Ducati vs Aprilia MotoGP 2026 Machtkampf eskaliert

Aprilia zieht davon - Ducati sucht Antworten

Ducati und Aprilia kämpfen 2026 auf mehreren Fronten! Worum geht es? Wer wird die Nase vorne haben?

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Als Max Biaggi im Januar bei der Aprilia-Saisonpräsentation ans Mikrofon trat, war die Saison noch keinen einzigen Meter alt. Trotzdem warf der ehemalige Weltmeister und Aprilia-Botschafter die verbale Handgranate, die den ganzen Saisonstart 2026 begleiten sollte: ”Der einzige italienische Hersteller hier im Paddock, denn wir wissen, dass Ducati durch Audi deutsch ist."


Ducati-CEO Claudio Domenicali ließ sich Zeit mit der Antwort. Dann sagte er bei der Ducati-Präsentation in Madonna di Campiglio: ”Dieses Gespräch wäre in einer Bar bestens aufgehoben." Und, etwas schärfer: ”99,97 Prozent der Mitarbeiter in der Fabrik in Borgo Panigale sind Italiener."


In einer normalen Saison wäre das ein Scharmützel geblieben. Ein bisschen Spaß unter Landsleuten, ein Headline-Spiel im Januar, vergessen bis zum ersten Rennen. Aber die MotoGP-Saison 2026 ist nicht normal. Was seit dem Saisonauftakt in Thailand zwischen Ducati und Aprilia passiert, hat das Zeug zur größten Herstellerrivalität der modernen MotoGP.


Fünf Siege, null Antworten

Die Zahlen sind brutal. Marco Bezzecchi hat die ersten drei Grands Prix der Saison gewonnen — Thailand, Brasilien, USA — und damit seine Siegesserie aus dem Vorjahr auf fünf aufeinanderfolgende Rennsiege ausgebaut. Er ist erst der dritte Fahrer der modernen Ära nach Valentino Rossi und Marc Marquez, dem das gelungen ist. In Austin stellte er mit 121 aufeinanderfolgenden Führungsrunden einen neuen Allzeitrekord auf, den vorherigen von Jorge Lorenzo (103 Runden, 2015) überbietend. ”Mir fehlen die Worte", sagte Bezzecchi nach dem COTA-Sieg. ”Es ist seltsam, meinen Namen neben diesen Legenden zu hören — neben Vale, neben Marc."


In Brasilien und Austin fuhr Aprilia jeweils Doppelsiege ein — das gab es in der Premier-Class-Geschichte des Herstellers noch nie. Bezzecchi führt die WM mit 81 Punkten an, Teamkollege Jorge Martin liegt mit 77 Zähler auf Platz zwei.


Und Ducati? Der amtierende Weltmeister Marc Marquez ist Fünfter mit 45 Punkten. Francesco Bagnaia, zweifacher Weltmeister und Ducatis Gesicht der letzten Jahre, steht auf WM-Rang neun. 25 Punkte nach drei Rennen. 56 Punkte hinter Bezzecchi.


Aprilia hat im MotoGP Jahr 2026 die Nase vorne!
Aprilia hat im MotoGP Jahr 2026 die Nase vorne!

Die beiden Ducati-Werksfahrer sind sich nicht einmal einig, woran es liegt.


Bagnaia sprach nach Austin Klartext über das Motorrad: ”Aprilia ist vorne, und zwar mit deutlichem Abstand. Das Bike verzögert nicht ausreichend und lenkt nicht sauber ein." Marquez dagegen nahm die Schuld auf sich: ”Mir fehlt etwas. Nicht dem Bike — mir. Ich bin noch schnell, aber ich kann nicht mehr den Unterschied machen."


Zwei Fahrer, ein Team, zwei grundverschiedene Diagnosen. Dass Marquez nach seiner Schulterverletzung aus der Saison 2025 noch nicht bei hundert Prozent ist, macht die Lage nicht einfacher. Teammanager Davide Tardozzi räumt ein: ”Wir können uns nicht immer auf Marcs Talent verlassen, um unsere Defizite auszugleichen."


Rivola gegen Dall'Igna: Duell der Strategen

Der Konflikt zwischen Aprilia und Ducati hat eine lange Vorgeschichte. Seit Massimo Rivola 2019 als Aprilia-CEO antrat und sofort eine Beschwerde gegen Ducatis Aerodynamik einreichte, sticheln die beiden Lager gegeneinander. Aber 2026 hat der Schlagabtausch eine neue Qualität erreicht.


Schon im Januar kommentierte Rivola bei der Aprilia-Präsentation Ducatis Fahrermarkt: Marquez werde verlängern, Acosta sein Teamkollege — als wäre es seine Angelegenheit. Dall'Ignas Konter war knapp: ”Rivola hat bei seiner Präsentation mehr über Ducati gesprochen als über Aprilia."


Nach den ersten drei Rennwochenenden sind die Töne schärfer geworden. Tardozzi sprach nach dem Thailand-GP von ”vier Ohrfeigen ins Gesicht — denn das ist die Wahrheit". Dall'Igna nannte den COTA-GP einen ”Weckruf, der uns antreiben muss, zurück ans Siegen zu kommen". Hinter den Kulissen sollen Dall'Igna und Tardozzi Aprilia vorgeworfen haben, von der härteren Michelin-Reifenkarkasse zu Saisonbeginn besonders profitiert zu haben.


Rivola konterte gelassen. Anfang April erklärte er gegenüber Sky Italia: ”Im Moment würde ich sagen, dass die Aprilia das Referenz-Motorrad ist."


Der Crew-Chief als Geisel

Den persönlichsten Aspekt des Konflikts liefert eine Nachricht, die in den vergangenen Tagen aus Italien kam: Ducati versucht offenbar, Cristian Gabarrini am Wechsel zu Aprilia zu hindern.


Gabarrini ist Bagnaias Crew-Chief — und das seit 2019, seit den Pramac-Jahren. Er war dabei, als Bagnaia 2022 den größten Punkterückstand der modernen MotoGP-Geschichte aufholte. Er war dabei beim zweiten Titel 2023. Er war der Plan, als Bagnaia seinen Vertrag bei Aprilia für 2027 unterschrieb: zwei Jahre plus zwei Optionsjahre, Gabarrini als Crew-Chief mit dabei.


Jetzt droht Bagnaia ohne den Mann nach Noale zu gehen, der seit 2019 jedes Rennwochenende an seiner Seite verbracht hat. Dass Ducati Gabarrini hält, obwohl Bagnaia geht, legt nahe: Es geht weniger um den eigenen Bedarf als darum, Aprilia einen Vorteil zu verwehren.


Fünf Schauplätze, ein Machtkampf

Wer den Überblick behalten will, muss fünf Ebenen gleichzeitig lesen.


Da ist die sportliche Ebene: Bezzecchi dominiert, Ducati findet keine Antwort. Da ist der Identitätsstreit: Biaggi gegen Domenicali, wer darf sich ”italienisch" nennen. Da ist das politische Duell: Rivola gegen Dall'Igna, Sticheleien bei jeder Präsentation, Gegenrede bei jedem Interview. Da ist der technische Disput: Reifenvorwürfe, Aerodynamik-Beschwerden, die Frage, wer vom Reglement profitiert. Und da ist der personelle Konflikt: Bagnaia geht, Gabarrini soll bleiben, Ducati kämpft mit den Mitteln eines Arbeitgebers, der seinen besten Mann verliert.


Johann Zarco, von außen beobachtend bei LCR Honda, fasste die Konsequenz zusammen: ”Bezzecchi wird einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden, weil das, was er tut, so außergewöhnlich ist, dass er ein italienischer Anführer werden könnte — ein Nachfolger von Valentino Rossi, wie Pecco Bagnaia es vielleicht in gewissem Maß war."


Der Bezzecchi-Bogen

Wer verstehen will, warum dieser Machtwechsel so viel Wucht hat, muss zurückblicken. 2023 stellte Ducati Bezzecchi vor die Wahl: Wechsel zu Pramac mit aktuellem Werksmotorrad oder Verbleib bei VR46 mit der älteren Maschine. Bezzecchi blieb bei Rossis Team — aus Loyalität. ”Warum soll ich von einem Satellitenteam zu einem anderen wechseln? Mein Ziel ist ein Werksteam, und die VR46 Academy arbeitet seit meiner Moto3-Zeit daran, mich dahin zu bringen", sagte er damals.


Die Konsequenz war ein frustrierendes Jahr 2024 auf einer Ducati GP23, die nicht zu seinem Fahrstil passte. WM-Zwölfter, übertrumpft vom Teamkollegen. Rossi selbst beschrieb Bezzecchi damals als in einer ”sehr schwierigen psychologischen Situation".


Dann der Wechsel zu Aprilia. Drei Siege 2025, WM-Dritter, erfolgreichster Fahrer in Aprilias MotoGP-Geschichte. Und jetzt: fünf Siege in Serie, WM-Führung, der Mann, dem selbst Casey Stoner bescheinigt hatte, er würde ”als einer der wenigen vorne mitfahren, wenn man die Traktionskontrolle abschalten würde".


Die Ironie ist nicht zu übersehen: Ducati gab Bezzecchi keine Werksperspektive. Jetzt holt sich Aprilia mit seinem ehemaligen Fahrer die Dominanz — und im nächsten Jahr kommt auch Bagnaia.


Was jetzt kommt

In gut zwei Wochen geht es in Jerez weiter — Runde vier von 22. Es ist früh in der Saison, und Ducati hat oft genug bewiesen, dass Borgo Panigale reagieren kann. Dall'Igna hat diese Fabrik einmal aus einer Krise geführt, er kann es wieder tun.


Aber die Ebenen dieses Konflikts gehen längst über Rundenzeiten hinaus. Hier geht es um Identität, um Personal, um die Frage, welcher italienische Hersteller die MotoGP-Zukunft prägt. Der Sport hat mit Rossi gegen Biaggi, mit Marquez gegen Lorenzo, mit Bagnaia gegen Martin große Rivalitäten erlebt. Die Rivalität zwischen den beiden Fabriken aus Borgo Panigale und Noale könnte die größte von allen werden — weil sie auf jeder Ebene gleichzeitig brennt.


Bericht vom 11.04.2026 | 2.565 Aufrufe

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