Vergleich: Indian Scout gegen Scout Bobber Twenty 2021

Fun-Cruiser im Test

Die Scout Baureihe von Indian wird nun seit 2015 in ihrer aktuellen Form angeboten. Die letzten Jahre kamen verschiedene Versionen hinzu, mit der Bobber Twenty als neueste Version. Während unserer #1000psEspana Reise konnten wir sowohl das Standardmodell, als auch die Bobber Twenty testen und eiskalt vergleichen.

Wer sich nach einem leicht zu fahrenden Motorrad umsieht, wird meist in der Naked Bike Kategorie enden. Dort ist die Auswahl groß und auch die verfügbaren Leistungsstufen erfüllen alle Wünsche. Doch wieso achtet niemand auf Cruiser? Mit ihrer niedrigen Sitzhöhe und dem tiefen Schwerpunkt wären sie perfekt für alle mit kurzen Beinen und unsicherem Stand. Cruiser fahren muss nicht mehr anstrengend sein. Nein, es kann auch super easy sein, wie uns die beiden Indians bewiesen haben.

Spaßig aber ungewöhnlich - Scout 2021 Motor

Der V2 der Indian Scout lässt auch Tage nach unserem Testeinsatz noch Fragezeichen aufkommen: Mögen wir ihn, oder nicht? Lasst mich erklären. Der 1133 Kubik große V2 ist ein herrlich sanfter Kollege und bringt mit 94 PS und 97 Nm Drehmoment auch genügend Leistung für den Alltag mit. Außerdem punktet er mit seiner hohen Laufkultur und stressfreier Bedienung. Keine Macken und sehr glattgebügelt.

Doch das ist auch sein großer Feind. Man spürt, dass es sich um ein modernes, wassergekühltes Aggregat handelt, das ja beinahe schon japanisch wirkt. Zudem verfügt der V2 über eine Cruiser-untypische Leistungsentfaltung, die erst mit hoher Drehzahl voll zur Geltung kommt. Ohne Frage kann man sehr viel Spaß mit dem Scout Motor haben. Bei der herrlichen Optik und der klassischen Sitzposition erwartet man jedoch anderes.

Unterschiede zwischen Indian Scout und Indian Scout Bobber Twenty

Dass die Unterschiede unserer beiden Testbikes zum Teil optischer Natur sind, braucht man nicht erklären. Denn auch die Fakten zeigen klare Unterschiede auf:

ScoutScout Bobber Twenty
Fahrbereites Gewicht256 kg260 kg
Federwege vorne/hinten120/76120/51
Sitzhöhe649695

Kommt es zur Sitzposition, spürt man sofort die Unterschiede in der Geometrie. Auch wenn die Scout Baureihe sehr niedrig baut, sitzt man in der Standard Scout deutlich integrierter im Motorrad und kann somit Lenkinpulse über den Torso und die Beine geben. Die Scout Bobber Twenty zeigt, welch Unterschied der höhere freischwebende Sattel macht. Man thront über dem Motorrad und gibt jegliche Lenkbefehle über den Apehanger-Lenker. Welche Konfiguration die "bessere" ist, lässt sich nicht pauschal sagen ausprobieren und selbst entscheiden.

Indian Scout präsentiert sich als komfortable Alltagsmaschine

Komfort Cruiser für den Alltag. So lässt sich die Indian Scout Bobber gut beschreiben. Dank der dick gepolsterten Sitzbank und den höheren Federwegen im Heck freut man sich über eine gute Dämpfung selbst auf schlechten Straßen. Die Optik ist klassisch und gibt aufgrund des Einsatzes von viel Chrom ein edles Gefühl. Unser Exemplar durften wir uns bei ZM-Moto in der Nähe von Malaga ausborgen. Der Verleiher (indiantours.andalusia auf Instagram) hat sich auf die amerikanische Marke spezialisiert und bietet neben der Vermietung von Motorrädern auch geführte Touren an. Eine sympathische Truppe, der wir gerne eine Empfehlung aussprechen!

Die Indian Scout Bobber Twenty: Die coole Schwester

Stellt man die Scout Bobber Twenty neben das Standardmodell wird es wenig Debatte geben, welches Bike optisch mehr hergibt. Mit ihrer Mattlackierung, dem Apehanger Lenker und den kurzen Kotflügel präsentiert sich die Scout Bobber Twenty als echtes Posereisen. Der freischwebende Sattel rundet das Paket ab, auch wenn er nicht die beste Dämpfung bietet und der Halt nach hinten nicht gegeben ist. Außerdem bringt die Optik einen großen Nachteil im Alltag: Bei Regenfahrten wird jeglicher Dreck gegen den Rücken den Fahrers geschleudert. Der Preis für kurze Kotflügel. Doch glücklicherweise war der Mitas Custom Force montiert, der auch bei nasser Straße für Sicherheit sorgte. Alle Eindrücke zum Reifen findest du hier: Fahreindrücke mit dem Mitas Custom Force.

Im Fahrbetrieb entscheidet der Geschmack

Bevor ich auf die Ähnlichkeiten zu sprechen komme, noch ein wichtiger Hinweis für kleine FahrerInnen: Das Rangieren fällt auf der niedrigeren Scout mit ihrem flachen Lenker deutlich leichter, als auf ihrer Bobber Twenty Schwester. Abgesehen davon sind beide Bikes unglaublich spielerisch zu bewegen. Dank ihrer schmalen Linienführung verschwinden sie beinahe zwischen den Beinen und geben das Gefühl von Kontrolle. Cruiser fahren leicht gemacht!

Sowohl in der Stadt, als auch auf der Landstraße fällt die Bedienung einfach. Dank des niedrigen Schwerpunkts und der geringen Sitzhöhe fallen Manöver bei langsamen Verkehr einfach, die leichte Kupplung hilft hier nochmals. Wird der Großstadtdschungel hinter einem gelassen erfreut man sich am spritzigen Kurvenverhalten, das nur durch das Aufsetzen der Fußrasten gebremst wird. Trotzdem bieten sowohl die Indian Scout, als auch die Scout Bobber Twenty überraschend viel Schräglagenfreiheit! Die cruiseruntypische Kurvengier liegt unter anderem am 150er Hinterreifen, der seine Wirkung beweist, optisch aber vor allem auf der Bobber Twenty eine Niederlage darstellt.

Bremsen erfüllen alle Erwartungen

Wie auch im Kapitel Motor unterschieden sich die beiden Scout Modelle bei der Bremsanlage nicht. Sowohl in der Front, als auch im Heck arbeitet eine 298 mm große Bremsscheibe, die vorne von einem Zweikolben-Bremssattel und hinten von einem Einkolben Bremssattel gepackt wird. Die Bremsleistung kann als durchaus adäquat für dieses Segment beschrieben werden und liefert somit die gewünschte Verzögerung. Zwar braucht es bei flotter Gangweise ein wenig Kraft am Bremshebel, aber schließlich sprechen wir hier von zwei Cruisern.

Welche Indian Scout für wen?

Beide Indian Scout Modelle haben uns überrascht und überzeugt. Man findet hier keinen klassischen Cruiser für das Flanieren auf der Strandmeile dafür fehlt ihr schlichtweg der Charakter. Was man jedoch findet sind überraschend sportliche Cruiser, die eine spannende Naked Bike Alternative für kleine FahrerInnen darstellen könnte. Die Indian Scout bietet durch ihre flache Bauweise eine Spur mehr Einsteigerfreundlichkeit und erfreut bei jedem Blick mit ihren klassischen Elementen. Die Scout Bobber Twenty hingegen präsentiert sich als Outlaw, der aber eigentlich nur auf böse macht.

Letzten Endes werden optische Präferenzen entscheiden, für welche Indian Scout man sich entscheidet. Mit beiden liegt man aber keinesfalls falsch!

Fazit: Indian Scout

Cruiser fahren leicht gemacht! Unter diesem Slogan sollte Indian eigentlich die Scout verkaufen, denn sie zeigt, dass coole Ami-Cruiser nicht schwer oder kompliziert in der Anwendung sein müssen. Im Alltag zeigt sie sich als stressfreier Begleiter und überrascht mit Sportlichkeit und einem sehr drehfreudigen V2. Hätte sie eine Spur mehr Charakter, wäre sie perfekt.


  • spritziger Motor
  • einfaches Fahrverhalten
  • niedrige Sitzhöhe
  • für kleine FahrerInnen gut geeignet
  • angenehmer Begleiter im Alltag
  • klassische Optik
  • Motor fehlt Charakter

Fazit: Indian Scout Bobber Twenty

Schaut grimmig, ist in Wahrheit aber vollkommen zahm. Die Scout Bobber Twenty ist wahrscheinlich die optisch aggressivste Indian Scout, behält aber all ihre alltagstauglichen Tugenden. Mit ihrem hohen Lenker schenkt sie viel Vertrauen und gibt das Gefühl von Kontrolle. Einzig der schlechte Spritzschutz durch die (zugegeben sehr coolen) kurzen Kotflügel stört, wenn man bei Schlechtwetter unterwegs ist.


  • spritziger Motor
  • einfaches Fahrverhalten
  • niedrige Sitzhöhe
  • coole Optik
  • angenehmer Begleiter im Alltag
  • Motor fehlt Charakter
  • schlechter Spritzschutz bei Schlechtwetter
  • 150er Hinterreifen optisch schwach

Bericht vom 15.03.2021 | 28.244 Aufrufe

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