Honda CB125R Test 2018

Honda CB125R Test 2018

Retro richtig gemacht

Nach 10 Jahren erneuert Honda ihr Flagship Naked Bike CB1000R und verpasst ihm den brandneuen „Neo Sports Café“ Look. Doch auch die kleinen Hubraumklassen profitieren von diesem Update in Form der neuen CB300R und CB125R. Wir waren in Lissabon und konnten uns von dem Küken der Familie, der CB125R, überzeugen.

Schon eine Woche vor der Präsentation hielt sich die Vorfreude auf die Testfahrt mit der CB125R in Grenzen. Die Wetterprognose versprach tagelangen Regen, ohne Aussicht auf Besserung. Bei unserer Ankunft im Westen Europas die ernüchternde Bestätigung: eine dichte Wolkendecke blockt jeden Sonnenstrahl der es versucht, sich auf unsere Häupter durchzukämpfen. Zu unserem Glück erwischen wir aber eine seltene Regenpause. Die einzig logische Reaktion für motivierte Motorradjournalisten: Schutzkleidung anziehen und aufsatteln. Nachtausfahrt auf der Honda CB125R!

Zauberwort Gewicht - nur 126 kg!

Mit dem Ziel ein leichtes Motorrad auf die Beine zu stellen, haben die Honda Ingenieure alles daran gesetzt, an allen Ecken und Enden Gewicht zu sparen. Auch die Zentralisierung der Massen lag den japanischen Entwicklern am Herzen. Das Ergebnis: fahrbereit wiegt die Honda CB125R nur 126 kg und ist somit das leichteste Naked Bike dieser Klasse. Welche Maßnahmen wurden getroffen um diesen Wert zu erreichen? Scheinwerfer und Rücklicht, die beide mithilfe von LED Lichttechnik erstrahlen, wurden so gewichtssparend wie nur möglich gebaut - Honda meint sogar, es sei das dünnste Rücklicht, das der japanische Hersteller jemals verbaut hat. Auch der Kennzeichenträger aus Plastik soll sehr leicht sein. Die viel wichtigere Information für A1-Führerschein Besitzerinnen und Besitzer ist jedoch, dass er mit nur vier Schrauben entfernt werden kann. Stichwort: Zubehörmarkt!

Wenig Gewicht + Stadtverkehr = Spaß

Unsere Nacht Tour führt uns durch Lissabons Innenstadt und über kurze Autobahnen, die durch, bzw. an der Stadt vorbeiführen. Schon im Stand wird klar, dass 126 Kilogramm alles andere als viel Gewicht sind! Kommt man aber erst ins Rollen und nähert sich den ersten Autokolonnen, spielt die Honda CB125R ihre Stärke voll und ganz aus. Wie ein Fahrrad lässt sie sich durch Staus und Ampelphasen manövrieren und verspricht dabei viel Vertrauen. Mitschuld trägt selbstverständlich der konifizierte Lenker, der einen angenehmen Kompromiss zwischen Breite und Manövrierbarkeit in der Stadt findet.

Auch die Sitzhöhe von 816mm sollte für die meisten Fahrerinnen und Fahrer gut zu erreichen sein. Wirft man einen Blick unter die Sitzbank könnte man jedoch überrascht sein. Dort wo man die Batterie erwartet, sitzt die Airbox der Honda CB125R. Um Gewicht zum Mittelpunkt des Motorrads zu befördern, wurde die Batterie nämlich unter der Tankverkleidung montiert – ähnlich wie es bei Ducati Monster Modellen der Fall ist. Der Vorteil ist natürlich, dass sich damit mehr Masse beim Zentrum des Bikes befindet. Möchte man aber Zugriff zur Batterie, müssen Sozius, Fahrersitz und letztendlich die Tankabdeckung demontiert werden. Viel Aufwand, wenn man die CB125R zum Beispiel im Winter stilllegen möchte.

Leistung und Top Speed Honda CB125R

Geht es um den Kauf des ersten Motorrads ist neben dem Preis eine weitere Zahl ganz besonders wichtig: die Leistung. Auch ich habe mich 2014 beim Kauf meines A2-Motorrads nach der magischen PS-Zahl gerichtet. Je mehr desto besser. In dieser Kategorie könnte die Honda CB125R aber vielleicht enttäuschen. Während die Grenze des A1-Führerscheins bei 15 PS liegt, genügt sich das „Neo Sports Café“ Naked Bike mit 13,3 PS und 10 Nm Drehmoment. Soviel zu den schlechten Nachrichten. Die gute Nachricht ist aber, dass die Honda Ingenieure die fehlenden 1,7 PS mit dem niedrigen Gewicht gelungen kompensieren. Somit kann die CB125R ganz entspannt im Verkehr mitschwimmen und ist an der Ampel immer noch schneller als die meisten Autos. Auch wenn das Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich angepasst wurde, will der Einzylinder zum Beschleunigen bei Drehzahl gehalten werden.

Das 125ccm große Aggregat stammt aus dem Supersportler CBR125R und wurde entsprechend auf die Ansprüche eines Naked Bikes abgestimmt. Hat darunter also die Höchstgeschwindigkeit gelitten? Nicht unbedingt. Während unserer Ausfahrt bewegen wir uns auch kurze Strecken auf Stadtautobahnen, die zu unserem Glück am Abend kaum befahren sind. Auf einem Stück freier Straße habe ich den Tacho bis 110 km/h gebracht, obwohl es mit Vortrieb hier noch nicht zu Ende war. Zudem spielt das Fahrergewicht eine große Rolle, weshalb ich mir sehr gut vorstellen kann, dass 120 km/h entspannt möglich sind. Ganz sicher kann ich aber sagen, dass sich die Honda CB125R selbst bei solch einem Tempo immer noch sehr stabil anfühlt, was neben der Bereifung auch dem ausgewachsenen Fahrwerk zuzusprechen ist.

Lastwechselreaktionen verderben den innerstädtischen Spaß

Auch wenn es eine wahre Freude ist, mit der CB125R durch Stadtverkehr zu filtern, legt einem die Gasannahme permanent Steine in den Weg – zumindest sprichwörtlich. Der Fahrer braucht viel Gefühl in der rechten Hand, um die Lastwechselreaktion in Grenzen zu halten. Mit dem Einsatz der Kupplung kann das Verhalten zwar kompensiert werden, Anfängerinnen und Anfängern könnte darin aber die Übung fehlen. Insbesondere im Kreisverkehr ist solch eine Unruhe im Fahrzeug sehr unangenehm.

Big Bike Fahrwerk in der CB125R

Honda-typisch muss sich ein Motorrad des japanischen Herstellers einfach und vor allem sicher bewegen lassen. Deshalb wurden keine halben Sachen gemacht und eine 41mm dicke Upside-Down Gabel von Showa verbaut. Zur Relation: im Adventure-Roller X-ADV (auch wenn Honda ihn nicht als Roller bezeichnet) ist ebenfalls eine Upside-Down Gabel mit 41mm Durchmesser verbaut – das bedeutet Big Bike Technologie im 125er Einsteigerbike! Kombiniert ist die Gabel mit einem Mono-Federbein im Heck, das in der Federvorspannung einstellbar ist. Im Stadtverkehr ergibt das ein sattes Fahrverhalten. Man hat auf Seiten des Fahrwerks nie das Gefühl, auf einem günstigen A1-Motorrad zu sitzen. Bester Beweis: tiefe Schlaglöcher, die sich unter Lacken versteckt haben, schluckt das Fahrwerk mit Bravour, ohne an seine Grenzen zu kommen.

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Cleveres ABS-System im Neo Sports Café Naked Bike

Klarerweise sind ABS-Systeme heutzutage an sich schon sehr clever - das in der Honda CB125R legt aber noch eine Schippe drauf und ist in dieser Klasse einzigartig. Das sogenannte IMU-ABS (Inertial Measurement Unit) misst 100-mal pro Sekunde die Stellung des Motorrads und verändert anhand der Daten die Stärke der ABS-Verteilung von Front zu Heck. Damit soll ein stabiles Bremsverhalten gewährleistet sein und das Aufheben des Hinterrads verhindert werden. Soviel zur Theorie. In der Praxis gibt die 296mm große Bremsscheibe in der Front mit Vierkolben Nissin-Bremszange viel Vertrauen und lässt sich angenehm Dosieren. Besonders die 220mm große Bremsscheibe im Heck, die im Stadtverkehr viel Verwendung findet, gibt dem Fahrer ein sehr transparentes Gefühl.

Tag 2 auf der Honda CB125R

An Tag 2 unseres Honda CB125R Tests hatten wir leider kein Glück. Strömender Regen verzögert unsere Abfahrt und verkürzt letztendlich unsere Tour. Wir bleiben in der Innenstadt, die Fahrt über nahegelegene Landstraßen sei laut Honda zu gefährlich und würde unkalkulierbares Risiko mit sich bringen. Bekanntlich gibt es aber kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Ausrüstung. Wir packen also den Regenanzug aus, warten bis der Regen ein wenig nachlässt und satteln unsere Pferde… äh, Motorräder.

Schwimmkurs in Lissabon

Auch wenn ich persönlich kein Freund von Regenfahrten bin, freute ich mich auf die Fahrt auf der CB125R. Denn jetzt hatten wir die Möglichkeit den serienmäßig verbauten Dunlop Sportmax GPR-300 auf regennassem Asphalt und Kopfsteinpflaster zu testen. In der Front ist ein Reifen mit der Dimension 110/70-17 aufgezogen, im Heck 150/60-17. Zu unserer Freude hat der Pneu selbst bei widrigsten Bedingungen gut gehalten und zu keiner Zeit Traktion verloren (außer man provoziert es). Die nächste Herausforderung: knöchelhohe Pfützen. Aber selbst hier hält die Honda bei normalem Stadttempo brav die Spur – man könnte fast meinen, sie hätte den Seepferdchen-Kurs abgeschlossen. Ein toller Beweis, dass Motorradfahren selbst bei Regen Spaß machen kann.

Honda CB125R Verbrauch und Farben

Laut Honda genügt sich die CB125R mit 2,1 l/100km. In Kombination mit dem 10,1 Liter großen Tank soll damit eine Reichweite von circa 480km möglich sein. Bei unserem Stadttest sind wir auf einen Wert von 3 Liter/100km gekommen. Natürlich muss beachtet werden, dass unsere Ausfahrt aus viel Stop-and-Go Verkehr bestand und somit der Verbrauch höher ausfällt. Verfügbar ist die Honda CB125R ist vier Farben, wovon drei in Österreich angeboten werden:

  • Matt Axis Gray Metallic (matt Schwarz)
  • Pearl Metalloid White (weiß)
  • Candy Chromosphere Red (rot)

Honda CB125R Preis

Selbstverständlich sind die Preise für Deutschland, Österreich und die Schweiz unterschiedlich. Deshalb findet ihr unten die Links zu den einzelnen Ländern. So viel sei aber gesagt: Die Honda CB125R ist günstiger als so manche Konkurrenz..

Fazit: Honda CB125R

Bevorzugt man Retro-Optik in der 125er Klasse, ist die Honda CB125R genau das richtige Bike. Nicht nur optisch wirkt sie sehr erwachsen, die verbauten Komponenten sind ebenfalls Honda-typisch sehr hochwertig. Auch wenn der Motor nur 13,3 PS leistet, kompensiert die CB125R die fehlenden 1,7 PS gut mit ihrem fahrbereiten Gewicht von nur 126kg. In der Kategorie Sicherheit macht Honda keine halben Sachen und verbaut LED-Lichttechnik und ein cleveres IMU-ABS. Ein hübsches A1-Paket im "Neo Sports Café" Design.

1
Vorteile
  • niedriges Gewicht
  • genügend Durchzug
  • tolles Fahrwerk
  • hübsche Optik
  • LED-Lichttechnik
  • IMU-ABS
1
Nachteile
  • starke Lastwechselreaktionen
  • Batterie ist schwer zu erreichen

Bericht vom 11.03.2018 | 23.163 Aufrufe

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