Honda Fireblade 2017 Test

Honda Fireblade 2017 Test

Die neue Nummer 1?

Die neue Honda CBR 1000 RR Fireblade und die Fireblade SP beim Tracktest in Portimao. Die Blades präsentieren sich am Papier überlegen und auf der Strecke sagenhaft.

Hat Freddie nicht mitbekommen dass es in Strömen regnet? Freddie Spencer ist unser Guide hier beim Fireblade Test in Portimao. Und die Zielgerade inhaliert er gerade mit 260 Sachen. Die erste Ecke kommt mit irrem Speed näher und er ankert spät. Doch als extrem routinierter Rennfahrer weiß er - die Regenreifen halten.

Honda CBR 1000 RR Fireblade 2017: Immer noch einfach zu fahren.

Die ersten Turns mit der neuen Fireblade fuhr ich leider im Regen. Doch so konnte ich einige interessante Erkenntnisse gewinnen. Zum Einen wage ich schon mal jetzt die Aussage, dass die Fireblade auch ein phantastisches Landstraßenmotorrad ist. Man kann sie auch aufrecht sitzend mit feinen Impulsen am Lenker dirigieren. Sie kann im Gentlemen-Style bewegt werden und es fühlt sich richtig gut und komfortabel an.

Fireblade 2017: Sie kann auch sehr böse sein!

Doch die neue Fireblade kann auch anders. Das merkt man spätestens bei der letzten Kurve hinaus auf die Zielgerade. Dort schiebt die Blade gewaltig an. Die 192 PS werden wohl die Wahrheit sein. Denn die 1000er wheelt auch im 4er hier noch hinaus auf die Gerade. Das sind großartige Nachrichten! Die Fireblade ist immer noch ein Motorrad auf dem man sich wohl fühlt, sie kann aber auch zur coolen und wilden Bestie mutieren.

Tiefstapler bei Honda

Einen echten Skandal hab ich jedoch auch aufgedeckt. Und das betrifft den neuen Schaltassistenten. Die Mitbewerber haben dieses Feature für das Rauf- und Runterschalten ohne Kupplung schon lange am Motorrad. Ich hatte die Vermutung, dass die Hondacrew das einfach nicht hinkriegt. Doch das Teil funktioniert nicht nur gut sondern setzt neue Maßstäbe. Die Sensibilität lässt sich in 3 Stufen einstellen und so kann man mit einem leichten Drücker oder einem festen Impuls den Gang einlegen. Also Honda! Warum denn erst jetzt - es geht doch! Jahrelang mussten wir ohne dieses himmlische Gadget auskommen. Mein klarer Tipp an alle Fireblade Käufer. Wer die „Standard“ Version kauft bitte unbedingt den Schaltassistenten als Extra mit bestellen. An der SP-Version ist er ohnehin serienmäßig mit dabei.

Gewicht Honda Fireblade 2017

Die neue Fireblade ist leicht, richtig leicht. Honda hat beim Gewicht ganze 15 Kilo runtergerissen. Wobei 50% der Gewichtsreduktion den großen Teilen, wie z.B dem Rahmen, zu verdanken sind. Die restlichen 50% wurden mit vermeintlichen Kleinigkeiten zusammengekratzt. Hohlgebohrte Getriebewellen, dünnere Wandstärken sowie leichtere Schrauben. Insgesamt sind 90% der Teile an der Fireblade neu.

Unterschiede Fireblade, Fireblade SP und SP2

Honda bringt mit der neuen Fireblade nicht nur ein neues Motorrad sondern eine neue Modellreihe. Eine Tabelle mit den Unterschieden haben wir in der Slideshow für euch zusammengestellt. Die Fireblade „Standard“ ist ein grandioses Motorrad für gemischten Einsatz auf Landstraße und für Trackdays. Optimal für Hobbyfahrer die auch bisher mit Standardfahrwerk zufrieden waren. Nur nun eben mit Elektronikpaket und 192 PS. Ein richtig gutes Motorrad. Racer greifen natürlich zur SP. Denn dort ist das Öhlins-Fahrwerk, welches sie ohnehin montieren würden, schon serienmäßig mit dabei. Quasi on Top kommt dann noch das revolutionäre elektronische Fahrwerk hier in der SP. Die Maschine ist „out of the box“ fertig für Renneinsätze. Für nationale und internationale Serien bietet sich dann die SP2 an. Nicht deshalb weil sie aus der Kiste so dramatisch besser wäre. Sondern weil man sie mit den Kit-Teilen in eine Rennmaschine verwandeln kann. Der Fireblade Entwicklungsleiter machte im Interview daraus auch kein Geheimnis. „Die Fireblade und die Fireblade SP wurden mit dem Ziel entwickelt, das beste Motorrad zu sein, die SP2 hat jedoch die schnellsten Rundenzeiten im Fokus. Für viele mag „das beste“ und „das schnellste“ Motorrad deckungsgleich sein, doch nicht für alle ist das so.

Honda voll mit dabei: Elektronikpaket

Beim Elektronikpaket hat Honda lange gewartet, nun aber voll zugeschlagen. Das System ist in einigen Punkten den aktuellen Systemen ebenbürtig in anderen Punkten aber erstmal überlegen. Das ganze Thema wirkt am ersten Blick einmal sehr komplex und verwirrend, in der Praxis jedoch reduziert sich das dann auf ein paar Clicks am linken Lenkerende. Herzstück des Systems ist eine IMU welche alle Sensorinformationen über ein Canbus-System abgreift. Alle Features greifen dann auf die IMU Infos zu und sorgen für das entsprechende Setup.

  • TBW - Throttle by wire. Einstellbar in 5 Stufen. Level 1 = Topleistung in allen Gängen und direktes Ansprechverhalten. Level 5 = weniger Leistung bis zum 4. Gang, komfortableres Ansprechverhalten. Einziges Manko: Die ersten paar Grad am Gasgriff sind in jedem Modus gleich „GUT“ und nicht „SEHR GUT“. Klar ist meine Erwartungshaltung nur bei einer Honda so hoch und Fahrer anderer Marken werden das Ansprechverhalten in höchsten Tönen loben. Ich sage: GUT bis 5% Gasgriffstellung, sehr gut von 5% bis 100%.

  • QS - Quickshifter. Rauf und Runterschalten ohne Kupplung. Sensibilität in 3 Stufen einstellbar.

  • ABS mit Hinterradabhebeerkennung - Neueste Nissin Version. Mit dem jeweils passenden Setup in der Bremszone und in der Kurve. Andere Hersteller nennen es Kurven-ABS.

  • EB - Engine Brake Control - Einstellbar in 3 Stufen. Modus 3: Wenig Motorbremse, Modus 1: Viel Motorbremse

  • HSTC - Die Traktionskontrolle. Einstellbar in 9 Stufen. Auch abschaltbar. Vorsicht: Wenn die Traktionskontrolle deaktiviert ist, dann ist auch die Wheelycontrol deaktiviert. Die Wheelykontrolle funktioniert übrigens gut und butterweich. Großes Kino!

Doch keine Sorge. All diese einzelnen Parameter sind in Modi gebündelt welche am linken Lenkerende mit einem Click gewählt werden können. Der Mode „1“ zum Beispiel ist für die Rennstrecke. Alle elektronischen Helfer sind hier richtig voreingestellt. Mode „2“ dient für herzhaftes Andrücken auf der Straße, Mode „3“ hab ich persönlich im Regen verwendet. Zusätzlich dazu gibt es noch 2 frei definierbare Modi. Diese passt man sich für seine persönliche Vorlieben einmal perfekt an und hat dann für den ganzen Fahrtag seine heilige Ruhe vor den stressigen Elektronikfeatures.

Neue Welt: Das neue Elektronikfahrwerk von Öhlins

Eine komplett neue Welt ist das elektronische Fahrwerk von Öhlins. Altbekannt und bewährt ist nur die hochwertige Hardware in Form von TTX Dämpfer und NIX Gabel. Also genau das, was ich persönlich mir in einen Rennstreckenumbau stecken würde. Eingestellt wird das Fahrwerk 40-80 mal pro Runde vom „2nd Generation Öhlins Smart EC Suspension System“. 2nd Generation bedeutet: Das System beinhaltet noch mehr Testerfahrung und Performance als die Versionen in der Ducati und der Yamaha. Das elektronische Dämpferpaket kann Druck- und Zugstufe in 100 feinen Schritten verstellen. Für jeden einzelnen Fahrzustand spendiert das Fahrwerk das optimale Setup. Fahrwerkssetup ist nun kein Kompromiss mehr.

MotoGP Performance ohne MotoGP Techniker

Bisher hatten diese Systeme nur ein Manko: Um sie wirklich auszureizen, musste man ein richtiger Elektronikfreak sein und viel Zeit am Computer verbringen. Das neue „Objective Based Tuning Interface“ OBTi gibt es nun erstmals in der Honda und bringt einen radikal neuen Ansatz beim Fahrwerkssetup mit. Man bewegt sich nicht mehr in der Welt der Druck- und Zugstufen. Man bewegt sich in der Welt der Fahrzustände „Brake“, „Corner“ und „Acceleration“. Jede dieser Fahrzustände sind mit 5 „+“ und 5 „-„ Stufen einstellbar. Das Fahrwerk kann so z.B. für radikale Bremser in der Bremszone sehr straff eingestellt werden und in der Kurve aber gleichzeitig butterweich abgestimmt werden. Einfach irre. Es ist so, als hätte man einen super kompetenten Werksmechaniker am Sozius montiert, welcher mir das Fahrwerk nicht nur optimal aus Sicht von Öhlins einstellt. Er passt mir das Fahrwerk sogar individuell auf meinen persönlichen Fahrstil an. Die große Weltneuheit: All das ohne Kompromisse.

Fireblade handlicher als R1 und RSV ?

Ganz wichtig war für mich die Frage nach dem Handling. Hier ist es so, dass sich die Fireblade im Sattel nicht nur handlich sondern auch leicht anfühlt. Oft ist es ja so, dass Motorräder zwar schwer sind aber durch ein gutes Chassis im Fahrbetrieb ein gutes Handling aufweisen. Bei der Fireblade jedoch spürt man in jeder Sekunde das geringe Gewicht der Maschine. Sie lenkt willig ein und ist gierig auf die Innenlinie. Am Kurveneingang ist sie für mich nicht besser als die Klassenbeste, die RSV, aber auch nicht schlechter. Überragend wird die Fireblade jedoch in den Wechselkurven. Keine andere 1000er wuchtest Du so schnell von einem Knie auf das andere. Zusätzlich zu dem großartigen Handling und dem leichtfüßigen Feeling wirkt die Blade auch klein, kompakt und schlank. Sie ist ja auch teilweise um bis zu 30mm schmäler. Die echte Sensation kommt jedoch zum Schluß: Trotz dem dicken Plus beim Handing im Vergleich zum Vorgänger, hat die Fireblade nichts an ihrer treuherzigen Seele verloren.

Große Überraschung: Der Sound der Fireblade im Jahr 2017 mit EU4

Viele von uns waren beim Test der Fireblade schon nach der ersten Testrunde von Freddie Spencer am Track zufrieden. Denn der Sound der neuen Blade ist wirklich würdig. Wir konnten kaum glauben, dass Honda hier EU4 Bikes an den Start gestellt hat. Das hörte sich an wie bei knallharten Racebikes. Wirklich großartig. Auch der Auspuff sieht gefällig aus. Hier ein Soundcheck Video.

Ist die Fireblade die beste 1000er am Markt?

Eines ist mal fix! Die Luft an der Spitze ist mit der Fireblade dünner geworden und das Feld ist deutlich zusammengerückt. Honda ist in Sachen Motorleistung vor allem BMW und Kawasaki unterlegen. Das wird möglicherweise auf einzelnen Strecken ein Nachteil sein. Das Elektronikpaket wirkt am Papier führend und präsentiert sich in der Praxis sagenhaft. Hier hat Honda die Nase vorne. Der größte Pluspunkt für die Honda ist aber ihr hohes Maß an mechanischer Perfektion. Sie fährt auch ohne elektronische Helfer wunderbar. Sie ist vermutlich erstmal ohne Elektronik perfektioniert worden. Danach hat man on Top das Elektronikpaket montiert. Dieses kann man nun in der Praxis dazu nutzen um als Fahrer noch mehr aus dem Motorrad rauszuholen. Sie ist für mich das einzige Motorrad wo man das Gefühl hat, die Elektronik dient nicht dazu um Chassisprobleme zu verschleiern.

Preis Honda CBR 1000 RR Fireblade Deutschland, Österreich und Schweiz

Aktuelle Preise von Honda Händlern für die neue Honda CBR 1000 RR Fireblade und die Fireblade SP habt ihr hier auf einen Click.

Gebrauchte Fireblade verkaufen

Du hast eine gebrauchte Fireblade und möchtest diese kostenlos bei ins inserieren? Auf unseren Websites 1000PS.at, 1000PS.de und 1000PS.ch sind Kleinanzeigen für Privatpersonen kostenlos. Bis zu 30 Bilder könnt ihr hochladen. Die Inserate erscheinen dann auch in unserer Marktplatz App. Hier zur Inserateingabe.

Honda Fireblade 2017 Testvideo

Das 1000PS Testvideo mit der neuen Honda Fireblade erscheint am 1. Februar um 20 Uhr auf unserem YouTube Kanal.

Mehr von NastyNils - Gründer und Boss bei 1000PS

Supersportler 2017 Tests

Fazit: Honda CBR1000RR Fireblade

nastynils

NASTYNILS

weitere Berichte

Honda hat mit der Fireblade ein echtes Kunststück geschafft. Ein gutes Motorrad wurde besser ohne dabei die beliebten Tugenden abzulegen. Das Motorrad glänzt in Sachen Chassis-Setup und Gesamtpaket mit Perfektion. Auch ohne Elektronik ist sie wunderbar harmonisch zu fahren. Die Elektronikfeatures können hier dazu verwendet werden um mehr aus dem Motorrad zu holen und nicht dazu den Mantel des Schweigens über Defizite zu legen.

1
Vorteile
  • leichtfüßiges Handling
  • stark in Wechselkurven
  • grandioses Elektronikpaket
  • schlanke Optik und schlankes Feeling
  • durchzugsstarker Motor
  • geiler Sound
1
Nachteile
  • Ansprechverhalten bei den ersten 5 Grad am Gasgriff ein klein wenig ruppig

Fazit: Honda CBR1000RR Fireblade SP

nastynils

NASTYNILS

weitere Berichte

Die Fireblade SP ist ein würdiges Uprgrade eines ohnehin schon phantastischen Motorrades. Der Tank aus Titan macht klar wie ernst es Honda war. Das elektronische Fahrwerk von Öhlins ist qualitativ hochwertig und begeistert mit einem radikal erfrischend neuen Ansatz. Fahrwerkssetup muss kein Kompromiss mehr sein.

1
Vorteile
  • leichtfüßiges Handling
  • stark in Wechselkurven
  • grandioses Elektronikpaket
  • schlanke Optik und schlankes Feeling
  • durchzugsstarker Motor
  • derzeit bestes Elektronik-Fahrwerk am Markt
  • großartiger Schaltassistent
  • Elektrofahrwerk wie von einem anderen Stern
1
Nachteile
  • Ansprechverhalten bei den ersten 5 Grad am Gasgriff ein klein wenig ruppig

Bericht vom 26.01.2017 | 58.162 Aufrufe

Kommentare zum Artikel

comments powered by Disqus

Gebrauchte und neue Motorräder

Weitere Motorräder
Weitere Neuheiten