Peugeot XP400 Allure Test: Stark in Stadt und Alltag
Der unterschätzte ADV-Roller?
Der Peugeot XP400 wirkt trotz seines Marktstarts 2023 erstaunlich frisch. Im Test überrascht der Crossover-Roller vor allem mit hoher Stabilität auf schlechtem Asphalt, alltagstauglichem Stauraum und einem kräftigen 36-PS-Einzylinder. Doch ganz ohne Schwächen bleibt er nicht.
Der Peugeot XP400 ist seit 2023 am Markt, wirkt aber keineswegs von gestern. Mit 36 PS, 17-Zoll-Vorderrad und überraschend viel Stabilität präsentiert sich der Crossover-Roller als spannender Begleiter für Stadt, Pendelstrecke und Landstraße.
Drei Jahre alt und optisch immer noch frisch
Man schreibe nicht mehr das Jahr 2023, trotzdem könnte man beim ersten Blick auf den XP400 glauben, Peugeot hätte seinen Crossover-Roller gerade erst vorgestellt. Die kantige Front, die Adventure-Anleihen und die insgesamt moderne Linienführung sind gut gealtert. Interessant ist dabei der Kontrast im Cockpit: Analoge Elemente treffen auf ein zentrales TFT-Display. Das wirkt fast ein wenig retro, fügt sich aber überraschend stimmig in das ansonsten moderne Design ein. Genau dieser eigenständige Auftritt hilft dem Peugeot heute, denn die Konkurrenz schläft nicht. Mit Honda ADV350 und Aprilia SR GT 400 warten mittlerweile starke Alternativen.
17 Zoll vorne machen auf schlechtem Asphalt den Unterschied
Seine große Überraschung liefert der XP400 dort, wo der Untergrund richtig mies wird. Kopfsteinpflaster, Wellen, Löcher und brüchiger Asphalt rund um den Wiener Kahlenberg wurden im Test zur echten Belastungsprobe. Und genau dort funktioniert der Peugeot ausgezeichnet. Selbst wenn das Vorderrad über Unebenheiten rutscht und das Fahrzeug ordentlich durchgeschüttelt wird, bleibt der Roller stabil und berechenbar. Ein wesentlicher Faktor ist das ungewöhnlich große 17-Zoll-Vorderrad. Dazu kommt eine massive Motorrad-artige Gabelkonstruktion und ein langer Radstand. Das Resultat: Man fasst schnell Vertrauen und kann auch über schlechten Untergrund überraschend flott fahren.
Fahrwerk mit echtem Motorradgefühl
Auch am Hinterrad geht Peugeot einen aufwendigen Weg. Das Federbein liegt oben und arbeitet über eine Umlenkung, die Konstruktion sieht deutlich ambitionierter aus als bei einem simplen Stadtroller. Entscheidend ist aber nicht die Optik, sondern was davon beim Fahrer ankommt. Vorne wie hinten vermittelt der XP400 ein gutes Gefühl und steckt schlechte Straßen bemerkenswert souverän weg. Gerade im Zusammenspiel mit dem langen Radstand entsteht jene Ruhe, die auf Kopfsteinpflaster oder zerfurchtem Asphalt Vertrauen schafft. Der Roller wirkt nicht nervös und macht auch dann keine unerwarteten Bewegungen, wenn der Untergrund ständig versucht, Unruhe ins Fahrwerk zu bringen.
36 PS reichen für Stadt und Landstraße locker aus
Der Powermotion-Einzylinder schöpft aus 400 cm³ Hubraum 36 PS bei 8.150 U/min und liefert 38,1 Nm Drehmoment. Seine Kraft gelangt über ein stufenloses CVT ans Hinterrad. Spektakulär klingt das auf dem Datenblatt nicht, in der Praxis passt der Antrieb aber sehr gut zum Fahrzeug. Die Leistung lässt sich unkompliziert einsetzen und reicht aus, um auch auf der Landstraße mit Freude unterwegs zu sein. In der Stadt ist die Sache sowieso schnell geklärt: Gas auf, die Automatik erledigt den Rest und der XP400 kommt an der Ampel ordentlich vom Fleck. Man muss sich weder mit Schaltvorgängen noch mit einer komplizierten Motorcharakteristik beschäftigen.
Groß gebaut, aber in der Stadt keineswegs fehl am Platz
Mit 2.190 mm Länge, breitem Lenker und langem Radstand ist der XP400 kein kleiner City-Flitzer, mit dem man jeden noch so engen Haken schlagen möchte. Trotzdem fühlte er sich im Wiener Verkehr keineswegs deplatziert an. Gerade die hohe Stabilität hilft beim Durchzirkeln, denn schnelle Richtungswechsel lassen sich kontrolliert setzen, ohne dass das Fahrwerk plötzlich nervös reagiert. Der breite Lenker schafft zusätzlich Kontrolle. Ein kleinerer Roller ist in engsten Lücken naturgemäß handlicher, ein echter Nachteil entsteht mit dem Peugeot im normalen Stadtbetrieb aber nicht. Dafür bekommt man mehr Ruhe und Souveränität, sobald die Straßen schneller oder schlechter werden.
Bremse verlangt Kraft, ABS arbeitet überzeugend
Nicht überall gibt es uneingeschränktes Lob. Die Bremsanlage benötigt im Test relativ kräftigen Handdruck, bevor wirklich starke Verzögerung anliegt. Das Testfahrzeug hatte allerdings erst knapp 40 km auf dem Tacho, weshalb sich der Biss mit vollständig eingefahrenen Belägen noch verändern kann. Die gewünschte Verzögerung ist jedenfalls vorhanden. Positiv fiel vor allem das ABS auf: Selbst beim kräftigen Bremsen auf unebenem Untergrund öffnete die Regelung nur selten und wirkte nicht störend. Auch die zweistufige Traktionskontrolle arbeitete bei rutschigen Bedingungen so unauffällig, dass ihre Eingriffe praktisch nicht wahrgenommen wurden. Einstellbare Bremshebel vorne und hinten sind in dieser Preisklasse zusätzlich ein nettes Detail.
Mehr Stauraum als der erste Blick vermuten lässt
Für einen Roller entscheidet sich viel unter der Sitzbank. Das Hauptfach des XP400 wirkt zunächst nicht riesig, nimmt aber einen Integralhelm auf. Die eigentliche Überraschung wartet weiter hinten: Auch unter dem Soziussitz verbirgt sich zusätzlicher Stauraum für kleinere Dinge wie Geldbörse, Smartphone, Fahrzeugpapiere oder Erste-Hilfe-Paket. Dort befindet sich zudem eine USB-A-Steckdose. Ein weiteres kleines Fach sitzt weiter vorne im Sitzbereich. Für den täglichen Weg zur Arbeit oder Besorgungen ist das bereits ordentlich brauchbar. Wer sehr viel Gepäck transportieren möchte, wird weiterhin über ein Topcase nachdenken, für den normalen Alltag kommt der Peugeot aber erfreulich gut ohne zusätzlichen Koffer aus.
Sitzposition mit viel Kontrolle, aber begrenzter Beinfreiheit
Auf den Trittbrettern findet Schuhgröße 43 problemlos Platz, bei größeren Füßen wird es naturgemäß enger. Eine vollständig ausgestreckte Cruiser-Sitzposition bietet der XP400 allerdings nicht. Wer die Beine weit nach vorne schieben möchte, muss die Fersen entsprechend platzieren, wobei die Fußspitzen stärker dem Fahrtwind und bei Regen auch dem Wasser ausgesetzt sind. Dafür hat die Bauform einen fahrdynamischen Vorteil: Durch den fehlenden klassischen Durchstieg können die Unterschenkel Druck auf den Fahrzeugkörper ausüben. Gerade beim aktiveren Fahren lässt sich der Roller dadurch erstaunlich gut führen und kontrollieren. Das passt zu seinem insgesamt motorradnahen Fahrgefühl.
Adventure-Optik, aber die Straße ist sein Zuhause
Der XP400 möchte optisch Abenteuer ausstrahlen, das getestete Fahrzeug war mit Gussrädern und Pirelli-Straßenreifen aber klar auf Asphalt ausgerichtet. Im Alltag ergibt das Sinn. Sein Terrain sind Stadtverkehr, schlechte Nebenstraßen, Landstraße und Pendelstrecken. Auch längere Verbindungen passen zum stabilen Charakter des Peugeot besser, als man es einem klassischen Stadtroller vielleicht zutrauen würde. Das Windschild bietet eine ordentliche Fläche, ist allerdings nicht verstellbar. Assistenzseitig sind ABS und zweistufige Traktionskontrolle an Bord. Ride-by-Wire gibt es nicht, der Gasgriff arbeitet noch klassisch über einen Seilzug. Gestört hat das während der Testfahrt nicht.
Preislich wird der Peugeot besonders interessant
Dann ist da noch der Preis. In Österreich startet der XP400 laut vorliegender Preisliste bei 5.752 Euro mit Gussfelgen, die Ausführung mit Speichenrädern liegt bei 6.285 Euro. In Deutschland stehen 5.499 Euro beziehungsweise 5.999 Euro in der Liste. Damit positioniert sich der Peugeot ausgesprochen aggressiv. Zum Vergleich: Für Honda ADV350 und Aprilia SR GT 400 werden in Österreich Preise ab rund 7.500 Euro beziehungsweise 7.590 Euro genannt. Vor diesem Hintergrund wirken Details wie einstellbare Bremshebel, TFT, Traktionskontrolle und der praktische Stauraum umso erfreulicher. Das Wort Kampfpreis passt hier ziemlich gut.
Fazit: Peugeot XP 400 ALLURE 2026
Der Peugeot XP400 Allure überzeugt als vielseitiger Crossover-Roller für Stadt, Pendelstrecke und Landstraße. Besonders stark ist seine hohe Stabilität auf schlechtem Asphalt, unterstützt vom 17-Zoll-Vorderrad und dem souverän arbeitenden Fahrwerk. Der 36-PS-Einzylinder liefert ausreichend Druck für den Alltag, dazu kommen brauchbarer Stauraum und ein attraktiver Preis. Schwächen zeigt der XP400 vor allem bei der etwas kraftfordernden Bremse und der eingeschränkten Möglichkeit, die Beine weit nach vorne auszustrecken.- Sehr hohe Stabilität auch auf schlechtem Untergrund
- Souveränes Fahrwerk mit motorradähnlichem Fahrgefühl
- Kräftiger und unkomplizierter 36-PS-Einzylinder
- Gute Alltagstauglichkeit und brauchbarer Stauraum
- Attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis
- Unauffällig arbeitende Traktionskontrolle und gutes ABS
- Frisches, eigenständiges Design
Bericht vom 29.08.2026 | 10.421 Aufrufe