BMW C 650 Sport und C 650 GT Test 2015

BMW C 650 Sport und C 650 GT Test 2015

Cimple Moritz steigt auf

BMW Neuheiten 2016: Die neue BMW C 650 Sport und C 650 GT 2016! 24 Grad, Sonnenschein, Valencia, der optimale Ort für die Präsentation der neuen Roller Modelle von BMW. Testbericht, Bilder und Video zu den neuen Rollern C 650 Sport und C 650 GT.

Als ich die neue BMW C650 Sport das erste Mal sah, hat mich das neue Design sofort begeistert. Sportlich aggressiv wirkt der Scooter von vorne, wie aus einem Guss, bereit die Straßen von Valencia einzusaugen, um sie hinten beim Doppelauspuff wieder auszuspucken. Das mehrfach manuell verstellbare Windschild, in der untersten Position eingerastet, verleiht der sportlichen Optik noch einen zusätzlichen Touch, hier komme ich, Platz da, faucht mich der Roller an. Am liebsten würde ich gleich damit losfahren, schließlich bin ich ja ein "Sport Typ", aber ich muss mich noch gedulden, denn die Jungs von BMW wollen uns noch die Neuerungen präsentieren.

Besserer Sound trotz EURO 4.

Eine optimierte Abgasanlage soll, trotz EU4 Norm, einen sportlicheren Klang produzieren und tut es auch, die Kupplung und das CVT (Variomatik) wurden verbessert, um jegliche Verzögerungen beim schnellen Ampelstart zu vermeiden, das LED Tagfahrlicht mit automatischer Umschaltung auf Abblendlicht, z.B. im Tunnel, schaut wirklich super aus, man kann damit gar nicht mehr übersehen werden, die Sitzbank gibt es auch in einer niedrigeren Höhe und die Heizgriffe und Sitzheizung (für Fahrer und Sozius getrennt regelbar) werde ich sowie bei den Kollegen testen (und ja, unser spanischer Guide spürte auch nach kurzer Zeit, dass ich ihm die Heizgriffe heimlich an der Ampel aktivierte).

ABS und ASC nicht abschaltbar.

Damit das ABS eingreift, muss man wirklich hart den Anker werfen und das ASC (Schlupfregelung über das Motormanagement) bemerkte ich nur beim Ampelstartduell auf rutschigem Untergrund. ABS und ASC sind nicht abschaltbar. Auch der Hauptständer wurde einer Verbesserung unterzogen, durch eine veränderte Geometrie ist das Aufbocken jetzt tatsächlich wesentlich einfacher, was der Praxistest mit einer Kollegin bestätigte. Ich persönlich nutzte nur den Seitenständer, denn sobald dieser ausgeklappt, wird die hintere Bremse aktiviert. Damit steht der Roller immer bombenfest, auch auf einer Schräge.

Nils hat mir ja verboten zu stürzen (politisch korrekt adaptierter O-Ton: "Ich wäre in 15 Jahren 1000PS der Erste, der bei einer Präsentation ein Testobjekt wegwerfen würde und ich brauche in so einem Fall gar nicht mehr nach Österreich kommen.") und so durfte ich dieses Feature nicht vor der High Society Tapas Bar in Valencia einem "Einefetza" Praxistest unterziehen, in dem ich in leichter Schräglage die Parklücke ansteuere und durch Ausklappen des Seitenständers einen Heckrutscher direkt in die Parklücke fabriziere und am Ständer zum Halten komme (mit Sturzwahrscheinlichkeit).

Side View Assist

Bei dem C 650 GT präsentierte BMW auch eine Weltneuheit, nämlich einen Side View Assist für Zweiräder. Sensoren, die vorne und hinten angebracht sind, erkennen Fahrzeuge im toten Winkel und warnen entsprechend mit in den Blinkerfuß integrierten Warnleuchten. Hier in Valencia ein nutzbares Feature, denn in einem achtspurigen Kreisverkehr gepaart mit dem spanischen Vorfahrts-Testosteron der anderen Verkehrsteilnehmer kann ein Mitteleuropäer schnell den Überblick verlieren.

Im zweiten Quartal 2016 bringt BMW dann noch einen speziellen Smartphone Halter auf den Markt, der sogar ein iPhone 6 plus gut gedämpft und von äußeren Einflüssen geschützt aufnimmt und mit Strom versorgt, als auch eine Bedienung mit Handschuhen zulässt.

Praxistest des C 650 GT

Aber genug Theorie, schließlich zählt nur die Praxis und ich will ja testen. Ein Blick auf die Gruppeneinteilung zeigt mir, ich beginne mit dem C 650 GT. Die perfekte BMW Organisation hat wohl nicht die Rufe des C 650 Sport gehört, der mich als "Sport Typ" schon bei der ersten Begegnung ausgewählt hatte. Dadurch etwas enttäuscht übernehme ich den C 650 GT. Nach einer kurzen Einweisung durch BMW verstaute ich meinen Riesenrucksack mit dem ganzen Kameraequipement unter dem Sitz, wo Platz für 2 Integralhelme ist, steckte mein Handy an die Zigarettenbuchse im linken "Handschuhfach" an, adjustierte das elektrisch verstellbare Windschild nach "ganz oben" (max. Windschutz) und so fuhren wir zur ersten Tour in die Hügeln im Umfeld von Valencia.

Positiv überrascht war ich dann, wie bequem und perfekt die Sitzposition ist. Ich fühlte mich sofort wohl und trotz 261kg (ohne Fahrer) war der C 650 GT äußerst einfach zu bewegen. Der Side View Assist informierte mich mit wechselndem Erfolg über mein Umfeld und der Motor setzte ohne Verzögerung meine Befehle über den Gasgriff um, was man durch die direkte Anbindung des Motors an den Rahmen in der Form von leichten Vibrationen auch spürte. Soweit alles im grünen Bereich.

Mit dem Riesendampfer durch die Spurgasse.

Nur als ich den Spurgassenvorstoß an der Ampel testete, bemerkte ich, auf welchem Riesendampfer von Roller ich eigentlich sitze. Für die rasche Überwindung eines Staus durch das Durchfahren zwischen den Autos im engen Stadtverkehr ist dieser Roller weniger geeignet. Damit steht man quasi gemeinsam mit den Autos im engen innerstädtischen Stau. Auf der Autobahnetappe konnte ich dann die Vorzüge des optimalen Windschutzes erkennen. Bei Körpergrößen kleiner als 185cm ist man jedenfalls sehr gut geschützt, optimal für die kühlere Jahreszeit.

Die kurze Bergetappe nutzte ich zur forschen Fahrt und jagte mit dem GT die engen kurvigen Straßen das Hügerl hinauf. Noch nie bin ich bequem in eine Sänfte eingebettet eine Pass-ähnliche Strecke raufgehetzt. Das Fahrwerk schluckt Unebenheiten und das ABS bestätigt höchstens den eh schon spät gesetzten Bremspunkt. Kurz und bündig, komischerweise taugt mir der C 650 GT und das obwohl ich vorab sehr skeptisch diesem Schiff von Roller gegenüber war. Er fährt sich echt gut. Trotzdem wäre er mir persönlich, als reinem Stadt-Rollerfahrer, zu groß, um im innerstädtischen Verkehr rasch Meter zu machen.

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Praxistest C 650 Sport

Nach Mittag erfolgte der Wechsel der Fahrzeuge, endlich kann ich den C 650 Sport testen. Rein vom Aussehen darf man zum C 650 Sport eigentlich weder Roller noch Maxi Scooter sagen, man müsste eine neue Klasse für ihn benennen, Sport Scooter, oder Maxi Plus Scooter, oder Super Scooter. Das LED Tagfahrlicht verschärft den optischen Auftritt von vorne. Der Sound spiegelt die 2 Zylinder wieder und ist gut hörbar, ohne lästig aufdringlich zu wirken. Ich freute mich schon, endlich den Sport zu testen.

Doch der Test begann ganz anders als erwartet. Mein Riesenrucksack passte nicht unter die Sitzbank. Zwar hat der C 650 Sport dieses ausklappbare Zusatzfach für einen zweiten Integralhelm, aber klappt man dieses Fach aus blockiert BMW die Zündung, denn das Fach dient nur als Laderaum am Stand. Dann benötigte ich viel länger, um meine optimale Sitzposition zu finden, denn die ganze Geometrie von Sitz, Fußstützen und Lenker sind anders als am GT.

Straff und sportlich.

Die Sitzposition ist konstruktiv nicht so vorgegeben wie beim GT und der Sitz ist fühlbar härter, "Sport" eben. Auf der Autobahnetappe gab es diesen fast perfekten Windschutz wie am GT leider nicht mehr, wobei ich anmerken muss, dass ich die Scheibe in der mittleren Position fixiert hatte. Von den Fahrleistungen her sind beide Roller gleich, beide haben 60PS, was ich persönlich schade finde, denn hier hätte ich mir eine stärkere Unterscheidung zwischen GT und Sport gewünscht. Der Highspeedtest überzeugte mich wieder, als die Tachonadel die 180 km/h erreichte.

Große Vorteile beim Durchschlängeln zwischen Autokolonnen sehe ich beim Modell Sport im Vergleich zur GT nicht. Ein flinker Gasslhatzer-Ofen ist eben etwas anderes. Die Verarbeitungsqualität wirkt hochwertig, die Funktionen mit deutscher Gründlichkeit durchdacht und implantiert (z.B. die Reifendruckanzeige im Cockpit abrufbar). Im Fahrvergleich liefert der C 650 Sport mehr Rückmeldung von vorne und erlaubt mehr Körperbewegung in fahrdynamischen Situationen, ist dafür aber auch merklich unbequemer (z.B. Windschutz, Sitzbank, Sitzhaltung) als der GT.

Roller oder Motorrad?

Ob man die beiden neuen Modelle von BMW überhaupt noch Roller nennen sollte, frage ich mich schon die ganze Zeit. Eigentlich ist der BMW C 650 ein Motorrad mit den Vorzügen eines Rollers. Ich glaube die Entwicklung geht in Richtung große und noch leistungsstärkere „Super Scooters“. Viele Motorradfahrer haben schon als Zweitfahrzeug einen Roller in der Garage stehen und gerade diese Zielgruppe möchte stärkere Scooter. Mancher wird dann vermutlich sein Motorrad verkaufen, wenn man an den Vorzügen Gefallen gefunden hat. Beim Preis sind die beiden BMW Modelle definitiv mehr Motorrad als Roller. Dieser beginnt ab 11350.- (Preis Deutschland) und über Zusatzpakete gibt es weitere Ausstattungsmöglichkeiten.

Ich muss leider gestehen, persönlich fand ich den GT besser, und dieses Eingeständnis trifft mich als "Sport Typ" wirklich hart. Vermutlich liegt es am komfortablen Sitz und dem hervorragenden Windschutz, die meine Bequemlichkeit unterstützt. Von der Optik wäre aber der Sport erste Wahl.

Text & Video: Cimple Moritz – Fotos: Jörg Künstle, Arnold Debus, Bernhard Limberger, Peter Musch

Motorradneuheiten 2016 Testberichte:

BMW Neuheiten 2016

Fazit: BMW C 650 GT

Der C 650 GT bietet sehr gute Eigenschaften für Überlandstrecken (gutes Fahrwerk, ABS, ASC, bequeme Sitzbank, super Windschutz, ausreichend Fahrleistung für die heutigen Geschwindigkeiten auf den Straßen und viel Stauraum). Als zusätzliche Features für den Stadtbereich gibt es u.a. Side View Assist, Alarmanlage, oder eine automatische Bremse beim ausgeklappten Seitenständer.

1
Vorteile
  • hoher Komfort
  • Windschutz
  • Stauraum
1
Nachteile
  • optisch etwas bieder
  • ausladende Formen

Fazit: BMW C 650 Sport

Der C 650 Sport hat ein sehr sportliches Design und wirkt wesentlich leichtfüßiger als der GT. Ich würde den Einsatzbereich des Sport in einer Mischung aus Stadt, Umland und ggf. einer kleinen Tour am Wochenende sehen. Und natürlich als Statussymbol unter den Rollern. Fix ist, dass man mit diesem Ding sicher von vielen "Motorradfahrern" am Weg zur Kalte Kuchl gegrüßt wird, weil man bei der Optik von vorne keinen Roller vermutet.

1
Vorteile
  • sportliches Design
  • agiles Handling
1
Nachteile
  • dürftiger Windschutz
  • straffes Fahrwerk, dadurch weniger Komfort

Bericht vom 05.11.2015 | 43.702 Aufrufe

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