Retrobike 2018 Vergleich: Ducati Scrambler 1100

Retrobike 2018 Vergleich: Ducati Scrambler 1100

So geht Retro-Kult auf Italienisch!

Nachdem die BMW R nineT zur rechten Zeit am rechten Ort ohne Umwege direkt in die Herzen vieler Retro-Fans eingefahren war, dachte man sich auch bei Ducati, dass es wohl wieder an der Zeit wäre, hübsche Modelle aus der Vergangenheit für die Neuzeit zu zitieren. Nach dem stark ausgebauten Scrambler 800-Programm bringen die Italiener für 2018 nun endlich einen größeren Motor in einem besseren Motorrad mit noch coolerer Optik!

Untätigkeit kann man Ducati keineswegs vorwerfen, denn als vor wenigen Jahren BMW mit der R nineT die noch immer nicht abebbende Retro-Welle losgetreten hat, schien es, als hätten die Bayern als erste den Trend zum Retrobike erkannt. Allerdings hatte Ducati bereits 2005 mit den SportClassic-Modellen Sport 1000, GT 1000 und der bildhübschen Paul Smart diese Idee - war seiner Zeit aber offensichtlich einige Jährchen voraus, denn 2010 war vorerst Schluss mit Retro bei Ducati.

Mehr Power und bessere Komponenten an der Ducati Scrambler 1100

Da blicken wir doch viel lieber auf die Gegenwart und Zukunft, denn nach den vielen Scrambler 800-Modellen bringt Ducati mit der Scrambler 1100 endlich die Modellerweiterung, auf die ich so sehr gehofft habe: Mehr Power, bessere Komponenten und eine hochwertigere Optik. Wobei letztere natürlich auch bei den kleineren Modellen nicht schlecht ist, aber die große Schwester überzeugt in allen fahr- und designtechnischen Belangen noch mehr. Allerdings muss sie sich nun auch mit der Oberliga der Retrobikes a la BMW R nineT, Kawasaki Z900 RS oder Yamaha XSR900 messen - durchwegs sehr sportlich fahrende Maschinen.

Was kann die Ducati Scrambler 1100 im Vergleich zur Konkurrenz?

Beim Motor gehen die Italiener schon mal der direkten Konfrontation aus dem Weg, während nämlich die topmodernen Triebwerke von Kawa und Yamaha 111 und 115 PS liefern und auch der "alte" luftgekühlte Boxer der BMW mit 110 PS äußerst gut im Futter steht, liefert die Ducati lediglich 86 PS bei 7500 Umdrehungen ab - und das ist gut so, um nicht zu sagen perfekt. Denn ich selbst hätte es nicht für möglich gehalten, wie gut dieser luftgekühlte 90°-V2-Motor mit 1079 Kubik Hubraum, einer oben liegenden Nockenwelle und lediglich zwei Ventilen pro Zylinder funktioniert. Die Verwandtschaft zur legendären Monster 1100 spüre ich sofort, damals, vor rund 10 Jahren mit 95 PS zwar etwas kräftiger, aber in der Scrambler 1100 immer noch unfassbar geschmeidig und druckvoll. Die 88 Newtonmeter maximales Drehmoment liegen bereits bei 4750 Umdrehungen an, weshalb es dieser Motor gar nicht nötig hat, bis in die obersten Drehzahlregionen ausgewunden zu werden. Stattdessen sind die sechs Gänge so gut und harmonisch abgestuft, dass man sich weit entfernt von untermotorisiert fühlt, eher schon am Level der Konkurrenz.

In engen Kurven brilliert die Ducati Scrambler 1100 mit ihrer Sitzposition

Im Vordergrund der Ducati steht die gemütlich aufrechte Sitzposition, die große Scrambler macht ihrem Namen also alle Ehre. Beim ersten Aufsitzen ergreifen die Hände den Lenker in einer Position, wo man sie von bequemen Tourern her kennt und der dick gepolsterte Sattel scheint für hunderte Kilometer am Stück gemacht. Somit vermutet man eigentlich nicht so viel Spaß und Sport wie man dann bei der Fahrerei bekommt. Je enger die Kurven werden, desto mehr Freude hat man im Vergleich zur Konkurrenz daran, dieses fast schon Supermoto-mäßige Handling auszukosten.

Dank langer Federwege auf der Ducati Scrambler 1100 wird man nicht durchgebeutelt

Natürlich sind die hochwertigen Komponenten nicht ganz unbeteiligt an dieser Performance, die fette 45mm-Upside-Down-Gabel von Marzocchi an der Front und das Kayaba-Federbein im Heck sind nicht nur voll verstellbar und werken äußerst sensibel, sie liefern mit je 150 Millimeter Federweg auch auf schlechten Straßen einen Federungskomfort, den man auf vielen Cafe Racern beim "Durchgebeuteltwerden" sehnlichst vermisst.

Mustergültige Bremsanlage mit Kurven-ABS auf der Ducati Scrambler 1100

Bei der Bremsanlage benimmt sich die Ducati Scrambler 1100 sogar mustergültig, bietet sie doch als einzige im Test ein hochmodernes 9.1 MP-Kurven-ABS von Bosch. Gut auch, dass Ducati offenbar die hochwertigen Bremsanlagen von Brembo in rauen Mengen einkauft, denn so kommt die bequeme Scrambler 1100, vor allem aber der Fahrer in den Genuss der M4.32-Anlage mit 320er-Doppelscheibe und radial verschraubten Vierkolbenbremszangen. Auf der Scrambler 1100 allerdings nicht unangenehm giftig sondern gut dosierbar und herrlich direkt abgestimmt.

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Viel mehr Detailliebe bei der Ducati Scrambler 1100

In Sachen Optik sieht die 1100er nur auf den allerersten flüchtigen Blick den 800er-Schwestern ähnlich, denn bei genauerer Betrachtung fallen aus jedem Blickwinkel die mit viel mehr Hingabe gestalteten Elemente auf. Allen Banausen sei als gutes Unterscheidungsmerkmal zu den kleinen Schwestern der hoch verlegte Doppelauspuff im Heck empfohlen, der mich mit seinen konisch zulaufenden Endrohren wie zwei Eisstanitzel wieder an die Monster 1100 erinnert. Über die Armaturen, die wie Sprechblasen aneinandergereiht wirken, kann man natürlich streiten, die wirken tatsächlich eher verspielt als retro. Meiner Meinung nach passen sie aber ausgezeichnet zum lockeren Style der Scrambler 1100 und ihre tolle Performance. Ich freue mich schon auf die nächsten Ideen der Ducati Scrambler-Abteilung - da kommt sicher noch mehr!

Was kosten die Maschinen, die beim Retrobike 2018 Vergleich dabei waren?

Hier findet ihr eine aktuelle Preisübersicht aller Modelle, die bei unserem Test dabei waren.

Retrobike 2018 Vergleich Preise Österreich

Retrobike 2018 Vergleich Preise Deutschland

Retrobike 2018 Vergleich Preise Schweiz

Das war die Testcrew des Retrobike 2018 Vergleichs:

Neben Firmengründer und Zeremonienmeister NastyNils waren auch die "alten Hasen" Zonko und Vauli sowie der Horvath als tatkräftige Unterstützung mit von der Partie. Als Neuzugang bei 1000PS durfte sich Juliane gleich einmal mit dem hohen Arbeitstakt (8 Bikes an einem Tag) anfreunden - und erledigte ihre Arbeit mit Bravour. Als Gaststarter war diesmal der Viechdoktor Thomas Enders mit dabei, der als Hobbyracer und Besitzer (unter anderem) einer Yamaha XSR900 prädestiniert war, unsere 8 Bikes zu fahren und zu bewerten.

Retrobike 2018 Vergleich:

Fazit: Ducati Scrambler 1100

Was bei den "kleinen" Scrambler 800-Modellen funktioniert, wird bei der Scrambler 1100 nun perfektioniert: Ein kräftiger, durchzugsstarker und herlich zum Konzept passender "Old School"-Motor gepaart mit einer großartigen Bremsanlage und hochwertigen Fahrwerkskomponenten. Das macht die Scrambler 1100 einerseits äußerst bequem, andererseits auch sehr sportlich und im engen Winkelwerk jedem Cafe Racer überlegen. Auch die Optik stimmt, die 1100er-Modelle wurden mit viel mehr Detailliebe gestaltet als die 800er. Der Preis ist dadurch natürlich erwartungsgemäß um einges höher angesiedelt.

1
Vorteile
  • kräftiger und durchzugsstarker V2-Motor mit viel Charakter
  • sehr bequeme Sitzposition
  • Top Bremsanlage mit Kurven-ABS
  • hochwertiges Fahrwerk
  • einfaches Handling
  • harmonische Getriebeabstufung
1
Nachteile
  • nicht günstig
  • Armaturen könnten besser ablesbar sein

Bericht vom 12.05.2018 | 22.343 Aufrufe

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