Beta Xtrainer 300 – kompakte Italo Enduro im Test

Nicht nur für Einsteiger eine tolle Option!

Mit der Xtrainer hat Beta seit 2015 ein Enduro Konzept im Portfolio, welches in erster Linie auf gute Fahrbarkeit und einfache Handhabung setzt. Wahlweise als 250 oder 300 Kubik Zweitakter steht sie in den Schauräumen der Händler. Etwas weniger Federweg, etwas kompaktere Abmessungen, etwas weniger Leistung und etwas weniger Gewicht – so könnte man sie im direkten Vergleich mit den klassischen Hard-Enduro Schwestermodellen kurz umreißen. Wie sich die neue Xtrainer aus dem Modelljahr 2021 in der Praxis fahren lässt, und in welchen Bereichen es Potential für Tuning und Zubehör gibt, klärt Redakteur MEX zusammen mit Offroad-Experte Arlo in unserem Test.

Günstig in der Anschaffung, günstig in der Erhaltung und vergleichsweise einfach zu fahren soll sie sein. Das perfekte Gerät für meinen Wiedereinstieg ins Enduro-Geschehen also. Ein kurzes Probesitzen bzw. -stehen an der EICMA in Mailand beseitigte die restlichen Zweifel, ob sie für meine Größe von 1,90 Meter nicht vielleicht doch zu kompakt geschnitten ist.

Ähnliches Konzept - die KTM Freeride - im Vergleich aber mehr Trail als Hardenduro!

Was im Modelljahr 2021 alles neu ist, an der Beta Xtrainer, kann in unseren Modellnews nachgelesen werden.

Es wurde im Frühjahr bestellt - im Juni kam die ersehnte Lieferung aus Italien. Die angegebene Einfahr-Empfehlung mit 3 Betriebsstunden nahm ich dankbar an, denn die letzte Enduro stand 2015 in der Garage, dementsprechend eingerostet auch mein Fahrkönnen (damals übrigens auch ein Zweitakter, eine 250er Italo-Husqvarna). Es erfolgte also ein langsames Herantasten an die Materie auf einfachem Terrain, im ungarischen Nagycenk.

Im Anschluss war das erste Service fällig. Hier wurde auch gleich eine ordentliche Ladung an Zubehör montiert, doch dazu später mehr.

BETA Xtrainer 300 sehr zugänglich im Fahrbetrieb

Als Einsteiger erfreue ich mich direkt von Beginn weg an den zugängigen Abmessungen. Die Sitzhöhe fällt mit 910 mm ca. 2 Zentimeter niedriger als an den BETA RR bzw. Factory Modellen aus. Auch ist insgesamt der Rahmen etwas schlanker geformt. In Sachen Radstand ist sie mit 1,5 Zentimetern um ein Euzerl kürzer als Ihre performanten Schwester-Modelle. Wieselflink und spielerisch kann sie so durchs Unterholz dirigiert werden. Speziell in langsamen, technischen Bergauf-Passagen spendet dieses schlanke Layout ein souveränes Gefühl im Sattel. Kleinere Fahrer und Fahrerinnen profitieren natürlich umso mehr von dieser Gegebenheit und werden mit der BETA Xtrainer eine angenehme Begleiterin im unwegsamen Gelände finden.

Motor mit ausreichend Leistung und konstantem Drehmoment

Das Wort "angenehm" trifft auch den Antrieb perfekt. Besser beschreiben könnte ich es noch mit "kräftesparend", denn anders als bei reinrassigen Wettbewerbsmodellen, stand beim Motor der Xtrainer bestimmt nicht eine möglichst hohe Spitzenleistung als Ziel am Entwicklungsplan. Mit etwa 36 PS in der offenen Variante ist sie beileibe nicht untermotorisiert, es fällt aber sofort die perfekte Dosierbarkeit und die - für Zweitakter fast untypische - lineare Leistungsabgabe auf. Bemerkenswert auch, welches Drehmoment hier bereits in niedrigsten Drehzahlen anliegt. So komme selbst ich als Anfänger noch mit verpatzter Einfahrt in den Steilhang irgendwie den Berg hoch genudelt.

Ein Gewinn in Sachen Komfort ist am überarbeiteten Motor übrigens auch die Ausgleichswelle. Sie reduziert Vibrationen, erhöht das Drehmoment und begünstigt die harmonische Leistungsabgabe.

BETA Xtrainer mit speziell entwickeltem Fahrwerk

Das Fahrwerkssetup liegt im Vergleich zur klassischen Hardenduro sicherlich auf der soften Seite. Das sorgt für viel Vertrauen, guten Komfort und massig Traktion an kniffligen Steilhängen.  Die Federwege sind insgesamt etwas kürzer gehalten. Mit 270 mm an Front und Heck steht die Xtrainer um 2 bis 2,5 Zentimeter tiefer als beispielsweise eine 300 RR, wenngleich durch die kompaktere Rahmenkonstruktion die Bodenfreiheit mit 320 mm identisch ausfällt - von Beta sehr gut gelöst.

Am generellen Feedback und Ansprechverhalten der Federelemente gibt es wenig Anlass für Kritik, zumal man sich auch den vergleichsweise günstigen Anschaffungswert im Kopf behalten sollte. Natürlich ist mit der 43 mm Upside-Down-Gabel an der Front keine High-End-Waffe verbaut und auch das Federbein am Heck ist von einfachem Aufbau. Doch für meine 72 Kilo passt dieses Setup wunderbar. 

BETA Xtrainer Gewicht unter 100 Kilo trocken!

Das abgespeckte Fahrwerk, der kleinere Tank, sowie auch der etwas kompaktere Rahmen-Aufbau sorgen zudem für ein sensationell niedriges Gewicht - schlanke 99 Kilogramm gibt Beta für die 300er an. Die Verteilung liegt dabei mit 48 Kilogramm vorne und 48 Kilogramm hinten exakt bei 50:50. Diese neutrale Auslegung macht sich auch im Fahrbetrieb positiv bemerkbar.

BETA XTrainer 300 - lange Wartungsintervalle und einfache Handhabung

Beta gibt für die Xtrainer mit 30 Betriebsstunden ein angenehm langes Wartungsintervall an. Die üblichen kleineren Pflegearbeiten, wie beispielsweise Luftfilter reinigen, mal außen vor gelassen, hat man somit ein wirklich unkompliziertes und sorgenfreies Paket. Ein Pluspunkt in der Praxis ist auch die elektronische Öleinspritzung. Und das aus zwei Gründen: Einerseits regelt der Vergaser auch bei langsameren Fahren optimal die Öl Zufuhr und zum anderen erspart man sich das Mischen samt Kleckerei in der heimischen Garage oder am Parkplatz des Enduro Geländes.

Arlos' Experten-Einschätzung zur BETA Xtrainer 300

Die Xtrainer wird ja oft und gerne mit der KTM Freeride verglichen. Ein Vergleich der meines Erachtens nach aber hinkt, denn die Zielsetzung bei den beiden Modellen war nicht die Gleiche. Die Freeride sollte ein Trial/Enduro Hybrid werden und hat das auch hinbekommen. Die Xtrainer hingegen sollte ein gutes und günstiges Hard Enduro Motorrad werden, auch diese Zielsetzung wurde erfüllt. Aber ich denke die Ingenieure sind da etwas übers Ziel hinausgeschossen, denn preislich liegt der 300 XTrainer bei 7155€ und somit fast 2400€ unter dem vergleichbaren RR 300 Racing.  Doch in Sachen Performance ist die XTrainer gar nicht mal so weit von der Wettbewerbsorientieren Schwester entfernt, bzw bietet für Einsteiger und Hobbynudler (wie ich es mittlerweile auch bin) eine geschmeidigere Leistungsentfaltung und ein leichteres Handling in Extremsituationen. Kurz um, für die XTrainer bekommt man viel Motorrad für wenig Geld, das Gebotene würde wahrscheinlich den Großteil der Endurofahrer zufrieden stellen. Wer also beim Kauf nicht auf sein Ego achtet und die Fakten nüchtern betrachtet, kommt nur schwer an der XTrainer vorbei.

BETA Xtrainer 300 im Vergleich mit Arlos' gepimpter KTM EXC 300 TPI

Hier treffen zwei verschiedene Welten auf einander. Während die XTrainer versucht auch dem kleinsten Budget die beste Performance zu zaubern, geht es bei Arlos TPI Tune Up um Performance par excelence. Das Tune Up Projekt steht derzeit bei einem Investitionswert von über 16.000€. Für den Preis bekommt man zwei XTrainer inklusive Zubehör. Ob da nun wirklich jedes Teil seinen Preis Wert ist, lasse ich mal außer Acht gestellt. Für mich ging es bei dem TPI Projekt darum, zu sehen was alles möglich ist und was wie viel bringt. Der Test mit der XTrainer holte mich da schnell wieder aus allen Wolken, denn ja, die TPI ist stärker, hat ein angenehmeres Fahrwerk und edlere Teile verbaut, aber die XTrainer steht der TPI in Sachen Performance nicht um viel nach. Wie so oft hat auch bei diesem Projekt das Ego (oder auch das zu klein geratene Zumpferl) über den Verstand gesiegt.

BETA Xtrainer Zubehör & Tuning Empfehlungen

Das klassische Zubehör Einmaleins durfte dann natürlich auch an meiner Beta nicht fehlen. Eine kurze Recherche im Netz brachte mir die Firma DOWATEK auf den Schirm. Der Hersteller aus Lenggries in Deutschland bietet für die Xtrainer 300 ein sehr umfangreiches Sortiment an Teilen, perfekt.

Gerade als Anfänger legt man das Gefährt öfter zur Seite als einem lieb ist. Daher war Priorität eins ein ordentlicher Krümmerschutz. Hier scheiden sich in der Community die Geister ob Carbon oder Aluminium. Für mich war in jedem Fall die Lösung von DOWATEK in Kombination mit einem massiven Motorschutz perfekt. Sogar wegen der schlechten gleit bzw. rutsch Eigenschaften von Alu hat man sich etwas überlegt und die Unterseite des Schutzes an relevanten Stellen mit einer weiteren Lage aus Kunststoff versehen.

Nach dem voluminös geformten Zweitakt-Krümmer ist der Kühler ebenfalls ein exponiertes Bauteil. Im Falle einer ernsten Beschädigung zudem kostenintensiv in der Wiederbeschaffung. Somit habe ich auch hier zur Lösung des deutschen Anbieters gegriffen. Der massiv ausgeführte Schutzrahmen aus Aluminium macht ein verbiegen des Kühlers nahezu unmöglich. Allerdings ist der Einbau etwas Zeitaufwändig. Nach dem Abbau und Entleeren müssen nämlich sämtliche originalen Halterungen abgeflext werde. An die vorhandene Lüfteraufnahme des Kühlerschutzes kann im Anschluss wieder der original Beta Lüfter angebracht werden.

Ebenfalls von DOWATEK kam dann noch passend dazu ein Satz Motodeckel-Schützer, sowie Handguards und eine Aluminium Finne zum Schutz der hinteren Bremsscheibe.

Komplettiert haben wir die Ausstattung im letzten Schritt dann noch mit einem Satz leichter X-GRIP Titan Piranhas für einen etwas tieferen und nach hinten versetzten Stand. Ebenfalls von X-GRIP kam noch ein Hebegurt, welcher praktisch an die vordere Gabelbrücke geschraubt werden kann.

Fazit: Beta Xtrainer 300

In Summe: Viel Enduro für wenig Geld - die 1000PS Redaktion ist begeistert. Die Sitzhöhe fällt an der Xtrainer etwa 2 Zentimeter niedriger als an wettbewerbsorientierten Schwestermodellen aus, das schafft viel Sicherheit im Sattel und macht sie zudem besonders für kleinere Fahrer und Fahrerinnen interessant. Mit dem etwas schlanker geformte Rahmen und ca. 1,5 Zentimetern weniger Radstand, lässt sie sich wieselflink und spielerisch durchs Unterholz dirigieren. Speziell in langsamen und technischen Passagen kann sie mit dieser Handlichkeit punkten und spendet gleichzeitig ein souveränes Feeling im Sattel. Der Motor ist dabei in jeder Lebenslage wunderbar linear und stets perfekt dosierbar. Das Gefühl untermotorisiert zu sein, hat man mit ihren 36 PS in der offenen Variante niemals. Nachteile gibt es mit dem abgespeckten Fahrwerk eigentlich nur in schnellen Sektionen oder beim gelegentlichen Ausflug auf die Motocross-Strecke. Hier ist sie nicht mehr in ihrem Revier und die üblichen Hard-Enduros sind spürbar im Vorteil. Kurzum: Man bekommt viel Motorrad um vergleichsweise wenig Geld. Das Gebotene stellt wahrscheinlich den Großteil der Endurofahrer zufrieden. Wer also beim Kauf nicht auf sein Ego achtet und die Fakten nüchtern betrachtet, kommt nur schwer an der Xtrainer vorbei.


  • spielerisches Handling
  • zugängige Sitzgeometrie
  • perfekt dosierbarer Motor
  • laufruhig und Drehmoment orientiert
  • günstiger Anschaffungspreis
  • elektronisch gesteuerte Öl-Einspritzung
  • lange Wartungsintervalle
  • rundum unkompliziertes Gerät
  • Fahrwerk in schnellen Sektionen am Limit
  • weniger Bodenfreiheit im Vergleich zu Hardenduros von KTM & Husqvarna

Bericht vom 18.08.2020 | 9.037 Aufrufe

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