Urbanes Duell! Rollervergleich Peugeot E-Ludix vs Tweet 200 2021

Elektro vs Verbrenner

Im urbanen Zweirad-Sektor tauchen vermehrt E-Fahrzeuge auf. Nicht nur im großen Stil, sondern inzwischen auch in kleinen Ausmaßen und fürs kleine Geld. Wir überprüfen, wie viel Mobilität man für ca. 3000 € bekommt und lassen dabei Elektro gegen Verbrenner antreten.

Unsere Spielwiese: Wien. Mitten in der 2-Millionen-Metropole fassen wir unsere zwei Protagonisten aus. Auf den Straßen geht es gerade rund, es ist Rush Hour. Doch bevor wir uns ins Getümmel werfen, gilt es unsere heißen Eisen näher zu betrachten.

Kleinst-Roller mit E-Herz - Peugeot E-Ludix

"Weniger ist Mehr!", das haben sich wohl die Peugeot Entwickler beim E-Ludix gedacht. Verbaut ist ein abgestimmtes System von Bosch, welches Motor, Batterie, Steuergerät und Display umfasst. Der Motor leistet 2,5 kW und ist auf 45 km/h begrenzt. Damit ist er bei uns in Österreich mit dem roten "Moped"-Kennzeichen unterwegs. Die herausnehmbare 48V Li-Ionen-Batterie hat eine Kapazität von 1,6 kWh, womit der E-Ludix bis zu 50 km weit kommen soll. Rund um das Bosch-System baut der E-Ludix sehr schmal, dünne Stahl- und Plastikbauteile vollenden den kleinen Stadtflitzer. Das Ergebnis ist nicht nur ein äußerst leichter Roller (88 kg fahrfertig), sondern auch ein recht günstiges Gefährt. Gerade E-Roller verlangen teils saftige Geldsummen, den E-Ludix gibt es sogar schon für weniger als 3000 € (Alle aktuellen Angebote für den Peugeot E-Ludix findet ihr hier). Aber auch die Konkurrenz bringt einen Kampfpreis mit in den Vergleich.

Klassischer Stadtroller für den kleinen Preis - Peugeot Tweet 200

Den Tweet 200 erkennt man auf den ersten Blick als klassische Alltagswaffe für den Großstadtdschungel. Kompakte Ausmaße, einige, wenige Features zur Erhöhung der Alltagstauglichkeit und ein 170 cm³ Einzylinder 11,6 PS bei 8000 Umdrehungen und 11,2 Nm Drehmoment bei 6000 U/min. Er ist etwas größer und schwerer als der E-Ludix (120 kg fahrfertig), bietet dafür mit einem Topspeed von 99 km/h auch etwas mehr Vortrieb und die Möglichkeit auch auf der Landstraße flott voranzukommen. Für den Tweet muss man in der Regel sogar noch ein paar Hundert Euro weniger auf den Tisch legen, als für den E-Ludix (Hier gibt es alle aktuellen Preise und Angebote für den Peugeot Tweet 200). Der Tweet ist außerdem auch noch in einer 50-Kubik und einer 125er-Version erhältlich.

Duell in der Rush Hour - Wer kämpft sich besser durch die Autokolonnen?

So genug begutachtet und bestaunt, jetzt geht es endlich los. Zonko schwingt sich auf den Tweet 200, ich besteige den E-Ludix und wir werfen uns ins Getümmel. Unsere Route führt uns in die Altstadt und über den Ring, die Prunkstraße Wiens. Es ist noch recht früh, die Menschen fahren in die Arbeit und so herrscht reges Treiben auf allen Hauptverkehrswegen. Normalerweise ist das Fahren zu dieser Zeit eine einzige lange Geduldsprobe, jedoch gilt das nicht auf unseren Gefährten. Mit einer Breite von 670 mm ist kaum eine Lücke zu schmal für den E-Ludix. Der Tweet ist nur 20 mm breiter und wuselt sich dank seines tollen Einschlags mühelos zwischen den Bürgerkäfigen hindurch. Selbst wenn zwischen zwei Spuren einmal kein Platz ist und man auf die Seiten ausweichen muss, schaffen beide mit ihren kurzen Radständen von 1220 mm beim E-Ludix und 1330 mm beim Tweet 200 mühelos solche Manöver. Egal wie dicht der Verkehr steht, es gibt gefühlt immer ein Weiterkommen. Erst die Haltelinie an der Ampel bremst uns ein. In Pole-Position verharren wir, den Blick starr auf die Ampel gerichtet. Und hier zeigt sich das größte Manko des E-Ludix.

10 km/h fehlen auf den superagilen Stadtflitzer

Die Ampel schaltet grün, sofort nutzen wir unsere hart erkämpfte Position an der Spitze aus und ziehen ungehemmt los. Auf den ersten 5-10 Metern sind wir gleichauf. Zwar hat der E-Ludix nur 3,4 PS, doch dafür drückt der E-Motor 35 Nm Drehmoment raus, mehr als dreimal so viel wie der Tweet-Motor. Wobei die Beschleunigung stark vom gewählten Fahrmodus abhängt. Der E-Ludix besitzt nämlich gleich 4 davon. Im Modus "Boost" wird herausgeholt was geht, voller Elan schießt man los, das verringert aber auch die Reichweite drastisch. "Go" ist der gemütliche Modus, den man nutzt, um maximal weit zu kommen. Hier schraubt sich die Geschwindigkeit nur langsam in Richtung der maximalen 47 km/h am Tacho. "Cruise" ist der Kompromiss zwischen den beiden und beschleunigt flotter auf ca. 30 km/h, lässt es danach aber gemütlich angehen. Zu guter Letzt gibt es auch noch den "Crawl"-Modus, ein vorwärts und rückwärts Kriech-Gang zum Rangieren. Wobei beim geringen Gewicht des E-Rollers auch sonst das Rangieren keine Herausforderung darstellt.

Im Duell mit Zonko brauche ich natürlich die gesamte Macht des E-Ludix, also ist "Boost" aktiviert. Kopf an Kopf zischen wir los, Drehmoment kämpft gegen Leistung. Im Nu erreichen wir die 40 km/h Grenze, doch hier beginnt der E-Ludix nachzulassen. Die Regelung des E-Motors, der sicher schneller könnte, setzt ein, um die Reichweite nicht allzu sehr einzuschränken. Das war zu erwarten. Allerdings ist nicht Zonkos höhere Geschwindigkeit das eigentliche Problem, sondern die Geschwindigkeit aller anderen Verkehrsteilnehmer. Abgesehen von Fahrschulautos hält sich in der Realität niemand genau an die 50 km/h Beschränkung innerorts. So geschieht es, dass mich nur wenige Sekunden nach dem Start alle Autos und Busse, an denen die ich mich gerade eben noch mit überlegenem Grinsen vorbeigewuselt habe, wieder einholen. Aber da ist nichts zu machen. Mit leisem "Surr Surr Surr" wird der Motor auf die 45 km/h begrenzt, komme was da wolle. Selbst bergab geht es nicht schneller. Während mich auf der rechten Spur die LKW-Fahrer verfluchen, passieren mich die PKW auf der linken Seite und ich muss bei der nächsten Ampel wieder von vorne anfangen. Mit nur 10 km/h mehr würde die Welt schon ganz anders aussehen, dann könnte man vorne mitfahren. So wäre der E-Ludix der ultimative Stadtflitzer.

Über Stock, Stein & Schiene - Komfort steht nicht an erster Stelle

Bei solchen Kampfpreisen müssen natürlich auch Abstriche gemacht werden. Weder sind die 30 mm Teleskopgabel mit 100 mm Federweg und das Federbein mit 75 mm Federweg am Tweet ein Wunder der Dämpfungstechnik, noch sorgt die Gabel mit 73 mm Federweg und das Federbein mit 68 mm Federweg am E-Ludix für große Aha-Momente. Beide erledigen ihre Aufgabe passabel, haben aber spürbar nicht die hochwertigsten Federelemente verbaut. Egal, auf 90 % der Wiener-Straßen reicht der Komfort für die kurzen Wege mehr als aus, nur am Kopfsteinpflaster der Innenstadt oder über Straßenbahnschienen beutelt es uns mächtig durch. Hier hat der Tweet leicht die Nase vorne, da seine 16 Zoll Räder einfach souveräner über Unebenheiten rollen, als die 14 Zoll Räder des E-Ludix.

Fahrspaß steht am Programm - Ergonomie und Fahrverhalten von Peugeot Tweet 200 & E-Ludix

Sie mögen vielleicht nicht die komfortabelsten Geräte sein, dafür hatte selbst der erfahrene Zweirad-Pilot Zonko Spaß. Es ist einfach herrlich befreiend sich auf so leichten, extrem agilen Geräten fortzubewegen. Die sachteste Gewichtsverlagerung genügt und schon kippt der Tweet in Schräglage oder wechselt die Richtung. Der noch leichtere E-Ludix treibt das auf die Spitze und lässt sich wie ein Fahrrad bewegen. Das gilt irgendwie auch für die Bremsen. Die 190 mm Bremsscheibe vorne und die 110 mm Trommelbremse hinten packen erstaunlich fest zu und lassen sich fein dosieren. Schon als Kind habe ich mit blockierendem Hinterrad immer "Drifts" hingelegt, und mit dem E-Ludix geht das auch spielerisch. Es mag kindisch sein, unterstreicht beim E-Ludix aber noch einmal den Fahrspaß. Am Tweet 200 sind eine 260 mm Bremsscheibe vorne und eine 240 mm Scheibe hinten verbaut. Auch sie erfüllen ihren Job passabel, lassen sich dank ABS aber nicht zu irgendwelchen Metzchen hinreißen.

Die Sitzposition ist auf beiden sehr aufrecht, der Lenker recht nah am Körper. Mit meinen 185 cm passe ich noch gut in den Sattel, größere Piloten könnten aber ein Platzproblem haben. Vor allem die Ablagefläche für die Füße ist recht kurz, meine 45er-Latschen finden gerade so Platz. Die Sitzhöhen von 770 mm am Tweet und 810 mm am E-Ludix sind beide keine Herausforderung.

Welcher ist günstiger pro Kilometer? - Alltagstauglichkeit des Tweet 200 & E-Ludix

Duelle und Fahrspaß hin oder her, bei so praktischen Eisen zählt vor allem eines: Alltagstauglichkeit. Der Tweet punktet beim Stauraum, schließlich hat er unter der Sitzbank Platz für einen Jethelm. Beim E-Ludix liegt dort die Batterie. Einen Haltehaken für einen Rucksack haben beide. Bleibt noch ein Thema, vielleicht sogar das wichtigste: Der Kostenpunkt. In der Anschaffung sind sie beide recht gleichauf, mit leichtem Vorsprung für den Tweet 200. Der E-Ludix punktet allerdings bei den Kosten pro Kilometer. Am Ende des Tages haben wir 32 km abgespult. Der Ladestand der 1,6 kWh Batterie beträgt nur noch 7 %. Das heißt, vereinfacht gerechnet, haben wir 93 % der 1600 Wh des Akkus mit unserer Fahrerei verbraucht. Rechnet man sich das mit dem durchschnittlichen Strompreis für Wien, 19,17 Cent/kWh durch, so kommt man auf Kosten von 0,89 Cent pro Kilometer. Eine echte Ansage! Der Tweet, der auf rasant gefahrenen 35,3 Kilometer 1,2 Liter Sprit verbraucht hat, kommt bei einem durchschnittlichen Spritpreis von 1,32 €/l auf Kosten von 4,49 Cent pro Kilometer. Das ist mehr als viermal so teuer wie der E-Ludix!

Altbewährte Technik vs kostengünstiger Zukunft

Die Frage, ob man denn für Fahrten in der Stadt eher zum Tweet 200 oder zum E-Ludix greifen soll, werden sich in der Realität vermutlich kaum Leute stellen. Der E-Ludix ist zwar ein toller Stadtflitzer, die Begrenzung auf 45 km/h schränken ihn aber schon ein. In einer Stadt mit sehr engen Gassen, oder auch mit großen Bereichen mit 30 km/h Beschränkungen wie in Paris, fällt dieses Manko vermutlich nicht so sehr auf. Hierzulande, wo man manchmal selbst mit einem 60er am Tacho innerorts noch überholt wird, da reicht es einfach nicht. Der Tweet 200 lässt sich hingegen auf keine Experimente ein. Er ist ein zutiefst pragmatischer Stadtroller, der auf altbewährte Verbrenner-Technologie setzt und flink durch die Stadt wuselt. Sprit kostet zwar deutlich mehr als Strom, doch dafür bleibt der Motor bei guter Wartung sehr lange erhalten. Die Batterie des Peugeot verliert wie jeder Akku mit der Zeit seine Leistung, nach 1000 Ladezyklen sollen laut Peugeot noch 70 % der Ladeleistung übrig sein. Ob Elektro oder Verbrenner, ist schlussendlich auch eine Glaubensfrage, die jeder für sich selbst entscheiden muss.

Peugeot Aktion in DE für Führerschein-Neulinge: 1 € Rabatt pro 1 cm³ Hubraum

Gemäß dem Motto Hubraum zählt - 1€ pro Kubik erhalten alle Führerschein-Neulinge, die seit dem 01.01.2021 ihre Führerscheinprüfung bestanden haben, bei Bestellung eines neuen Peugeot-Rollers einen Rabatt in Abhängigkeit zum Hubraum des neuen Rollers. Dieses Angebot gilt bis 31.12.2021 und zählt auch für die Führerscheinerweiterung B196. Alle weiteren Informationen zur Aktion von Peugeot Deutschland findet ihr hier.

Fazit: Peugeot e-Ludix

Der kleine E-Ludix ist ein super agiler Stadtflitzer. Mit dem Fliegengewicht, extrem kurzen Radstand, guten Einschlag und flottem Antritt dank massig Drehmoment ist keine Autokolonne und kein Stau ein Hindernis. Bis zur Ampel vorzupreschen ist kein Problem, danach verhindert aber die Begrenzung auf 45 km/h ein flottes Vorankommen. Auf großen Straßen innerorts kann man nicht mithalten, doch je enger und kürzer die Gassen, desto souveräner ist man mit dem E-Ludix unterwegs. Die Reichweite von bis zu 50 km reicht aus für alltägliche Stadtfahrten.


  • Viel Drehmoment für die Klasse
  • Sehr agil
  • Perfekt um sich durch Autokolonnen zu drängen
  • Sehr günstig zu bewegen
  • Tolle Bremsen mit extra Spaßfaktor
  • Platz eher knapp für große Menschen
  • Boost Modus saugt Akku sehr schnell leer
  • Fahrwerk bei harten Unebenheiten überfordert

Fazit: Peugeot Tweet 200

Der Tweet 200 ist ein pragmatischer Stadtroller für kurze Fahrten. Mit seinen kompakten Ausmaßen wuselt es sich souverän durch selbst den dichtesten Verkehr. Seine Leistung ist perfekt für die Stadt und ermöglicht auch Fahrten auf der Landstraße. Etwas Stauraum, wenig Verbrauch und ein echter Kampfpreis - Eine Alltagsmaschine wie aus dem Buche.


  • Agiles Handling
  • Genug Leistung für Stadt und Landstraße
  • Gutes Preis-Leistung-Verhältnis
  • Sehr gut zum Vordrängen im dichten Stadtverkehr
  • Fahrwerk nicht das hochwertigste
  • Platz für große Fahrer begrenzt

Bericht vom 20.09.2021 | 4.999 Aufrufe

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