KTM 890 Duke vs. Yamaha MT-09 2021 im Vergleichs Test

Österreichischer Power-Twin gegen Bonsai-Drilling

KTM und Yamaha bringen frischen Wind in die Mittelklasse. Grund genug für einen ersten Vergleichstest! Welches Konzept überzeugt eher? Wo gibts mehr fürs Geld?

Testort Barcelona ermöglicht Vergleichstest Anfang März

Während sich die Straßen in unseren Breiten noch streu- und salzbedeckt und nicht selten feucht und rutschig präsentierten, hatten wir die Gelegenheit diesen Vergleichstest bei wohligen 16 Grad im Umland von Barcelona durchzuführen. Damit bin ich in der Lage Aussagen über das Fahrverhalten dieser beiden Motorräder zu treffen, die ich in Zentraleuropa erst Mitte April treffen könnte. Aber genug der einleitenden Worte, sehen wir uns an welcher der beiden frühen Vögel den Wurm fängt.

MT-09 und 890 Duke mit beinahe identen technischen Daten für 2021

Man muss schon zweimal hinsehen um bei den Daten der beiden Kontrahentinnen Unterschiede auszumachen. Alle Zahlenverliebten finden die technischen Daten zum Vergleich KTM 890 Duke und Yamaha MT-09 2021 natürlich übersichtlich in unserem Motorradvergleich gegenübergestellt. Daher hier nur in aller Kürze: Gleicher Hubraum, 1 Nm Unterschied im Drehmoment, 4 PS Unterschied in der Maximalleistung, beinahe gleiches Gewicht. Grundsätzlich empfehle ich allen denen in diesem Bericht Details abgehen, sich den Einzel-Test der 890 Duke und den Einzel-Bericht der Yamaha MT-09 2021 ebenfalls noch zu Gemüte zu führen.

Fahrwerksduell geht überraschenderweise an die KTM 890 Duke

Am Papier dürfte die Yamaha dem österreichischen Herzog in der Fahrwerkswertung keine Chance lassen. Vorne werkt in der MT-09 eine voll einstellbare USD Kayaba-Gabel, das Federbein bietet neben Federvorspannungs- auch eine Zugstufenadjustierung. Bei der Duke ist mit Ausnahme der Federvorspannung des Federbeins nichts einstellbar. In der Praxis (und im reinen solo Landstraßenbetrieb) macht die KTM aber dennoch die bessere Figur, weil das Fahrwerkssetup ein sehr gelungener Kompromiss ist, während bei der Yamaha beispielsweise auch mit komplett geschlossener Zugstufe das Federbein in Wechselkurven zu rasch ausfedert. Insgesamt braucht es mehr Härte (auch in der Gabel) um gut zu funktionieren, was natürlich zu Lasten des Fahrkomforts geht. Die Open Cartridge WP Gabel der KTM 890 Duke spricht feinfühlig an und bietet trotz 10 mm mehr Federweg mehr Transparenz, als das Pendant in der MT-09.

Ohne passende Ergonomie geht nichts - wer hat hier die Nase vorn?

Hilfreich für die Transparenz am Vorderrad ist natürlich auch die Sitzposition die man auf der KTM 890 Duke einnimmt. Im Vergleich zur MT-09 bringt man auf der Österreicherin durch die Sitzhaltung mehr Gewicht aufs Vorderrad. Eine Rolle für die schwächere Transparenz spielen bei der MT-09 auch die ellenlangen Riser auf denen der Lenker montiert ist. Sie sind erforderlich, um bei der, im Vergleich zur Vorgängerin gekürzten Gabel und dem breiten Tank der Yamaha einen zumindest akzeptablen Lenkeinschlag zu ermöglichen. Dieses Problem kennt die Duke nicht.

Bei der Sitzhöhe nehmen sich die beiden Naked Bikes nicht viel. Auf der Yamaha MT-09 thront man 5 mm höher als auf der Duke, dadurch das beide Motorräder im Bereich der Sitzbank extrem schlank sind, kommen aber auch kleiner gewachsene Piloten gut damit zurecht. Die Yamaha vermittelt (zwar weniger als ihre Vorgängerin, aber immer noch) das Gefühl eher auf dem Motorrad zu sitzen, während man bei der KTM in die Maschine integriert ist.

Apropos Sitzbank, hier macht die 890 Duke für mich den stimmigeren Eindruck. Der klar abgegrenzte Sitzplatz für den Fahrer hat eine gute Mischung zwischen ausreichender Härte, um das Popometer mit Informationen zu füttern und Komfort, um den Popo nicht über die Maßen zu beleidigen. Die Yamaha hat einen etwas lieblos designten Sattel, der seine Aufgabe auch nicht schlecht macht, aber eben nicht ganz an den der Duke heranreicht.

Soziustauglichkeit KTM 890 Duke und Yamaha MT-09 2021

Ein kurzes Wort noch zum Fahren zu zweit: Weder die 890 Duke noch die MT-09 sind dafür ausgelegt mit Sozius oder Sozia die Alpen zu überqueren. Die quirligen schlanken Gazellen zu diesem Zweck zu missbrauchen schickt sich nicht! Beide Hersteller haben den jeweiligen Prachtmotor zu diesem Zweck in andere Chassis gepflanzt, um solchen Anforderungen eher zu entsprechen. Für die Unbelehrbaren und im Notfall, ist die KTM durch den höher gelegten und abgetrennten Soziussitz, sowie den etwas entspannteren Kniewinkel marginal besser für die Kurzstrecke zu zweit geeignet.

Bei der Verarbeitungsqualität zeigt KTM auf

Die Yamaha hat im Vergleich zur Vorgängerversion in Sachen Haptik und Verarbeitungsqualität zwar einen Sprung nach vorne gemacht, reicht aber immer noch nicht ganz an die Duke heran, die zugegebener Maßen auch gut 1.000 Euro teurer ist. Etwas mehr Sorgfalt hätte ich mir zudem bei der Kabelverlegung gewünscht. Die kleine, aber viel diskutierte Maske vermag es nicht, die unschön in Klebeband eingewickelten Schläuche und Kabel hinter ihr verschwinden zu lassen und auch für die Hupe hätte es wohl eine elegantere und witterungsgeschützere Position gegeben.

Die Duke legt die Latte bei der Verarbeitungsqualität hingegen ziemlich hoch. Schalter und Hebeleien sehen wertig aus und greifen sich gut an. Bei der KTM ist im Gegensatz zur MT-09 übrigens auch der Kupplungshebel verstellbar. Das 4,3 Zoll TFT-Display ist, obwohl 1:1 aus der 790 Duke übernommen farbenfroher und besser ablesbar, als das 3,5 Zoll Gegenstück auf der Yamaha, das einen irgendwie an Arcade-Games aus den 90er Jahren erinnert.

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Sahnestück in der MT-09 vs. rauher Power-Kerl in der Duke 890

Der CP3-Motor in der Yamaha, ist seit seiner Vorstellung unbestritten eines der großartigsten Triebwerke am Markt. Den Japanern ist es gelungen diese Stellung auch in der Euro 5 Konfiguration beizubehalten. Auch beim Sound ist durchaus etwas gelungen, obwohl man mit 96 dB leider lauter geworden ist, als bisher. Kraft bietet der 3-Zylinder schon unten raus aber ab 5.500 Umdrehungen bis quasi in den Begrenzer wird ein echtes Feuerwerk geboten. Der serienmäßig verbaute Quickshifter mach seine Aufgabe gut, wenngleich ihm niedrige Drehzahlen eher wenig schmecken.

Hier hat die Duke also kein leichtes Spiel. Nicht nur, dass der Reihen-Zweier in tiefen Drehzahlregionen immer noch etwas ruckelig agiert, sein Motorlauf ist gesamtheitlich deutlich rauer als der der MT-09. Vergleicht man ihn mit seinen Einzylinder-Vorfahren ist er natürlich ein Musterstück an Gutmütigkeit. Obwohl sich der drehfreudige Zweizylinder gut ausdrehen lässt, kommt er nicht an die Seidigkeit des Yamaha-Triples heran. Die KTM ist kein für den Alltag ausgewiesenes Bike, sie will immer mehr, treibt den Fahrer an. Kraft hat man dafür genug in jeder Lebenslage. Dazu kommt ein süchtig machender Sound, vor allem das Sprotzeln im Schubbetrieb lässt das Herz höher schlagen, aber auch das Gänge durchjagen (am besten mit dem leider aufpreispflichtigen Quickshifter+) macht eine Riesenfreude. Und das alles bei nur 93 dB Standgeräusch - Bravo KTM!

Elektronikfestival bei MT-09 und Duke 890

Beide Nakes Bikes sind randvoll mit elektronischen Features - unglaublich was sich in dieser Klasse mittlerweile abspielt! Eine 6-Achsen IMU bieten beide, ABS und Traktionskontrolle arbeiten also schräglagenabhängig und was fast noch wichtiger ist, so feinfühlig, dass der Pilot ihr Eingreifen kaum merkt. Ein großer Vorteil der Yamaha ist, dass man die Eingriffe der Traktions- Wheelie- und Slide-Kontrolle serienmäßig in 3 Stufen individuell konfigurieren kann. Bei der Duke ist das extra zu bezahlen (Tech-Pack), dafür gibt es ebenfalls optional auch noch eine Launchcontrol, die die MT-09 nicht bietet. Serienmäßig am Start bei der KTM ist der Supermoto-Modus des ABS, die ultimative Spaßfunktion, die ich trotz des zugegeben erhöhten Reifenverschleißes nicht mehr missen wollen würde!

Welche Anker vermögen mehr zu überzeugen?

Nach so vielen Dingen, die die positive Beschleunigung betreffen, müssen wir noch einen wichtigen Punkt ansprechen, der die negative Beschleunigung ermöglicht: die Bremsen. Auch hier liefern sich MT-09 und Duke ein Kopf-an-Kopf-Rennen und das auf relativ hohem Niveau. Natürlich ist die Ware auf der Duke nicht ganz so fein, wie bei R-Schwester aber mit gutem Initialbiss und zufriedenstellender Verzögerungsleistung ist die Anlage ein stimmiges Paket. Ganz ähnlich läuft es bei der MT-09. Die 298 mm-Doppelscheibe vorn sorgt für gute Bremsleistungen ohne zu überfordern, der erste Biss ist weniger scharf als auf der Duke. Ob diese Performance auch auf der Rennstrecke ausreicht (die SP-Variante nutzt die gleiche Bremsanlage) wird sich weisen.

Fazit: Vergleich Yamaha MT-09 vs. KTM Duke 890 20

Summa summarum ergibt sich bei dem Vergleich folgendes Bild: Wer zwischen den Zeilen gelesen hat, wird festgestellt haben, dass mir die KTM da und dort etwas mehr ins Herz gefahren ist. Obwohl die MT-09 in den Kategorien Motor, Ausstattung und Alltagstauglichkeit vorn liegt, reicht es nicht für den Sieg. KTM hat mit der 890 ein zu verlockendes Gesamtpaket an den Start geschoben und bietet einfach am Ende des Tages mehr Spaß im Sattel. Trost für alle Yamaha-Fans: Die MT-09 ist der klare Preis-Leistungs-Sieger und ein großartiges Motorrad, das 2021 in vielen Bereichen einen Riesenschritt nach vorne macht.

Die Preise zu KTM 890 Duke und Yamaha MT-09 2021 findet ihr bei uns am Marktplatz.

Fazit: Yamaha MT-09

Bravo Yamaha! Ja, die Optik polarisiert und regt auf, aber das Fahren der neuen MT-09 ist definitiv nicht minder aufregend. An den richtigen Schrauben zu drehen, bringt die MT-09 wieder ganz weit nach vorne in der Naked Bike Mittelklasse. So viel Ausstattung und Spaß bei einem dermaßen attraktiven Preis, weiß kaum ein Mitbewerber zu liefern. Einzig Connectivity-Jünger, die riesige Displays lieben, werden mit der MT-09 wohl nicht ganz glücklich werden.


  • Motor über jeden Zweifel erhaben
  • Preis-Leistungsverhältnis top
  • umfangreiche Serienausstattung
  • Leichtgewicht
  • Details an der Front entsprechen nicht dem hochwertigen Gesamteindruck
  • Connectivity nur rudimentär vorhanden
  • geringer Lenkeinschlag erschwert das Rangieren

Fazit: KTM 890 Duke

Messerscharf und mit noch mehr Bums präsentiert sich die neue KTM 890 Duke. Mehr Motorrad braucht man auf der Landstraße nicht. Die Duke ist eines der fahraktivsten Motorräder überhaupt. Allein der Preis ist nicht mehr ganz so heiß wie bei der Vorgängerin.


  • agiles Handling
  • spaßiger SuMo-ABS Modus
  • Ergonomie universal passend
  • kerniger Motor
  • viele herrlich arbeitende Elektronikfeatures
  • Motor ruppig bei niedrigen Drehzahlen
  • Quickshifter nicht Serie
  • Aufpreispolitik

Bericht vom 06.03.2021 | 16.514 Aufrufe

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