Ducati Desmo450 SM: Das erste Supermoto-Racebike aus Bologna

Ducati wagt es: Supermoto mit Desmodromik

Rennstrecke statt Straße: Ducati bringt mit der Desmo450 SM die erste Supermoto mit desmodromischer Ventilsteuerung. 63,5 PS, 11.900 Touren, Showa-Fahrwerk, Brembo Stylema und Traktionskontrolle für Slicks. Ab Dezember 2026 bei ausgewählten europäischen Händlern, in Deutschland ab 13.290 Euro.

Borgo Panigale kennt sich mit sportlichen Grenzgängen aus, doch eine reinrassige Wettbewerbs-Supermoto fehlte bislang im Programm. Mit der Desmo450 SM schließt Ducati diese Lücke und bringt dabei eine technische Besonderheit an den Start: Sie ist die einzige Wettbewerbs-Supermoto mit desmodromischer Ventilsteuerung. Vorgestellt wurde sie im Rahmen der World Ducati Week 2026, technisch basiert sie auf der Desmo450 MX. Dass diese Plattform auch im Supermoto-Rennsport funktioniert, zeigten Marc Reiner Schmidt und das Team Undici, die die Plattform bei ihrem weltweiten Renndebüt auf Anhieb zum Sieg fuhren.


Die Desmo450 SM ist von Grund auf als Wettbewerbsmaschine konzipiert, und das bestimmt alles Weitere. Bevor wir über Preise oder Ausstattung sprechen, muss deshalb klar sein: Sie besitzt keine Straßenzulassung. Ihr Revier sind geschlossene Rennstrecken, die Werksgarantie endet nach drei Monaten oder zwanzig Betriebsstunden, und die Abgasanlage erfüllt die FIM- und FMI-Rennsportbestimmungen von 2025 mit 109 dB plus zwei Dezibel Toleranz. Wer eine alltagstaugliche Supermoto mit Kennzeichen sucht, wird bei der Hypermotard-Familie fündig. Wer dagegen am Sonntag Slicks aufzieht und Rundenzeiten zählt, ist hier richtig. Diese Klarheit in der Positionierung tut dem Motorrad gut, denn sie erlaubt technische Lösungen, die bei einem Motorrad mit Straßenzulassung nicht möglich wären.


Desmo450-Motor: 11.900 Touren als Argument

Der Einzylinder schöpft aus 449,6 Kubikzentimetern 63,5 PS bei 9.400 Umdrehungen und 53,5 Nm bei 7.500 Umdrehungen. Interessanter als diese beiden Werte ist allerdings die Zahl dahinter: 11.900 Umdrehungen maximale Drehzahl. Genau dort liegt der Grund, warum Ducati die Desmodromik überhaupt in ein 450er-Rennmotorrad packt. Ohne Ventilfedern sinken die Reibungsverluste, und die Begrenzung durch Federflattern entfällt. Die Ventilbeschleunigung steigt, dadurch wird das nutzbare Drehzahlband deutlich breiter. Für den Fahrer heißt das nicht in erster Linie mehr Spitzenleistung, sondern weniger Arbeit: Jeder Gang lässt sich länger ausdrehen, zwischen den Kurven fallen Schaltvorgänge weg, der Fahrfluss bleibt gleichmäßiger.


Konstruktiv ist der Desmo450 ein Kurzhuber: 96 mm Bohrung stehen 62,1 mm Hub gegenüber, die Verdichtung beträgt 13,5:1. Die Einlassventile bestehen aus Titan und messen 40 mm, die 33 mm großen Auslassventile sind aus Stahl gefertigt, hohl gebohrt und mit Natrium gefüllt, um die Wärme besser abzuführen. Die Steuerkette arbeitet mit hydraulischem Spanner statt mit mechanischer Lösung, was die Kettenspannung über die Zeit gleichmäßiger hält. Deckel von Lichtmaschine, Zylinderkopf und Kupplung bestehen aus Magnesium, die Gemischaufbereitung übernimmt eine Keihin-Einspritzung mit einer Mikuni-Drosselklappe von 44 mm Durchmesser. Der Halbtrockensumpf hält die Bauhöhe niedrig.


Jeder Gang lässt sich länger ausdrehen, das spart Schaltarbeit!

NoPain zum Desmo450-Motor

Desmo450-Getriebe und -Kupplung: Suter hält dagegen

Das Fünfganggetriebe ist bewusst auf das breite Drehzahlband abgestimmt. Ducati nennt die Übersetzungen offen, von 31/15 im ersten bis 24/24 im fünften Gang, die Primärübersetzung liegt bei 2,45:1. Hinten treibt eine DID-Kette DMS 520 über ein Ritzel mit 15 Zähnen und ein Aluminium-Kettenrad mit 47 Zähnen. Der serienmäßige Schaltautomat arbeitet nur beim Hochschalten, was im Supermoto die häufigere und wichtigere Richtung ist. Beim Herunterschalten übernimmt eine speziell für die Desmo450 SM abgestimmte Anti-Hopping-Kupplung von Suter, betätigt über eine hydraulische Brembo-Pumpe mit eigenem Geberzylinder.


Diese Kupplung ist im Supermoto kein Komfortmerkmal, sondern ein Fahrwerksbauteil. Wer eine Supermoto am Kurveneingang quer stellt, arbeitet mit einem kontrollierten Schlupf des Hinterrads, und genau dieser Schlupf entsteht aus dem Zusammenspiel von Motorbremse, Kupplung und Bremsdruck. Eine Anti-Hopping-Kupplung, die zu stark öffnet, nimmt dem Fahrer das Gefühl für das Heck; eine, die zu spät greift, lässt das Hinterrad stempeln. Dass Ducati hier nicht auf eine Standardlösung aus dem Regal setzt, sondern auf eine eigens abgestimmte Suter-Einheit, gehört zu den Details, die in Datenblättern klein aussehen und auf der Bremse den Unterschied machen.


Desmo450 SM mit Showa-Fahrwerk: erstmals ab Werk auf Supermoto

Beim Fahrwerk liegt der eigentliche Aufwand dieses Projekts. Erstmals bei einem serienmäßig produzierten Supermoto-Motorrad hat Showa die Abstimmung direkt entwickelt, und zwar mit den Road- und den Off-Road-Teams gemeinsam. Vorn arbeitet eine 49-mm-Upside-Down-Gabel mit geschlossenem Cartridge-System, voll einstellbar in Druck- und Zugstufe, mit spezifischen Federn, eigener Abstimmung, 280 mm Federweg und Kashima-Beschichtung der Außenrohre. Die Bremssattelaufnahme sitzt radial auf der linken Seite. Die aus dem Vollen gefrästen Gabelbrücken wurden mit größerem Abstand ausgeführt, damit das schmale, aber breit bauende Supermoto-Vorderrad ausreichend Freiraum bekommt.


Hinten sitzt ein voll einstellbares Showa-Federbein an einer progressiven Umlenkung und liefert 295 mm Federweg am Hinterrad. Der Zielkonflikt, den diese Abstimmung lösen muss, ist typisch für die Disziplin: Die Front soll bei brutalen Bremsmanövern auf Asphalt Unterstützung und Rückmeldung geben, gleichzeitig darf sie auf dem Offroad-Teil einer Supermoto-Strecke nicht durchschlagen oder stempeln. Ducati verspricht Präzision am Kurveneingang bei gleichzeitig funktionierender Offroad-Passage.


Räder und Reifen: 1,2 Kilogramm weniger Masse an der Desmo450 SM

Die Räder messen 16,5 Zoll vorn und 17 Zoll hinten, die Felgen stammen von Takasago und tragen das Excel-Profil in den Maßen 3,5 x 16,5 und 5 x 17 Zoll. Entscheidend ist aber das Bartubeless-System: Durch den Entfall der Schläuche sinken die rotierenden und ungefederten Massen um 1,2 Kilogramm. Das ist an einem Motorrad, das fahrfertig ohne Kraftstoff 109 Kilogramm wiegt, eine Hausnummer, und es wirkt genau dort, wo Gewicht am meisten stört: bei Richtungswechseln und beim Einlenken. Nebenbei erlaubt schlauchlose Bereifung niedrigere Luftdrücke ohne Pannenrisiko durch eingeklemmte Schläuche.


Ab Werk rollt die Desmo450 SM auf Metzeler Racetec SM, denselben Reifen, die in der Supermoto-S1-Weltmeisterschaft zum Einsatz kommen. Vorn arbeitet die Mischung K2 im Format 125/75 R16,5 mit steiferer Karkasse für Stabilität unter Bremslast, hinten die griffigere K1 in 165/55 R17. Passend dazu wurden die Peripherieteile überarbeitet: Handprotektoren und ein verkürzter vorderer Kotflügel reduzieren die Segelwirkung bei hohem Tempo, die ebenfalls gekürzten Gabelprotektoren schaffen den Freiraum, den der breite Slick vorn überhaupt erst braucht.


Desmo450 SM Bremsanlage: Stylema trifft Galfer-Scheibe

Supermoto lebt von der Bremse. Ducati montiert vorn eine radiale Brembo-Bremspumpe der Baugröße PR15x19 auf einen radial angeschraubten Stylema-Bremssattel, der auf eine schwimmend gelagerte Galfer-Scheibe mit 310 mm Durchmesser und Aluminiumflansch greift. Das ist Superbike-Hardware an einem 109-Kilogramm-Motorrad, und der Stylema gilt unter Supermoto-Fahrern als Referenz. Hinten kombiniert Ducati eine 240-mm-Galfer-Wave-Scheibe mit einem schwimmend gelagerten Brembo-Einkolbensattel, und auch diese Bremse ist im Supermoto kein Nebenschauplatz, sondern das Werkzeug, mit dem der Fahrer das Heck stellt.


Bei einer Supermoto zählen starke Bremsen und präzises Handling ebenso wie Motorleistung.

NoPain zur Desmo450 SM

Rahmen und Ergonomie: elf Teile, vier Positionen

Der Aluminiumrahmen entspricht dem der Motocross-Version und besteht aus lediglich elf Elementen aus Guss-, Schmiede- und Pressteilen. Die geringe Zahl an Schweißverbindungen dient dem Verhältnis aus Steifigkeit, Gewicht und Festigkeit, gleichzeitig ermöglicht die Konstruktion einen möglichst geradlinigen Ansaugkanal.


Bei der Ergonomie hat Ducati an den Stellen gearbeitet, die im Supermoto zählen. Der Lenker lässt sich in vier verschiedenen Positionen montieren, was bei einer Sitzhöhe von 930 mm und einem Radstand von 1.483 mm spürbaren Einfluss auf die Sitzposition hat. Die Oberflächen der Seitenverkleidungen und der Startnummerntafeln wurden so geformt, dass Oberschenkel und Stiefel wirksam Kontakt finden. Wer schon einmal versucht hat, eine Supermoto im Anbremsen mit den Knien zu fixieren, weiß, wie viel eine griffige Flanke wert ist. Lenkkopfwinkel und Nachlauf liegen bei 25,4 Grad und 85 mm, der Tank fasst 7,2 Liter.


Elektronik: Traktionskontrolle im Supermoto

Mit der Desmo450 SM hält die patentierte Ducati Traction Control erstmals Einzug in das Supermoto-Segment. Das System wurde speziell für diese Disziplin abgestimmt und ermittelt den tatsächlichen Schlupf am Hinterrad, statt ihn nur aus Drehzahl und Gangstellung abzuleiten. Es arbeitet in vier Stufen, lässt sich vollständig abschalten und greift in die Motorparameter ein, wenn die Gripverhältnisse wechseln. Gerade auf Supermoto-Strecken, wo innerhalb einer Runde Asphalt, Schotter und Sprung aufeinandertreffen, ist das eine sinnvolle Anwendung, und sie widerspricht dem Quermachen weniger, als mancher Purist befürchten dürfte.


Dazu kommen Engine Brake Control in zwei Stufen, Ducati Launch Control in drei Stufen, die sich beim Erreichen des vierten Gangs oder beim Schließen des Gasgriffs selbst deaktiviert, sowie zwei Gasannahme-Kennfelder namens Smooth und Dynamic. Alles zusammen wird über zwei Riding Modes verwaltet, die sich mit dem Com-Link-WLAN-Modul und der X-Link App individuell konfigurieren, speichern und wieder aufrufen lassen. Gesteuert wird über eine Bedieneinheit an der linken Lenkerhälfte mit fünf LEDs. Bemerkenswert ist ein Detail, das die Pressemitteilung gar nicht erwähnt: Im Datenblatt steht unter Sicherheitsausstattung auch die Ducati Fall Detection.


Wartung: 45 Stunden bis zum neuen Kolben

Die Serviceintervalle liegen auf dem in dieser Kategorie üblichen Niveau. Der Kolbenwechsel und die Kontrolle des Ventilspiels stehen nach 45 Betriebsstunden an, die vollständige Motorrevision nach 90 Stunden, der Ölwechsel alle 15 Stunden. Das klingt nach viel Arbeit, ist für ein 450er-Rennmotorrad aber normal, und Ducati hat immerhin an der Zugänglichkeit gearbeitet: Die Deckel von Lichtmaschine, Kupplung und Zylinderkopf werden nicht mit Dreikomponenten-Dichtmasse abgedichtet, sondern mit Dichtungen, am Zylinderkopf aus Metall, an den beiden anderen Deckeln aus Gummi. Wer schon einmal eine verklebte Deckelfläche freigekratzt hat, weiß diese Entscheidung zu schätzen.


Neu ist das Konzept der vorausschauenden Wartung. Das System überwacht den Verschleiß der Motorkomponenten und bewertet deren tatsächliche Belastung anhand der realen Nutzung. Mit dem als Zubehör erhältlichen Com-Link-Modul lassen sich die regulären Intervalle damit präziser bestimmen, statt stur nach Betriebsstundenzähler zu arbeiten. Für einen Hobbyfahrer, der seine Maschine überwiegend im Drittel-Gas-Bereich über eine Trainingsstrecke bewegt, kann das bares Geld bedeuten. Für den Rennfahrer, der jede Session am Limit fährt, dürfte es eher eine Warnung als eine Verlängerung werden, und genau das ist der Sinn der Sache.


Zubehör: vom Ritzel bis zum Titanständer

Das Ducati-Performance-Programm für die Desmo450 SM ist erfreulich rennstreckennah sortiert und im Konfigurator bereits mit Preisen hinterlegt. Ducati selbst schlägt eine Racing-Konfiguration aus Racing-Schalldämpfer, Racing-Hinterradbremssattel und Racing-Sitzbank vor, ergänzt um Öleinfülldeckel sowie Abdeckungen für Brems- und Kupplungsflüssigkeitsbehälter. Der hintere Racing-Bremssattel ist mit 1.225,70 Euro das mit Abstand teuerste Einzelteil der Liste, die Racing-Sitzbank kostet 183,86 Euro, der Öleinfüllverschluss 29,42 Euro und der Deckelsatz für die Flüssigkeitsbehälter 89,48 Euro. Ein Preis für den Racing-Schalldämpfer war zum Redaktionsschluss im deutschen Konfigurator noch nicht hinterlegt.


Deutlich alltagstauglicher wird es bei den Teilen, die jeder Supermoto-Fahrer über die Saison ohnehin braucht. Die Endübersetzung lässt sich mit Kettenblättern zu 50, 51 und 52 Zähnen für je 61,28 Euro und einem Ritzel mit 14 Zähnen für 22,06 Euro streckenspezifisch anpassen. Dazu kommen ein Lenker für 158,12 Euro, Gummigriffe für 15,93 Euro oder Aramidfaser-Griffe für 24,51 Euro, ein Gasgriffrohr für 14,71 Euro, eine hintere Bremsscheibe für 116,62 Euro und eine alternative Monofederbeinfeder für 159,34 Euro. Letztere ist der Posten, den schwere oder sehr leichte Fahrer als Erstes auf die Liste setzen sollten, weil die Serienfeder immer nur einen Kompromiss darstellen kann.


Beim Schutzzubehör bleibt Ducati günstig: Der Rahmenschutz kostet 73,54 Euro, die Motorschutzplatte 104,18 Euro, das Schutzgitter für den Kühler 36,77 Euro und der Vorfilter für den Luftfilter 19,61 Euro. Für die Box gibt es einen Boxenständer für 122,57 Euro, eine Garagenmatte in Ducati-Corse-Farben für 226,76 Euro, die den FIM-Umweltbestimmungen nach Artikel 4.1 entspricht und 120 x 250 Zentimeter misst, sowie ein Reinigungsset für 42,90 Euro. Ganz oben in der Preisliste steht der Ständer aus Titan mit 796,70 Euro, und das ist genau jener Posten, bei dem jeder Käufer selbst entscheiden muss, ob Paddock-Optik dieses Geld wert ist.


Technische Daten Ducati Desmo450 SM

BeschreibungWert
MotorDesmo450, flüssigkeitsgekühlter Einzylinder, 4 Ventile, desmodromisch, DOHC, Halbtrockensumpf
Hubraum449,6 cm³
Bohrung x Hub96 x 62,1 mm
Verdichtung13,5:1
Leistung63,5 PS (46,7 kW) bei 9.400 U/min
Drehmoment53,5 Nm bei 7.500 U/min
Maximaldrehzahl11.900 U/min
GemischaufbereitungKeihin-Einspritzung, Mikuni-Drosselklappe Ø 44 mm
AuspuffStahl-Schalldämpfer mit Aluminiumhülle, Stahlkrümmer mit Resonator
Getriebe5 Gänge mit Schaltautomat
Primärübersetzung2,45:1
SekundärantriebDID DMS 520, Ritzel Z15, Aluminium-Kettenrad Z47
KupplungSuter-Anti-Hopping-Kupplung, hydraulische Brembo-Betätigung
RahmenAluminium aus Guss-, Schmiede- und Pressteilen, 11 Elemente
GabelShowa Upside-Down Ø 49 mm, voll einstellbar, Kashima-Beschichtung
FederbeinShowa, voll einstellbar, progressive Umlenkung
Federweg vorn/hinten280 mm / 295 mm
Bremse vornGalfer-Scheibe Ø 310 mm schwimmend, Brembo Stylema radial, Pumpe PR15x19
Bremse hintenGalfer-Wave-Scheibe Ø 240 mm, Brembo Einkolben-Schwimmsattel
FelgenTakasago Excel 3,5 x 16,5" und 5 x 17", Bartubeless
ReifenMetzeler Racetec SM K2 125/75 R16,5 / K1 165/55 R17
Radstand1.483 mm
Lenkkopfwinkel / Nachlauf25,4° / 85 mm
Sitzhöhe930 mm
Gewicht fahrfertig ohne Kraftstoff109 kg
Tankinhalt7,2 l
ElektronikRiding Modes, DTC, EBC, Power Launch, Schaltautomat, Ducati Fall Detection
Vorbereitet fürWLAN-Modul und X-Link App
Garantie3 Monate oder 20 Betriebsstunden

Desmo450 SM Preise: Deutschland, Österreich, Schweiz

In Deutschland startet die Desmo450 SM bei 13.290 Euro. Gegenüber der Desmo450 MX, die ab 12.490 Euro angeboten wird, beträgt der Aufpreis damit 800 Euro. Dafür gibt es die für Supermoto abgestimmten Showa-Federelemente, passende Räder mit Bartubeless-System, eine Brembo-Stylema-Bremsanlage mit 310-mm-Scheibe, die Suter-Kupplung und die im WM-Einsatz verwendeten Slicks. Für 800 Euro Aufpreis ist das ein umfangreiches Paket.


In der Schweiz ist die Desmo450 SM ab 12.690 Franken gelistet. Für Österreich lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch kein offizieller Preis vor; auch auf der Website des österreichischen Importeurs war das Modell noch nicht angeführt. Aus dem Preisunterschied der Desmo450 MX zwischen Deutschland und Österreich lässt sich für die SM ein Richtwert von rund 14.000 Euro ableiten. Das ist allerdings eine Hochrechnung und keine Preisangabe von Ducati. Die Auslieferung an ausgewählte europäische Händler beginnt im Dezember 2026, weitere Märkte folgen danach.


Einordnung: Für wen ist die Desmo450 SM gemacht?

Ducati baut mit der Desmo450 SM kein Motorrad für die Vitrine, sondern eines für den Zeitnahme-Transponder. Die Zielgruppe ist klar umrissen: Supermoto-Rennfahrer, ambitionierte Trainingsgruppen-Piloten und jene Ducatisti, die ohnehin eine Panigale in der Garage haben und das gleiche Markenversprechen auf der kleinen Strecke suchen. Der Reiz liegt in der Kombination aus einem Motor, der ein ungewöhnlich breites nutzbares Drehzahlband bietet, einem Fahrwerk, das Showa erstmals ab Werk auf diese Disziplin abgestimmt hat, und einer Elektronik, die dem Amateur Sicherheit gibt, ohne dem Profi im Weg zu stehen.


Offene Fragen bleiben, und sie sind typisch für ein Motorrad, das gerade erst vorgestellt wurde. Wie sich die Desmodromik über 45 Betriebsstunden im harten Rennbetrieb schlägt, wie fein die Traktionskontrolle beim bewussten Quermachen dosiert und wie belastbar das Händler- und Ersatzteilnetz jenseits der Ducati-Kernmärkte ist, lässt sich seriös erst nach der ersten Saison beurteilen.


Was sich allerdings heute schon sagen lässt: Das Supermoto-Segment hat seit Jahren nicht mehr so viel Aufmerksamkeit bekommen wie mit dieser Vorstellung.


FAQ zu Ducati Desmo450 SM 2027

Für wen ist dieses Motorrad geeignet?
Für Fahrer, die auf geschlossenen Rennstrecken unterwegs sind, und für niemanden sonst. Die Desmo450 SM hat keine Straßenzulassung, die Werksgarantie läuft über drei Monate oder zwanzig Betriebsstunden, und ab Werk rollt sie auf Slicks. Ducati zielt gleichzeitig auf zwei Gruppen: auf Supermoto-Rennfahrer, die Rundenzeiten zählen, und auf ambitionierte Hobbyfahrer, denen Fahrwerk und Elektronik von der ersten Runde an Vertrauen geben sollen. Mit 930 mm Sitzhöhe und 109 Kilogramm fahrfertig ohne Kraftstoff ist sie ein echtes Wettbewerbsgerät, keine Einsteigermaschine. Wer eine alltagstaugliche Supermoto mit Kennzeichen sucht, findet die im Ducati-Programm bei der Hypermotard-Familie.
Was sind die größten Stärken des Motorrads?
Der Desmo450-Einzylinder dreht dank desmodromischer Ventilsteuerung bis 11.900 Umdrehungen und bietet damit ein ungewöhnlich breites nutzbares Drehzahlband, was Schaltvorgänge spart und den Fahrfluss gleichmäßiger hält. Das Fahrwerk wurde erstmals bei einer serienmäßig produzierten Supermoto direkt von Showa abgestimmt, mit voll einstellbarer 49-mm-Gabel, 280 mm Federweg vorn und 295 mm hinten. Dazu kommen eine Brembo-Stylema-Bremsanlage mit 310-mm-Galfer-Scheibe, die Suter-Anti-Hopping-Kupplung, die Bartubeless-Räder mit 1,2 Kilogramm weniger rotierender und ungefederter Masse sowie ein Elektronikpaket mit Traktionskontrolle, Engine Brake Control, Power Launch und Schaltautomat. In dieser Kombination bietet das in der Klasse sonst niemand.
Die fehlende Straßenzulassung schränkt den Einsatz auf geschlossene Strecken ein, und die Garantie über drei Monate oder zwanzig Betriebsstunden macht deutlich, dass Ducati hier ein Rennmotorrad verkauft und kein Alltagsmotorrad. Der Unterhalt ist entsprechend: Kolbenwechsel und Ventilspielkontrolle alle 45 Betriebsstunden, Motorrevision nach 90 Stunden, Ölwechsel alle 15 Stunden. Der 7,2-Liter-Tank reicht für eine Session, nicht für einen Tag. Offen bleibt zum Marktstart, wie sich die Desmodromik über die vollen 45 Betriebsstunden im harten Rennbetrieb schlägt und wie belastbar das Ersatzteilnetz jenseits der Ducati-Kernmärkte ist. Das lässt sich erst nach der ersten Saison seriös beurteilen.
Motor und Aluminiumrahmen teilen sich beide Modelle, alles rund um den Kontakt zum Asphalt wurde für den Supermoto-Einsatz neu entwickelt. Dazu gehören die eigene Showa-Fahrwerksabstimmung, die aus dem Vollen gefrästen Gabelbrücken mit größerem Abstand, die 16,5- und 17-Zoll-Räder mit Bartubeless-System, die Brembo-Stylema-Bremsanlage mit 310-mm-Galfer-Scheibe, die geänderte Endübersetzung, die Suter-Anti-Hopping-Kupplung und die Elektronik mit supermoto-spezifischer Traktionskontrolle. Dazu kommen der verkürzte vordere Kotflügel, kürzere Gabelprotektoren und neu gestaltete Handprotektoren.
Er liegt auf dem in dieser Kategorie üblichen Niveau: Kolbenwechsel und Kontrolle des Ventilspiels nach 45 Betriebsstunden, vollständige Motorrevision nach 90 Stunden, Ölwechsel alle 15 Stunden. Ducati hat immerhin die Zugänglichkeit verbessert, weil die Deckel von Lichtmaschine, Kupplung und Zylinderkopf nicht mit Dreikomponenten-Dichtmasse abgedichtet werden, sondern mit Metall- und Gummidichtungen. Neu ist außerdem die vorausschauende Wartung, die den Verschleiß der Motorkomponenten anhand der tatsächlichen Nutzung bewertet. Mit dem als Zubehör erhältlichen Com-Link-Modul lassen sich die Intervalle damit präziser bestimmen, statt stur nach Betriebsstundenzähler zu arbeiten.
Die Desmo450 SM bringt erstmals die patentierte Ducati Traction Control ins Supermoto-Segment. Das System ermittelt den tatsächlichen Schlupf am Hinterrad, arbeitet in vier Stufen und lässt sich vollständig abschalten. Dazu kommen Engine Brake Control in zwei Stufen, Ducati Launch Control in drei Stufen, ein Schaltautomat zum Hochschalten und zwei Gasannahme-Kennfelder namens Smooth und Dynamic. Verwaltet wird alles über zwei Riding Modes und eine Bedieneinheit am Lenker mit fünf LEDs. Mit dem Com-Link-WLAN-Modul und der X-Link App lassen sich die Eingriffsstufen individuell konfigurieren, speichern und wieder aufrufen. Im Datenblatt steht unter Sicherheitsausstattung außerdem die Ducati Fall Detection.
Die Auslieferung an ausgewählte europäische Händler beginnt im Dezember 2026, weitere Märkte folgen danach. Das Ducati-Performance-Programm ist rennstreckennah sortiert und im Konfigurator bereits mit Preisen hinterlegt. Ducati schlägt eine Racing-Konfiguration aus Racing-Schalldämpfer, hinterem Racing-Bremssattel für 1.225,70 Euro und Racing-Sitzbank für 183,86 Euro vor. Praxisnäher sind Kettenblätter mit 50, 51 und 52 Zähnen für je 61,28 Euro, ein Ritzel mit 14 Zähnen für 22,06 Euro, eine alternative Monofederbeinfeder für 159,34 Euro sowie Schutzteile wie Rahmenschutz für 73,54 Euro, Motorschutzplatte für 104,18 Euro und Kühlerschutzgitter für 36,77 Euro. Für die Box gibt es einen Boxenständer für 122,57 Euro und, ganz oben in der Liste, einen Ständer aus Titan für 796,70 Euro.

Bericht vom 17.09.2026 | 10.513 Aufrufe