KTM Super Duke R und Super Adventure S Test 2017

KTM Super Duke R und Super Adventure S Test 2017

337 PS im Land der Verkehrstodesstrafen

Mit der 177 PS starken KTM 1290 Super Duke R und der 160 PS starken 1290 Super Adventure S und Horst Saiger in der schönen Schweiz.

Natürlich wussten wir schon vor unserem erneuten Ausflug in die Schweiz von den unmenschlichen – und ich verwende dieses Wort in tiefem Ernst – Verkehrsstrafen, die uns erwarten, würde uns die Exekutive bei einer noch so kleinen und nichtigen Gesetzesübertretung der geltenden StVO in flagranti erwischen, oder einer ihrer unzählbaren Paparazzo-Roboter ein Actionbild von uns schießen. Aber die tatsächlichen, direkt überlieferten Horrorgeschichten aus erster Hand und aus dem Mund von Horst Saiger und KTM Sales Manager Gian Marco Badrutt machten die eiskalte Hand des Gesetzes plötzlich so greifbar, dass sie unsere Gashand lähmte und wir die beiden über 160 und 177 PS starken KTMs nicht von der Leine lassen konnten.

Ein Zeichen des Respekts

Es ist für uns ein Zeichen des Respekts, dass wir für unsere schweizer Zuseher/innen auch in unser schönes Nachbarland fahren, mit dem wir uns ja schließlich die Alpen und teilweise auch die Sprache teilen, um auf deren wunderschönen Straßen Motorrad zu fahren, um deren Erfahrungen zu teilen und deren Landschaften zu sehen und zu erleben. Insofern ist es gar nicht so schlecht, wenn man zum gemächlichen Touren gezwungen wird, weil man so die Umwelt, die Berge, die Seen, bewusster genießen kann. Die Kriminalisierung von Verkehrsdelikten verachte ich trotzdem.

Horst Saiger mit am Start

Jetzt hatten wir also über 330 PS verpackt in eine Bigenduro und das optisch wohl extremste Nakedbike am Markt, plus eine echten Straßenracer, der gerade wieder bei der Isle of Man startete, sowie einen local guide, der uns die besten Straßen um Schmerikon zeigen konnte und wir mussten praktisch strikt nach Vorschrift fahren. Na egal, die Super Duke R war ich ohnehin bereits auf der Rennstrecke gefahren und konnte mich von den Verbesserungen im Vergleich zum Vorgängermodell überzeugen. Durch einen breiteren, niedrigeren Lenker, eine härtere Gabelfeder und das insgesamt straffer abgestimmte Fahrwerk wurde die Front erheblich ruhiger und präziser.

Super Duke R Launch Control an der Ampel

Mit dem "Performance Pack" kommen die Motorschleppmoment-Regelung, der Quickshifter+ und das KTM MY RIDE-System dazu. Das ebenfalls optionale „Track Pack“ beinhaltet Launch-Control, eine Schlupfanpassung, einen „Track“-Fahrmodus, freie Auswahl der Zündkurven und das KTM MY RIDE. Aber wir sind ja On Street und nicht On Track, und deshalb reicht uns auch der normale Schaltautomat und die (optionale) Launch Control muss an der schweizer Ampel ebenfalls nicht zum Einsatz kommen. Wir wären vor dem dritten Versuch – danach schaltet sich die Launch Control ab und macht ein Päuschen – sicher im Häf’n gesessen. Die fetten Brembo-Monoblock-Bremsen, die Traktionskontrolle und das „Kurven“-ABS von Bosch sind da schon eher für die Straße zu gebrauchen, denn bei 177 PS und 142 Nm Drehmoment hat man gerne mehrere Schutzengerl an Board.

Die Super Duke kann auch entspannt

Früher wäre es eine Qual gewesen, mit der Super Duke gemütlich fahren zu müssen, es war geradezu unmöglich. Heute kann das 1301 Kubik große und nur 62 kg leichte V2-Monster auch zahm sein, wenn man gerade nicht in der Stimmung zum Stressmachen ist. Schließlich stehen bereits bei 2500 Touren 100 Nm Drehmoment an und deshalb kann man die Super Duke fast so sachte fahren wie eine Harley. Trotzdem zog uns eine unsichtbare Macht stark Richtung österreichischer Grenze, denn wir wollten das Biest von der Leine lassen. Doch das ging nicht.

Etwas weniger agil

Und so lernten wir die Super Duke R mal von einer anderen Seite kennen – der langsamen. Was mir beim Handling aufgefallen ist und auf der Rennstrecke ausnahmslos positiv war: Durch die zuvor beschriebenen Änderungen an der Front wurde sie stabiler, ruhiger, aber auch etwas weniger leicht über den Lenker steuerbar. Während man sie früher richtig an den Hörnern packen konnte und in die Kurven drücken bzw. wieder hochziehen, spürt man nun etwas Widerstand. Das ist natürlich bei so einem irren Handling, bei dem man noch immer ein paar Supermoto-Gene rausspürt, zu vernachlässigen und vielleicht nur Gewohnheit, aber dennoch ist es mir auf der Straße durch die aufrechtere Fahrposition stärker aufgefallen als auf der Rennstrecke.

Super Adventure S: Unten mehr Drehmoment als die Super Duke R

Unser zweites Motorrad ist von seiner Natur her eigentlich genau das Richtige für unsere entschleunigte Ausfahrt, doch KTM baut nun mal nichts, das auch nur irgendetwas mit „Entschleunigung“ zu tun hat. KTM baut Ready to Race und In your Face. Deshalb hat die 1290 Super Adventure R auch das Super und das R im Namen und 160 PS sowie 140 Nm im Motor. Bei ihr stehen bei 2500 Touren sogar schon 108 Nm Drehmoment zur Verfügung. Auch sie ist mit Kurven-ABS, Traktionskontrolle und Fahrmodi ausgestattet. Allerdings verfügt sie serienmäßig auch über ein semiaktives WP-Fahrwerk, das ich sogar während der Fahrt auf Comfort, Street, Sport oder Offroad stellen kann. Ebenfalls per Knopfdruck anpassen lässt sich die Federvorspannung des Federbeins. Das Menü wird auf dem neuen TFT-Bildschirm angezeigt, die Menüführung ist bei KTM von je her intuitiv.

Bitte kein Keyless-Go!

Die Super Duke hat vorne einen neuen Scheinwerfer mit einem Aluminium-Gehäuse, das auch als Kühlkörper dient. Die Super Adventure hat zudem ein integriertes Kurvenlicht, bei dem sich verschiedene Sektoren je nach Schräglage zuschalten und so den Kurveneingang stärker ausleuchten. Darauf konnten wir bei schönstem Sonnenschein verzichten. Ganz verzichten könnte ich auf das Race On-System, also das Keyless Go von KTM, das auch den Tankdeckel sperrt. Auch diesmal haben wir einen Schlüssel „verschlampt“ und der orange Mann musste am nächsten Tag nochmal kommen, um ihn abzuholen. Irgendwie verliert und verlegt man die Schlüssel durch das schlüssellose System leichter als bei einem normalen Zündschloss.

Super Adventure S besser (?)

Auf der öffentlichen Straße gefällt mir die Super Adventure besser als die Super Duke. Sie erregt zwar nicht soviel Aufmerksamkeit und man fühlt sich nicht so übermächtig und unantastbar wie auf dem Naked Bike, aber im Grunde ist sie genauso schnell wenn nicht sogar – phasenweise – schneller, weil sie mit längeren Federwegen von 200 mm mit schlechten Straßenbelägen besser zurecht kommt. Zudem ist natürlich das elektronische Fahrwerk ein Segen für Sportlichkeit und Sicherheit, was dazu führt, dass man extrem entspannt sehr schnell sein kann. Ich mag auch die höhere Geometrie und den Lenker, mit dem ich besser meinen Fahrstil umsetzen kann. Durch den längeren Hebel fährt man die Bigenduro auf Wunsch wirklich fast wie eine Supermoto und kann, wie auch auf der Super Duke, nicht glauben, dass ein 1301 Kubik V2 unter einem hämmert.

Bei KTM steht der Fahrer im Zentrum

Es ist schon meisterlich, welche Manieren KTM seinem Powerhouse beigebracht hat, ohne dabei den Fokus auf die maximale Performance und das bestmögliche, unverfälschte Fahrerlebnis zu verlieren. Im Zentrum steht in Mattighofen immer der Fahrer, dem die Elektronik dienen, aber nicht im Weg stehen soll. Die Sorge, dass man zwischen all den Bits and Bytes die Verbindung zur Straße verliert, ist in der Welt oranger Orgiastik unberechtigt. Hoffen wir, dass sich das nie ändern wird.

Bericht vom 19.06.2017 | 24.004 Aufrufe

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