Triumph Thruxton RS vs. Kawasaki Z 900 RS

Duell der klassisch-modernen Schönheiten

Kawasaki Z 900 RS und Triumph Thruxton RS wecken Emotionen - besonders bei Nostalgikern. Doch wie fahren sich das japanische Retro Naked und der britische Café Racer im Vergleich? Zonko und Juliane waren gemeinsam unterwegs, um das herauszufinden.

Viele Gemeinsamkeiten und doch so unterschiedlich. Z 900 RS und Thruxton RS sind auf den ersten Blick zwei Retro-Bikes mit round about 100 PS und 215 Kilogramm. Ach ja, und wer genau hingeschaut hat, dem ist auch das Kürzel "RS" als Gemeinsamkeit ins Auge gesprungen. Aber wer noch genauer hinschaut stellt fest, dass diese beiden unterschiedlicher kaum sein könnten.

Design

Fangen wir beim Design an. Retro ist nämlich nicht gleich retro. Kawasaki lässt mit der Z 900 RS die Legende "King of Cool" Z1 wiederaufleben, die in den Siebzigern durch ihr abenteuerliches Fahrverhalten bei hohen Geschwindigkeiten liebevoll als Frankensteins Tochter bezeichnet wurde. Auf ihr Äußeres bezieht sich dieser Name freilich nicht - schon damals betörte sie durch ihre schöne Optik mit Tropfentank, edler Lackierung, Rundscheinwerfer und verchromten Auspufftöpfen. 

Die Thruxton RS zitiert dagegen die in ihrer Heimat England gefertigten Sechziger-Jahre-Rennmaschinen. Sie bewahrt den typischen Stil des Café Racers: knapper Kotflügel vorn, Lenkerstummel, charakteristischer Sitzhöcker und elegante Speichenräder.

Ergonomie

Kein Geheimnis machen Kawa und Triumph aus ihrer beinahe gegensätzlichen Ergonomie: Breiter, hoher Lenker vs. tiefe Stummel. Zugegeben, im Vergleich zu anderen Café Racern liegen die Stummel der Thruxton noch menschenwürdig hoch. Insgesamt ist sie mit den höher positionierten Fußrasten aber deutlich sportlicher ausgelegt als die Z 900 RS, jedoch keineswegs unkomfortabel. Und angenehm bezogen auf die bessere Schräglagenfreiheit in engen Kurven. Bei der Z 900 RS sprühen die Funken etwas früher. Sie lässt sich dafür über den breiten hohen Lenker noch leichter einlenken und überzeugt durch seinen stets guten Fahrkomfort - auch nach mehreren Stunden im weich gepolsterten Sattel. Die Sitzhöhe der Japanerin liegt mit 835 mm etwas über der Britin und fühlt sich durch den breiten Tank auch ein ganzes Stück höher an. Für einen kleinen Aufpreis gibt es allerdings eine alternative Sitzbank, die die Sitzhöhe auf 800 mm reduziert. Bei der Triumph macht der schmale Bereich zwischen Tank und Sitz es vertikal benachteiligten Fahrern zusätzlich einfacher auf den Boden zu kommen als bei der Kawasaki. 

Motor 

Zurück zu den Gemeinsamkeiten. Bei der Maximalleistung unterscheiden sich die beiden Retro Bikes kaum. Und wieder zu den Unterschieden. Die 111 PS bei 8.500 und ein maximales Drehmoment von 98,5 Nm bei 6.500 Umdrehungen werden bei der Z 900 RS von einem Reihen-Vierzylinder-Motor mit 948 Kubik bereitgestellt. Herzstück der Thruxton RS ist ein Reihen-Zweizylindermotor mit 270 Grad Hubzapfenversatz und einem Hubraum von 1.200 Kubikzentimetern. Er erzeugt 105 PS bei 7.500 und 112 Nm bei 4.250 Umdrehungen. Die Britin hat somit etwas weniger Spitzenleistung, dafür aber mehr Drehmoment, das deutlich früher anliegt. Die Gasannahme ist bei beiden Modellen ausgesprochen gut, bei der Thruxton RS aber noch einen Tick besser. Unangenehme Vibrationen sind bei keiner von ihnen vernehmbar. 

Sound

Eine weitere Gemeinsamkeit: das Standgeräusch. Bei beiden Modellen 94 dB(A). Sie klingen jedoch trotzdem sehr unterschiedlich. Der Sound der Thruxton ist dank 270 Grad Hubzapfenversatz V2-artig, wirkt allerdings deutlich zurückhaltender als der bassige Vierzylindersound der Z900RS mit mörderischem Ansauggeräusch. 

Chassis, Fahrwerk & Bremsen

Gleiche Größe, unterschiedliche Breite. Z 900 RS und Thruxton RS rollen einheitlich auf 17-Zöllern. Der 160er Hinterreifen (Z900RS: 180er) und die sportlichen Metzeler Racetek RR Reifen spielen der Thruxton in Sachen Leichtfüßigkeit aber in die Karten. Besonders in engen Kurven kommt die enorme Agilität der Thruxton RS deutlich zur Geltung. Die Z900RS ist mit dem etwas touren-orientierteren Dunlop GPR 300 besohlt. Der längere Radstand und der breitere Hinterreifen vermitteln ein ausgeprägtes Gefühl von Stabilität - auch bei hohen Geschwindigkeiten.

Und wie sieht´s beim Fahrwerk aus? Generell ist die Thruxton straffer und sportlicher abgestimmt als die touristische Z900RS. Das liegende Federbein der Z 900 RS kann nicht wie die Öhlins-Doppelstoßdämpfer der Thruxton RS vollständig, sondern nur in Vorspannung und Zugstufe justiert werden. Beide Gabeln sind aber voll einstellbar. Die Racing-Ambitionen der Thruxton lassen sich kaum "überfühlen" und laden gerade dazu ein, sie auch mal auf einem Rundkurs auszuprobieren.

Dem wäre nämlich auch die Bremse locker gewachsen. Die M50-Zangen von Brembo, die sich in die 310er Scheiben der Thruxton RS verbeißen, lassen sich fein und transparent dosieren. Die Kawa verzögert mit Nissin-Vierkolben-Festsätteln, die 300-Millimeter-Scheiben zur Verfügung haben, auch gut, aber nicht ganz auf dem supersportlichem Niveau der Thruxton RS. Mit den etwa 215 Kilogramm (wie bei der Thruxton) haben sie aber leichtes Spiel.

Ausstattung

Beide Retro Bikes sind mit ABS, Traktionskontrolle und Anti-Hopping-Kupplung ausgestattet. Durch Ride-by-Wire kann bei der Thruxton RS zwischen drei Fahrmodi ausgewählt werden: Rain, Street und Sport. Die Z900RS hat zwar keine Modi, dafür lässt sich das Level der Traktionskontrolle per Knopfdruck einstellen - je nach Wetter oder Lust und Laune.

Egal ob sonnig oder regnerisch, mit guter oder schlechter Laune - das Budget muss in jedem Fall passen. Womit wir beim letzten Unterschied angekommen sind. Der Preis der Z 900 RS liegt nämlich bei 12.195 Euro, bei der Thruxton RS werden 15.550 Euro fällig. In Österreich ist die Kluft dazwischen sogar noch viel größer - Nova sei es gedankt. Die Kawasaki ist ab 12.999 Euro und die Triumph ab 18.100 Euro ab Werk bestellbar. Aktuelle Preise für neue und gebrauchte Modelle findet ihr hier bei uns im Marketplace. Wer sich kreativ austoben möchte und ein ganz individuell gestaltetes Bike möchte, wird besonders bei Triumph mit vielen Optionen fündig.

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Julianes Fazit:

Ganz unterschiedlich gestaltet sich eine gemeinsame Tour mit Kawasaki Z 900 RS und Triumph Thruxton RS. Wer eine Gefährtin für sportliche Feierabendrunden sucht, für den ist die Thruxton RS sicherlich eine gute Wahl. Verträumte Blicke von Nostalgikern sind garantiert, die Komponenten machen auch einen gelegentlichen Besuch auf der Rennstrecke denkbar. Für längere Fahrten würde ich mich jedoch auf die Z 900 RS schwingen, da sie durch ihre Sitzposition, den gut-gepolsterten Sattel und den hohen breiten Lenker deutlich komfortabler daherkommt. Auch der Preisunterschied ist für mich (vor meinem Lottogewinn noch) ein schlagendes Argument aus. Zeitlos und wunderschön finde ich sie beide. 

Zonkos Fazit: 

Obwohl die Thruxton RS und die Z 900 RS in Bezug auf die Daten sehr viel gemeinsam haben (in etwa dieselbe Leistung bei ähnlichen Drehzahlen, selbe Gewichtsklasse), fahren die beiden Maschinen doch sehr unterschiedlich - und schauen ganz anders aus. Meiner Meinung nach ist die Triumph der Cafe-Racer par excellence, der mit hochwertigsten Komponenten bestückt ist. Öhlins-Fahrwerk, M50-Brembos und technisch wunderschöne Details wie Gabelbrücke, Lenkeraufnahmen etc. hüllen die Thruxton nicht nur in ein Flair des Edlen, sondern lassen sie auch derart gut performen, dass man in einer schnellen Landstraßenpartie sicher mithalten kann. Letzteres gilt auch für die Kawasaki. Zwar ist die Z900RS im direkten Vergleich zur Thruxton RS weniger edel ausgestattet, aber die verbauten Komponenten und das Gesamtkonzept sind jedenfalls ausreichend, um im Kampf um die Bergwertung bis zum Gipfelwirt vorne dabei zu sein. Der Vierzylinder generiert seine Kraft nicht durch hohe Drehzahlen, sondern setzt schon unten und in der Mitte einen gewaltigen Schub frei. Das ist beim reinen Straßenfahren nie verkehrt. Die Kawasaki ist für mich ein traumhaftes Retro-Naked, das die Strahlkraft der Z1 (900) aus den 70er Jahren tatsächlich in die 20er Jahre des dritten Jahrtausends transponiert. Müsste ich mich zwischen diesen beiden Maschinen entscheiden, würde ich zur Kawasaki greifen. Keine Frage, sie ist weniger edel in der Anmutung als die Triumph, aber sie kann ebenso hart austeilen, lenkt gieriger ein, und lässt mich in einer glorreichen Vergangenheit schwelgen. Ja, und deutlich günstiger ist die Kawa auch. Mit dem Ersparten kann man sehr viele Strafzettel bezahlen.

Fazit: Kawasaki Z900 RS

Ein zeitlos-schönes Motorrad, die Z 900 RS. Ihr Herzstück, der starke und seidig-weiche Vierzylinder, sorgt für den absoluten Fahrgenuss. Auch für längere Fahrten bietet sie durch die angenehme Sitzposition, den gut gepolsterten Sattel und den hohen, breiten Lenker viel Komfort. Wer auf Retro-Motorräder steht, aber modernes Fahrverhalten schätzt, für den ist die Z1-Hommage eine sehr gute Wahl.


  • authentische, schöne Retro-Optik
  • sehr bequeme Sitzposition
  • einfach und komfortabel zu fahren
  • kein Quickshifter und keine Fahrmodi (aber TC einstellbar)

Fazit: Triumph Thruxton RS

Die Thruxton RS ist optisch authentisch an die Café Racer der Sechziger angelehnt - verträumte Blicke von Nostalgikern sind garantiert. Im Sattel fühlt sie sich allerdings alles andere als Retro an. Hochwertiges Fahrwerk, High-Performance Bremsen, edle Optik und ein eine hohe Agilität machen die sportliche Feierabendrunde ästhetisch wie auch fahrdynamisch zum Genuss.


  • sehr hochwertige Komponenten
  • schöne & edle Optik und authentisches Design
  • Sitzposition evtl. für lange Touren sportlich-anstrengend
  • kein Quickshifter serienmäßig dabei

Bericht vom 14.06.2021 | 13.879 Aufrufe

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