KTM 1290 Super Duke GT im Reise-Test 2021

Unverschämt sportlich durch die steirischen Alpen

Wer braucht schon Reiseenduros, wenn man sich mit einem Sporttourer auf Reise begeben kann. Agilität, Sportlichkeit und Fahrspaß stehen hier im Fokus. Doch wie reist es sich damit? Eignet sich die radikale 1290 Super Duke GT überhaupt für eine längere Reise?

Um das herauszufinden haben wir uns mit drei Sporttourern, der KTM 1290 Super Duke GT, der Kawasaki Ninja 1000 SX und der BMW R 1250 RS in die wunderschöne Motorradregion Steiermark aufgemacht. Ausgehend vom MoHo Hierzegger auf der Tauplitzalm erkunden wir 5 Tage lang die malerische Umgebung. Hier sind vielleicht nicht die prestigeträchtigen, allseits bekannten Passtraßen zu finden, dafür hält sich auch der Verkehr in Grenzen und man kann ungestört die Berge und Panoramen inhalieren, oder es auch mal etwas krachen lassen. Und vor allem für Letzteres waren wir sehr gut ausgestattet!

Ein fein justierter Dampfhammer - Motor & Leistung der KTM 1290 Super Duke GT

Der 75° V2 der Super Duke GT mit 1301 Kubik ist ein erstaunlich vielseitiges Aggregat. Während es in der Super Duke brachial ans Werk geht und eines der schärfsten Power-Nakeds am Markt befeuert, gibt sich der Motor in der Super Adventure relativ handzahm, sogar zugänglich bei niedrigen Drehzahlen und bietet trotzdem ab der Mitte mächtig Druck. In der Super Duke GT liegt der Charakter des V2 zwischen diesen beiden Extremen. Weder hat man permanent das Messer zwischen den Zähnen, noch ist er untenrum so umgänglich wie in der Adventure. Mit 175 PS bei 8870 U/min und 141 Nm Drehmoment bei 6500 Touren hat die Super Duke GT 5 PS weniger und 1 Nm mehr als ihre nackte Schwester, doch dafür liegt beides schon bei deutlich niedrigeren Drehzahlen an. Fährt man behutsam und bewusst untertourig weg, dann spürt man, dass KTM sich bemüht hat die Abstimmung noch etwas runder zu gestalten. Im Gegensatz zur Super Duke R ruckt und rüttelt der Motor in der GT nicht wie ein alter Traktor, trotzdem wird es so richtig rund erst ab 3500 Umdrehungen. Darunter ist sie zwar durchaus fahrbar, doch rausbeschleunigen möchte man aus so niedrigen Touren nicht. Dann lieber zwei Gänge mit dem grandiosen Quickshifter runterballern und im Wohlfühlbereich des Motors mit mörderisch Power davonziehen.

Windschutz & Langstreckentauglichkeit der KTM 1290 Super Duke GT

Doch bevor wir überhaupt zu den herrlich kurvigen Straßen der Steiermark kommen, auf denen wir unseren Bikes so richtig die Sporen geben können, gilt es die Anreise zu bewältigen. Zwar bietet KTM verschiedene Gepäck-Systeme für die Duke GT an, doch wir brauchen bei unserer sportlichen Reise mit fixem Hotel gar nicht so viel Stauraum und montieren uns stattdessen die praktischen und kompakten SW-Motech Taschen. Fertig zusammengepackt geht es aber endlich los.

Für Fans der sänftenartigen Fortbewegung ist die Super Duke GT definitiv nichts. Vor allem im direkten Vergleich mit der BMW und Kawasaki ist sie ganz klar die Härteste, doch mit etwas Toleranz geht es eigentlich selbst auf der GT recht komfortabel dahin. Die Sitzbank mag zwar flach und hart wie ein Brett sein und das elektrische Fahrwerk selbst im Komfort-Modus noch härter abgestimmt als die Konkurrenz im Sport-Modus, doch die aufrechte, angenehme Sitzposition und der gute Windschutz kompensieren das wieder etwas. Mit einer Hand und während der Fahrt lässt sich der Windschild verstellen. Das nimmt Druck von der Brust und Helm, nur ganz oben auf den letzten Zentimetern meines Shoei spüre ich den Wind und ein paar Verwirbelungen. Macht aber nichts. Größter Pluspunkt in Sachen Komfort ist für mich die schon erwähnte Sitzposition. Nicht nur sitzt man dank geradem, breitem Lenker sehr souverän auf der GT, auch die Bewegungsfreiheit ist erstaunlich gut. Die Sitzbank mag zwar hart sein, bietet dafür aber viel Platz, um den Allerwertesten in alle Himmelsrichtungen zu schieben. Der Kniewinkel ist nicht zu spitz und die Taille der KTM angenehm schmal, sodass man auch als schmaler gebauter Pilot die Beine nicht zu sehr spreizen muss. So universell und intuitiv sitze ich, dass ich die Super Duke GT in puncto Ergonomie ohne zu zögern an Klein & Groß, Dick & Dünn weiterempfehle. So cruise ich trotz sportlicher Härte, mit eingeschaltetem (und serienmäßigen) Tempomat und Griffheizung, entspannt bis in die Steiermark.

Ein messerscharfes Biestchen - Handling & Fahrverhalten der KTM 1290 Super Duke GT

Nach gut 250 Kilometern kommen wir spät Nachmittags am Fuße der Tauplitzalm Alpenstraße an. Am Ende dieser Mautstraße wartet unser Hotel, doch davor erwarten uns 10 Kilometer voller Kurven und Fahrspaß. Das beste daran: Die Straße ist für externe Besucher nur bis 17:00 geöffnet, danach können nur noch Anrainer und Hotelgäste durch den Schranken. Perfekt für uns, denn somit können wir die Auffahrt ohne jeglichen Verkehr genießen.

KTM 1290 Super Duke GT
Das messerscharfe Biestchen sorgt mit ihrem agilen Handling und durchzugsstarken Motor für mächtig Spaß im Sattel.

Im engen Winkelwerk entfesselt, zeigt die Super Duke GT erst was sie kann. Vermeidet man die unteren 3500 Touren, ist der Motor in jeder Lage eine Wucht und liefert schier endlos Leistung. Gerade auf der eher kühlen, teils nassen Strecke bin ich über die zahlreichen Assistenzsysteme (Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, etc.) froh. Über den breiten Lenker lässt sie sich blitzschnell umlegen und präzise durch den Radius dirigieren. Die 48 mm Upside-Down-Telegabel mit 125 mm Federweg und das Federbeim mit 156 mm Federweg, beides von WP, sind zwar knackig hart abgestimmt, geben dafür aber ein hervorragendes Feedback von den Rädern. Gerade im Sportmodus ist man knallhart unterwegs, kann dafür aber eine Nadel beim Darüberfahren spüren. Die Super Duke GT zieht zwar nicht ganz so scharf durch die Kurve wie das "Skalpell", die KTM 890 Duke R, und sie schiebt auch nicht so radikal an wie das "Biest 3.0" alias Super Duke R, doch liegt sie bei beidem nicht weit zurück und so sehe ich sie als messerscharfes Biestchen mit Touring-Potential.

Beim ambitionierten Anbremsen vor der Kurve erleichtern die hochwertigen Bremsanlagen von Brembo einen fein dosierten Einstieg in den Radius. Vorne verzögern zwei 320 mm Bremsscheiben mit 4-Kolben-Radialfestsattel und hinten eine 240 mm Scheibe mit Zweikolben-Festsattel. So ist die Auffahrt spaßig, aber eigentlich viel zu schnell vorüber. Nur der Lärm, den meine kindische Anraucherei inmitten der idyllischen Almlandschaft verursacht, ist mir etwas peinlich. Unsere Test-Super Duke GT hat nämlich das Track-Paket montiert. Dazu gehört auch ein Akrapovic-Auspuff, der aus dem ohnehin schon nicht gerade dezenten Bike eine Knalltüte sondergleichen macht. Selbst bei vorsichtigster Fahrweise dröhnt und donnert es hinten raus, bei flotterer Gangart erzittern die Berge. Das ist am Anfang zwar ganz geil und lustig, wird auf Dauer aber zu viel, gerade wenn der Reise-Aspekt im Fokus steht.

Verbrauch & Reichweite KTM 1290 Super Duke GT

Oben angekommen wird erst einmal abgesattelt und ein kühles Bier genossen. Die nächsten Tage bringen wechselhaftes Wetter und so richten wir unsere Tagesrouten nach den Witterungsbedingungen. Mal geht es nach Westen bis nach Hallstatt, mal nach Süden zum Sölkpass. Kleine Gewitterzellen ziehen umher, da heißt es manchmal schnell sein und Standort wechseln. Ungeplante Tankstopps kommen da ganz ungünstig, auf der KTM muss man sich vor denen aber nicht fürchten. Wir haben den Verbrauch im Laufe unserer Reise selbst gemessen und sind am Ende auf einen durchschnittlichen Verbrauch von 5,89 l/100km gekommen. Bei einem 23 Liter Tank auf der Super Duke GT bedeutet das eine Reichweite von knapp 400 Kilometern. Mehr als genug, um schnell vor Gewittern zu flüchten.

Soziustauglichkeit der KTM 1290 Super Duke GT

Ebenfalls sehr wichtig bei Reisemotorrädern ist die Soziustauglichkeit. Wir Heizer haben das Motorrad zwar am liebsten für uns selbst, doch viele nehmen auch ihre bessere Hälfte mit auf die Tour. Da ich als gestandener Lauch den Körpermaßen einer zarten Herzensdame am nächsten bin, bestimmen die anderen auch einstimmig, dass ich hinter Poky die Sozia mimen darf. Rasant geht es den Sölkpass auf und ab und bei der radikalen Fahrweise wird mir Angst und Bange. Vor allem auf der Super Duke GT, denn genau wie im beim Fahrer ist auch der Sitz der Sozia kein bisschen weicher und man spürt jede Welle und jeden minimalen Rutscher präzise am Hinterteil. Action-liebende Beifahrerinnen werden damit kein Problem haben, denn es ist durchaus aushaltbar und irgendwie auch aufregend, doch noblen Damen mit Ansprüchen würde ich so einen Ritt nicht zumuten. Ein nicht allzu spitzer Kniewinkel, ausreichend Platz und die Möglichkeit, das eigene Gewicht am Tank mit den Armen abzufangen, sind aber gegeben und für einen Sporttourer absolut in Ordnung.

Soziusfahrt auf der KTM 1290 Super Duke GT
Leise Schreie tönen aus dem Helm des unfreiwilligen Sozius, während Poky sich nicht zurückhält und auf der Super Duke GT vollstreckt.

Überraschend üppig von Haus aus - Elektronik & Bedienung der KTM 1290 Super Duke GT

Inzwischen betreiben es leider schon viele Hersteller und es ist ein leidiges Thema: Die Aufpreispolitik. Neue Motorradmodelle werden zum vermeintlich günstigen Preis angeboten, sind dann serienmäßig aber dermaßen abgespeckt, dass so ziemlich jeder Kunde noch einmal ein paar Tausender in verschiedene Features steckt. Umso überraschender ist es, dass weder der Tempomat, noch die Heizgriffe, Reifendruck-Kontrollsystem, LED-Kurvenlicht, Supermoto-Modus (schaltet ABS am Hinterrad aus, macht mega Spaß!), oder der Quickshifter auf der Super Duke GT aufpreispflichtig sind. Über das 6,5 Zoll TFT-Display und die Tasten am Lenker steuert man sich recht intuitiv durch die zahlreichen Systeme und 3 Fahrmodi (Sport, Street & Rain). Für gutes Geld gibt es neben unzähligen KTM Powerparts noch eine Berganfahrhilfe, eine Motorschleppregelung und das Track Pack zu erstehen. Letzteres ist wie erwähnt auf unserer Testmaschine verbaut und ermöglicht eine 9-stufige Anpassung der Traktionskontrolle, passt die Gasannahme an, fügt einen vierten "Track"-Fahrmodus und eine Launch-Control hinzu und macht die Anti-Wheelie-Control ausschaltbar. Mit Touring hat das freilich wenig zu tun, doch wenn man seine Super Duke GT hin und wieder auf die Rennstrecke entführen möchte, so ist sie damit zweifelsfrei bereit dafür.

Gebrauchte und neue KTM 1290 Super Duke GT Motorräder

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Viel Motorrad um viel Geld? - Preis KTM 1290 Super Duke GT

Die Kosten für eine Super Duke GT variieren zwar stark zwischen Deutschland, Österreich & der Schweiz - Hier findet ihr alle aktuellen Preise & Angebote - doch nirgendwo ist sie ein günstiges Motorrad. Sie liegt tendenziell preislich sogar über der Super Duke R. Doch im Gegenzug bekommt man dafür ein extrem sportliches Motorrad mit super Ergonomie und genug Komfort, um auch längere Reisen zu unternehmen. Da sie sogar in Serie schon recht üppig ausgestattet ist, geht der Preis meiner Meinung nach in Ordnung. Schließlich schaffen nicht viele Motorräder den Spagat zwischen Sportlichkeit und Reisetauglichkeit so gut wie die KTM. Das gilt auch für unsere Reise, wo mir schlussendlich die 1290 Super Duke GT den breitesten Grinser unter den Helm zaubert.

Fazit: KTM 1290 Super Duke GT

Die Super Duke GT legt definitiv den Fokus auf den "Sport" im Sporttourer, nichtsdestotrotz kann sie auch passabel im Reisebetrieb verwendet werden. Sie ist vom Fahrwerk bis zum Sitz zwar klar auf der härteren Seite, macht das mit großartiger Ergonomie, viel Platz im Sattel und üppiger Ausstattung ab Werk aber wieder wett. Vor allem sportliche Fahrer werden sich am potenten Motor und dem präzisen, leichtgängigen Handling erfreuen. Für Komfort-verwöhnte Cruiser mag sie nichts sein, wer aber auf etwas Gemütlichkeit verzichten kann und im Gegenzug am radikalen Charakter Freude hat, der wird auch ohne Probleme große Reisen mit ihr durchleben. Die wichtigen Punkte, wie ausreichend Reichweite, Windschutz & Zuladung, erfüllt sie auch.


  • Sehr potenter Motor mit massiv Power, Äußerst präzises Fahrwerk
  • Agiles Handling
  • Gut dosierbare Bremsen
  • Ok Windschutz
  • Windschild einfach verstellbar
  • Top Ergonomie, auch für große Fahrer
  • Große Reichweite
  • Üppige Ausstattung in Serie
  • Fahrwerk & Sattel recht hart
  • Motor beschleunigt erst ab ca. 3500 Umdrehungen richtig rund
  • Mit Track Pack sehr laut

Bericht vom 06.09.2021 | 11.837 Aufrufe

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