Energica Eva EsseEsse9 2019 Test, Fazit

Energica Eva EsseEsse9 2019 Test, Fazit

Herrliche Elektropower aus Italien in der Schweiz!

Was tun, wenn es ganz leicht nieselt und man 200 Newtonmeter Drehmoment auf einem Elektro-Motorrad unter dem Hintern hat?! Na einfach Gas, Verzeihung, Strom geben! Denn abgesehen davon, dass die Kraftentfaltung der Energica Eva 107 und ihrer etwas gezähmten Schwester Eva EsseEsse9 äußerst harmonisch einsetzt, verfügen die 2019er-Modelle nun auch allesamt über eine Traktionskontrolle. Ein Fahrbericht, der besonders unter Spannung steht!

Wenn es um Elektropower bei Motorrädern geht, denken viele schnell an unbändige Kraft und noch mehr an ein aberwitziges Drehmoment, das nur schwer zu kontrollieren ist. Die Wahrheit sieht aber etwas anders aus: Natürlich schieben die Energica-Modelle schon vom Stand weg unglaublich an, die Kontrolle hat der Fahrer aber stets voll im Griff – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn man kann sowohl mit der etwas schwächeren Energica Eva EsseEsse9, die es „nur“ auf 180 Newtonmeter Drehmoment und rund 109 PS bringt, als auch mit der stärkeren Energica Eva mit ihren 145 PS und 200 Newtonmeter durchaus gemächlich loslegen.

Energica Eva 107 und EsseEsse9 – unfassbare Beschleunigung, gut kontrollierbar

Der Elektroantrieb hat nämlich den Vorteil, dass die Leistungsabgabe äußerst homogen erfolgt und kein einziges Mal durch einen Schaltvorgang unterbrochen wird. So generiert man auch erstaunlich einfach unfassbare Beschleunigungswerte von unter 3 Sekunden auf 100 km/h. Das Besondere an den Energicas ist, dass der Motor sehr standfest und thermisch unempfindlich ausgelegt ist. Also anders als bei einigen Mitbewerbern nicht auf kurze – leider nicht wiederholbare – Spitzenleistung, sondern immer die gleiche Power abliefernd, da das Triebwerk auf knapp 60 Prozent des maximal Möglichen läuft.

Adrian von Büren von e-performance.ch spricht ehrliche Worte

Damit kommt Energica auf ohnehin unfassbare Leistungsdaten, die aber immer wieder abrufbar sind und nicht etwa nur einmal, bevor der Motor durch die Elektronik geschützt werden muss, um nicht zu überhitzen. Ein weiterer Punkt, der damit einher geht, ist die hohe Effizienz des Akkus, der somit optimal seine Kapazität ausschöpfen kann. Beim ehrlichen und netten Gespräch mit Adrian von Büren von e-performance.ch – von allen, die ihn gut kennen ganz bezeichnend „Elekro-Adi“ genannt und zuständig für Energica in der Schweiz - werden unverhohlen die realen Werte besprochen. Immerhin nützt es laut Adi niemandem, Fabel-Reichweiten anzugeben, die keiner im normalen Betrieb schaffen kann.

Wie weit kommt man eigentlich mit einer Elektro-Energica?

Denn tatsächlich sind weit über 200 Kilometer Reichweite möglich, dann kann man laut Adi aber gleich Moped fahren – am liebsten die feschen Kumpan-Elektroroller, die Adi ebenfalls in der Schweiz vertreibt. Aber wer ein Elektro-Motorrad besitzt, um diesen einzigartigen Antritt zu genießen, kann mit rund 150 Kilometer rechnen, garantieren kann Adi selbst bei ineffizientester Fahrweise 100 Kilometer, also 1 Kilometer pro Akku-Prozent. Denn Adi macht sehr gerne geführte Touren mit seinen Energicas, damit er den Leuten das Thema optimal näher bringen kann und sich einige Telefonate mit nervösen Kunden erspart –spätestens oben am Pass rufen ihn oftmals die Leute an und berichten ihm verunsichert, dass nur noch 49 Prozent Akkustand angezeigt würden. Dazu kann Adi nur lächeln und beschwichtigen: Beim Bergabfahren braucht man eigentlich keine Energie sondern speist sogar durch die sogenannte „Rekuperation“, die beim Bremsen wieder Energie gewinnt, Strom in den Akku ein. Adis Sohn Marco, ebenfalls mit dem Elektro-Virus infiziert und Profi bei Sena-Kommunikationsgeräten, wirft ein, dass er nicht erst einmal mit 3 Prozent mehr Akku im Tal angekommen ist.

Wo kann man tanken, respektive laden?

Die Reichweite ist zur Zeit also nur geringfügig weniger als bei Motorrädern mit Verbrennungsmotor, wir kennen sogar einige benzinbetriebene Exemplare, die noch weniger schaffen. Denen reicht dann allerdings eine stinknormale Tankstelle, deren Netz in den letzten 100 Jahren mehr oder weniger flächendeckend ausgebaut wurde. Das steht den Elektro-Zapfsäulen noch bevor, allerdings gibt es auch jetzt schon unzählige Möglichkeiten, seine Energica erstaunlich schnell zu laden. Das Steckersystem macht´s möglich, die, bei Energica verwendeten Anschlüsse erlauben vielerorts eine Nachladung von rund 80 Prozent in nur 20 Minuten – ein nettes Plauschert (Tratscherl, Gespräch) oder ein kleiner Kaffee und weiter geht´s. Adi gibt wieder sympathisch zu, dass Touren mit der Energica ein klein wenig mehr Planung brauchen – also nicht völlig auf gut Glück in die Prärie hinaus reiten, sondern doch in eine Gegend, wo es dann die Möglichkeit zum Nachladen gibt. Aber wie schon erwähnt, gehen sich knapp 150 Kilometer problemlos aus, was vielen Motorradfahrern für eine Tour ohnehin völlig ausreicht. Und jede Energica verfügt über eine praktische App, die am übersichtlichen Farb-TFT-Display die nächste Ladestation anzeigen kann.

Irrer Sound auf Energica Eva 107 und Eva EsseEsse9

Und wie fährt sich eine Energica nun für jemanden, der das Motorradfahren mit Verbrennungsmotoren liebt? Ganz normal, würde ich sagen, jedenfalls ohne Eingewöhnung. Das höhere Gewicht der Energicas, das dem soliden Motor-Akku-System geschuldet ist, spürt man am ehesten beim Rangieren, die 280 Kilo sind schwerpunktgünstig untergebracht. Dafür beeindruckt der Sound gewaltig, dass Elektromotorräder langweilig leise wären, kann jeder, der schon mal eine Energica bewegt hat, eindeutig leugnen. Es surrt vom Stand weg und wird immer lauter, mich persönlich erinnert es am ehesten an einen 600er-Supersportler, der ja auch nach Drehzahlen giert. Und so wie der Sound keineswegs schlecht ist, haben die Tüftler bei Energica auch eine innovative Methode für ein sicheres Rangieren allen Modellen eingepflanzt: Mit nur einem Tastendruck kann jede Energica in einen Krichgang wechseln, der sie aus jeder Parklücke manövriert, mit einem weiteren Tastendruck das Ganze auch nach vorne.

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Hochwertige Komponenten an jeder Energica

Ebenfalls keine halben Sachen macht Energica bei den Komponenten, die vordere Brembo-Doppelscheibenanlage mit 330 Millimeter Durchmesser und radial montierten Monobloc-Brembo-Bremszangen packt beherzt zu, während die Marzocchi-Gabel an der Front und das Bitubo-Monofederbein hinten bemüht sind, einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort zu schaffen. Mir persönlich gefällt die Eva EsseEsse9 mit ihren unzähligen feinen und hochwertigen Details an der klassischen Außenhülle am besten, aber auch die Eva 107 hat Einiges zu bieten und überzeugt am Ende durch den noch schärferen Antrieb. Am meisten Sport bietet im Übrigen die Energica Ego, die sich mit ihrer Superbike-Verkleidung und den Lenkerstummeln tatsächlich für die Rennstrecke empfiehlt. Denn schon in Kürze startet Anfang Juli am deutschen Sachsenring die „MotoE“-Rennserie als Rahmenprogramm zur MotoGP, bei der alle Piloten auf Energica Ego an den Start gehen.

Für Spannung ist logischerweise gesorgt

An Spannung sollte es schon rein wegen des elektrischen Antriebs nicht fehlen, bereits die Eckdaten der straßenzugelassenen Ego faszinieren: So wie bei der nackten Eva liegen 145 PS zwischen 4900 und 10.500 Umdrehungen an, das Drehmoment von 200 Newtonmeter sogar von 0 bis 4700 Touren! Für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h sollen ebenfalls weniger als drei Sekunden vergehen und als Topspeed gibt Energica 240 km/h an. Das alles wird bei der Rennversion bestimmt noch heftiger ausfallen - womit wir uns schon sehr auf atemberaubende Action im Rahmen der MotoGP-Wochenenden freuen können.

Wer Fragen zu Energica hat und ehrliche Antworten verkraftet, kann sich gerne an Adi von Büren von e-performance in der Schweiz wenden!

Gebrauchte und neue Energica-Modelle findet Ihr am besten über 1000PS in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Fazit: Energica Eva Esseesse9

Die etwas hübschere Eva – das ist aber natürlich subjektiv. Für die Eva EsseEsse9 spricht der klassische Look mit Rundscheinwerfer und vielen edlen Details, um vor dem Eissalon angeben zu können. Dass sie im Vergleich zur Eva 107 weniger Leistung und Drehmoment besitzt, fällt nur im direkten Vergleich auf, auch die EsseEsse9 stürmt beherzt und ununterbrochen nach vorne. Die noch bequemere Sitzposition macht sie zu wahren Tourenfreundin, wobei diese Touren zwecks Strom nachtanken gut geplant sein wollen. Wem 150 Kilometer Reichweite reichen, kann sich mit vollem Akku aber sofort auf den Weg machen.

1
Vorteile
  • Gewaltiger aber kontrollierbarer Antritt
  • keine Schaltvorgänge
  • coole Optik
  • bequeme Sitzposition
  • gute Bremsen
  • ausgewogenes Fahrwerk
  • Kriechgang vor- und rückwärts erleichtert Rangieren, gut ablesbares Farb-TFT-Display
1
Nachteile
  • (noch) eingeschränktes Strom-Tankstellennetz
  • Reichweite nur ca. 150 Kilometer
  • hohes Gewicht
  • teuer

Fazit: Energica Eva 107

Elektropower in einem Naked Bike kann enorm viel Spaß machen – zumindest, wenn es sich um die Energica Eva 107 handelt. Die Zahl im Namen steht für die kW, macht also gewaltige 145 PS, die nur vom noch beeindruckenderen Drehmoment getoppt werden: 200 Newtonmeter! Dennoch ist diese Kraft sehr einfach kontrollierbar, der Fahrer hat alles stets im Griff. Der Sound ist ebenfalls einzigartig, erinnert an einen 600er-Supersportler oder mit etwas mehr Phantasie an einen Düsenjet. Die Reichweite kann 150 Kilometer erreichen, lediglich die Stromtankstellen auf der Tour wollen vorher geplant sein. Dann steht auch weiteren Ausfahrten nichts im Weg, denn 80 Prozent Akku lassen sich in nur 20 Minuten nachladen.

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Vorteile
  • Gewaltiger aber kontrollierbarer Antritt
  • keine Schaltvorgänge
  • angenehme Sitzposition
  • gute Bremsen
  • ausgewogenes Fahrwerk
  • Kriechgang vor- und rückwärts erleichtert Rangieren, gut ablesbares Farb-TFT-Display
1
Nachteile
  • (noch) eingeschränktes Strom-Tankstellennetz
  • Reichweite nur ca. 150 Kilometer
  • hohes Gewicht
  • teuer

Bericht vom 11.06.2019 | 2.769 Aufrufe

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