bekommt davon noch keine Schlagseite.


Das schwarze Aluminiumgehäuse, die Polycarbonatlinse und der Edelstahlhalter vermitteln genau jene Solidität, die man sich an einer Reiseenduro wünscht. Die technischen Unterlagen nennen eine klare Lexan-Linse mit UV-Beschichtung, ein schwarzes Aluminiumgehäuse und isolierte Kupferleitungen. Auch Stecker, Blindstopfen und Halterungen wirken hochwertig, die Kabel sind ordentlich dimensioniert und Schutzstreifen sowie Gummieinlagen verhindern, dass Erschütterungen und Vibrationen den Sturzbügel im Handumdrehen auf Hochglanz scheuern.


Technische Daten: Lone Rider MTL9 Motorcycle Lights

Lone Rider nennt für das Paar eine maximale Systemleistung von 180 Watt, einen Lichtstrom von 23.200 Lumen, eine Leistungsaufnahme von 145 Watt und eine Betriebsspannung von 9 bis 30 Volt Gleichstrom. Der zentrale Spot soll bei 700 Metern noch 1 Lux erzeugen. Dazu kommen IP68 und IP69K, ein zulässiger Temperaturbereich von −20 bis +50 Grad Celsius sowie Osram-LEDs.


BeschreibungWert
ProduktLone Rider MTL9 Motorcycle Lights
TestmotorradBMW R 1300 GS Adventure
Weitere kompatible Modelle (mit entsprechendem MotoCAN Module)*BMW R1300GS / R1300GS Adventure, BMW R1250GS / R1250GS Adventure, BMW R1200GS / R1200GS Adventure, BMW F900GS, F850GS Adventure, F800GS (2024+), Honda Africa Twin 1100 / Adventure Sports, KTM 1290 Super Adventure S/R, 890 Adventure (R), 790 Adventure (R)
Getestetes Paket2 MTL9 Leuchten + MotoCAN + Under Nose Mount
Preis UVP (Stand 23.07.2026)999 Euro
Maximale Systemleistung180 W pro Set
Lichtstrom23.200 lm pro Set
Leistungsaufnahme145 W pro Set
Betriebsspannung9-30 V DC
Reichweite1 Lux bei 700 m
LichtbildCombo 6-in-1 mit DRL
Spotoptik2 Grad
Fernlicht je Leuchte9 nicht austauschbare LEDs
Positionslicht je Leuchte28 nicht austauschbare LEDs
DRL FarbenWeiß und Amber
LED HerstellerOsram
SchutzartIP68 und IP69K
Betriebstemperatur-20 bis +50 Grad Celsius
AnschlussMT 3-polig
Durchmesser je Leuchte114 mm
Tiefe je Leuchte75 mm
Höhe mit Halter je Leuchte125 mm
Gewicht je Leuchte840 g
Gewicht Leuchtenpaar1.680 g ohne Kabel, Stecker und Halterungen
GehäuseAluminium
LinsePolycarbonat
HalterEdelstahl
ZertifizierungenECE R10, R148, R149
Garantie5 Jahre

Die Werte stammen aus der aktuellen EU-Produktseite, den Homologationsunterlagen und der Herstellerdokumentation.

Lieferumfang MTL9 Komplettpaket für BMW R 1300 GSA (Art. Nr. 55800842649974)

Zum motorradspezifischen Paket gehören zwei MTL9-Pods mit dreipoligen MT-Steckern, zwei schwarze Abdeckungen, zwei jeweils einen Meter lange Verlängerungsleitungen, ein Y-Splitter, die sogenannte Unter-Schnabel-Halterung für die BMW R 1300 GS Adventure, universelle Rohrklemmen und weiteres Befestigungsmaterial. Hinzu kommen der fahrzeugspezifische MotoCAN, Blindstopfen, drei Anschlussstutzen, Gummidichtungen, ein Ersatzdeckel für den USB-Anschluss, zwanzig Kabelbinder und das Verbindungskabel für die Konfiguration am Computer.


Die schwarzen Abdeckungen sind nicht bloß Garagendekoration. Sie schützen die Linsen bei Transport oder längeren Standzeiten und erlauben es, die Zusatzscheinwerfer bei Bedarf vollständig abzudecken. Einen transparenten Steinschlagschutz bietet Lone Rider separat für aktuell 20 Euro an. Gerade an einer Reiseenduro, die regelmäßig hinter anderen Motorrädern über Schotter geprügelt wird, ist das eine durchaus vernünftige Ergänzung. Ärgerlich bleibt lediglich, dass dieser Schutz bei einem Komplettpreis nahe der vierstelligen Marke nicht serienmäßig beiliegt.


MTL9 Lichttechnik im Detail

Der Begriff ”Combo 6 in 1” klingt zunächst wie die Beschreibung eines chinesischen Taschenmessers, wird aber beim Blick auf die Optik nachvollziehbar. Im Zentrum jeder Leuchte sitzt eine stark gebündelte Spot-LED, deren Licht durch eine 2-Grad-Optik in die Ferne geschickt wird. Die unteren vier LEDs übernehmen die breite Ausleuchtung des Nah- und Mittelbereichs, während die oberen vier LEDs das eigentliche Fernlicht verstärken. Außen herum sitzt der Positionslichtring, der wahlweise weiß oder amber leuchtet. Lone Rider gibt für den Ring zehn Leistungsstufen sowie die Möglichkeit zur vollständigen Deaktivierung an.


Die Homologationsunterlagen liefern zusätzliche Details, die auf der Produktseite leicht untergehen. Für das weiße Frontpositionslicht sind pro Gehäuse 28 fest verbaute LEDs mit 12 Volt und 6 Watt dokumentiert. Das Fernlicht nutzt neun fest verbaute LEDs mit 12 Volt und 71 Watt und ist als Scheinwerfer der Klasse B genehmigt. Die LEDs sind nicht als einzelne Leuchtmittel austauschbar, was bei modernen, gekapselten LED-Systemen üblich ist, im Fall eines Defekts nach Ablauf der Garantie jedoch den Austausch beziehungsweise die Reparatur des kompletten Moduls bedeutet.


Die Leuchten sind allerdings nur die Muskeln, das eigentliche Nervensystem ist das MotoCAN-Modul. Dieses wird mit Batterie und XDWA beziehungsweise Alarmanlagenanschluss der BMW verbunden und liest anschließend die CAN-Bus-Signale des Motorrads. So erkennt das System Fernlicht, Blinker, Warnblinker, Hupe, Geschwindigkeit und Betriebszustand, ohne Leitungen anzuschneiden oder zusätzliche Schalter zu benötigen. Beide MTL9 teilen sich einen konfigurierten Ausgang, weitere MotoCAN-Kanäle bleiben für Zubehör wie Hupe, Zusatzbremslicht oder Heizverbraucher frei. Die Konformitätserklärung nennt zudem ECE-R10-Prüfungen zu Emissionen und elektromagnetischer Störfestigkeit.


Der Nutzen zeigt sich beim Fahren, wenn die Leuchten ihre Leistung automatisch an Umgebungslicht, Fernlicht und Geschwindigkeit anpassen. Laut externer Analyse arbeiten pro Leuchte sogar zwei Platinen: Eine steuert die LEDs, die zweite übersetzt die Kommunikationsdaten. Das erklärt, warum hier deutlich mehr Technik verbaut ist als bei einem klassischen Zusatzscheinwerfer mit Plus, Minus und Relais.


Die MTL9-Montage an der BMW R 1300 GSA

Der Einbau folgt bei allen Motorrädern grundsätzlich demselben Schema, die tatsächliche Komplexität hängt jedoch stark vom jeweiligen Modell ab. An der BMW R 1300 GS Adventure gelingt die Montage erfreulich schnell und sauber und lässt sich mit etwas Ruhe sowie halbwegs brauchbarem Werkzeug von jedem versierten Schrauber bewältigen. Ein entsprechend aktualisiertes Montagevideo will Lone Rider in Kürze auf den eigenen Kanälen veröffentlichen.


Der MotoCAN wird unter jener Abdeckung montiert, auf der der Fahrersitz aufliegt. Anschließend führt man den Y-Splitter auf der rechten Fahrzeugseite nach unten, löst die beiden Schrauben der Tankbefestigung und entfernt die seitlichen Kunststoffabdeckungen unterhalb des Tanks. Der Kraftstofftank kann optional leicht angehoben werden, um die Kabel darunter hindurchzuführen. Notwendig ist das jedoch nicht: Die Leitungen des Y-Splitters lassen sich ebenso sauber hinter den entfernten Abdeckungen verlegen und dort mit den Kabeln der Leuchten verbinden. Eine aufwendige Demontage des Tanks oder größerer Seitenverkleidungsteile ist daher nicht erforderlich. Insgesamt müssen lediglich rund zehn weitgehend baugleiche Schrauben gelöst werden, weshalb auch die Gefahr einer späteren Schraubenlotterie überschaubar bleibt.


Befestigung und Ausrichtung an der GSA

Die Leuchten werden beim getesteten Paket unterhalb der Fahrzeugnase montiert, wodurch sie optisch gut in die massive Front der GSA integriert sind und gleichzeitig ein markantes Lichtdreieck mit dem Hauptscheinwerfer erzeugen. Alternativ bietet Lone Rider Rohrklemmen für Durchmesser von ungefähr 22 bis 25 Millimetern an. Die serienmäßigen Kunststoffaufnahmen mancher BMW-Zusatzscheinwerfer stuft der Hersteller als nicht ausreichend stabil für die schweren MTL9-Pods ein. Ebenso muss bei Under-Nose-Lösungen die Kombination mit vorhandenen oberen Sturzbügeln genau geprüft werden.


Bei der Montage werden Schutzfolie, Gummieinlagen und dämpfende Unterlegscheiben verwendet, damit Beschichtung und Halterung nicht leiden. Zunächst bleiben die Pods leicht beweglich, anschließend wird das Motorrad auf ebener Fläche ausgerichtet und der Lichtkegel eingestellt. Dieser letzte Schritt ist keine kosmetische Kür. Bereits wenige Grad zu hoch verwandeln den breiten Lichtteppich in eine mobile Verhörlampe für den Gegenverkehr. Bei einer voll beladenen GSA mit Sozia und Reisegepäck verändert sich die Fahrzeuglage zusätzlich, weshalb die Ausrichtung nach der ersten Nachtfahrt und unter realistischen Beladungsbedingungen nochmals kontrolliert werden sollte.


Finale Konfiguration am Desktop

Die Erstkonfiguration erfolgt nicht über das Smartphone, sondern per Desktop-Software und USB-Verbindung. Nach Registrierung und Firmwareprüfung scannt das Programm die angeschlossenen Geräte und zeigt die Funktionen der MTL9 an. Für die Leuchten wird der weiße MotoCAN-Kanal verwendet und laut Installationsanleitung auf 15 Ampere abgesichert beziehungsweise konfiguriert.


Technisch sauber, aber im Jahr 2026 dennoch etwas altmodisch: Notebook aus der Tasche, Kabel anstecken, Zündung einschalten, Update abwarten. Eine App wäre bequemer, wobei man ehrlicherweise nicht jede Woche an den grundlegenden Lichtparametern herumspielt.


Einstellbar sind unter anderem die Intensität des Positionslichtrings für Tag und Nacht, seine Farbe, die Leistung der breiten und weitreichenden Lichtbereiche sowie mehrere Reaktionen auf Fahrzeugsignale. Die gezeigte Software erlaubt eine minimale Ringhelligkeit von 10 Prozent, volle Leistung oder vollständige Abschaltung. Zusätzlich können die Ringe gemeinsam mit den Blinkern arbeiten, beim Warnblinken alternierend reagieren oder während bestimmter Lichtfunktionen zurückgenommen werden. Auch Stroboskopfunktionen bei Hupe oder mehrfacher Lichthupe sind vorgesehen. Technisch spannend, im öffentlichen Straßenverkehr jedoch je nach Land und Konfiguration rechtlich heikel. Nicht alles, was der Computer anklicken lässt, gehört deshalb auf die Bundesstraße.


Lichtkegel im Stand bzw. bei Schrittgeschwindigkeit

Lone Rider Speed Blending

Eine der interessantesten Funktionen heißt Speed Blending. Dabei wird der stark fokussierte zentrale Spot nicht einfach bei jedem Fernlichtvorgang brutal zugeschaltet, sondern abhängig von der Geschwindigkeit eingeblendet. In der gezeigten Softwareversion liegt der Standardwert bei 100 km/h; als Einstellbereich werden sinngemäß 80 bis 140 km/h genannt. Unterhalb der definierten Schwelle arbeitet das System mit breiterem Licht, oberhalb kommt stufenweise die zusätzliche Ferne dazu. Der Fahrer erhält also genau dort mehr Sichtweite, wo die pro Sekunde zurückgelegte Strecke steigt.


Lichtkegel bei mittlerer Geschwindigkeit
Lichtkegel bei hoher Geschwindigkeit

In der Praxis ist das sinnvoller als ein permanent aktiver 700-Meter-Strahl. Auf einer engen, nassen Passstraße bringt der helle Punkt am Horizont wenig, wenn die relevante Information dreißig Meter vor dem Vorderrad liegt. Auf einer schnellen, geraden Bundesstraße wächst sein Nutzen dagegen massiv. Die Schwelle sollte trotzdem nicht blind vom Standard übernommen werden. Wer überwiegend kurvige Landstraßen fährt, kann einen niedrigeren Wert wählen; wer viel im dicht besiedelten Raum unterwegs ist, setzt ihn höher oder bedient den Spot bewusst manuell.


BMW Multi-Controller statt Zusatzschalter

Der größte Komfortgewinn zeigte sich an der BMW nicht im Konfigurationsprogramm, sondern direkt am Lenker. Wird der Multifunktionsring etwa vier Sekunden nach außen gedrückt, bestätigt das System den Wechsel in den Einstellmodus. Anschließend lässt sich die Helligkeit über die serienmäßigen BMW-Bedienelemente verändern. So kann der Fahrer die Lichtleistung während der Fahrt an Verkehr, Wetter und Umgebung anpassen, ohne zusätzliche App und ohne proprietären Drehregler am Lenker.


Gerade diese Funktion hebt die MTL9 im Alltag von vielen günstigeren Lösungen ab. Klassische Zusatzscheinwerfer sind entweder ein oder aus, bestenfalls ergänzt um einen separaten Dimmer, dessen Bedienlogik man sich neben Tempomat, Fahrmodus, Griffheizung und Navigation ebenfalls merken darf. Die Lone Rider integrieren sich dagegen sauber in die vorhandene Ergonomie der GSA. Nach kurzer Eingewöhnung gelingt die Verstellung beinahe blind und erlaubt es, die Leistung bei Gegenverkehr im Handumdrehen zurückzunehmen.


MTL9 Legalität und Zulassung

Bei Zusatzscheinwerfern zählt das kleine E-Prüfzeichen mehr als der große Lumenwert. Die MTL9 sind nach UN R148 als vordere Positionsleuchte der Kategorie A, nach UN R149 als Fernlichtscheinwerfer der Klasse B und zusätzlich nach ECE R10 für elektromagnetische Verträglichkeit genehmigt. Die entsprechenden Kennzeichnungen befinden sich direkt auf der Linse.


Eine Bauteilgenehmigung bedeutet dennoch nicht, dass jede Montage und Softwarefunktion automatisch überall zulässig ist. Entscheidend bleiben korrekte Positionierung, symmetrischer Anbau, passende Schaltung, saubere Ausrichtung und vor allem: Niemand darf geblendet werden. Genehmigte Leuchte und genehmigungskonformer Einbau sind rechtlich zwei verschiedene Paar Schuhe.


Besonders kritisch sind Blink- und Stroboskopfunktionen. Dass sie technisch verfügbar sind, bedeutet noch lange keine Freigabe für den öffentlichen Straßenverkehr. Im Zweifel sollten Prüfstelle, Werkstatt oder Behörde klären, welche Einstellungen im jeweiligen Land erlaubt sind.


Sichtbarkeit am Tag der Lone Rider MTL9

Tagsüber liegt der größte Nutzen nicht in der Fahrbahnausleuchtung, sondern in der vergrößerten optischen Silhouette. Hauptscheinwerfer und zwei tiefer montierte MTL9 bilden ein auffälliges Dreieck, das ein entgegenkommendes Motorrad leichter von der visuellen Unordnung aus Autoscheinwerfern, Reflexionen und Straßenschildern abhebt. Der amberfarbene Ring wirkt dabei markant, ohne zwangsläufig aggressiv zu erscheinen, während Weiß optisch näher an die serienmäßige BMW-Lichtsignatur rückt. Wie stark das System auffällt, lässt sich getrennt für Tag und Nacht konfigurieren.


Die Kunst liegt im richtigen Maß. Eine hohe Tagesleistung kann auf breiten, hellen Straßen angenehm sichtbar sein, in schattigen Alleen oder bei tief stehender Sonne aber bereits unangenehm in Rückspiegeln stehen. Die schnelle Verstellung am Motorrad ist daher ein echtes Sicherheitsfeature. Sichtbarkeit ist gut. Rücksicht nehmen ist besser.


Nachtfahrt auf der Straße mit den Lone Rider MTL9

Obwohl die BMW R 1300 GSA bereits serienmäßig einen brauchbaren Hauptscheinwerfer besitzt, verändert sich das Lichtbild mit den Lone Rider MTL9 grundlegend. Der breite Lichtteppich füllt die dunklen Zonen direkt neben der Straße, macht Kurveneingänge früher lesbar und rückt Waldränder, Einmündungen sowie mögliche Wildwechselzonen deutlich stärker ins Blickfeld. Statt eines einzelnen hellen Flecks entsteht eine größere Informationsfläche, die auch das Popometer automatisch entspannter arbeiten lässt. Beim Fernlicht kommt dann der satte Punch aus dem Keller: Die oberen LED-Segmente schieben den vorhandenen BMW-Lichtkegel kräftig weiter, während der zentrale Spot am Ende der sichtbaren Strecke einen zusätzlichen, kompakten Lichtball erzeugt. Der belastbare Herstellerwert lautet 1 Lux bei 700 Metern. Unser Testfahrer Frankee sprach nach zwei Nachtfahrten subjektiv sogar von einer Sichtweite bis ungefähr einen Kilometer. Das ist keine nachgemessene Laborreichweite, beschreibt aber glaubwürdig, wie weit entfernt Konturen und Reflexionen noch wahrgenommen werden.


Die brachiale Leistung hat allerdings auch eine Kehrseite: Je heller das Fernlicht, desto härter fällt der Wechsel zurück auf Abblendlicht aus, weil sich Auge und Wahrnehmung an die deutlich hellere Umgebung angepasst haben. Die MTL9 sollten deshalb nicht grundsätzlich auf maximaler Leistung betrieben werden, sondern so stark wie nötig und so zurückhaltend wie möglich. Genau hier zahlen sich die getrennten Einstellungen und das Speed Blending aus. Der Fahrer kann die breite Ausleuchtung hoch halten, den extremen Spot aber nur dann zuschalten lassen, wenn Geschwindigkeit und Strecke ihn tatsächlich rechtfertigen.


Nachtfahrt im Gelände mit den Lone Rider MTL9

Im Gelände ist nicht die theoretische Maximalreichweite der Star, sondern das breite Nahfeld. Spurrinnen, lose Steine, Äste und seitlich abfallendes Gelände müssen früh erkannt werden, während der zentrale Fernpunkt auf einem verwinkelten Waldweg oft ins Gebüsch oder geradewegs gegen den nächsten Hang leuchtet. Die unteren vier LEDs pro Pod erzeugen hier den wertvolleren Lichtteppich, weil er den Bereich vor dem Vorderrad und die seitlichen Fluchtmöglichkeiten sichtbar macht. Der Fahrer kann schneller entscheiden, ob die dunkle Stelle ein Schatten, ein Loch oder bloß ein nasser Stein ist.


Die massive Lichtmenge verführt dazu, nachts beinahe wie am Tag zu fahren. Das funktioniert erstaunlich gut, ändert jedoch nichts daran, dass Kontraste, Tiefenwahrnehmung und unerwartete Hindernisse im künstlichen Licht anders wirken. Auf staubigen Wegen sollte der Spot zurückgenommen werden, weil die Eigenblendung deutlich steigt. Hier zeigt sich erneut der Vorteil des Systems: Nicht eine Lampe muss alles irgendwie können, sondern mehrere Lichtbereiche lassen sich passend zur Situation kombinieren.


MTL9 Haltbarkeit im Praxistest

Während unserer Fahrten auf Straße und im Gelände arbeiteten die MTL9 unauffällig zuverlässig. Es gab weder Aussetzer noch störendes Flackern oder eine erkennbare Veränderung der Ausrichtung. Das hohe Eigengewicht und die massiven Halter verlangen allerdings eine saubere Montage mit korrekt angezogenen Schrauben, Schutzlagen und ordentlich verlegten Kabeln.


Auch thermisch blieben die Leuchten stabil. Von den 145 Watt Leistungsaufnahme wird naturgemäß nicht alles zu Licht, ein Teil endet als Wärme im Gehäuse. Selbst bei längerem Einsatz mit wenig kühlendem Wind im Gelände ließ sich jedoch keine Überhitzung feststellen. Große Kühlrippen und der massive Aluminiumkörper führen die Wärme an die Umgebungsluft ab; laut Hersteller ist das System für −20 bis +50 Grad Celsius ausgelegt. Einen instrumentierten Temperaturtest haben wir allerdings nicht durchgeführt, konkrete Reserven lassen sich daher nicht seriös beziffern.


Mit IP68 und IP69K sind die MTL9 zudem gegen Staub, Wasser und intensive Reinigung geschützt. Regen, Schlamm, Furten und anschließendes Waschen passen damit klar ins vorgesehene Einsatzprofil. Trotzdem bleibt der Dampfstrahler aus zehn Zentimetern Entfernung eine eher schlechte Idee.


Disclaimer: Unser Test erstreckte sich über zwei Wochen und umfasste zwei intensive Nachtfahrten sowie unterschiedliche Einsatzbedingungen, jedoch keinen mehrjährigen Langzeiteinsatz. Aussagen über Korrosion nach fünf Wintern oder die Lebensdauer der fest verbauten LEDs wären daher Kaffeesudlesen. Beruhigend ist die fünfjährige Herstellergarantie, die bei einem derart teuren und nicht modular reparierbaren Produkt deutlich mehr zählt als irgendein ”Adventure tested”-Aufkleber.


1000PS Redakteur Frankee (Offroad Spezialist)

Frankees Eindrücke aus der Praxis

Nach Installation und Konfiguration verschwindet die technische Komplexität erfreulich weit in den Hintergrund. Fernlicht und Helligkeit lassen sich über die gewohnten BMW-Bedienelemente steuern, weshalb sich das Lone Rider MTL9 Beleuchtungssystem eher wie eine aufwendige Werksoption als wie nachträglich montiertes Zubehör anfühlen. Für tiefere Einstellungen wie Lichtfarbe, Tag- und Nachtprofile oder Speed Blending braucht es allerdings weiterhin Computer und Kabel. Eine Smartphone-App wäre hier die naheliegende Kür, zumal spontane Änderungen unterwegs damit deutlich eleganter von der Hand gingen.


Nach zwei intensiven Nachtfahrten bezeichnete Frankee die MTL9 als die innovativsten Zusatzscheinwerfer, die er bisher getestet hat. Besonders beeindruckten ihn die brachiale Lichtleistung, die enorme Reichweite und der spürbare Sicherheitsgewinn auf dunklen Landstraßen mit starkem Wildwechsel. Sein Lieblingsdetail war trotzdem nicht der maximale Spot, sondern die direkte Verstellung über den BMW-Multifunktionsring. Damit lässt sich die Leistung während der Fahrt im Handumdrehen an Verkehr und Umgebung anpassen, bevor der Gegenverkehr unfreiwillig zur Netzhautprüfung antreten muss. Beim vollen Fernlicht fiel sein Urteil entsprechend knapp aus: gewaltig.


Macht die Nacht zum Tag.

Frankee über die Lone Rider MTL9

Fazit: Lone Rider MTL9 für die BMW R 1300 GSA

Die Lone Rider MTL9 überzeugen nicht allein mit brachialer Lichtleistung, sondern vor allem mit ihrer intelligenten Steuerung und der außergewöhnlich engen Vernetzung mit dem Motorrad. Der breite Lichtteppich macht Kurven, Fahrbahnränder und Gelände deutlich besser lesbar, das Fernlicht liefert massiven Druck und der fokussierte Spot erreicht laut Hersteller noch bei 700 Metern einen Lux. Entscheidend ist jedoch die MotoCAN-Integration: Speed Blending, getrennte Tag- und Nachtprofile, Positionslichtringe und die Bedienung über die serienmäßigen BMW-Armaturen sorgen dafür, dass die brachiale Leistung nicht nur vorhanden, sondern im Alltag auch kontrollierbar bleibt.

Mit 999 Euro spielt das Komplettpaket klar im Premiumsegment. Dazu kommen beträchtliches Gewicht, eine aufwendige Montage und eine Erstkonfiguration, die weiterhin Computer und Kabel verlangt. Bezahlt werden allerdings nicht bloß 23.200 Lumen, sondern robuste Gehäuse, Zertifizierungen, intelligente Steuerung und eine Integration, die wie eine professionelle Werkslösung wirkt. Wer nur etwas mehr Licht vor dem Vorderrad sucht, findet günstigere Alternativen. Vielfahrer, Reiseenduristen und Nachteulen bekommen dagegen eines der überzeugendsten Zusatzlichtsysteme, die wir bisher erlebt haben.


  • Enorme Reichweite und sehr breite Ausleuchtung
  • 23.200 Lumen und 1 Lux bei 700 Metern
  • Hervorragende Integration in die BMW-Bedienung
  • Speed Blending mit geschwindigkeitsabhängigem Spot
  • Robuste Gehäuse und IP68 bzw. IP69K
  • ECE R10, UN R148 und UN R149 Genehmigungen
  • 5 Jahre Herstellergarantie
  • Keine zusätzlichen Schalter am Lenker nötig
  • Hoher Paketpreis von 999 Euro
  • 840 Gramm pro Leuchte
  • Tiefere Konfiguration nur per Computer und Kabel
  • Transparenter Linsenschutz kostet extra
  • Bei falscher Einstellung erhebliches Blendpotenzial

About Lone Rider
Lone Rider ist eine Premium-Marke für Adventure-Motorradzubehör und entwickelt Ausrüstung für Fahrer, die auf Asphalt ebenso zu Hause sind wie auf Schotter und abseits befestigter Wege. Das modulare Produktsystem reicht von Gepäcklösungen wie MotoBags, MotoPanniers, MotoCase und ADVBags über die intelligenten MTL9-Zusatzscheinwerfer und MotoArmor-Schutzkomponenten bis zu den motorradspezifischen Zelten MotoTent und ADVTent. Sämtliche Produkte sind darauf ausgelegt, technisch, optisch und funktional zusammenzuarbeiten. Lone Rider vertreibt direkt an Kunden in mehr als 110 Ländern und positioniert sich bewusst im oberen Marktsegment. Auf Trustpilot erreicht Lone Rider aktuell 4,8 von 5 Punkten bei mehr als 250 verifizierten Bewertungen.


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