Kumpan 54i:gnite 2021- schnellster Elektroroller im Test

100 km/h flotter E-Roller aus Deutschland

Leicht, wendig und flott, so stellt man sich den idealen Stadtroller vor - vielleicht kommt bald elektrisch dazu. Jedenfalls drängen immer mehr Vertreter dieser Klasse rein elektrisch in die Ballungsräume. Der bislang flotteste unter ihnen ist der Kumpan 54i:gnite. Alltagstest!

Das deutsche Unternehmen Kumpan hat sich seit mehreren Jahren auf die Herstellung von E-Rollern spezialisiert. Die neueste Schöpfung sind die 54i-Modelle. In drei verschiedenen Leistungsstufen stehen sie seit 2020 am Markt zur Verfügung. Während der 1000PS Roller-Experte Horvath bereits die kleineren Kumpan 54i:conic und 54i:nsight unter die Lupe genommen hat, darf ich beim Topmodell dem 54i:gnite ran. Der Name i:gnite geht ins Ohr, auch wenn im Radnaben-Motor streng genommen (hoffentlich) natürlich keine Zündung stattfindet.

Kumpan 54i:gnite - Schnell genug für die Landstraße - kein E-Roller ist flotter

Die drei "Kraftpaket" genannten Akkus voll geladen verlasse ich das 1000PS Büro in Richtung Umland, um das vollmundige Versprechen der deutschen Roller-Bude, dass mit dem 54i:gnite dreistellige Geschwindigkeiten möglich sein sollen zu überprüfen. Das Schöne am E-Motor: Warmfahren kann man sich getrost sparen (für die Heidenau-Pneus gilt das zwar nicht, aber die großen Schräglagen waren ohnehin nicht nötig). Also Vollgas! Schon auf den ersten Metern überzeugt der Kumpan e-typisch mit guter Beschleunigung. 7 kW Maximalleistung fühlen sich elektrisch einfach immer nach mehr an - der Motor braucht eben keine Drehzahl. Endlich, die Ortstafel Wr.Neustadt liegt hinter mir - Sportmodus auswählen und los. Wie am Gummiband gezogen geht es mit linearer Beschleunigung voran. Dann die Überraschung: Bei der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h zieht der 54:ignite einfach weiter hoch, bevor bei 112 km/h die Leistung abgeriegelt wird. Eindeutig der schnellste E-Roller, den ich je bewegt habe.

Fahreindrücke in der und rund um die Stadt

Beim Wiedereintritt in die Wr. Neustädter Atmosphäre unterstützt die mehrstufig einstellbare Rekuperation die Scheibenbremsen beim Verzögern. Nötig wäre das eigentlich nicht, denn sie beißen überraschend fest zu. Dennoch ist die Möglichkeit die beim Bremsvorgang entstehende Energie wieder in die Akkus zurückzuführen eine echt feine Sache, erhöht sich dadurch doch die Reichweite des Kumpan. Wermutstropfen: Auch beim Kumpan Topmodell gibt es kein ABS, man begnügt sich mit dem gesetzlich vorgeschriebenen CBS (kombiniertes Bremssystem). Schade, ist dieses Sicherheitsfeature doch bei der Verbrennerkonkurrenz in dieser Klasse schon seit Jahren Standard. Gar nicht Klassen-Standard und ein echt cooles Feature für Pendler: Der Kumpan 54i:gnite verfügt über einen Tempomat!

Der Roller bietet ein straffes Fahrwerk, die Vorspannung der Stereo-Federbeine hinten lässt sich verstellen. Einer zügigeren Fahrweise steht also nichts im Wege. Durch die kleinen 12-Zoll Räder fällt der Kumpan spielerisch in Schräglage. Enges Geläuf ist ein Spaß, das gilt zumindest, so lang die befahrenen Wege von guter Qualität sind.

Wir verlassen nun die schön glatt asphaltierten Straßen und wagen uns in die Innenstadt. Rund um den Domplatz gibt es noch Fahrbahnabschnitte, die mit rumpeligem Kopfsteinpflaster ausgestattet sind - der Härtetest für jedes Roller-Fahrwerk. Wie viele andere 12-Zoll Roller kommt auch das Fahrwerk des Kumpan 54:ignite hier an seine Grenzen und man wird ordentlich durchgeschüttelt, die schicke aber straff gepolsterte Sitzbank verstärkt diesen Eindruck noch. Bestnoten können unter diesen Umständen keine vergeben werden.

Platz genug für zwei Personen ohne viel Gepäck am Kumpan 54i:gnite

Natürlich ließen wir uns auch einen Soziustest mit dem Kumpan nicht nehmen. Das höchstzulässige Gesamtgewicht des Kumpan beträgt immerhin 280 Kilogramm. Die Sitzbank bietet genug Platz für Ausfahrten zu zweit, wobei auch der Soziusplatz ähnlich hart gepolstert ist, wie der des Fahrers. Ein schickes Design-Highlight sind die auf sanften Druck ausfahrenden Soziusfußrasten, hier merkt man die Liebe zum Detail und kann sich von der hochwertigen Verarbeitung des Kumpan überzeugen. Viel Gepäck sollte man jedoch nicht transportieren wollen. Durch die Position der Akkus, die wie bei so vielen E-Rollern unter der Sitzbank Platz finden, schrumpft der verfügbare Stauraum merklich. Ein kleines Fach verbleibt, in das etwa eine Geldbörse, der Schlüssel, das Handy und eine Trinkflasche passen. Zusätzlich gibt es noch ein zweigeteiltes Fach vorne in der Schürze, das auf der einen Seite eine 12V-Steckdose und auf der anderen Seite eine LED-Beleuchtung bietet. Spaßig ist ein drittes kleines Staufach unten am Trittbrett, das einen Becherhalter beinhaltet. Nichtsdestotrotz muss man, sollte man mit dem Kumpan 54i:gnite etwas größeres transportieren wollen, in ein Topcase investieren. Greift man zu dem aus dem Kumpan Originalzubehör, lässt es sich per Druck auf dem 7 Zoll Touchscreen elegant und einfach entriegeln. Auf die gleiche Weise wird auch die Sitzbank entriegelt.

Riesen-Display mit Touchfunktion am Kumpan 54i:gnite

Wer ein 7 Zoll-Display auf einem Zweirad haben möchte, bewegt sich sehr schnell in der 15-20.000 Euro Liga. Dieses Feature kennen wir von KTM 1290 Super Adventure, der Triumph Tiger 900 Rally Pro und nun auch vom Kumpan 54i:gnite. Im Gegensatz zu den Reiseenduros, ist das dem Kumpan aber sogar ein Touchscreen, die Darstellung wirkt logisch und aufgeräumt. Ein verbautes Telemetriemodul berechnet permanent die noch verfügbare Reichweite. Bekanntlich ist nicht alles Gold was glänzt und das trifft leider auch beim Kumpan zu. Bei direkter Sonneneinstrahlung leidet die Ablesbarkeit spürbar und der Touchscreen ist nur mit den bloßen Händen oder speziellen Handschuhen bedienbar. Beim Fahren mit normalen Handschuhen kommt das Steuerkreuz am rechten Lenkerende ins Spiel, damit lässt sich auch während der Fahrt das gesamte Menü bedienen - nicht ganz so intuitiv wie ein Touchscreen, aber sicherer. Zwischen 4 Fahrmodi (Sport, Comfort, Eco und Rain) kann der Fahrer des i:gnite wählen und sich zu jedem Modus die Stärke der Rekuperation (Brems- und Schleppmoment) individuell einstellen.

Reichweite, Akkus, Laden - das um und auf beim E-Roller

Beim Thema Akku haben sich die Jungs von Kumpan echt etwas überlegt. Die einzeln entnehmbaren "Kraftpakete" wiegen je 10 Kilogramm und spendieren eine Reichweite von rund 40 km, zwei Akkus sind serienmäßig verbaut, ein dritter optional im Zubehör erhältlich (Kostenpunkt 1189 Euro). Sie sind sehr einfach zu entnehmen und können entweder im Fahrzeug durch eine kleine Luke hinter dem Kumpan-Logo vorn am Fahrzeug oder separat im ausgebauten Zustand geladen werden. Einen nervigen Kabelsalat, wie bei anderen E-Rollern gibt es hier nicht. Eine volle Ladung an der Haushaltssteckdose dauert ca. 4,5 Stunden. Nach 3 Stunden stehen 80% zur Verfügung.

Ein E-Roller für alle: niedriger Sitzhöhe, schlankes Gewicht und Sharing via App

Eine Sitzhöhe von 800 Millimeter ermöglicht in Zusammenspiel mit dem niedrigen Gewicht (82 Kilogramm + 10 kg pro Akku), dass der Kumpan 54i:ginte kaum einen Piloten vor Herausforderungen stellt. Vorsicht ist beim sehr schicken aber auch verdammt rutschigen Trittbrett geboten. Die metallenen Längsstreifen sehen zwar todschick aus, verhindern aber, dass man guten Halt am Trittbrett hat. Fahrbar ist der Kumpan übrigens mit dem A1 Führerschein oder den verschiedenen 125er Zusatzberechtigungen zum Autoführerschein.

Mit der Kumpan Key App gehört der Schlüssel der Vergangenheit an. Man entsperrt und startet den 54i:gnite bequem mit seinem Smartphone. Nettes Zusatzfeature: Man kann seinen Schlüssel digital mit anderen teilen. Die Person mit der der Schlüssel geteilt wird, muss nur noch die App öffnen und kann den Kumpan freischalten und losfahren. Den Standort des Rollers bekommt man durch das integrierte GPS-Modul ebenfalls auf einer Karte in der App angezeigt. Über die App sind auch "Over the Air" Software Updates möglich, wie man sie von Tesla kennt.

Gegen einen kleinen Aufpreis, kann sich jeder seinen Kumpan hier individuell zusammenstellen. Lackierung der Verkleidung, des Trittbretts und die Farbe des Sattels sind wählbar, insgesamt sind 18 verschiedene Farbkombinationen möglich, da wird wohl jeder fündig.

Fazit: Kumpan 54i:gnite

Wer schön sein will muss leiden. Tatsächlich ist der schicke Kumpan 54i:gnite durch sein straffes Fahrwerk und die nur marginal gepolsterte Sitzbank, eher auf der unkomfortablen Seite zu Hause. Motor, Features und Gesamtkonzept wissen aber dennoch zu überzeugen. Für die lautlose Runde zum Eissalon gibt es derzeit keinen schnelleren und eleganteren E-Roller am Markt. Das fehlende ABS ist unter den elektrischen 125er-Äquivalenten zwar usus für sich betrachtet aber trotzdem ein Manko, zumal der Kumpan kein Schnäppchen ist. Deutsche Wertarbeit hat eben ihren Preis.


  • gute Bremsen
  • schöne Optik
  • gute Verarbeitung
  • coole Detaillösungen
  • konkurrenzloses Touchdisplay
  • gute Bedienbarkeit
  • gute Fahrleistungen
  • durchdachtes Akkusystem ohne lästige Kabel
  • einstellbare Rekuperation
  • individuelle Ausstattung möglich
  • kein ABS
  • Fahrwerk mäßig
  • Sitz wenig komfortabel
  • wenig Stauraum
  • Display teilweise schlecht ablesbar
  • rutschiges Trittbrett

Bericht vom 14.05.2021 | 27.913 Aufrufe

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