BMW C 650 GT

Wir scheuchen den BMW-Luxusroller über die schönsten Pässe.
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BMW C 650 GT – Luxus mit sportlicher Note.

Dass der etwas kleinere und vom Namen her auch sportlichere Bruder des C 650 GT, der C 600 Sport auf Bergstrecken sehr gut funktioniert, haben wir bereits ausgetestet. Stellt sich nur die Frage, ob der C 650 GT ebenso dynamisch durch das Winkelwerk pflügt.
 
Die reine Papierform würde ja eher dagegen sprechen, dass der C 650 GT von BMW auch nur ansatzweise sportlich zu bewegen wäre. Bei 261 Kilo Gewicht auf 60 PS Leistung bei 7500 Touren und einer Optik wie ein Wohnzimmer-Fauteuil würde wohl niemand auch nur ansatzweise an Sport denken. Falsch. So seltsam das auch klingen mag, der C 650 GT dürfte durchaus so wie sein Bruder den Beinamen Sport tragen. Hauptverantwortlich für diesen Umstand ist das herrliche Fahrwerk – das funktioniert unglaublich präzise, lässt die schwere Fuhre nicht aufschaukeln und federt dabei trotzdem so komfortabel, wie man es von einem ausgewachsenen Luxusroller erwarten darf. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010081/bmw_c650gt12.jpg
Vorne kommt eine Upside-Down-Gabel mit vergleichsweise fetten 40 Millimeter Durchmesser zum Einsatz, hinten ein seitlich liegendes Mono-Federbein, das sowohl Stabilität vermittelt als auch Fahrbahnunebenheiten effektiv wegfiltert.

Sportlicher als die wuchtige Optik vermuten ließe.

Damit kann man Kurven schneller durchstechen als man geahnt hätte und eben auch viel mehr Schwung mitnehmen als mit anderen Luxus-Rollern – das Fahrwerk verkraftet das schon! Dieser Schwung kann im direkten Match mit Motorrädern auch nicht schaden, mit 60 PS aus einem 647-Kubik-Parallel-Zweizylindermotor darf man bei dem Gewicht keine Wunder in Sachen Beschleunigung erwarten. Aber auch da stellt sich der C 650 GT nicht so schlecht an, der Motor legt ab dem mittleren Drehzahlbereich ordentlich an Leistung zu und dreht fleißig hoch. Nur vom Stand weg enttäuscht der C 650 GT, vielmehr die Automatik durch eine etwas zu lange Denkpause. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010081/bmw_c650gt8.jpg
Da wird man auf den ersten Metern ganz ungeniert von 125ern oder gar Mopeds verblasen – klar, wer stehen bleibt hat auch gegen 3 PS nichts auszurichten.
 

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Auf winkeligen Passstraßen kommt man aber glücklicherweise nur selten zum völligen Stillstand, wenn man es nicht selbst will. Störenfriede, auch langsame Autos genannt, schnupft der C 650 GT mit Leichtigkeit und bergab kann er dann sogar Motorräder bedrängen und versägen – denn auch die Bremse spielt auf einem Niveau, das eines Motorrades würdig wäre. Bekommt die vordere Doppelscheibe mit 270 Millimeter Durchmesser und Zweikolbenzangen Unterstützung von der hinteren 270-Millimeter-Scheibe ebenfalls mit Zweikolbenzange, sind harte Anbremsmanöver kein Problem. Und die Bedienung der hinteren Bremse per Handgriff ist auch eine Wucht, immerhin hat die linke Hand nichts zu kuppeln, was manchmal doch recht angenehm sein kann. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010081/bmw_c650gt4.jpg
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Die Armaturen spiegeln das positive Gesamtbild des C 650 GT wider: Ausgezeichnet verarbeitet und komplett ausgestattet. Ganz unscheinbar versteckt sich das Beste am BMW-Roller hinter der Verkleidung - das Fahrwerk ist einfach herrlich!.
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Ohne direkten Größenvergleich mit einem 17-Zoll-Reifen, könnte das 15-Zoll-Vorderrad mit der erwachsenen Bremsanlage auch von einem Motorrad stammen. Die gute Bremsleistung im Übrigen auch!

Ein besserer Komfort als auf so manchem Reisemotorrad.

Da nun geklärt ist, dass sich der C 650 GT selbst auf verwinkelten Bergstraßen sehr gut anstellt, kann ich getrost auch noch auf die eigentliche Disziplin eingehen, in der ein Luxusroller punkten sollte – auch bei den Komfortfeatures enttäuscht der BMW-Roller nicht. Der Stauraum unter der Sitzbank ist riesig, Griff- und Sitzheizung wärmen in der Übergangszeit und der elektrisch höhenverstellbare Windschild hält den Gegenwind so effizient vom Fahrer fern, dass er sich im Hochsommer eine Klimaanlage wünscht. Auch der Sitzkomfort ist ein Wahnsinn; wie schon erwähnt, fällt man in den Sattel wie in einen Fauteuil und sogar der Beifahrer genießt einen Sitzkomfort, den so manches Reisemotorrad nicht einmal für den Fahrer bereit hält. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010081/bmw_c650gt6.jpg
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Fazit
BMW hat seine Hausaufgaben sehr gut gemacht, der erste Luxusroller in der Modellgeschichte der Bayern kam, sah und siegte – fast zumindest. Denn an Fahrwerk und Bremsen beißen sich ein Großteil der Konkurrenten die Zähne aus. Nur der Antrieb kann nicht völlig überzeugen. Zwar schiebt der Parallel-Zweizylindermotor ordentlich an und beschleunigt ab rund 30 km/h vehement, vom Stand weg macht der C 650 GT aber eine zu lange Pause und nimmt nicht sofort Fahrt auf. Zusätzlich nervt dann auch noch ein wenig das laute und blecherne Getöse des Motors.
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Erst einmal in Bewegung gibt es aber nichts mehr zu bemängeln, dann erfüllt der BMW-Luxusroller nicht nur alle Annehmlichkeiten, die man erwarten darf, sondern verdaut auch noch äußerst sportliche Ausbrüche des Fahrers.
 
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kotKots Meinung: Viel mehr als die Fahrerei in Ischgl ist mir ein jüngeres Ereignis in Erinnerung. Um ein Fahrzeug aus Wien abzuholen, musste ich bei meinem unzurechnungsfähigen Kollegen am Sozius in die Hauptstadt mitfahren. Es war Freitagnachmittag, stellte sich also nur die Frage, wie lange wir uns mit der jeweils maximal erlaubten Geschwindigkeit unserem Ziel nähern würden können, bevor der Verkehr ins Stocken gerät. Zunächst saß ich auf dem C 650 GT sehr bequem und sicher, konnte mich an den stabilen Haltegriffen festklammern und musste nicht die speckige Jacke meines Kollegen anfassen. Angenehm ist auch, dass man fast auf Augenhöhe mit dem Fahrer sitzt und nicht wie auf dessen Schultern. Eine wirklich entspannte Fahrt, bis sich die Straßen dem Zentrum näherten und die Geschwindigkeit des Verkehrs gegen Null abfiel. Nur wir blieben in Bewegung und tasteten uns in der nicht gebildeten Rettungsgasse im Slalom haarscharf zwischen tausenden Rückspiegeln voran. Ein schreckliches Schauspiel, wenn man nicht am Steuer sitzt. Ein paar Mal habe ich versucht, die Augen zu schließen und mich aus dieser Extremstresssituation auszuklinken, aber es ging nicht. Merke: Fahre nie mit einem Wiener auf einem Motorrad oder –roller durch den Feierabendverkehr. Dass meine Anspannung nicht in einem Nervenzusammenbruch oder Schlaganfall geendet hat, ist einzig und allein dem Restvertrauen geschuldet, das mir der C 650 GT gegeben hat. Er überquert Freilandstraßen und Autobahnen mit derselben Souveränität, mit der er durch Blechlawinen im urbanen Verkehrsinfarkt navigiert. Er ist ein bisschen gediegener als der C 600 Sport, ruhiger und gemütlicher, man könnte auch sagen luxuriöser. Mit mehr Platz für Gepäck und Begleitung. In die Berge würde ich die bayrische Sänfte eher nicht entführen, für alles andere ist sie aber eine erstklassige Wahl.


Nasty Nils´ Meinung: Die Redaktionskollegen unkten gewaltig als ich entschied, den C 650 GT von BMW mit auf große Tour zu nehmen. Standen an diesem Tag doch auch Geräte wie Ducati Panigale und BMW K 1300 R am Start. Doch ich wusste die Tour war lange und am Ende ist es wie beim Märchen mit dem Hasen und dem Igel. Schon vor dem Start kamen dann die lieben Kollegen angekrochen und flehten mich an ob ich nicht Teile ihres umfassenden Gepäcks in meinen „Kofferraum“ mit aufnehmen könnte. Das nächste Mal flehten sie nach 200 Kilometern um einen Wechsel der Geräte. Spätestens dann stand der „GT“ bei allen Testern am höchsten im Kurs. Solch famosen Fahrkomfort bietet offen gesagt kein Motorrad. Windschutz, Bedienelemente, Sitzposition, der einfache Einstieg und das Automatikgetriebe sorgen für echten Fahrgenuss. Warten musste man auf den C 650 GT imÜbrigen niemals, deutlich langsamer als „echte“ Bikes ist er nur am Kurvenausgang von Spitzkehren. Dort wo man normalerweise schon vorher den richtigen Gang eingelegt hat und voll auf die Gerade feuert, muss sich die Motor-Getriebe-Einheit erst einmal sammeln und beschleunigt dadurch vergleichsweise gemächlich. Im Vergleich zu anderen Rollern ist der C 650 GT jedoch super motorisiert. Wirklich schneller fährt nur der T-Max von Yamaha, in Sachen Komfort und Nutzen ist der Burgman von Suzuki ebenbürtig. Im Vergleich zum Burgman vermisst man die Möglichkeit, manuell ins Getriebe einzugreifen – das würde vor allem beim Bergabfahren die fehlende Motorbremse egalisieren und den Effekt beim Herausbeschleunigen aus den Spitzkehren abmildern. Führend ist der C 650 GT Großroller jedoch beim Thema Verarbeitung und Anmutung. Jeder Knopf, jeder Hebel, jedes Teil wirkt absolut „Premium“ und man hat viel Freude mit dem bayerischen Luxusroller.

Vaulis Meinung: Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber der C 650 GT macht mir noch mehr Spaß als sein Bruder C 600 Sport, den ich bis dahin für den kurvenagilsten Luxusroller gehalten habe. Da das ausgezeichnete Fahrwerk und die Bremsen identisch sind, liegt es offensichtlich an der Sitzposition. Ich mag es, in einem Motorrad, in diesem Fall in einen Roller gut integriert zu sein, auf dem C 600 Sport sitzt man doch etwas höher drauf. Die 12 Kilo Mehrgewicht des C 650 GT gegenüber dem kleineren Bruders sind gar nicht spürbar, der Effekt auf verblüffte Motorradfahrer dafür umso mehr – kaum jemand erwartet von einem solchen Roller-Schlachtschiff, dass es so flott um Kurven getrieben werden kann. Einzig nerviger Punkt ist die träge Reaktion der Automatik beim Ampelstart, wenn BMW dieses Manko bei der nächsten Überarbeitung ausbessern würde, wäre ich ein noch größerer Fan des C 650 GT. Ach ja, selbst im Stau funktioniert der dicke Roller ganz gut, die Spiegel sind hoch montiert und nicht so ausladend wie bei vielen Konkurrenten. Dadurch kann man selbst mit einem, vor Angst zitternden Kollegen am Sozius die Kolonnen flott durchstechen. Mich als unzurechnungsfähig zu bezeichnen ist aber gemein, ich erwähne ja auch nicht, dass Kollege Kot in solchen Stresssituationen mit starker Inkontinenz zu kämpfen hat...
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Text: Vauli
Fotos:
Kukla

Bericht vom 09.09.2013 | 33.102 Aufrufe

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