Honda NX500 E-Clutch: Ein Abschied, der schwer fällt

Vier Monate, fünf Stärken und fünf Schwächen

Einkaufen, pendeln, am Wochenende eine Runde drehen: Unser Redaktionsmotorrad musste vieles können. Nach gut vier Monaten zeigt sich, warum wir so oft zu seinem Schlüssel greifen. Und wo die unkomplizierte Honda im Alltag an ihre Grenzen kommt.

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Mehr Motorrad braucht man nicht. Diesen Gedanken hat uns die Honda NX500 im Lauf dieser Saison ziemlich oft beschert. Rechtzeitig zur Newchurch 2026 kam sie in unseren Fuhrpark, Mitte Oktober steht nach gut vier Monaten die Rückgabe an Honda Österreich an. Dazwischen gehört sie zu den beliebtesten Motorrädern der Redaktion. Ausgerechnet diese vermeintlich langweilige Honda. Wenn der Kollege mit A2-Führerschein schnell zum Supermarkt möchte, Gregor nach Wien pendelt oder jemand eine entspannte Wochenendtour plant, lautet die erste Frage oft: "Ist die NX500 da?" Zeit für fünf Gründe, die für sie sprechen, und fünf, die sie weniger perfekt machen.


Motor: 48 PS reichen für den Alltag

Der 471 cm³ große Reihenzweizylinder ist in Hondas 500er-Familie ein alter Bekannter. Mit seinen 48 PS versetzt er keine Berge, macht im Alltag aber bereitwillig alles mit. Im Verkehr mitschwimmen, entspannt über die Landstraße rollen, die Gänge auch einmal ausdrehen: Dafür reicht es. Überholmanöver wollen allerdings besser geplant sein. Wer den Gegenverkehr im Auge behalten muss, kann fehlende Reserven nicht einfach mit einem kräftigen Dreh am Gasgriff ausgleichen. Dafür lässt sich der Motor leicht bedienen und bleibt ein unkomplizierter Begleiter. Genau diese Zugänglichkeit zählt jeden Tag mehr als eine besonders beeindruckende Leistungsspitze.


Fahrendes Motorrad

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Auch das Vertrauen in die Haltbarkeit spielt mit. Unsere Werkstatt des Vertrauens berichtet, dass dieser Motor bei ihr noch keine Probleme gemacht habe und ihr in über zehn Jahren keine Rückrufaktion dafür bekannt sei. Diese Werkstatteinschätzung passt zu unserem Eindruck vom verlässlichen Alltagsbegleiter. Unsere Bilanz beruht auf dem Einsatz über gut vier Monate durch viele verschiedene Kollegen.


E-Clutch: Die Kupplungsarbeit übernimmt Honda

Der zweite Pluspunkt sitzt direkt an der Kupplung. Die E-Clutch übernimmt das Ein- und Auskuppeln beim Anfahren und Anhalten, auch beim Gangwechsel braucht man den Kupplungshebel nicht. Geschaltet wird weiterhin mit dem Fuß. Wer selbst eingreifen möchte, greift einfach zum vorhandenen Hebel. Im Stadtverkehr nimmt das System Arbeit ab, auf der Landstraße lässt es sich ähnlich bequem wie ein Schaltassistent nutzen. Einen klassischen Blipper mit automatischem Zwischengas gibt es ohne Ride-by-Wire hier nicht. Beim Zurückschalten spürt man stattdessen, wie die Kupplung wieder eingekuppelt wird.


Honda NX500 E-Clutch 2026 – E-Clutch
Die E-Clutch übernimmt die Kupplungsarbeit, der Hebel bleibt weiter nutzbar.

Die gute Nachricht: Während unserer gemeinsamen Zeit verschluckt sich das System nicht und macht keine Probleme. Etwa zwei Kilogramm Mehrgewicht bringt das System mit. In Österreich liegt der Preisabstand zwischen NX500 und E-Clutch aktuell bei rund 500 Euro. Für mich ist der Nutzen trotzdem klar: weniger Kupplungsarbeit in der Stadt, angenehme Gangwechsel auf der Landstraße und weiterhin die Möglichkeit, alles selbst zu bedienen. Wer das zusätzliche Budget hat, bekommt meine klare Empfehlung.


Ergonomie: Sicherer Stand und entspannte Haltung

Mit meinen 1,75 Metern lande ich in der Redaktion eher selten auf den großen Reiseenduros. Vielleicht spielt auch die einmal umgelegte Africa Twin von Poky mit. Auf der NX500 gibt es dieses Problem nicht: Ich stehe sicher, die Knie bleiben am Boden sogar leicht angewinkelt. Während der Fahrt sitzt man natürlich und aufrecht, der Lenker liegt dort, wo ich ihn suche, und der Kniewinkel passt für meine Größe. Auch längere Strecken funktionieren angenehm. Größere Fahrer sollten prüfen, ob eine höhere Sitzbank besser zu ihnen passt. Unkompliziert draufsetzen und ohne zwickende Körperstellen wieder absteigen, das kann die Honda.


Honda NX500 E-Clutch 2026 – Windschutz und Handprotektoren
Das feste Windschild ergänzt die aufrechte Sitzposition.

Das kleine Windschild lässt sich nicht in der Höhe verstellen. Für mich funktioniert der Windschutz in der Serienkonfiguration ordentlich. Schaaf berichtet als größerer Fahrer dagegen von Verwirbelungen am Helm. Hier hängt der Komfort also von der eigenen Körpergröße ab, über Zubehör lässt sich das Paket bei Bedarf anpassen. Die montierten Handprotektoren bringen zusätzlichen Windschutz für die Hände. Dass die NX500 grundsätzlich zugänglich bleibt, zeigt unser Redaktionsalltag: Niemand muss erst lange über die passende Sitzhaltung nachdenken, bevor er mit ihr losfährt.


Fahrbarkeit: Für Einsteiger und erfahrene Fahrer

Jakob ist während unserer gemeinsamen Zeit noch mit dem A2-Führerschein unterwegs. Wenn er nach einem Motorrad fragt, empfehlen wir ihm regelmäßig die NX500. Sie fährt sich angenehm und macht ihm den Einstieg leicht. Sie deshalb zum reinen Anfängermotorrad zu erklären, wäre trotzdem ein Fehler. In Newchurch bewegt die rechtliche Crew die Honda sportlich auf der Landstraße. Die NX macht das mit. Im Winkelwerk und auf Schotter kann sie mehr, als man ihr beim Blick auf die Leistung zutraut. Ihre Stärke ist die Verbindung aus einfacher Bedienung und Vielseitigkeit, mit der auch erfahrene Fahrer etwas anfangen können.


Honda NX500 E-Clutch 2026
Auch erfahrene Fahrer schätzen die zugängliche Honda auf der Landstraße.

Vollwertiges Motorrad mit niedrigen Alltagskosten

Die fünfte Stärke sieht man schon im Stand: Die NX500 wirkt wie ein ausgewachsenes Motorrad. Gerade für Einsteiger, größere Fahrer oder Wiedereinsteiger, die bewusst weniger Leistung suchen, ist das ein Argument. Dazu passt der Verbrauch, wir können sie mit unter 4 l/100 km bewegen. In Österreich kostet die E-Clutch 7.890 Euro. Die NX500 ohne E-Clutch steht daneben mit 7.390 Euro. Angesichts des vielseitigen Einsatzbereichs bekommt man dafür ein vollwertiges Motorrad, dessen Leistung man im Alltag tatsächlich nutzen kann. Auch die laufenden Kosten bleiben bei diesem Fahrzeug überschaubar.


SW-Motech macht die Honda alltagstauglicher

Unsere NX500 trägt einiges an Zubehör von SW-Motech: einen STREET-RACK Gepäckträger, ein TRAX ADV Topcase, den PRO Enduro WP Riemen-Tankrucksack, das Adventure-Handprotektoren-Kit sowie PRO Seitenträger mit Seitentaschen. Das passt zu ihrem Einsatz als Straßen- und Tourenmotorrad. Für den Weg nach Wien nimmt Gregor die Seitentaschen ab, auch die Träger lassen sich bei Bedarf schnell demontieren. So bleibt die Honda im Stadtverkehr schmaler. Ich persönlich schätze vor allem das Topcase: Einkäufe oder Helm hinein, und ein Sozius kann trotzdem mit. Schaaf ist etwa schon auf dem Weg zum Kebab mitgefahren.


Honda NX500 E-Clutch 2026 – Gepäck
Abnehmbare Seitentaschen und Topcase erweitern die Möglichkeiten im Alltag.

Die stabilen Handprotektoren helfen gegen den Fahrtwind und sollen bei einem Umfaller die Hebel schützen. Einen Sturztest haben wir aber glücklicherweise damit nicht gemacht. Gut ist außerdem die breite Zubehörversorgung. Unter dem neuen Namen steckt viel CB500X, diese Bezeichnung steht sogar noch im Typenschein unseres Motorrads. Entsprechend groß ist die Auswahl an neuen und gebrauchten Teilen unterschiedlicher Anbieter. Wir entscheiden uns hier für SW-Motech, um den täglichen Einsatz und die Touren mit Gepäck angenehmer zu machen.


Gewicht und Zuladung setzen Grenzen

Wo Licht ist, gibt es Schatten. Der erste Negativpunkt ist das Gewicht: Wir wiegen unsere NX500 ohne Zubehör mit 204 kg fahrbereit. Für 48 PS ist das spürbar, beim Rangieren auf abschüssigem Boden ebenso wie beim Beschleunigen. Derselbe Motor wirkt in der leichteren CB500 Hornet spritziger.


Der zweite Haken betrifft die angegebene Zuladung von 185 kg. Zu zweit und mit Reisegepäck nähert man sich dieser Grenze entsprechend schneller. Für mich ist die NX500 deshalb vor allem ein gutes Solo-Reisemotorrad. So bleibt mehr Spielraum fürs Gepäck, und der Motor muss weniger zusätzliches Gewicht bewegen. Zu zweit fahren geht selbstverständlich auch. Dann sollte man bei der Beladung genauer rechnen und gegebenenfalls beim Gepäck Abstriche machen.


Autobahn: Vibrationen und fehlender Tempomat

Die nächsten beiden Schwächen betreffen besonders die Pendler. Bei Autobahntempo laufen hochfrequente Vibrationen durch den Lenker, etwas davon kommt auch an den Fußrasten an. Der sechste Gang ist nicht besonders lang übersetzt, bei den genannten 5.000 bis 6.000 U/min wird das auf längeren Etappen unangenehm. Nach einiger Zeit fühlen sich die Hände taub an. Man überlegt also genauer, wann der nächste Stopp sinnvoll ist. Dazu fehlt ein Tempomat. In dieser Preisklasse ist das nachvollziehbar, die nach Wien pendelnden Kollegen würden ihn trotzdem schätzen. Wer viel Autobahn fährt, sollte diese beiden Punkte bei der Probefahrt bewusst prüfen.


Kopfmotorrad mit einem Platz in der Redaktion

Bleibt der fünfte Kritikpunkt: Manchen wird die Honda schlicht zu brav sein. Sie fährt unaufgeregt, der Motor funktioniert, die Lackierung gefällt, die große Aufregung bleibt aus. Für diese Fahrer ist sie eher ein Kopf- als ein Herzensmotorrad. Genau das macht sie bei uns so beliebt. Draufsetzen, losfahren und wissen, was einen erwartet. In anderen Ländern sieht man viele NX500 und ihre Vorgänger als Alltagswerkzeuge, mit Rucksack oder Topcase auf dem Weg zur Arbeit und zum Einkauf. Diese Rolle erfüllt auch unsere Honda. Dass sie bald zurück zu Honda Österreich geht, hinterlässt deshalb eine spürbare Lücke im Fuhrpark.


Fazit: Honda NX500 E-Clutch 2026

4,0 / 5 1000PS-Testurteil nach 4 Berichten, 2026
Die Honda NX500 E-Clutch überzeugt als unkompliziertes Motorrad für den Alltag. Der gut bedienbare Zweizylinder reicht zum Mitschwimmen, die automatisierte Kupplung entlastet in der Stadt und beim Schalten. Mit natürlicher Sitzposition, sicherem Stand für kleinere Fahrer und niedrigem Verbrauch passt sie zum Pendeln ebenso wie zur entspannten Soloreise. Auch erfahrene Fahrer haben auf der Landstraße Freude an ihrer Zugänglichkeit. Grenzen setzen das spürbare Gewicht, knappe Reserven beim Überholen und die Zuladung bei Reisen zu zweit. Auf längeren Autobahnetappen stören Vibrationen, ein Tempomat fehlt. Wer einen verlässlichen, unaufgeregten Begleiter sucht, findet hier viel Alltagstalent.


  • leicht bedienbarer Motor
  • entlastende E-Clutch
  • zugängliche aufrechte Ergonomie
  • vielseitige Fahrbarkeit
  • niedriger Praxisverbrauch
  • spürbares Gewicht
  • begrenzte Überholreserven
  • eingeschränkter Zuladungsspielraum zu zweit
  • hochfrequente Autobahnvibrationen
  • kein Tempomat

Bericht vom 29.10.2026 | 4.960 Aufrufe

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