Suzuki V-Strom 1000 / V-Strom 1000XT 2017

Suzuki V-Strom 1000 / V-Strom 1000XT 2017

Nun auch die große V-Strom in Offroad-lastiger XT-Version

Während die kleine Suzuki V-Strom 650 designtechnisch für die heurige Saison vehement aufgerüstet wird (sie sieht der V-Strom 1000 nun zum Verwechseln ähnlich) beschränken sich die optischen Veränderungen an der großen V-Strom auf einen schmäleren und noch stärker akzentuierten Entenschnabel (der im Übrigen keineswegs von einem anderen Hersteller abgekupfert wurde, sondern ursprünglich in der legendären Suzuki DR Big zum Einsatz kam). Stärkere Eingriffe erfährt stattdessen die Elektronik - saubereres Motormanagement nach Euro4, Combined Brake System und sogar ein Schräglagen-ABS!

Bereits seit ihrem "neuen" Debüt vor rund drei Jahren (ursprünglich gibt es die Suzuki DL1000 V-Strom nämlich seit 2002, ab 2008 wurde dieses Modell aber ersatzlos gestrichen) ist die Suzuki V-Strom 1000 eine feste und durchaus ernst genommene Teilnehmerin in der Riege der großen Reiseenduros. Sie ist zwar nicht so stark wie so manch andere, deren Leistung mittlerweile ins Uferlose zu wachsen scheint, und sie ist auch nicht so toll ausgestattet, wie so manch andere, die mit elektronischen Fahrwerken, Schaltautomaten und zigfach verstellbaren Elektronik-Gadgets aufwarten kann.

Die neue Suzuki V-Strom 1000 / XT - ein grundehrliches Angebot

Ich müsste natürlich lügen, würde ich sagen, dass mich solche Features nicht anlocken und begeistern. Für jemanden, der den ganzen Firlefanz bezahlen muss, hat die V-Strom 1000 allerdings einen entscheidenden Vorteil: Sie ist einfach günstiger. Gerade deshalb ist sie ein grundehrliches Angebot, das zu Recht viele Käufer sehr schnell in den Bann zieht. Denn man merkt sofort, dass die überschaubaren Features, die geboten werden, durchaus reichen und sogar den Blick auf das Wesentliche, den Spaß am Fahren, weit weniger trüben.

Während die kleine Suzuki V-Strom 650 designtechnisch für die heurige Saison vehement aufgerüstet wird (sie sieht der V-Strom 1000 nun zum Verwechseln ähnlich) beschränken sich die optischen Veränderungen an der großen V-Strom auf einen schmäleren und noch stärker akzentuierten Entenschnabel (der im Übrigen keineswegs von einem anderen Hersteller abgekupfert wurde, sondern ursprünglich in der legendären Suzuki DR Big zum Einsatz kam). Stärkere Eingriffe erfährt stattdessen die Elektronik - saubereres Motormanagement nach Euro4, Combined Brake System und sogar ein Schräglagen-ABS! Zum Suzuki V-Strom 1000 Test

Schlaue Aufrüstung mit schlauen Features

Und gerade jetzt, wo man vielleicht meinen hätte können, die Suzuki V-Strom 1000 wäre, lediglich mit ABS und Traktionskontrolle bestückt, nicht mehr zeitgemäß unter all den Hightech-Geräten in ihrer Klasse, rüsten die Japaner so weit auf, dass man topmoderne Features wie bei der Konkurrenz bekommt, ohne damit den Preisrahmen zu sprengen. Die wichtigste Neuerung, die der Suzuki V-Strom 1000 und der von mir getesteten V-Strom 1000XT nun eben auch einen gewissen Sicherheitspolster mit auf den Weg gibt, ist das neue Schräglagen-ABS. Suzuki nennt es SMTB-System (Suzuki Motion Track Brake) und es gibt dem ohnehin guten Bosch-ABS noch weitere Unterstützung.

Jetzt sogar ein Schräglagen-ABS auf der Suzuki V-Strom 1000 / XT!

Ähnlich wie bei der Konkurrenz wird mittels 5-Achsen-Sensoren und der sogenannten IMU (Inertial Measurement Unit) neben den Raddrehzahlen auch die Bewegung des Motorrades selbst in die ABS-Regelung miteinbezogen. Wann immer das System erkennt, dass die aktuelle Bewegung des Motorrades einen ungenügend stabilen Fahrzustand erreicht hat, greift es sanft ein, senkt und regelt den Bremsdruck selbstständig an beiden Rädern - und die Stabilität wird im Rahmen der verfügbaren Traktion wieder hergestellt.

Combined Brake System - alles für Sicherheit und Fahrspaß

Das ist aber noch nicht das einzige Novum an der Bremse der neuen V-Strom 1000 / XT, neuerdings kommt auch ein Combined Brake System zum Einsatz - dieses kombinierte Bremssystem bremst selbsttätig auch das Hinterrad ab, wenn am Vorderrad der Bremsdruck den als zulässig programmierten Wert übersteigt. Wenn in Schräglage also plötzlich oder stark gebremst werden muss, unterstützt diese Technologie den Fahrer im Rahmen des Möglichen dabei, die vorgesehene Kurvenlinie beizubehalten.

Das geheiligte Land Spanien - nichts außer Kurven...

Tatsächlich konnte ich bei den Testfahrten rund um das spanische Tarragona - ein wahres Motorrad-Paradies, in dem offensichtlich höchster Wert darauf gelegt wird, niemals Geraden sondern nur Kurven fahren zu können - feststellen, dass das Combined Brake System die Maschine bei harten Anbremsmanövern angenehm stabilisiert und somit die nötige Ruhe in das Fahrwerk bringt. Das Schräglagen-ABS regelt sogar noch unauffälliger, man muss schon ganz abgebrüht sein, um in brenzligen Situationen auch noch darauf zu achten, die Arbeit des Systems zu spüren.

Das Ausloten der technischen Rafinessen auf der Suzuki V-Strom 1000 / XT

Dabei waren wir keineswegs gemütlich unterwegs, unser Guide Jürgen, nicht umsonst als Testfahrer bei Suzuki tätig, legte ein Tempo bei Nässe an den Tag, das ich wohl alleine nicht einmal auf trockenem Asphalt gefahren wäre. Okay, der Grip des Asphlats in dieser Gegend ist auch im feuchten Zustand enorm und die Bridgestone Battlax Battle Wing BW 501 vorne und BW 502 hinten erweisen sich nach wie vor als ausgezeichnete Wahl für die große Suzuki V-Strom 1000, doch nur durch diese ruhige, besonnene und dennoch affenartig schnelle Fahrweise des erfahrenen und streckenkundigen Guides war es mir auf diesen fremden, extrem verwinkelten und schmalen Straßen möglich, die Systeme auszuloten.

Die Traktionskontrolle läßt viel Freiraum

Richtig gut konnte ich dabei die Funktion der Traktionskontrolle spüren, die nach wie vor in zwei Stufen regelbar und völlig daaktivierbar ist. Während auf der kleinen Schwester V-Strom 650 die Stufe 2 schon recht hefitg regelt und man bei sportlicher Fahrweise besser die Stufe 1 wählt, kann ich auf der V-Strom 1000 / XT sogar auf trockener Strecke die strengere Stufe 2 empfehlen - auf nasser Strecke sowieso. Denn da greift das System genau rechtzeitig ein, um den Abflug zu verhindern.

Gewohnt gutes Triebwerk in der Suzuki V-Strom 1000 / XT

Am Triebwerk der Suzuki V-Strom 1000 / XT musste eigentlich nicht viel geändert werden, schon bisher waren die 100 PS aus dem 1037 Kubik großen 90°-V2-Motor putzmunter unterwegs. Besonders die Durchzugsfreude begeisterte schon bei der Vorgängerin, 103 Newtonmeter Drehmoment bei nur 4000 Touren waren schon bisher gewaltig, nun sind es lediglich 2 Newtonmeter weniger, dafür ist die große Susi sauber nach Euro4-Norm.

Das Fahrwerk bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten

Und auch das Fahrwerk zeigt sich nach wie vor sehr ausbalanciert, da gibt es bestimmt keine bösen Überraschungen und wem der ausgezeichnete Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit nicht zusagt, kann das hintere Federbein in Druckstufe und Federvorspannung nachjustieren, an der vorderen 43 Millimeter-USD-Gabel lassen sich gar Federvorspannung, Druck- und Zugstufe verstellen. Sucht man krampfhaft Kritikpunkte, kann man ein leichtes Aufstellmoment beim harten Anbremsen in Schräglage spüren.

Trotz aller Sportlichkeit viel Komfort auf der Suzuki V-Strom 1000 / XT

Allerdings muss man da schon so sportlich unterwegs sein, wie man es sonst nur von sportlicheren Motorrad-Kategorien erwarten darf. Die V-Strom 1000 kann hingegen auch richtig gut reisen - und die neue V-Strom 1000 / XT kann es noch besser. Dafür sorgt unter anderem ein neues Windschild, das nach wie vor dreifach in der Neigung und per Schrauben auch dreifach in der Höhe verstellt werden kann, nun aber 49 Millimeter höher und breiter ausfällt. Da wurde die Kritik der Kunden und Tester löblich ernst genommen und nachgebessert.

Selbst für Einsteiger geeignet!

Auch wenn es eine V-Strom-Einstiegsvariante, die V-Strom 650 gibt, könnte es natürlich gut möglich sein, dass sich Anfänger und Wiedereisteiger auf die große V-Strom 1000 wagen - immerhin sind die100 PS der 1000er ohne Hinterhalt und ganz linear nutzbar. Damit sie eben auch Neulingen kein Kopfzerbrechen bereitet, besitzt die V-Strom 1000 den sgenannten "Low RPM Assist" - über die Leerlaufregelung wird die Motordrehzahl beim Starten und bei geringer Geschwindigkeit geringfügig erhöht. Das reduziert die Neigung zum plötzlichen Absterben oder Abwürgen, zu der große Zweizylinder bekanntlich ja tendieren.

Einfacheres Starten und weniger "Gehoppel"

Das "Suzuki Easy Start System" erleichtert zwar nicht das Fahren, ist dafür ein angenehmes Komfort-Feature - es genügt ein kurzer Druck auf den Startschalter, das Steuergerät erkennt das Signal und lässt den Anlasser über einen bestimmten Zeitraum laufen. Schließlich kommt auch noch das "Suzuki Clutch Assist System" (SCAS) zum Einsatz - der Kupplungsassistent der V-Strom 1000 / XT, also eine Anti-Hopping-Kupplung mit zwei Funktionen: Kontrolliertes Durchrutschen der Kupplung beim harten Herunterschalten verhindern das Stempeln des Hinterrades und die Erhöhung des Anpressdruckes auf die Kupplungsscheiben unter Last ermöglicht weichere Kupplungsfedern und somit weniger Handkraft an der Kupplung.

Bekannt komplette Armaturen an der Suzuki V-Strom 1000 / XT

NIcht verändert, weil auch gar nicht notwendig, wurden die Armaturen der Suzuki V-Strom 1000 / XT. Der analoge Drehzahlmesser ist immer noch gut (und besser als bei digitalen Mäusekinos) ablesbar und die beiden Displays informieren sehr übersichtlich über alle Daten, die man wissen muss. Die große Ganganzeige ziemlich genau in der Mitte der Instrumente und die praktische 12 Volt-Steckdose darunter bleiben ebenso erhalten wie die Bedienung per Schalter am linken Lenker - die Hände bleiben also dort, wo sie hingehören.

Nicht unbedingt Motocross - aber doch etwas mehr Offroad

Am Sattel findet sich nun ein rutschfesterer Bezug an den Seiten, der das Fahren im Stehen begünstigen soll, immerhin testete ich die Gelände-orientiertere V-Strom 1000XT mit Drahtspeichenfelgen, die herkömmliche V-Strom 1000 besitzt stattdessen die bekannten Gußfelgen. Die Dimension der Reifen ist aber bei beiden die gleiche, hinten 150/70-17 und vorne 110/80-19, was zusammen mit der Sitzhöhe von stattlichen 850 Millimeter doch mehr Offroad zulässt als so manch andere Großenduro mit 17 Zoll-Bereifung. Das Gewicht von 232 Kilo bei der V-Strom 1000 und 233 Kilo bei der XT-Version (ein Kilo mehr wegen der stabileren Felgen) sei auch erwähnt - für hartes Gelände natürlich ein fester Brocken, auf der Straße aber wie schon erwähnt sehr handlich und sportlich zu bewegen.

Die Weiterentwicklung liegt im Detail

Dass die neue V-Strom 1000 / XT ihrer Vorgängerin sehr ähnlich sieht, liegt daran, dass das Design mit dem gestapelten Scheinwerfer und dem Entenschnabel beibehalten werden sollte. Stellt man die beiden Modelle jedoch nebeneinander, merkt man erst so richtig, wie sehr die Neue durch die schmälere Front an Dynamik gewonnen hat und auch der stark herausgearbeitete Schnabel tut der Optik richtig gut. Als Besonderheit an der XT-Version kommen bei der gelben Lackierung nicht die schwarzen Felgen wie bei schwarzer und weißer Lackierung zum Einsatz sondern als Reminiszenz an die herrliche DR Big golden eloxierte Felgen - ein absoluter Eyecatcher.

Die Suzuki V-Strom 1000 / XT mit gelber Sitzbank erfordert wohl etwas mehr Pflege

Darauf abgestimmt schließlich auch noch eine gelbe Sitzbank bei der gelben Lackierung, die natürlich ausgezeichnet zum Offroald-Look ganz im Stil der hauseigenen RM-Z Motocrosser passt. Ich hätte allerdings die Seitenteile gelb gefärbt und die Sitzfläche schwarz belassen. Die gelbe Sitzfläche sieht im Neuzustand natürlich genial aus, nach einiger Zeit könnte ich mir aber vorstellen, dass sie etwas an Glanz verliert. Denn bereits die schwarzen Jeans eines Kollegen bei den Testfahrten, die er zuvor noch nicht gewaschen hatte, hinterließen im Regen unschöne graue Stellen auf dem gelben Sattel - die bei sofortiger Behandlung aber wieder tadellos abgingen. Wer also die regelmäßige Pflege seiner Suzuki V-Strom 1000 (zumindest des Sattels) nicht scheut, kann getrost zur herrlichen gelben Lackierung greifen. Äußerst ausgewogene, sehr gut fahrbare und vor allem vergleichsweise günstige Motorräder (Österreich: V-Strom 1000 13.290 Euro, XT 13.790 Euro / Deutschland: V-Strom 1000 12.599 Euro, XT 12.999 Euro) sind auch die beiden anderen Lackierungen.

Fazit: Suzuki V-Strom 1000

Was die Suzuki V-Strom 1000 schon vorher sehr gut konnte, können auch die neue V-Strom 1000 und V-Strom 1000XT sehr gut: Ein ausgewogenes Motorrad, das bei guter Langstreckentauglichkeit auch vor sportlicher Fahrweise nicht zurückschreckt. Hinzu kommen nun topmoderne Features wie Schräglagen-ABS und Combined Brake System, die das Fahren noch sicherer und schneller machen. Kritik nimmt man bei Suzuki ernst, das Windschild wurde vergrößert und ganz dem Trend entsprechend kommt nun auch von der V-Strom 1000 eine etwas geländegängigere XT-Version mit Drahtspeichenrädern, die nicht nur die Stabilität sondern auch die coole Optik steigern - vor allem mit den goldenen Felgen der gelben Lackierung. Neben all diesen Vorteilen bleibt nach wie vor der günstige Preis das absolute Killerargument für die Suzuki V-Strom 1000 / XT.

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Vorteile
  • durchzugsstarker Motor
  • gute Bremsen mit Schräglagen-ABS
  • Combined Brake System
  • Traktionskontrolle
  • stabiles und gleichzeitig komfortables Fahrwerk
  • guter Windschutz
  • hohe Reisetauglichkeit
  • komplette Armaturen samt Ganganzeige
  • 12 Volt-Steckdose im Cockpitbereich
  • Handprotektoren und Motorschutz Serie
  • günstiger Preis
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Nachteile
  • spürbares Aufstellmoment beim Bremsen in Kurven

Bericht vom 31.03.2017 | 10.419 Aufrufe

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