Kawasaki Versys 1000 2015 Test - mit Video!

Die Neuauflage der Kawasaki Versys 1000 mit seidigem Vierzylinder

Als kleine Schwester der großen ähnlich zu sehen, ist bestimmt kein Nachteil – vorausgesetzt, die große Schwester ist eine unheimlich fesche Katz´, die bereits im Vorfeld der Dorfjugend so sehr den Kopf verdreht, dass die Wiese für die kleine Schwester nun wie ein englischer Rasen gemäht ist. Bei den Kawasaki Versys-Schwestern ist das so ähnlich – nur eben ganz anders.

Da war nämlich zuerst die kleine Versys 650 am Start, die somit keine Möglichkeit hatte, sich an der großen Schwester zu orientieren. Und das ist im Nachhinein betrachtet auch besser so, denn das Design war, einer kleinen Enduro entsprechend, frech und fröhlich durchaus eine gewisse Fangemeinde ansprechend allerdings gewiss nicht so aggressiv und ernsthaft, wie es viele Kawasaki-Fans von einer Grünen erwartet hätten. Daran konnte auch die zweite Generation nichts ändern, die Front mit dem knolligen Scheinwerfer behielt zwar ihre Eigenständigkeit, mit Sport und Dynamik hatte das aber immer noch nicht allzu viel am Hut.

Als dann die große Schwester vor drei Jahren das Licht der Welt erblickte, war für viele Kawa-Fans überhaupt der Ofen aus - schenkt man den vielen Kritikern Glauben, so ist die erste Generation der großen Versys 1000 höflich gesagt alles andere als eine klassische Schönheit. Harte Worte für ein ansonsten sehr gutes Motorrad, aber wie so oft isst eben auch das Auge mit. Und glücklicherweise kommen mit der neuen Generation der Versys 1000 auch Designverliebte auf ihre Rechnung die Neue sieht mit ihren aggressiv geformten Doppelscheinwerfern extrem sportlich aus und trägt somit das durchaus bewährte Markengesicht aller neuen Kawasakis. Dass die große Versys ihrer kleinen Schwester Versys 650 damit zum Verwechseln ähnlich sieht, wird man damit wohl ganz gut verkraften lieber der kleinen Schwester ähneln als der Vorgängerin…

Nun endlich das typische Kawasaki-Design

Auch die typischen Kanten und scharfen Linien, die eine Kawasaki so sportlich aussehen lassen, wie sie ist, wirken gleich viel ernsthafter. An der technischen Ernsthaftigkeit gab es hingegen auch schon bei der Vorgängerin nichts auszusetzen und dementsprechend überschaubar fielen die Änderungen aus allesamt aber durchaus sinnvoll und sowohl dem Komfort als auch der Sportlichkeit zuträglich. Der Fahrkomfort wird durch ein vergrößertes und stufenlos höhenverstellbares Windschild verbessert einzige Kritik gebührt in dieser Hinsicht den Verstellrädern an der Außenseite der Scheibe, wodurch die Verstellung während der Fahrt nur mit akrobatischen Einlagen funktioniert und damit in Wahrheit nur im Stand. Ist die optimale Höhe aber erst einmal gefunden, funktioniert die Aerodynamik ausgezeichnet, Scheibe und Verkleidung schützen ordentlich vor Verwirbelungen und ließen mich die Kälte bei der Auffahrt auf den Ätna in Sizilien problemlos ertragen.

Für den nötigen Sitzkomfort sorgt nach wie vor eine sehr bequem gepolsterte Sitzbank, die mit 840 Millimeter Sitzhöhe auch eine klassenübliche Höhe bietet. Die komfortable Sitzbank ist schlau gewählt, denn dadurch konnte das Fahrwerk, das zwar voll, allerdings nicht elektronisch verstellbar ist, etwas sportlicher abgestimmt werden was natürlich auf einer Kawasaki durchaus Sinn macht. Resultat ist eine erstaunlich präzise und einfache Fahrbarkeit, mit der sich Kurven ganz einfach durchzirkeln lassen. Und wenn man ganz ehrlich ist, fährt sich die Versys 1000 verglichen mit ihren beiden Schwestern Z1000 und Z1000 SX, mit denen sie sich das Triebwerk teilt, am harmonischsten.

Und der Reihen-Vierzylinder passt doch!

Damit wäre ich auch schon beim Motor, jener Reihen-Vierzylinder mit 1043 Kubik Hubraum, der in den beiden Z-Schwestern zwar brachialer aber auch etwas unkultivierter zu Werke geht. In der Versys 1000 tritt er hingegen als Allrounder auf, der mit 120 PS keine Rekorde brechen möchte, dafür sein höchstes Drehmoment von 102 Newtonmeter bei 7500 Umdrehungen abliefert und bereits bei 4500 Touren 95 Newtonmeter erreicht - womit nach wie vor bestätigt wird, dass ein Reihen-Vierzylinder in einer großen Reise-Enduro keineswegs fehl am Platz ist. Im Vergleich zur Vorgängerin sind es allerdings nur 2 PS mehr ein Indiz dafür, dass die Techniker am Triebwerk nicht allzu viel feilen wollten bzw. mussten.

Allerdings bekommt nun auch die Versys 1000 zwei wählbare Leistungs-Modi, neben der vollen Leistung gibt es einen, um ein Viertel reduzierten Rain-Mode, der somit nur noch 90 sanft ansprechende Pferdestärken an das Hinterrad schickt. Ich persönlich habe diese Funktion allerdings selbst auf nasser Fahrbahn nur kurz getestet vorhanden, erledigt. Denn die 17 Zoll Bridgestone Battlax T30-Tourenreifen bieten genügend Nassgrip und die abschaltbare sowie in zwei Stufen verstellbare Traktionskontrolle gibt ausreichend Sicherheit oder rettet in brenzligen Situationen. Und so harmonisch, wie der Reihen-Vierzylinder über das gesamte Drehzahlband agiert, sind plötzliche Leistungsexplosionen kein Thema.

DIe Bremse war kein Kritikpunkt - trotzdem verbessert

An der Bremsanlage musste ebenfalls nicht viel optimiert werden, trotzdem spendieren die Grünen der Versys 1000 größere Bremsscheiben an der Front. Damit spricht die Vierkolben-Anlage mit den beiden 310 Millimeter-Scheiben im typischen Petal-Design sehr gut an und läßt sich nach wie vor mit wenig Handkraft präzise dosieren. Das abschaltbare Bosch-ABS zeichnet sich in der neuesten Generation durch noch sensibleres Ansprechen und somit durch noch unauffälligere Eingriffe aus.

Das ganz große Plus der Versys 1000 ist aber wohl der Preiszettel, auf dem weniger als 15.000 Euro in Österreich aufgerufen werden. Damit befindet man sich erst bei Orderung aller wichtigen Zubehör-Gimmicks auf dem Niveau so mancher nackter Konkurrentin. Besonders interessant ist das Tourer-Paket, das neben den hübsch integrierten und farblich abgestimmten Seitenkoffern (die sogar ohne hässliche Kofferträger auskommen) voraussichtlich auch noch Topcase, Heizgriffe, LED-Nebelscheinwerfer und andere sinnvolle Features umfasst. Kleine Kuriosität ist nur die Ganganzeige, die nicht direkt ins Cockpit sondern rechts unterhalb der Digitalanzeige positioniert ist und in leuchtend roten Ziffern den jeweils eingelegten Gang anzeigt. Eine interessante Lösung, deren einziger Schönheitsfehler ist, dass sie Aufpreis kostet bei anderen Herstellern in weitaus billigeren Modellen bereits seit Jahren Standard. Damit wollte die neue Versys 1000 offenbar ihre Schrulligkeit noch nicht völlig ablegen…

Fazit: Kawasaki Versys 1000

Die neue Kawasaki Versys 1000 ist kein völlig neues Modell – auch wenn sie vom Design her so aussieht. Sehr geschickt wurde die Optik an die derzeitige, aggressive Kawasaki-Linie mit zwei spitzen Scheinwerfern und vielen Kanten an der Front angepasst. Technisch wurde sie hingegen behutsam aufgemöbelt – dafür durchaus sinnvoll. Zwei Zusatz-PS lassen die Leistung auf 120 PS wachsen, die sich dank der herrlichen Reihen-Vierzylinder-Charakteristik ausgezeichnet fahren lassen. Das Fahrwerk entspricht dem sportlichen Anspruch einer Kawasaki, Ergonomie und bequeme Sitzposition lassen dennoch weite Reisen zu – wie es eben für eine Großenduro im Lastenheft steht. Mit sinnvollem Zubehör wie Kofferset, Topcase, Heizgriffen und Zusatz-Scheinwerfern wird die Versys 1000 zur ernsthaften Langstrecken-Tourerin – der vergleichsweise geringe Grundpreis macht diese Gimmicks durchaus leistbar.


  • Sportliche Optik
  • komfortable Sitzposition
  • kräftiger und kultivierter Reihen-Vierzylindermotor
  • verstellbares Windschild
  • stabiles Fahrwerk
  • gut dosierbare Bremsanlage
  • schlaues Zubehörprogramm
  • vergleichsweise günstiger Preis
  • Windschild nur im Stand verstellbar
  • Ganganzeige kostet Aufpreis

Bericht vom 12.01.2015 | 54.310 Aufrufe

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