BMW G 310 R Test 2021

Fesche Bayerin mit kleinem Motor!

Wenn schon nicht mehr Hubraum, dann wenigstens eine arg aufgefrischte Optik - könnte BMWs Devise für die neue BMW G 310 R gewesen sein, denn wenn man es genau nimmt, sticht die kleine 310er in machen Belangen sogar die große Schwester S 1000 R aus!

Na gut, ich könnte Euch jetzt bis zum Ende des Berichts auf die Folter spannen und erst am Ende erläutern, was die kleine BMW G 310 R besser kann, als die große S 1000 R - in Wahrheit sind es nämlich zwei Dinge an der Optik, die zudem sehr subjektiv sind. Dass mich nämlich das satte Gold der USD-Gabel an der G 310 R frapant an jenes Gold eines schwedischen Fahrwerks-Spezialisten erinnert, während das Gold an der Gabel der S 1000 R allzu blass wirkt, ist vielleicht nur mein Empfinden. Und dass mir der Scheinwerfer der kleinen G besser gefällt als jener der großen S ist vermutlich bei dem, was die S 1000 R kann (hier geht´s zu meinem Test der BMW S 1000 R!) ohnehin Nebensache.

Der Motor der BMW G 310 R ist zu schwach? Kommt auf die Sichtweise an

Allerdings bringt mich die Tatsache, dass ich die kleine G 310 R direkt nach der S 1000 R fahren durfte zu einer weiteren Erkenntnis: Nur weil die kleine G in einer völlig anderen Klasse mitmischt, ist sie noch lange nicht schlecht aufgestellt. Klar sind 34 PS und 28 Newtonmeter Drehmoment weitaus zu wenig, um die vielen, auf rund 40 PS erstarkten Konkurrentinnen das Fürchten zu lehren, allerdings macht die kleine G 310 R ihre Sache als quirliges Naked Bike gar nicht mal schlecht. Vor allem macht das Ausdrehen des Einzylinders Laune und endet erst in einem sehr hohen Drehzahlbereich.

Eine brave Bremse für ein braves Motorrad

Auch die vordere Bremse, eine Einzelscheibe mit 300 Millimeter, benimmt sich ganz gut, hat den nötigen Biss, der klarerweise nicht mit jenem der großen S 1000 R mithalten kann, jedoch die potentielle Kundschaft auch nicht mit allzu brachialer Wirkung erschrecken möchte. Zur Sicherheit ist ja auch schon von Gesetzes wegen ein ABS mit an Bord. Zwar nicht von Gesetzes wegen Vorschrift, aber (erfreulicherweise) nun sogar schon bei der kleinen 300er-BMW Serie ist die Ganganzeige im zwar nicht sonderlich umfangreichen, dafür aber sehr gut strukturierten und ordentlich ablesbaren LCD-Cockpit. Ein Farb-TFT-Display wäre natürlich noch schöner, aber da lässt sich BMW offensichtlich Luft nach oben bei der nächsten kleinen R - vielleicht ja die G 400 R…

Die BMW G 310 R biegt fast ab wie ein Karnickel

Das Handling der G 310 R kann sich ebenfalls sehen lassen, die Kunst bei diesen kleinen Naked Bikes ist es nämlich nicht, um jeden Preis ein Maximum an Agilität zu bieten, sondern diese Agilität mit einer gewissen Stabilität zu verbinden. Niemandem nützt es etwas, wenn die G 310 R abbiegt wie ein Karnickel, dabei aber völlig instabil wird. Daher sorgt das Fahrwerk mit der bereits angesprochenen bildhübschen USD-Gabel und dem Monofederbein im Heck zusammen mit der vergleichsweise erwachsenen Bereifung von 110/70-17 vorne und 150/60-17 hinten für ein sehr agiles und dennoch angenehm stabiles Handling.

Bei der Optik sticht die kleine G 310 R sogar die S 1000 R aus!

Bleibt schließlich noch die Ergonomie, die den Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort ziemlich gut auf den Punkt bringt. Das mag für jemanden, der sich ganz gerne an Kanten und Unstimmigkeiten reibt, allzu langweilig sein. Aber die BMW G 310 R ist gewiss nicht das Modell im BMW-Programm, mit dem die Bayern die Revolution starten wollen. Nein, die G 310 R ist nach wie vor das brave und quirlige Naked Bike, das es schon vorher war. Nur eben ab 2021 viel hübscher! In manchen Belangen sogar hübscher als die große S 1000 R…

Fazit: BMW G 310 R

Okay, viele Konkurrentinnen sind der BMW G 310 R mit mehr Hubraum und dadurch mehr PS entschwunden. Doch in der 300er-Klasse ist die kleine R ein richtig ehrliches Naked Bike: Der Motor dreht agil aus, das Handling ist quirlig und dennoch stabil, die Bremse werkt zufriedenstellend und die Optik kann mit der fetten, goldenen Gabel sowie den modernen Elementen durchaus überzeugen.


  • Motor dreht schön aus
  • brave Bremse
  • schöne Optik
  • angenehme Sitzposition
  • Weniger Power als die Konkurrenz

Bericht vom 07.04.2021 | 9.186 Aufrufe

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