Michelin Anakee Adventure Test

Michelin Anakee Adventure Test

Roads? Where we're going we don’t need roads.

Das Angebot der Reifenhersteller ist heutzutage echt unglaublich. Für jeden Einsatzzweck und für jede erdenkbare Nische gibt es den richtigen Pneu – wer den passenden nicht findet, hat nicht lange genug gesucht! Michelin ersetzt nun den Anakee 3 mit dem neuen Anakee Adventure, der neben der Straße auch auf Schotterwegen und leichten Offroadpassagen bestehen soll. Wie verhält sich der Reifen und wie zugänglich ist er auf und abseits der Straße? Der Horvath war in Portugal und hat den neuen Michelin Pneu für euch getestet!

Positionierung des Anakee Adventure

Alle guten Dinge sind drei – so auch bei Michelin. Der französische Reifenhersteller bietet zurzeit drei Reifen für Großenduros an: Road 5 Trail, Anakee Wild und die neue Mitte, den Anakee Adventure, der gleichzeitig den Anakee 3 im Reifenprogramm ablöst. Für reine Straßenfahrer empfiehlt sich der Road 5 Trail, der mit einer Auslegung von 100/0 (Straße/Offroad) sein Zuhause am griffigen Asphalt findet. Alle die sich nicht entscheiden können und den Kompromiss aus Straße und Offroad suchen, können zum Anakee Wild greifen. Seine Eigenschaften lassen sich als 50/50 (Straße/Offroad) beschreiben.

Und der neue Anakee Adventure? Der positioniert sich fast in der Mitte seiner Gummibrüder. Mit einer Auslegung von 80/20 (Straße/Offroad) fühlt er sich auf Asphalt zuhause, kann aber auch mit Schotter umgehen. Perfekt für alle Endurofahrer, die nur gelegentlich einen Abstecher über die Schotterpiste planen.

Roadtrip auf dem Michelin Anakee Adventure – Stadtflucht!

Das Programm unseres Pressetests entsprach einem realistischen Touristenszenario. Nach einem Vormittag im wunderschönen Lissabon brachte uns ein Bus zum Flughafen, wo viele Reiseenduros mit dem neuen Pneu auf uns warteten. Über den schnellsten Weg und die Brücke des 25. Aprils (die der Golden Gate Brigde zum Verwechseln ähnlich sieht) flüchteten wir aus der Großstadt und fanden uns bald auf den umliegenden Landstraßen wieder. Hier konnte der neue Anakee Adventure beweisen, wie er sich auf der Straße schlägt.

2CT Technologie – ein First im Adventure Segment

Kurze Theoriepause! Bevor es zu den Fahreindrücken geht, muss einmal erklärt werden, was den Anakee Adventure zum Anakee Adventure macht. Michelin verwendet hier nämlich eine Technik, die bis jetzt den reinen Straßenreifen vorbehalten war: 2CT. Die 2-Compound-Technology oder 2-Mischungen-Technologie verfügt über eben das was sie verspricht: zwei unterschiedliche Mischungen in einem Reifen. In der Mitte der Lauffläche, also dort wo viele Kilometer auf Autobahnen etc. gefahren werden, findet man die härtere Mischung, die eine höhere Laufleistung und mehr Stabilität bei schnellem Tempo oder auf schlechtem Untergrund liefert. Die Flanken des Profils sind hingegen mit einer weichen Mischung ausgestattet, die Grip in Kurven liefern soll. Als Verteilung über die Lauffläche haben die Franzosen eine Verteilung von 20% hart – 60% weich – 20% hart gewählt.

Im Heck geht Michelin noch einen Schritt weiter und setzt ein Plus an die Reifentechnologie – also 2CT+. Diese Aufwertung ist im wortwörtlichen Sinne ein Plus für die Sportlichkeit des Hinterreifens. Die 60% an harter Gummimischung verlaufen zusätzlich unter die weichen Flanken und geben ihnen somit in der Kurve mehr Stabilität. Auf ein sportliches Ansprechverhalten des grobstolligen Reifens wurde merkbar viel Wert gelegt, weshalb man in den Profilrillen zudem kleine Brücken zwischen dem Negativprofil findet, die – erneut – ein stabiles Fahrverhalten in Schräglage geben soll.

Michelin Anakee Adventure: weiterfahren wo reine Straßenpneus stoppen

Genug von trockener Theorie, obwohl „trocken“ das perfekte Stichwort ist! Denn als eine der wenigen Journalistengruppen wurden wir mit 2 Tage strahlendem Sonnenschein gesegnet, auch wenn das einen Nässetest unmöglich machte. Aber egal, so konnten wir auf Reiseenduros à la R 1250 GS, Africa Twin, V-Strom und einigen weiteren mächtig andrücken und die Gripeigenschaften des Michelin Anakee Adventure testen. Zu unserer Freude bewies sich der französische Pneu auf allen Enduros als sehr berechenbar, sodass wir bedenkenlos Gas geben konnten. Solange man keine Weltrekorde aufstellen will, wird man wahrscheinlich keine sportlichen Abstriche mit dem grobstolligen Reifen machen müssen. Trotzdem vergisst man am Lärmpegel nie, dass man keinen reinrassigen Straßenreifen fährt. Zwar ist die Geräuschkulisse auf langer Fahrt nicht störend oder nervig, aber sie ist definitiv hörbar.

Den Groll gegenüber Abrollgeräuschen wird man jedoch schnell vergessen, sobald der Asphalt endet und die Schotter- oder Sandstraßen beginnen. Denn dort wo Big Enduros mit Sportreifen einen Gang rausnehmen müssen, kann man mit dem Anakee Adventure getrost am Gashahn bleiben! Hier lag meine persönliche Überraschung. Als absoluter Offroad-Neuling wusste ich nicht was mich bei diesem Pressetest erwartet, vor allem war mir nicht bewusst, wie sich ein Motorrad auf losem Grund verhaltet. Woher auch? Als reiner Straßen- und Trackdayfahrer wird loser Untergrund mit einem sofortigen Sturz und schwerer Blamage im Fahrerlager verbunden. Zusätzlich führten mich meine Testeinsätze bei 1000PS noch nicht abseits der Straße. Während ich mir auf den ersten Offroad-Kilometer ehrlich gesagt in die Hose machte, war der Test perfekt – viele Käufer werden so wie ich nur selten den Asphalt verlassen, doch wenn es so weit ist, muss der Reifen mithalten. Also, wie viele Bikes landeten im Graben?

Berechenbar und zugänglich – perfekt für Ungeübte!

Als Testbikes habe ich insgesamt vier Enduros ausgefasst: BMW F 850 GS, Suzuki V-Strom 650, Honda Africa Twin und zuletzt die Triumph Tiger 1200 XrT – ein schöner Übergang von Mittelklasse bis Oberklasse! Während ich am ersten Fahrtag die beiden „kleinen“ Enduros unter dem Popo hatte, musste ich es ruhig angehen. Journalistenkollegen fortziehen lassen und mit meinem Tempo ein Gefühl für den Reifen auf Schotter bekommen. Ehrlichgesagt war der Spaß zweitrangig – durchkommen und kein Motorrad in den Graben legen war die Devise! Erst am zweiten Fahrtag, nachdem ich mir ein paar Fahrtipps von Kollegen abholte und ein Gespür für den Untergrund entwickelte, begann ich das Potential des Anakee Adventure zu erkennen. Ruhig einlenken, Gas anlegen, damit das Heck um die Kurve kommt und fertig! Kurve für Kurve wurde das Vertrauen größer und auch wenn es wahrscheinlich von außen nicht spektakulär aussah, fühlte ich mich zu einem Bruchteil wie Matthias Walkner auf der Rallye Dakar. Ein herrliches Erfolgsgefühl!

Selbstverständlich ist die Auslegung des Michelin Anakee Adventure nicht für Bedingungen einer Rallye Dakar geeignet, grobe Schotterstraßen sind aber kein Problem für den Franzosen. Und wie hoch lag die eigene Sturzstatistik? Stolz kann ich berichten, dass ich nur freiwillig von den Testbikes abgestiegen bin – bis zu dem Zeitpunkt, als unser Aufenthalt im sonnigen Portugal ein Ende fand. Wo bleibst du bloß, österreichischer Sommer?

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Laufleistung des neuen Michelin Anakee Adventure

Eine bindende Prognose über die Laufleistung wollte das französische Entwicklerteam nicht von sich geben. Zu viele Faktoren wie z.B. Asphaltbeschaffenheit, Gewicht von Fahrer und Motorrad oder Intensität der Nutzung beeinflussen die endgültige Laufleistung, die ein jeder Reifen erreicht. Als grobe Richtlinie gibt Michelin circa 10.000 Kilometer an, was anhand der beschriebenen Faktoren mehr oder weniger werden kann. Käufer der BMW R 1250 GS und Moto Guzzi V85 TT können über den Anakee Adventure als Serienbereifung für die Enduros freuen.

Michelin Anakee Adventure Fazit

Nach zwei Tagen in Portugal konnte der Michelin Anakee Adventure voll von sich überzeugen. Auf der Straße bietet er genügend Grip, sodass man abgesehen von den höheren Abrollgeräuschen gefühlt keine Abstriche mit dem grobstolligen Profil machen muss. Reifengeräusche sind aber schnell vergessen, wenn man bedenkenlos befestigte Wege verlassen kann und somit die Reise-ENDURO artgerecht behandelt. Auf Schotter ist besonders erfreulich, dass sich der Reifen als sehr berechenbar beweist. Perfekt für Fahrer, die sich Offroad Optik auf ihrem Enduroreifen wünschen, aber nur selten abseits der Straße unterwegs sind, oder erstmal die Zehen ins Wasser halten wollen, ohne sich gleich einen ernsthaften Enduroreifen (wie die Anakee Wild) kaufen zu müssen. Eine echte Empfehlung für den gelegentlichen Abstecher abseits von befestigten Straßen. Wie sagte Doc bereits zu Marty McFly? „Roads? Where we going we're don’t need roads.“

Für eine unverbindliche Preisempfehlung und weitere Top Reifen kontaktiere das Team von Zweiradprofi Pauer.

Bericht vom 16.03.2019 | 1.515 Aufrufe

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