A-Schein mit 26

Wie schwer tut man sich im fortgeschrittenen Alter beim Nachholen des A-Scheins. Ich mußte es am eigenen Leib erfahren. Tatsachenbericht.
‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr' Würde mich die Wahrheit in diesem Spruch treffen wie eine Gnackwatschn von Big Otto? Und wie sehr würde mir meine jahrelange Erfahrung als Sozius auf einer frisierten Aprilia Red Rose  zu Gute kommen?


House of the Rising Sun: Fahrschule Easy-Drivers Brigittenau

Alle Vorbereitungen waren getroffen. Angemeldet war ich bei der Fahrschule Easy-Drivers in Brigittenau. Das Personal war sehr freundlich und behutsam, wahrscheinlich im Wissen, wie schwer ich scheitern würde. Man sah mir sicher an, dass das einzige motorisierte Zweirad, das ich je gesteuert habe, die Honda Lead eines Freundes war. Und da kommt man bekanntlicher Weise eher selten zum Schalten. Am Mittwoch, 1.10.2003 noch zu Dress'n'Helmet die wichtigsten Sachen ausfassen. Schwarzer Nierengurt, schwarze Handschuhe, schwarzer Helm - schwarze Gedanken. Der Termin der ersten Fahrstunden wurde vorverlegt. Das traf mich hart, denn ich wollte vorher wenigstens einmal als Fahrer auf einem Bock gesessen haben. Aber dazu sollte es jetzt nicht kommen.

Fahrstunden 1-2 : 17.00 Uhr war ich gestellt. Und langsam wurde ich unruhig. ‚Könnte ein Debakel geben', dachte ich. Mit dem Fahrlehrer fuhr ich auf den Übungsplatz. War irgendwie kein männliches Gefühl auf der 250er hinten drauf. Auf dem Weg erklärte er mir noch ein paar Verkehrsschilder und verriet mir, dass man bei Rot stehen bleiben müsse, weil er dachte, ich hätte noch gar keinen Schein. Am Übungsplatz angekommen konnte ich dann aufatmen - niemand da, außer ein paar B-Schein Eiern. Die erste Phase beschränkte sich auf's Gas-Kupplungs-Spiel und auf's Umdrehen ohne Gas. Nach einigen Runden konnte ich bereits auf Schrittgeschwindigkeit beschleunigen. Dann hab ich zum ersten Mal hochgeschalten. ‚Passt', dachte ich zufrieden, ‚beim nächsten Mal zieh ich auch noch die Kupplung.' Bei der folgenden Runde durfte ich dann nach freier Entscheidung auch in den Dritten schalten. Ich gab natürlich gnadenlos Gas und war schon ziemlich flott unterwegs. War dann irgendwie unwürdig als mich der Fahrlehrer plötzlich laufend überholte um mir Anweisungen zu geben. Offensichtlich kam mir das Ganze durch den Fahrtwind etwas schneller vor.

Fahrstunden 3-4: Neuer Fahrlehrer, neues Glück. Im Gegensatz zum letzten zeigte er sich meine Fahrkünste betreffend gleich sehr optimistisch, was er mir mit den Worten "Na guat, foa ma a bissl in Wien umadum" unmissverständlich klarmachte. Dunkle Visionen überkamen mich. Ich sah die Vernichtung von unheimlich viel Blech durch hundertprozentigen Kontrollverlust über 20 PS, und nicht zuletzt die Vernichtung meiner selbst. Ich würde schon bei der Tiefgaragen- Auffahrt scheitern. Doch dann ging alles irgendwie ganz schnell und einfach. Ich hatte meine Konzentration auf 150 Prozent gestellt. Ich wusste, das kann nicht lange gut gehen, aber es würde mir helfen, die nächsten 50 Minuten zu überleben. Ich hab dann einfach immer genau das beobachtet und nachgemacht, was der Fahrlehrer getan hat. Am Schranken vorbeigeschlängelt, dann viel Gas um die steile Ausfahrt hinaufzukommen und schon standen wir an der ersten Ampel. Meine Unterflak war zu diesem Zeitpunkt bereits durchgeschwitzt. Nach der ersten Einheit (50 Minuten) kehrten wir dann am Übungsplatz ein. Ich war froh, denn meine Systemleistung im Gehirn hatte sich selbständig auf Regeneration gestellt, was sich umittelbar an meinen Leistungen auf der BMW F650 CS zeigte, auf die ich jetzt umsteigen durfte. Durch die fehlende Hirnkapazität wurden einige Übungen vertauscht. Den Schlangenkurs fuhr ich mehr oder weniger gerade durch und bei der Spurgasse fuhr ich schwere Schlangenlinien, im Enduro-Stil immer ein Bein am Boden. Hat dem Fahrlehrer weniger gefallen. Er ließ mich eine Tschigg-lang ausruhen. Er hat getschiggt, ich hab geruht. Den Weg zurück musste ich dann mit der BMW bewältigen. Auf der Brigittenauer-Brücke wollte mich der Fahrlehrer dann wetzen. Da aber jetzt er der untermotorisierte war hatte ich leichtes Spiel und drückte dezent an. Der Blick auf den Tacho ließ mich das schwere Versagen am Übungsplatz vergessen. Ich hatte einen Kilo auf der Uhr. Ein unglaubliches Gefühl. Wollte in der nächsten Fahrstunde sofort die 2 Kilo Marke attackieren.

Fahrstunden 5-6: Die nächsten zwei Einheiten sollten viele Kurven gefahren werden also ging die Reise direkt auf den Kahlenberg. War mir irgendwie unsympathisch. Erstens konnte ich keine Kurven fahren, zweitens war die Strecke fast gänzlich mit Pflastersteinen ausgelegt und drittens war es recht frisch. Letzterem kann man ja eigentlich ganz leicht mit angemessener Bekleidung entgegenwirken und meine Bekleidung war auch angemessen - für einen angenehmen Sommermorgen. Jeans und Windjacke waren eindeutig zu wenig und ich hätte die Thermounterwäsche doch dem Netzleiberl vorziehen sollen. Völlig überschätzt hab ich die Wirkung der Handschuhe, die ich mir um einiges wärmer vorgestellt habe. Bei jedem Stop war deshalb schwerste Fingermassage angesagt um das Blau aus den Fingerkuppen zu bekommen. Gut, dass ich erst nach dieser Tour von der Griffheizung erfahren sollte. Auch der Nierengurt konnte nach der ersten Bewegung seine Funktion nicht mehr erfüllen. Sobald ich mich hinsetzte öffnete sich der Klettverschluß selbsttätig und der Gurt hing irgendwie unter der Windjacke herum. Verloren hab ich ihn nicht. Ich hatte meinen Taillenumfang mit 60 womöglich unterschätzt. Der Gurt wird in Zukunft an der schlanken Taille meiner Freundin seinen Dienst tun.

Fahrstunden 7-8: Autobahn und Freiland waren angesagt. Diesmal war ich kleidungstechnisch besser ausgerüstet. Thermounterflak, Fleecepulli, Skijacke. Sogar die Sportschuhe hab ich gegen festeres Schuhwerk getauscht. Was mich aber diesmal beunruhigte, war, dass das Geschwindigkeitsmittel heute wahrscheinlich doppelt so hoch sein würde wie letztes Mal und das eine herbe Brise wehte. Meine Garderobe war also den Umständen wieder gänzlich nicht angepasst. Durch die XXL Jacke hatte ich maximale Angriffsfläche für den Wind. Die ersten Kilometer waren dann echt nicht lustig. Da ging mir zum ersten Mal so richtig der Reiß. Ich hing am Bock wie ein Gorilla Baby an der Mama. Nichts konnte uns trennen. Richtig Panik bekam ich, als ich auf einer sehr langen Rechtskurve etwas am Gas drehte und durch mangelnde Schräglage auf die Gegenfahrbahn abdriftete. Und was macht man in so einer Situation als Anfänger-Richtig! Vorderbremse ziehen. Passiert ist Gott Sei Dank nichts, obwohl ich fast einen Rückspiegel nahm.

Fahrstunden 9-12: Die letzten Stunden passierte nichts Aufregendes mehr. Wahrscheinlich wegen der Routin:-) Langsam aber machte ich mir Sorgen, weil ich die Kurven immer noch nicht so hinkriegte, wie ich wollte. Die letzten zwei Fahrstunden werden bei den Easy-Drivers immer 1 Tag vor der Prüfung angesetzt. Find ich gut, da ich bis zu diesem Zeitpunkt 3 Wochen nicht gefahren bin.

Letzter Tag-Prüfung: Ich nervös wie selten zuvor. Ich erinnerte mich an den B-Schein und was für eine knappe Sache das war. Ich hoffte das würde heute anders werden. Acht Leute traten an. Alter von 18 bis 38, einige davon schon zum wiederholten Male. Das ließ mich nicht unbedingt ruhiger werden. Es dauerte einige Zeit, bis sich alle eingefunden hatten und dann ging`s los. Mit jeder Frage wurde ich zuversichtlicher und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass jetzt nichts mehr schief gehen konnte. Für die gesamte Fragerei waren 45 Minuten angesetzt - nach etwas mehr als 10 Minuten war die Sache gegessen. Also ich raus um zu entspannen. Doch das Gegenteil trat ein. Mir kamen Zweifel. Hätte ich vielleicht etwas langsamer und gewissenhafter arbeiten sollen? Aber es war doch so leicht - oder doch nicht....? 1 Stunde später wurden wir aufgeklärt. 2 von 8 bestanden, einer von den zweien war ich. Erster Teil geschafft. Das nächtelange Strebern hatte sich ausgezahlt. Der Computertest ist nämlich wirklich kein Pemmerl. Hätt ich mir nie gedacht, daß das jetzt so schwer ist. Sollte man auf keinen Fall unterschätzen sondern täglich mit der CD-ROM üben!


BMW F 650 CS


Die letzten Bestechungsversuche schlugen fehl
Jetzt ging`s raus zum Übungsplatz. Dort fing es mit ein paar harmlosen Fragen an: Profiltiefe, Prüfug der Bremsen etc.. Es folgten zwei technische Fahrübungen wie Slalom und Zielbremsung. Hat alles gepaßt. 2 von 3 Aufgaben wären gemeistert. Ich war aber noch kein Stück lockerer. Die Tatsache dem Fahrschulauto voraus von Brigittenau bis zur WU fahren zu müssen ohne den blassesten Schimmer von der Strecke zu haben machte mich unheimlich steif. Mir wurde aber versichert, dass der Weg kein Problem sei und man würde immer rechtzeitig blinken, damit ich wusste, wohin. Also fuhr ich vor, hinter mir der Prüfer und dahinter noch ein Fahrschulauto. Vor jeder Ampel, Kreuzung und Biegung checkte ich mit einem Blick in den Rückspiegel meine Hintermänner. Dann auf einer Geraden passierte es. Ich kreuze sorglos einen Zebrastreifen - hinter mir schleifen sie sich plötzlich ein. Ich denke noch: Komisch, wollte ja gar keiner drüber gehen. Und Ampel hab ich auch keine gesehen. Gesehen nicht - aber da war leider eine. "Du Volltrottel", schrei ich in meinen Helm, "Jetzt hast du echt eine rote Ampel überfahren!" Mein Visier beschlägt vollends, mein Schädel komplett naß. Für einen Augenblick denke ich über eine Amokfahrt nach. Einfach Vollgas so weit wie möglich weg. Bist du deppat ist das peinlich. Ich bleib am Straßenrand stehen und warte bis die anderen wieder Grün haben. Ich dachte über mögliche Ausreden nach, die mich noch retten könnten. Dann erinnerte ich mich, als der Fahrlehrer in der ersten Fahrstunde zu mir sagte, er würde nie über eine blinkende Ampel fahren, weil es da immer Probleme gibt. Ist für viele Anfänger einfach zu stressig. Der 1. Wagen hat also nur auf den 2. gewartet, weil sich in dem ja auch ein Prüfling befand! Bei der Easy-Drivers Filiale bei der WU stieg ich noch etwas skeptisch vom Bock ab. Doch endlich kam der Spruch: "Gut Herr Lentsch - hat gepaßt!" Ich bin jetzt ein Mann.

Deutlich zu erkennen: angespannt und steif vor
der Prüfung....

...entspannt und glücklich danach.
 

Möchte mich noch bei der Fahrschule Easy-Drivers Brigittenau bedanken. Es hat einfach alles gepaßt. Würde jedem in und um Wien empfehlen, den Schein dort zu machen. Weiß nicht, ob sie bei jeder Filiale so leiwand sind, Brigittenau ist auf jeden Fall Top!

Bin jetzt extrem froh. Hab mir im Feber auch schon eine BMW für 2 Wochen ausgeborgt. Die Story gibt's in Kürze!

Bericht vom 04.03.2004 | 26.982 Aufrufe

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