KTM 690 Duke am Ring

Diese Nackte macht alles mit. Nonstop vom Schauraum auf die Rennstrecke.

KTM 690 Duke

Mit der Duke am Ring - Wenig Aufwand, große Wirkung

KTM 690 Duke

Ein Blick aus dem Fenster, dann war alles klar. Die Sonne motivierte mich um 8:00 Uhr morgens und ich schlüpfte raus aus der Bürokluft und rein in die Lederhaut. Heute war Montag - der erste im Monat, und in der Garage steht eine Duke. Was das zu bedeuten hat: Runter am Pannoniaring, dort steigen die Berger Racedays mit einem Naked Bike Rennen.

   

Solch kurzfristige Entscheidungen machen nicht viele Motorräder mit. Doch die Duke ist flexibel und fährt mit mir auch gerne auf die Rennstrecke und nicht ins Büro. Die Anreise vom Pannoniaring dauert von mir nur eine Stunde und das ist für uns beide auch gleich eine perfekte Aufwärmübung. Vor dem Auftritt auf der Rennstrecke müssen wir einander gut verstehen.

Naked Bike - keine Supermoto

Ich verstehe die Duke ganz klar als Naked Bike - also nicht als Supermoto mit etwas mehr Verkleidung. Sie ist doch deutlich anders als zum Beispiel die scharfe 690 SMC von KTM. Die SMC hat einen anderen, noch stabileren Rahmen und deutlich weitere Federwege. Die Duke ist aber ein reines Strassenmotorrad mit sportlich abgestimmten Federelementen. Sie fährt also in den Schauräumen in einer Liga mit Hornet, GSR, FZ-6, Street Tripple und Z750. Jedoch mit ein paar wesentlichen Unterschieden. Der Einzylindermotor der KTM ist mit 65 PS deutlich schwächer als die 100PS Aggregate der Japaner. Trotzdem kostet die KTM deutlich mehr als die anderen Maschinen in dieser Liga. Sitzt man länger im Sattel, beginnt man aber zu verstehen. Die KTM hat zwar nur 65 PS aber auch nur 148kg ohne Benzin. Das sind ca. 40 kg weniger als der Rest der Meute die dann auch noch mit dem hochwertigsten Fahrwerk der Klasse kombiniert wurden. Auf der Buckelpiste hinunter am Pannoniaring wäre eine weiche Sänfte zwar angenehmer, aber ich hätte die Federelemente ja auch mit dem Setup "KOMFORT" ausstatten können. So mussten wir beide mit dem straffen Setup hinunter zur Rennstrecke hoppeln.

Dehnbarer Begriff "serienmäßig"

Ich kenne viele Storys von Hobbyracern die mit ihren "serienmäßigen" Motorrädern Spaß auf der Rennstrecke haben. Doch diese serienmäßigen Motorräder haben dann "eh nur" andere Bremsleitungen, einen anderen Auspuff, ein anderes Federbein, andere Gabelfedern und eine Nachbauverkleidung. Serienmäßig ist dann nur noch der Motor, was heutzutage aber ohnehin kein großes Handicap mehr darstellt.

KTM 690 Duke
Nackt und serienmäßig wie KTM sie schuf. Photos: PanPhoto


Meine KTM Duke jedoch fuhr bewaffnet mit Bordwerkzeug und den Serienreifen Dunlop GPR zum Pannoniaring. Unten angekommen senkte ich den Luftdruck der Reifen um jeweils 0.3 bar. Die nächste Hürde wäre nun das Einstellen vom Fahrwerk. Doch hier hat KTM ein fertig ausgearbeitetes Setup für "Komfort", "Standard" und "Sport" in Form eines Schummelzettels unter der Sitzbank montiert. Das Bordwerkzeug reicht um die paar Clicks einzustellen und reicht auch um die Spiegel abzunehmen. Da ich mich heute besonders schnell fühle, stelle ich das Fahrwerk an allen Schrauben noch um 2 weitere Clicks straffer als es mir KTM mit "Sport" empfiehlt - ich brauche das fürs Ego. Ein paar Minuten später drehe ich schon die ersten Runden mit der Duke auf der Rennstrecke.

Es ist so leicht ein schnelles Motorrad zu bauen - mach es leicht!

Das ganze Motorrad lebt vom niedrigen Gewicht und den hochwertigen Komponenten. Beim Anbremsen zum Beispiel benötigt man nur eine Bremsscheibe vorne. Denn das Gewicht vom Motorrad ist niedrig und die Bremsanlage ist feinste Ware von Brembo. Sehr exakt zu dosieren und sehr hart im Biss lässt die Bremse keine Wünsche offen. Praktisch, dass die eine Scheibe Gewicht spart und so das Vorderrad viel leichter ist, als beim Rest des Feldes. Die Duke lenkt schneller ein und ist mit der Kurve bereits fertig wenn die anderen noch in starker Schräglage sind. So greifen die Maßnahmen der KTM-Techniker nahtlos ineinander und man hat ein leichte und beispiellos handliche Waffe in der Hand. Je schneller die Kurven wechseln und je enger die Radien, desto größer die Vorteile der Duke. Am Kurvenausgang ist der Leistungsnachteil durch den höheren Kurvenspeed der Duke noch gar kein Problem. Erst auf der Zielgeraden scheren die Japaner zum Überholmanöver aus.

Die Problematik mit schwächeren Motorrädern die höheren Kurvenspeed fahren können ist bekannt. Man könnte im Rennen die Kurve schneller fahren, hat vor sich aber jemanden mit viel mehr Power im Motor der langsamer um die Ecke fährt. Man rollt die Kurve hinterher um dann auf der Geraden gedemütigt zu werden.

KTM 690 Duke

Beim freien Fahren gelingt der Slalom zwischen den Supersportlern perfekt. Denn zusätzlich zum höheren Kurvenspeed kann man mit der Duke auch viel engere Linien fahren als die Kollegen mit den starken Motorrädern. So fällt es leicht zu überholen und man kann sich in den zahlreichen Kurven genug Vorsprung herausfahren um auf der Zielgeraden zu überleben. nils1Die fehlende Leistung kommt natürlich an einigen Stellen zum Vorschein, doch Spass hat man trotzdem wie auf einer großen Maschine. Der Motor wird den ganzen Tag lang geprügelt und gewürgt und wirkt aber trotzdem niemals angestrengt. Ein großer Unterschied zu den Expeditionen mit auf Supermoto umgebauten EXCs, die auf der Boxenmauer immer für mitleidige Blicke sorgen.

Motor stärker als der Nacken

Bei der Anreise mit dem Motorrad war es so, dass meistens mein Nacken und mein Ärmel vor dem Motor um Gnade flehten und der Gasgriff zugemacht wurde. Bis Tempo 180 wird zügig beschleunigt, darüber benötigt man Geduld, Glück oder Rückenwind. Mit knapp 10.000 Euro ist die Duke zwar kein Schnäppchen, erweckt aber bei jedem Auftritt genauso viel Interesse wie deutlich teurere Motorräder. Das kleine Einzylindermotorrad wirkt edel und hochwertig und sorgt für viel Zustimmung im Fahrerlager. Das überraschte mich ein wenig, denn mit der 690er SM von KTM war man im Rennstreckenfahrerlager irgendwie noch ein Fremdkörper. Ein wenig Plastik, ein wenig mehr Design und schon ist man herzlich willkommen in der Familie der Rennfahrer.

Begeistert hat mich das Verhältnis von Arbeitsinput / Leistungsoutput bei der KTM 690 Duke. Wirklich null Aufwand und man kann sofort akzeptable Rundenzeiten fahren (Linkskurs 2:17, Rechtskurs 2:14 mit Serienreifen). Beim Einlenken triumphiert man mit der Handlichkeit, beim Rausbeschleunigen mit dem stabilen Fahrwerk. Die fehlende Leistung ist auf Rennstrecken wie dem Pannoniaring kein Nachteil. Ich kenne die Meute der 600er Nakedbikes genau und weiß, dass ich im Originalzustand mit keiner schneller fahren kann als mit der der Duke. Was hier auf der Rennstrecke am Pannoniaring gilt, gilt in kurvigen Wochenendrevieren noch viel mehr.

KTM 690 Duke

Duke-Impressionen: Photos von Herwig Peuker

10.000 Euro für 65 PS - trotzdem ausverkauft

Ich war jedoch vom Verkaufserfolg der Duke doch etwas überrascht (Im Moment sieht die Liefersituation so aus, dass von der ersten Produktionstranche in Österreich alle ausverkauft sind und möglicherweise im Sommer noch ein paar orange Stücke zur Verfügung stehen). Der Einzylinder kostet 10.000 Euro! Gibt es so viele Leute die keine 100 PS brauchen um ihr Ego zu stabilisieren? Ich glaube bei bisherigen Einzylindern war immer das Design, nicht aber die fehlende Leistung das Problem. Die Duke schafft es auch als kleiner Einzylinder echt hochwertig auszusehen.

Wer Interesse an einer Duke hat, kommt im Moment nur schwer an eine Probefahrt ran. Denn die KTM-Händler machen auch die Vorführer sofort zu Geld - fast alle Kunden kaufen ohne Probefahrt. Ein guter Tipp wäre da zum Beispiel die Firma Mex Motorbike in Oberösterreich. Dort kann man für 99 Euro die 690er Duke einen ganzen Tag fahren oder für 180 Euro auch gleich ein ganzes Wochenende. (Details hier)

KTM 690 Duke KTM 690 Duke
Ein kleiner Baustein im großen Mosaik für irres Handling. Leichte Einscheibenbremse mit hochwertiger Bremboanlage. Sowohl Kupplung als auch Bremse sind sehr sauber zu dosieren und sehen auch richtig geil aus.
KTM 690 Duke KTM 690 Duke
Hier schlummern die zusätzlichen PS der Duke im Vergleich zu den anderen 690er Modellen. Der große Auspuff unterm Motor bietet mehr Volumen. Gut das er hübsch versteckt ist. Find ich an der Duke 690 etwas überflüssig: Mittels billig wirkendem Schalter, können 3 verschiedene Mappings gefahren werden. Hat auf der Enduro viel Sinn, an der Duke brauch ich es nicht.
KTM 690 Duke KTM 690 Duke
Bin ich damit schneller? Kann ich damit einen Pokal holen? Hübsch anzusehen ist er auf alle Fälle und die mörderische Carbonabdeckung aus dem Zubehör ebenso. Aber meine eiserne Regel für die heurige Duke Saison lautet: Es werden nur jene Arbeiten am Motorrad durchgeführt, die nicht mehr Werkzeug verlangen als das Bordwerkzeug. 
 

Photo: www.daknipsi.com
 

   

KTM 690 Duke - technische Daten

Motorbauart Einzylinder, 4-Takt
Hubraum 654 ccm
Bohrung x Hub 102 x 80 mm
Leistung (homologiert) 48 kW @ 7500 rpm / 65,3 PS
Max. Drehmoment 67 Nm @ 5500 rpm
Kompresssion 11,8:1
Starter E-Starter
Getriebe 6 Gänge, klauengeschaltet
Steuerung 4 V / OHC mit Kipphebeln
Schmierung Druckumlaufschmierung mit 2 Ölpumpen
Motorschmierung 10W60
Primärtrieb 36:79
Sekundärtrieb 16:40
Kühlung Flüssigkeitskühlung
Kupplung APTC Mehrscheibenkupplung im Ölbad, hydraulisch betätigt
Motor Management Keihin EMS mit EPT (Electr. Power Throttle)
Rahmen Chrom Molybdän Gitterrohrrahmen, pulverbeschichtet
Rahmenheck Aluminium 7020
Lenker Aluminium Ø 28/22 mm
Federung vorne WP USD Ø 48 mm
Federung hinten WP Monoshock mit Pro-Lever
Federweg vorne / hinten 140 / 140 mm
Bremse vorne Brembo Vierkolben-Radialfestsattel, Bremsscheibe Ø 320 mm
Bremse hinten Brembo Einkolben-Schwimmsattel, Bremsscheibe Ø 240 mm
Felgen, vorne / hinten 3,5 x 17"; 5 x 17"
Bereifung vorne / hinten 120/70 R 17"; 160/60 R 17"
Kette X-Ring 5/8 x 1/4"
Batterie 12 V / 8,6 Ah
Enddämpfer Edelstahl-Unterflur-Schalldämpfer mit geregeltem Katalysator
Steuerkopfwinkel 63,5°
Nachlauf 115 mm
Radstand 1472±10 mm
Bodenfreiheit unbelastet 155 mm
Sitzhöhe 865 mm
Tankinhalt ca. 13,5 Liter / 2,5 Liter Reserve
Gewicht (ohne Benzin) ca. 148,5 kg
Preis Österreich 9.998 Euro

Bericht vom 21.05.2008 | 113.331 Aufrufe

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