Metzeler SPORTEC 01 und 01 RS im Test
Straße oder Rennstrecke? Zwei neue Metzeler im Test
Metzeler bringt mit Sportec 01 und Sportec 01 RS zwei neue Supersportreifen für sehr unterschiedliche Fahrer. Einer glänzt auf der Straße, der andere will auf die Rennstrecke. Wir zeigen, welcher Reifen zu welchem Motorradfahrer passt.
Mit den neuen Modellen SPORTEC™ 01 und SPORTEC™ 01 RS schlägt METZELER ein neues Kapitel in seiner traditionsreichen Supersport Geschichte auf. Beide Reifen sind das Ergebnis eines vollständig neu gedachten Entwicklungsprojekts, bei dem Laufflächendesign, Mischungen und Struktur von Grund auf überarbeitet wurden. Inspiriert von den extremen Anforderungen des Road Racings, allen voran der legendären Isle of Man TT, verkörpern sie moderne Reifentechnologie für Straße und Rennstrecke. Dabei verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: sportliches Fahren, jedoch mit zwei bewusst unterschiedlichen Ansätzen.
Gemeinsame DNA – Zwei Charaktere
Obwohl beide Reifen auf derselben technologischen Basis beruhen, könnten ihre Charaktere unterschiedlicher kaum sein. Der SPORTEC™ 01 präsentiert sich als vielseitiger Allrounder, der sportliche Performance mit Alltagstauglichkeit verbindet. Er richtet sich an Fahrer, die sich nicht zwischen Trocken- und Nassperformance entscheiden möchten und ein berechenbares, intuitives Handling schätzen.
Dem gegenüber steht der SPORTEC™ 01 RS, der kompromisslos auf Performance ausgelegt ist. Hier verschiebt sich der Fokus klar in Richtung Rennstrecke: maximaler Grip, höchste Präzision und ein direktes Feedback, das ambitionierte Fahrer sofort anspricht. Trotz seiner sportlichen Auslegung bleibt er straßenzugelassen und schlägt damit die Brücke zwischen Alltag und Trackday.
Zielgruppen und Einsatzbereiche
Die unterschiedlichen Charaktere spiegeln sich deutlich in den anvisierten Fahrertypen wider. Der SPORTEC™ 01 spricht jene an, die ihr Motorrad überwiegend auf öffentlichen Straßen bewegen und dabei Wert auf Sicherheit, Stabilität und Vertrauen legen, selbst bei wechselnden Wetterbedingungen. Ob kurvige Landstraße oder anspruchsvoller Alpenpass: Dieser Reifen ist für dynamisches, aber kontrolliertes Fahren gemacht.
Der SPORTEC™ 01 RS hingegen richtet sich an erfahrene und performanceorientierte Fahrer, die ihr Motorrad am Limit bewegen wollen. Für sie ist die Straße oft nur der Weg zur Rennstrecke. Der große Vorteil: Der Reifen kann sowohl im Alltag als auch auf der Rennstrecke eingesetzt werden, ohne dass ein Wechsel notwendig ist. Das spart Aufwand und eröffnet neue Möglichkeiten für spontane Trackdays.
Laufflächendesign: Anpassungsfähig vs. kompromisslos
Ein Blick auf das Laufflächendesign zeigt die unterschiedlichen Philosophien besonders deutlich. Beim SPORTEC™ 01 wurde das charakteristische, vom griechischen π inspirierte Profil weiterentwickelt. Es steht sinnbildlich für Kontinuität und sorgt gleichzeitig für eine effektive Wasserableitung sowie hohe Stabilität bei Geradeausfahrt. In Schräglage arbeiten die Profilrillen progressiv, was ein schnelles Aufwärmen und konstanten Grip ermöglicht.
Der SPORTEC™ 01 RS geht hier einen Schritt weiter. Sein Profil ist deutlich kompakter und reduziert den Negativanteil unter Belastung auf ein Minimum. Dadurch vergrößert sich die Aufstandsfläche erheblich, was einen entscheidenden Vorteil für maximalen Grip auf trockenem Asphalt bringen soll. Das Fahrverhalten nähert sich spürbar dem eines Slick-Reifens an und unterstreicht die kompromisslose Ausrichtung dieses Modells.
Mischungen: Kontrolle vs. maximaler Grip
Auch bei den Mischungen zeigen sich klare Unterschiede. Der SPORTEC™ 01 setzt auf ein modernes Voll-Silica-Bi-Compound-Design, das sowohl im Vorder- als auch im Hinterreifen zum Einsatz kommt. Diese Kombination ermöglicht ein breites Einsatzspektrum mit hoher Stabilität beim Bremsen und ausgezeichnetem Grip in Schräglage. Gleichzeitig bleibt die Laufleistung auf einem alltagstauglichen Niveau.
Beim SPORTEC™ 01 RS kommen hingegen deutlich rennsportnähere Materialien zum Einsatz. Während der Mittelbereich weiterhin auf Silica basiert, sorgen rußhaltige Mischungen an den Schultern für extremen Grip und hohe Stabilität in Kurven. Diese Technologie ist direkt aus den Erfahrungen im Road Racing abgeleitet und bietet ein besonders schnelles Aufwärmverhalten sowie konstant hohe Performance auch bei intensiver Belastung.
Struktur: Balance oder maximale Präzision
Die Konstruktion des SPORTEC™ 01 ist auf Ausgewogenheit ausgelegt. Eine Kombination aus doppelter Rayon-Karkasse vorne und einlagiger Struktur hinten sorgt zusammen mit einem 0°-Stahlgürtel für Stabilität, Komfort und ein harmonisches Fahrverhalten. Das Resultat ist ein Reifen, der in jeder Situation berechenbar bleibt und dem Fahrer ein hohes Maß an Vertrauen vermittelt.
Beim SPORTEC™ 01 RS wurde die Struktur konsequent auf maximale Performance hin optimiert. Neue Materialien wie PET erhöhen die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten und verbessern die Lenkpräzision deutlich. In Kombination mit den sportlichen Mischungen entsteht ein Setup, das selbst unter extremen Bedingungen volle Kontrolle gewährleistet.
Die DYNATREAD™-Technologie
Herzstück beider Reifen ist die patentierte DYNATREAD™-Technologie, ein innovatives, adaptives Profilsystem. Es ermöglicht dem Reifen, sich dynamisch an Belastung und Fahrstil anzupassen. Unter hoher Beanspruchung, etwa beim Bremsen oder Beschleunigen, schließen sich die Profilrillen und vergrößern die Aufstandsfläche. Dadurch wird der Kontakt zwischen Reifen und Asphalt maximiert, was zu deutlich mehr Grip führen soll.
In weniger belasteten Situationen bleiben die Rillen geöffnet und gewährleisten weiterhin eine effektive Wasserableitung. Gleichzeitig reduziert die Technologie die thermische Belastung des Reifens und minimiert das Risiko von Überhitzung. Das Ergebnis ist eine konstant hohe Performance – auf der Straße ebenso wie auf der Rennstrecke.
Einfluss des Road Racings
Die enge Verbindung von METZELER zum Road Racing prägt die Entwicklung beider Modelle maßgeblich. Veranstaltungen wie die Isle of Man TT, die North West 200, der Ulster Grand Prix oder der Macau GP dienen als ultimatives Testfeld. Hier treffen extreme Geschwindigkeiten auf unebene Straßenbedingungen, die höchste Anforderungen an Reifen stellen.
Die dort gesammelten Erfahrungen fließen direkt in die Serienentwicklung ein. In Zusammenarbeit mit erfahrenen Rennfahrern entstehen Technologien, die nicht nur im Wettbewerb bestehen, sondern auch im Alltag einen spürbaren Mehrwert bieten. Der SPORTEC™ 01 und der SPORTEC™ 01 RS sind somit direkte Ableger dieser Rennsport-DNA.
Fahreindrücke mit den neuen Metzeler Sportreifen
Metzeler SPORTEC01
In erster Linie für den Straßeneinsatz konzipiert, sind wir früh morgens bei kalten Temperaturen mit dem Sportec01 gestartet. Dabei zeigte sich der Reifen auch im kalten Zustand von einer sehr guten Seite. Er lenkt von Anfang an willig ein und zeigt keine störrischen Eigenschaften wie viele andere Reifen. Natürlich kann er dann warmgefahren noch mehr, aber der Weg dorthin gibt keine Rätsel auf und lässt den Fahrer nicht im Unklaren und gibt Vertrauen. Erstmal im Temperaturfenster zeigt der Sportec01 dann sein ganzes Potenzial. Ohne übernervös zu sein, lenkt er mit wenig Druck in den Kurvenradius und bleibt auch dort sehr neutral. Das hilft besonders bei nervösen Naked Bikes das Vertrauen zum Vorderrad zu bekommen. Das Griplevel ist gerade in Schräglage durch die weichere Mischung im Seitenbereich sowohl vorne als auch hinten überzeugend. Das fehlende Profil in diesem Bereich trägt hierzu nochmals positiv dazu bei. Auch wenn wir die Laufleistung bei unserem Test nicht bewerten konnten, dürfte diese aufgrund des tiefen Profils besonders in der Reifenmitte und dem dafür notwendigen dicken Gummiauftrages ebenfalls gut aufgestellt sein. Gesamt kann man sagen, dass der Reifen hier für eine große Bandbreite an Motorrädern gut funktioniert und den sportlichen Fahrer viel Reserven bei unterschiedlichen Bedingungen liefert.
SPORTEC 01 RS
Weiter ging es dann mit den RS auf der Renntrecke. Wenn es um den Rennstreckeneinsatz geht, dann hat er aufgrund der anderen Grundauslegung die Nase deutlich vorne. Auch er setzt im Grunde auf eine Dual Compound Mischung, die aber gerade im seitlichen Bereich auf einer slickähnlichen Zusammensetzung aufbaut. Durch das weiters verringerte Profil im Vergleich zum Sportec01 gibt es an dieser Stelle nochmals deutlich mehr Grip. Besonders bei hohen Belastungen wie auf der Rennstrecke und den daraus resultierenden höheren Reifentemperaturen spielt der Reifen sein ganzes Können aus. Aber auch im kalten Zustand überzeugt der RS mit neutralem Einlenken. Allerdings ist hier der Performance Unterschied zwischen Kalt und Warm deutlich größer als beim Sportec01. Ein klares Zugeständnis Richtung Rennstreckenperformance. Durch eine leicht andere Kontur zeigt er aber bei nervösen Motorrädern besonders im Vollastbereich auf der Geraden ein leicht schwammiges Verhalten. Auf Supersportbikes, die von Grund auf sehr stabil ausgelegt sind, trägt der RS dann zum leichten Abwinkeln in die Kurven bei. Auch der Griplevel ist gerade in seinem Wohlfühlbereich in den ersten 5 Runden sehr hoch und zeigt sich auch an der Haftgrenze gut kontrollierbar. Drückt man bei hohen Asphalttemperaturen weiterhin aufs Tempo, dann hat man schnell über 70 Grad Reifentemperatur überschritten, was dann zu leichtem Sliden gerade in maximaler Schräglage führt. Das bleibt aber gut kontrollierbar. Das ist eben ein kleines Zugeständnis hinsichtlich Straßenzulassung. Dieses Verhalten ist besonders auf den starken Superbikes spürbar, die aufgrund der starken Motorleistung den Hinterreifen nochmals mehr unter Druck setzen als die ”kleineren” Motorräder. Der Vorderreifen bleibt davon aber unberührt und lenkt auch nach vielen Runden immer noch brav und sauber ein.
Metzeler SPORTEC™ 01 und SPORTEC™ 01 RS Fazit
Mit dem Sportec01 hat Metzeler den Vorgänger M9RR nochmals verschärft und bietet gerade dem sportlichen Fahrer hier mehr Reserven, ohne dabei Einbußen im Alltag hinnehmen zu müssen. Auch den gelegentlichen Rennstreckeneinsatz sollte er abkönnen, allerdings mit Einschränkungen besonders bei starken Motorrädern und höheren Asphalttemperaturen. Das ist nämlich dann die Spielwiese des RS. Er ist die richtige Wahl für alle, die ihren Hauptfokus auf sehr sportliches Fahren legen und gerne mal auf Achse zum Trackday fahren wollen. Natürlich bietet ein reiner Rennslick auf der Rennstrecke nochmals mehr, doch der Abstand zum Sportec01RS ist kleiner geworden. Auch auf der Straße kann der RS überzeugen, er möchte allerdings auf Temperatur gehalten werden. Für kalte Herbsttage oder im Feuchten ist dann der Sportec01 wieder die bessere Wahl.
Mit dem SPORTEC™ 01 und dem SPORTEC™ 01 RS gelingt METZELER eine gute Doppelstrategie. Während der eine Reifen durch Vielseitigkeit, Sicherheit und Alltagstauglichkeit überzeugt, richtet sich der andere klar an Performance-Enthusiasten, die keine Kompromisse eingehen wollen.
Bericht vom 29.04.2026 | 6.021 Aufrufe