Yamaha CP2 mit 35 kW: MT-07, Tracer 7 und R7 im A2-Test

Überzeugt der gedrosselte CP2 Motor?

Drei Motorräder, ein Motor und eine Frage, die viele Fahranfänger beschäftigt: Taugt ein auf 35 Kilowatt gedrosseltes Bike wirklich etwas, oder bleibt am Ende nur ein kastriertes Versprechen? Bei Yamaha Schweiz in Sursee standen die MT-07, die Tracer 7 und die R7 bereit, alle mit dem gleichen CP2-Motor und alle im A2-T

von FunkyFrankee am 05.07.2026

Der gemeinsame Nenner der drei Motorräder ist der CP2, ein 689 ccm grosser Reihen-Zweizylinder, der seit rund zehn Jahren in der MT-07 seinen Dienst tut. Seine unregelmässige Zündfolge verleiht ihm einen Charakter, der eher an einen V2 erinnert als an einen klassischen Reihenmotor, und sorgt für kräftiges Drehmoment schon aus tiefen Drehzahlen. Offen leistet er rund 73 PS und 68 Nm, das maximale Drehmoment liegt bei etwa 6500 Umdrehungen an.


In der hier getesteten A2-Version bleibt der Motor unverändert, die Maximalleistung wird elektronisch auf 35 Kilowatt begrenzt. Das Drehmoment fällt mit rund 62 Nm nur leicht tiefer aus und steht bereits bei etwa 4250 Umdrehungen bereit. Für Einsteiger ist weniger die Spitzenleistung entscheidend als die Frage, wann sich die Kraft entfaltet, und hier punktet der CP2 mit seiner frühen, gut berechenbaren Leistungsabgabe.


Auf dem Hof von Yamaha Schweiz in Sursee standen drei sehr unterschiedliche Vertreter dieses Motors bereit, die nackte MT-07, die reisetauglichere Tracer 7 und die sportliche R7. Die MT-07 war zudem mit dem automatisierten Schaltgetriebe Y-AMT unterwegs, das die Kupplung überflüssig macht und ab diesem Jahr auch für die Tracer 7 erhältlich ist.


Preislich beginnt die MT-07 bei CHF 8'590, mit Y-AMT bei CHF 8'990. Die Tracer 7 steht ab CHF 10'490 in der Liste, mit Y-AMT bei CHF 10'990. Die R7 liegt als Standardmodell bei CHF 10'690.


Das Herzstück, das alle teilen: Der 689 ccm grosse CP2 liefert sein Drehmoment so früh, dass die 35-kW-Grenze im Alltag kaum bremst.

Leistungs-Check: Sind gedrosselte 35 Kilowatt Motorräder wirklich zu lasch?

Der erste Realitätscheck dreht sich um den hartnäckigsten Vorwurf gegen gedrosselte Motorräder, sie seien kastriert und langweilig. In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild, denn die Kraft steht dort, wo Fahranfänger sie am häufigsten brauchen, nämlich in den tiefen und mittleren Drehzahlen. Für ein sauberes Überholmanöver auf der Landstrasse reicht das problemlos.


Max, der zuvor eine gedrosselte Honda CB650 mit Vierzylinder fuhr, bemerkte den Unterschied schnell. Der Zweizylinder schiebt unten spürbar kräftiger an und bringt mehr Emotion ins Spiel, er blubbert, will gedreht werden und liefert dann auch etwas. Wer allerdings den gesamten Drehzahlbereich ausreizen und das Bike bis in den letzten Gang ausdrehen will, vermisst oben heraus Leistung. Dort flacht die gedrosselte Version ab, während eine ausgereizte 400er williger weiterdreht.


Auffällig war, dass sich die drei Maschinen trotz identischem Motor unterschiedlich anfühlen. MT-07 und Tracer 7 liegen nah beieinander, die R7 wirkt durch ihre Abstimmung und die sportlichere Sitzposition einen Tick spritziger. Bis etwa 5000 bis 6000 Umdrehungen vermittelt sie das Gefühl, auf einer vollwertigen 700er zu sitzen. Der Vorwurf, 35-kW-Bikes machten keinen Spass, lässt sich so kaum halten, auch wenn obenheraus eine kritische Stimme bleibt.


Sportlich trotz Drossel: Die R7 fühlt sich bis 6000 Touren wie eine vollwertige 700er an und entkräftet den Mythos vom kastrierten Einsteigerbike.

Preis-Check: Lohnt sich eine gedrosselte Yamaha? Vergleich der MT 07, Tracer 7 und R7

Der zweite Check stellt die Frage nach dem Geld. Die gedrosselten Siebner kosten deutlich mehr als die kleineren Alternativen aus dem eigenen Haus, etwa die voll ausfahrbare 300er-Serie, die unter der 35-kW-Grenze bleibt. Zwischen den kleinen und den grossen Modellen liegen rund 2000 bis 3000 Franken. Die Überlegung lautet also, ob man dieses Geld spart oder in ein hochwertigeres Motorrad mit mehr Komfort, mehr Ausstattung und mehr Leistung investiert.


Für die grössere Maschine spricht der Wiederverkaufswert. Wer nach zwei Jahren mit offenem Führerschein verkauft, erreicht sowohl Einsteiger als auch Fahrer ohne Beschränkung und damit eine breitere Zielgruppe. Gerade in einem Markt, in dem günstige Bikes neuer Marken auf preissensible Einsteiger treffen, lässt sich ein Modell aus der etablierten Qualitätsklasse leichter wieder veräussern.


Dazu kommt ein praktischer Punkt, denn die Drosselung erfolgt elektronisch. Der Rückbau dauert beim Händler rund 30 Minuten und kostet etwa 100 bis 150 Franken. Wer mit 18 vielleicht noch in der Lehre steckt, für den sind 2000 bis 3000 Franken Aufpreis eine Ansage. Langfristig betrachtet erhält man dafür aber die Möglichkeit, mit einem kleinen Eingriff ein vollwertiges, grosses Motorrad zu fahren, und dieses Mehr an Investment zahlt sich über die längere Nutzungsdauer und den höheren Spassfaktor aus.


Investieren statt sparen: Wer zur Siebner statt zur 300er greift, zahlt mehr, fährt länger und trifft beim Wiederverkauf auf eine breitere Käuferschaft.

Charakter-Check: Gleicher CP2 Motor, drei verschiedene Bikes

Macht der gleiche Motor automatisch das gleiche Motorrad? Im Test fiel die Antwort klar aus, und sie lautet nein. Anders als bei dem 125er-Serie Test des Vorjahres, bei der sich die Modelle erstaunlich ähnlich anfühlten, zeigen die drei Siebner deutlich eigene Charaktere. Mapping, Übersetzung und Sitzposition unterscheiden sich von Bike zu Bike.


Die MT-07 bleibt das Agilitätspaket. Wer aufsitzt, fühlt sich fast wie auf einem Velo, die Front baut flach und kurz, vorne scheint kaum Motorrad zu stehen. Das kann anfangs ungewohnt wirken, gibt aber auch Sicherheit, weil man kein grosses Schiff vor sich hat. Die Tracer 7 tritt durch ihren Vorbau bulliger und massiver auf, sie fährt sich geerdeter und stabiler in der Geraden. Auf Fahranfänger wirkt sie zunächst einschüchternd, sobald die Grösse zum Fahrer passt, überzeugt sie jedoch mit vielen Vorzügen.


Die R7 setzt sich am deutlichsten ab. Ihre sportliche Sitzposition mit Stummellenker und das verstellbare Fahrwerk bringen echte Racing-DNA auf die Strasse, was sich besonders auf langen Pässen bemerkbar macht. MT-07 und Tracer 7 bleiben sich näher, die grösste Eigenständigkeit gehört der R7.


Leicht wie ein Velo: Die MT-07 zeigt, dass derselbe Motor in einem anderen Kleid zu einem völlig eigenständigen Bike werden kann.

Alltags-Check: Welche Yamaha passt zu welchem Einsatz?

Der vierte Check sortiert die drei nach Einsatzzweck. Für die schnelle Wochenendrunde mit guten Kurven ist die R7 die erste Wahl, ihre sportliche Auslegung kommt auf kurvigen Strecken voll zur Geltung. Sobald die Tour länger wird, spielt die Tracer 7 ihre Stärken aus, denn Windschutz, aufrechte Sitzposition und die geradlinige Stabilität sorgen für Komfort, der auf Distanz zählt.


Die MT-07 bleibt der zugänglichste Allrounder. Wer ohne Stress und so einfach wie möglich unterwegs sein will, findet in ihr eine kaum zu schlagende Begleiterin. Sie wird oft schnell überschaut, obwohl sie viele Qualitäten mitbringt.


Die Tracer 7 punktet zusätzlich mit ihrer neu gestalteten Front. Das überarbeitete Design wertet den Sport-Tourer optisch auf und macht ihn neben den praktischen Vorzügen auch zu einer Frage des Geschmacks. Insgesamt deckt das Trio damit ein breites Spektrum ab, von der entspannten Pendelfahrt bis zur zügigen Kurvenjagd.


Gemacht für die lange Strecke: Mit Windschutz und aufrechter Sitzposition ist die Tracer 7 die Erste, die man für die grosse Tour sattelt.

Einsteiger-Check: Traut man sich ein 35-kW-Bike zu?

Der letzte Check richtet sich an alle, die frisch den A2-Schein in der Tasche haben. Als zugänglichstes Modell für Fahranfänger gilt die MT-07, sie ist handlich, leicht und nimmt mit ihrem niedrigen Schwerpunkt die Nervosität der ersten Kilometer. Die Tracer 7 ist trotz höherem Gewicht und erhöhter Sitzposition gut machbar und bleibt einsteigerfreundlich. Am wenigsten empfiehlt sich die R7 für den Anfang, denn ihr begrenzter Lenkereinschlag erschwert das Manövrieren und enge Übungen wie den Slalom.


Ein Punkt verdient in der Schweiz besondere Beachtung. Wer die praktische A2-Prüfung ablegt, fährt in einigen Kantonen, etwa in Solothurn, mit dem Experten als Sozius. Bei der R7 sitzt dieser sehr hoch, der Gewichtsschwerpunkt wandert nach oben und das Bike wird kopflastig. Wer kleiner oder zierlicher gebaut ist, braucht hier Kraft in den Beinen, um die Maschine sicher zu halten. Trotz ihrer flachen, wenig einschüchternden Optik ist die R7 damit die erwachsenste der drei.


Die nackten Zahlen bestätigen den Eindruck. Die MT-07 ist mit 805 Millimeter Sitzhöhe und 184 Kilogramm die leichteste und niedrigste. Die R7 liegt bei 835 Millimeter und 188 Kilogramm, die Tracer 7 ist mit 835 Millimeter und 196 Kilogramm die schwerste. Für kleinere Fahrer ist die bessere Erreichbarkeit des Bodens bei der MT-07 ein echter Vorteil.


Erwachsener als sie aussieht: Bei der A2-Prüfung mit dem Experten im Sozius fordert die R7 trotz flacher Optik Kraft in den Beinen.

Fazit vom 35kW Test der Yamaha MT 07, Tracer 7 und R7

Am Ende des Tages bleibt der Eindruck, dass die 35-kW-Drosselung bei diesen Motorrädern keine Notlösung ist, sondern eine durchdachte Möglichkeit. Der CP2 verträgt die Begrenzung gut, weil er seine Kraft ohnehin früh und berechenbar abgibt. Was auf dem Papier nach Verzicht aussieht, fühlt sich im Sattel nach einem vollwertigen Motorrad an, zumindest bis in den mittleren Drehzahlbereich.
Spannend ist vor allem, wie unterschiedlich sich drei Maschinen mit identischem Herzstück anfühlen können. Der gleiche Motor wird in der MT-07 zum agilen Begleiter, in der Tracer 7 zum stabilen Reisegefährten und in der R7 zum sportlichen Gerät mit Rennstrecken-Genen. Wer sich zu Beginn der Töff-Karriere mit diesen Bikes auseinandersetzt, entscheidet sich weniger für oder gegen Leistung als für einen Charakter, der zur eigenen Art zu fahren passt.


Mehr Motorrad als erwartet: Die 35-kW-Drosselung nimmt dem CP2 nichts von seinem Charakter, sie macht ihn nur zugänglicher.

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