Continental TKC 80² - erstes Roll-Out in Portugal
Die zweite Generation der Reifen-Ikone
Nach vier Jahrzehnten schickt Continental erstmals eine komplett neue Generation seines ikonischen Stollenreifens für Reiseenduros ins Rennen. Der TKC 80 bekommt mit dem TKC 80² einen echten Nachfolger. Die Bezeichnung der zweiten Generation wird von Conti hochgestellt, gesprochen wird der Modellname jedoch „TKC 80 Gen Two“. Profil, Gummimischung und Karkasse wurden umfangreich modifiziert. Wir konnten den neuen Reifen im 50:50 Segment in Portugal bereits testen.
Hersteller überziehen ihre Neuheiten gern mit großen Versprechen, selbst wenn sich technisch kaum mehr getan hat als ein kosmetisches Update. In diesem Fall wirken die großen Worte allerdings erstaunlich gerechtfertigt. Nach vier Jahrzehnten schickt Continental erstmals eine komplett neue Generation seines ikonischen Stollenreifens ins Rennen. Der TKC 80 bekommt mit dem TKC 80² einen echten Nachfolger. Die Bezeichnung der zweiten Generation wird von Conti hochgestellt, ähnlich einem Quadratzeichen – gesprochen wird der Modellname jedoch ”TKC 80 Gen Two”.
Der ursprüngliche TKC 80 bleibt übrigens mit satten 25 Dimensionen als ”Second Liner” weiterhin im Sortiment. Er wurde im Laufe der Jahre zwar immer wieder weiterentwickelt, doch irgendwann sei laut den Conti-Ingenieuren eine technische Grenze erreicht gewesen. Um spürbare Fortschritte zu erzielen, habe man Profil, Gummimischung und Karkasse umfangreich modifizieren müssen. Genau davor habe man sich lange gescheut, da der TKC 80 über Jahrzehnte hinweg extrem beliebt war. Nach 40 Jahren sei jedoch der Zeitpunkt gekommen, diesen Schritt zu gehen.
Eine zentrale Vorgabe für die Entwickler war, dass auch der neue TKC 80 Gen 2 optisch kompromisslos und unverwechselbar bleibt. Der Reifen sollte weiterhin grob, robust und eindeutig offroad-orientiert wirken. Schon auf den ersten Blick müsse klar sein, dass dieser Pneu für den Einsatz abseits befestigter Straßen gedacht ist. Wie sein Vorgänger ist auch der TKC 80² als 50:50-Reifen für Straße und Gelände konzipiert. Allerdings sollte die zweite Generation auf beiden Untergründen spürbar zulegen. Ein schwieriges Unterfangen, wie beispielsweise die Suche nach dem idealen ”Compound” zeigt: harte Gummimischungen performen offroad deutlich besser und weniger defektanfällig, auf Asphalt generieren softe Varianten jedoch deutlich mehr Grip.
Neuanordnung der Profilblöcke am TKC 80²
Ein Blick auf die Lauffläche zeigt, wo Conti angesetzt hat. Die Abfolge der Profilblöcke wurde neu gestaltet, sodass dauerhaft mehr Gummi Kontakt zur Fahrbahn hat. Besonders im mittleren Bereich ist durch eine modifizierte Anordnung der zentralen Stollen der sogenannte Footprint gewachsen. Das soll vor allem die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten verbessern und gleichzeitig das Abrollgeräusch reduzieren. Gesamt wächst das Positivprofil auf der Lauffläche sogar um 17 Prozent. Trotz der größeren Gummiauflage soll der Reifen aber auch im Gelände nicht an Biss verlieren. Im Gegenteil: Durch das neue Blockdesign stehen ständig mehr Eingriffkanten zur Verfügung, was die mechanische Traktion auf losem Untergrund erhöht und gleichmäßiger gestaltet. Das soll dem Fahrer mehr Kontrolle vermitteln. Zusätzlich wurden die äußeren Stollen versetzt und der Negativanteil vergrößert, um die Seitenführung im Gelände zu verbessern.
Auch Vorder- und Hinterreifen unterscheiden sich gezielt im Profil. Am Vorderrad sind die Profilblöcke in Fahrtrichtung stark abgeschrägt, um beim Bremsen im Gelände mehr Grip zu erzeugen. Am Hinterrad ist das Blockdesign entgegengesetzt ausgelegt, sodass bei der Beschleunigung maximale Traktion zur Verfügung steht.
Starke Verbesserung auf nasser Fahrbahn
Neben dem Profil wurden auch die Gummimischung der Lauffläche sowie die Karkasse überarbeitet – sie soll dank neuer Nylon-Materialien nun besser dämpfen, ihre Kontur blieb dabei jedoch unangetastet. Im Gelände soll extradicker Gummi der Reifen möglichst unempfindlich gegenüber scharfkantigen Steinen und ähnlichen Gefahren sein, während man auf der Straße nicht auf Fahrkomfort verzichten will. Ein Konflikt, den Conti mit der neuen Karkassenabstimmung sowie der größeren Aufstandsfläche in den Griff bekommen haben will.
Auf Asphalt soll sich der TKC 80 Gen 2 laut Entwicklern deutlich straßenorientierter anfühlen, beinahe wie ein 70:30-Reifen – ein Versprechen, das wir tatsächlich beim Kurventango auf den gripreichen Straßen des portugiesischen Hinterlandes verifizieren konnten. Denn selbst bei ambitionierten Tempo und beachtlicher Schräglage baut der TKC 80² stets erstaunlich viel Grip auf, der Grenzbereich beim aggeressiven Bremsen oder Beschleunigen ist breit und gut spürbar. So lässt sich selbst mit einer potenten R 1300 GS jederzeit rechtzeitig das Gas zurücknehmen, bevor der geplante Power-Drift zum unerwünschten Highsider-Katapult mutiert. Den größten Entwicklungssprung sieht Conti jedoch beim Verhalten auf nasser Fahrbahn. Bei Vergleichstests auf dem Contidrom sei der neue Reifen bei Nässe um 4,5 Sekunden schneller gewesen als sein Vorgänger, bei einer Rundenzeit von unter einer Minute – auch für Ottonormalverbraucher in der Praxis ein deutliches Plus an Sicherheit bei Regen.
Conti TKC 80² – komplett in Texas entwickelt
Zwar verspricht Conti für die zweite Generation des TKC 80 keine nennenswerte Verlängerung der Laufleistung aufgrund der deutlichen Verbesserung beim Nassgrip (beides zu vereinen sei kaum möglich), beim Verschleiß soll die neue Generation dennoch kleine Fortschritte machen. Die Abnutzung soll gleichmäßiger verlaufen, was vor allem Fahrer schwerer Reiseenduros freuen dürfte. Bei langen Autobahnetappen neigen grobstollige Reifen dazu, sich schnell kantig abzufahren, was das Handling und insbesondere die Lenkpräzision spürbar verschlechtert. Der TKC 80 Gen 2 soll seine runde Grundform länger behalten und dadurch über einen größeren Zeitraum ein konstantes Fahrverhalten bieten. Auch die Lautstärke des Abrollgeräuschs will Conti im hohen und niedrigen Frequenzbereich hörbar reduziert haben – hier setzt man auf sogenannte ”Frequenzunterbrechung” durch variierende Abstände zwischen den Mittelblöcken des Profils.
Unterm Strich verspricht Conti mit dem TKC 80 Gen 2 einen Reifen, der seinem legendären Vorgänger in keiner Disziplin etwas schuldig bleibt, in vielen Bereichen jedoch klar zulegt. Besonders beim Nassgrip, bei der mechanischen Traktion im Gelände und bei der Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten soll der Fortschritt deutlich spürbar sein. Auch beim Handling und beim Grip auf trockenem Asphalt wird eine bessere Performance erwartet. Laufleistung und Widerstandsfähigkeit im Offroad-Einsatz sollen sich weiterhin auf dem Niveau des bekannten TKC 80 bewegen.
Interessantes Detail am Rande: Entwickelt wurde der Nachfolger des ikonischen TKC 80 nicht etwa bei Motorsport-Events wie der Rallye Dakar oder etwa diversen Adventure-Erprobungsfahrten rund um den Globus, sondern vollständig unter Test-Idealbedingungen in einem Conti-Entwicklungszentrum im US-Bundesstaat Texas. Dort stehen 24 einheitliche Testrunden zur Verfügung, die einen aussagekräftigen Daten-Direktvergleich der einzelnen Prototypen ermöglichen.
Der neue TKC 80² wird ab Frühjahr 2026 in zehn gängigen Dimensionen für alle aktuellen Adventurebikes erhältlich sein.
Bericht vom 27.02.2026 | 82 Aufrufe