Yamaha MT-125 2020 Test

Yamaha MT-125 2020 Test

Gewaltiges Statement von der Dark Side of Japan

Die Naked Bike Familie der Japaner wird extrem radikalisiert. Nicht nur die Optik der MT-125 wurde nun mehr oder weniger mit dem Rest der Master of Torque (MT) Nakeds vereinheitlicht, das A1-Motorrad profitiert auch von dem neuen Einzylinder mit variabler Ventilsteuerung, sowie einem neuen Rahmen. Wir durften in Südspanien alles aus der 125er herausquetschen!

Während uns der MT-Familienstammbaum schon seit 2013 bekannt ist, zählt die MT-125 seit 2014 zum fixen Modellprogramm der sportlichen Naked Bikes. Seitdem hat sich bis auf neue Farben eigentlich nichts an dem A1 Motorrad getan und trotzdem konnte es rein technisch noch immer ganz vorne mitfahren. Sowohl der durchzugsstarke Motor als auch das sportliche Chassis ließen sie selbst bei unserem großen A1-Vergleich im Jahr 2018 noch sehr gut dastehen. Einzig die Optik… naja, hier hatten wir bereits besseres von der Konkurrenz gesehen. Wo setzt also das 2020er Modelljahr der Yamaha MT-125 an und wie wirken sich die Veränderungen aus?

Motor und Leistung der Yamaha MT-125 2020

Sehr unauffällig surrt der Einzylinder, als wir ihn am Vormittag zum Leben erwecken. Noch lässt er nicht vermuten was in ihm steckt und dass er sich deutlich von den Aggregaten der Konkurrenz unterscheidet. Klar, wir sprechen immer noch von A1-konformen 15 PS bei 10.000 U/min und 11,5 Nm Drehmoment bei 8.000 U/min, doch eine Besonderheit hat dieser Motor: die variable Ventilsteuerung VVA (Variable Valve Actuation). Diese arbeitet mit zwei Nockenwellenprofilen, die je nach Drehzahl zum Einsatz kommen. Während bei niedrigen und mittleren Drehzahlen die Öffnungszeiten der Ventile kurzgehalten werden, um Verbrauch und Ansprechverhalten zu optimieren, öffnen sich die Ventile ab einer Drehzahl von 7.400 Umdrehungen länger und weiter, um der Sportlichkeit zugute zu kommen.

Yamaha MT-125 2020 Beschleunigung: kräftig und kontrollierbar

Doch wie verhält sich der Einzylinder mit seiner in dieser Klasse ungewöhnlichen Ventilsteuerung in der Praxis? Waren variable Ventilsteuerungen früher im Motorradbau zum Teil als unkontrollierbar bekannt, ist dies heute nicht mehr der Fall – besonders in dieser Leistungsklasse. Die Technologie dient vorrangig der effizienten Abstimmung des Motors und ist während der Fahrt somit kaum merk- oder hörbar. Trotzdem überrascht der kleine Einzylinder mit kernigem Sound, der intensiver wird, je höher man das Drehzahlband nach oben klettert. Will man die MT-125 sportlich bewegen, muss das Naked Bike nämlich mit hoher Drehzahl gefahren werden – einmal den falschen Gang gewählt, schon verliert man wieder wichtige Meter auf der Landstraße. Mal wieder ein Paradebeispiel dafür, dass 125er Bikes ein Quell der Freude sind, denn auf ihnen muss richtig hart gearbeitet werden, um die beste Performance zu erzielen!

Deutlich spürbarer als die VVA ist die neue serienmäßige Assist- und Anti-Hopping-Kupplung, die nicht nur die benötigte Kraft am Hebel verringert, sondern auch ein Stempeln des Hinterrads verhindert.

Noch immer stabil trotz kürzerem Radstand? Yamaha MT-125 2020 Chassis

Die alte MT-125 war für ihre hervorragende Stabilität bekannt. Wenn man es wollte, konnte sie ohne Probleme am Knie durch enge Radien bewegt werden und auch schnelle Kurven meisterte sie mit Bravour. Die neue MT-125 machte uns beim ersten Blick auf das Datenblatt etwas Sorge: dank neuem Deltabox-Stahlrahmen und der neuen Aluminium-Schwinge wurde der Radstand um 30 mm gekürzt und der Schwerpunkt leicht erhöht – zwei Faktoren, die gegen eine gute Spurtreue arbeiten. Doch Yamaha hat diesen Umstand clever gelöst: die Sitzposition wurde einfach radikal geändert und auf das Vorderrad orientiert. Mit der aufrechten Haltung des Körpers und dem breiten Lenker erinnert das Sitzdreieck ein wenig an das der beliebten KTM 125 Duke und fühlt sich auch dementsprechend Supermoto-ähnlich an.

Somit wird die MT-125 in der Stadt sehr agil und lässt sich wunderbar durch Autokolonnen durchzirkeln, während die Linie in enge Kurven auf der Landstraße präzise über den Lenker gewählt werden kann. An dieser Stelle muss großes Lob an das Fahrwerk ausgesprochen werden.

In der Stadt hart an der Grenze, auf der Landstraße perfekt

Denn auch die Fahrwerkskomponenten wurden für 2020 angepasst und von der supersportlichen YZF-R1 übernommen. Sowohl die 41 mm USD-Gabel, als auch das Federbein stammen von Kayaba, lassen sich jedoch nicht verstellen. Aufgrund der vorderradorientierten Sitzposition wurde die Abstimmung des Federbeins ein wenig softer gewählt als bei der R125, was zunächst für deutlich mehr Komfort spricht – doch leider nur theoretisch. Yamaha will mit der MT-125 definitiv ein sehr sportliches Naked Bike auf die Straßen bringen, was sich im Stadtverkehr im Rücken spürbar macht. Schlaglöcher und unebene Straßen kommen direkt im Körper des Fahrers an, was auf lange Dauer etwas ermüdend wirkt. Die 810 mm hohe Sitzbank schafft hier ein wenig Abhilfe, denn obwohl sie relativ straff gepolstert ist, verfügt sie über genügend Komfort für längere Ausfahrten.

Erst auf kurvigen Landstraßen sind der Schmerz und all die Schläge ins Rückgrat vergessen, denn hier erwacht das neue Chassis der MT-125 zum Leben. Wahnsinnig präzise lässt sich das Naked Bike durch die Radien zirkeln, gibt dabei immer positives Feedback zum Vorderrad und ermutigt zu noch mehr Schräglage und noch mehr Speed. Dabei ist es Yamaha hoch anzurechnen, dass trotz der aufgewerteten Komponenten an Motor und Chassis das Gewicht der MT-125 bei 140 kg (fahrbereit und vollgetankt) geblieben ist. Somit lassen sich auch leichte Korrekturen in der Kurve mithilfe des Breiten Lenkers spielerisch umsetzen. Unsere Testbikes waren mit dem Michelin Pilot Street ausgestattet, der im Heck nun in einer 140er Dimension kommt und bei unseren Bedingungen perfekt funktioniert hat.

Yamaha MT-125 Höchstgeschwindigkeit und Verbrauch

In Anbetracht des reinen Wettbewerbs steht die 125er Klasse vor einer Herausforderung: das Leistungslimit liegt bei 15 PS. Somit müssen die Hersteller an anderen Aspekten ansetzen, um die Kundschaft zu überzeugen. Stichwort: Verbrauch und Top Speed. Hier gibt es bei der Yamaha MT-125 gute Neuigkeiten: mit genügend Geduld erreicht das Naked Bike knapp 130 km/h (lt. Tacho), ohne dabei an Stabilität zu verlieren. Selbstverständlich pfeift der Einzylinder dann bereits aus allen Löchern und der Wind prallt ungebremst gegen den Helm – doch wenn man es will, sind sogar kurze Autobahnetappen möglich.

Auch im Verbrauch kann das Yamaha Hyper Naked überzeugen. Auf unserer Tour, die aus einem Zyklus aus Stadt, kurvigen (und bergigen) Landstraßen und einer kurzen Autobahnetappe bestand, gönnte sich die MT-125 durchschnittlich nie über 2,5 Liter auf 100 Kilometer. Dass der Gashahn dabei selten unter 100 Prozent geöffnet war, muss glaube ich nicht extra erwähnt werden ;-). In Kombination mit dem neuen 10 Liter Tank (1,5 Liter weniger als zuvor) sollte somit eine Reichweite von knapp 400 Kilometer möglich sein – ein guter Wert in dieser Klasse.

The Dark Side Of Japan – das Design der neuen MT-125

Yamaha polarisiert. Seit der MT-10 und der aktuellen MT-09 setzen die Japaner auf die neue Designsprache, die insbesondere an der Maske auffällt und nun auch auf das kleinste Hyper Naked Bike abgefärbt hat. Zwei LED-Positionsleuchten dominieren die Front, während eine kleine LED-Einheit für Abblend- und Fernlicht sorgt. Ein Design, das gefallen muss – Aufmerksamkeit erregt es jedoch garantiert! Auch das Heck bekam dank eines eigens für die MT-125 gefertigten Heckrahmens eine neue Optik, sowie ein LED-Rücklicht, das wir bisher im Yamaha Line-Up noch nicht gesehen haben. Da enttäuscht es umso mehr, dass die LED-Blinker nur als Original-Zubehör erhältlich sind und nicht serienmäßig verbaut werden. Doch bis auf diesen Wermutstropfen wirkt die Yamaha MT-125 sehr gedrungen und braucht sich vor ihren größeren Schwestern keineswegs verstecken!

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Yamaha MT-125 Preis, Verfügbarkeit und Farben

Die Produktion der neuen Yamaha MT-125 ist zum Zeitpunkt des Tests bereits in vollem Gange, weshalb die ersten Exemplare in den kommenden Wochen bei den Yamaha Händlern eintreffen werden. Die Japaner setzten sich das Ziel, den Preis der neuen MT-125 nicht zu erhöhen, machten jedoch klar, dass es immer vom jeweiligen Markt abhängig ist. Preise und Verfügbarkeit der neuen Yamaha MT-125 findet ihr am 1000PS Motorrad Marktplatz. Dort werdet ihr das Naked Bike in drei Farben finden: Ice Fluo, Icon Blue und Midnight Black.

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Fazit: Yamaha MT-125

Modellwechsel richtig gemacht! Mit der neuen MT-125 hat Yamaha den Vogel abgeschossen. Der herrliche Einzylinder gepaart mit dem sportlichen Chassis bringt unglaublichen Fahrspaß, der keine Altersgrenzen kennt. Egal ob jung oder alt – mit solch fahraktiven Eigenschaften muss sich die Konkurrenz warm anziehen! Aufgrund ihrer sportlichen Auslegung muss vielleicht der Alltagskomfort leiden, doch sobald die Straßen kurvig werden, verzeiht man der MT-125 ihre Härte. Ein Motorrad, das man mit viel Stolz besitzen kann!

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Vorteile
  • Durchzugsstarker Motor
  • Sportliches Chassis
  • Fahraktive Sitzposition
  • Neues LC-Display
  • Aufsehenerregende Optik
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Nachteile
  • Fahrwerk im Alltag etwas straff
  • LED-Blinker nur im Zubehör erhältlich

Bericht vom 05.12.2019 | 14.760 Aufrufe

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