T-Max Tracktest

Roller? Der T-Max von Yamaha zeigte am Pannoniaring, dass er eigentlich ein Motorrad ist.
Was gut genug für den Infight in italienischen Innenstädten ist, muss auch gut genug für die Rennstrecke sein.

Yamaha T-Max Tracktest Pannoniaring

In Italien gehört der Yamaha T-Max zum Straßenbild von Rom und Mailand wie die roten Doppeldeckerbusse zu London, oder die Fiaker zu Wien. Zu Tausenden werden sie dort in den Rushhours bewegt.
Um im harten Citydschungel zu überstehen, braucht man eben nicht bloß ein quirliges Fahrverhalten sondern auch ein stabiles Chassis und einen kräftigen Motor um in heiklen Situation auch die Flucht nach vorne antreten zu können.
Auf der Rennstrecke ist der große Scooter von Yamaha vermutlich weniger oft im Einsatz. Doch bei unserer 1000PS Bridgestone Gripparty im Mai 2012 am Pannoniaring, war sie der einzig verfügbare Dauertester für den Instruktorjob. Alle anderen 12 Motorräder schieben ja gerade fleißig ihren Dienst bei den 1000PS Roadshows on Tour. Ich selbst kümmerte mich wieder um ein halbes Dutzend Rennstreckenneulinge und der T-Max war auf den zweiten Blick gar keine schlechte Wahl. Denn mit Sportmotorrädern sind gefühlte Rundenzeiten von 3:00 und höher eine Qual und eher langweilig. Im Sattel der T-Max sollte doch zumindest ein wenig Herausforderung auf mich warten – dachte ich.
Doch der T-Max war nur auf den ersten Blick Kanonenfutter auf der Strecke. Das Teil läuft auf der Zielgeraden 180, in den Kurven bietet er mehr Speed als die meisten Teilnehmer der Anfängergruppen fahren können und in den Bremszonen bietet er ebenso wenig brenzlige Situationen. Der Roller ist eigentlich schwer überdimensioniert – was die Güte seiner Komponenten betrifft. Kaum zu glauben, dass man dieses Teil auf der Straße an die Grenzen bringt. Hier auf der Strecke ist natürlich irgendwann mal die Schräglagenfreiheit zu Ende, doch da ist man beim Kurvenspeed schon in einer Liga mit handelsüblichen Nakedbikes unterwegs.
Photo oben: Panphoto

Der Wolf im Schafspelz. Bzw. das Sportmotorrad im Rollerkleid: Yamaha T-Max


Die Bremsanlage und das Chassis haben kein Problem damit, 30 Minuten Turns auf der Rennstrecke problemlos zu verdauen. Das Fahrzeug bleibt in den Bremszonen stabil, macht Mut und bietet viel Sicherheit. Kein Vergleich zu irgendwelchen kleineren Rollern oder Billiggeräten. In manchen Passagen werden ja auch im Sattel vom Roller 100km/h am Anker vernichtet und das Runde für Runde. Kein Rubbeln, kein Scheppern, kein Gewackel – totale Kontrolle und ein cooles Gefühl im Sattel. In der Kurve selbst wundert man sich zu Beginn noch über die Präzision und die Gelassenheit mit der der vermeintliche Scooter in die Kurve geht. Dann steigert man den Speed immer mehr und ertappt sich dabei, eigentlich schon einen Motorradstrich zu fahren. Bei 6.750 U/min leistet der 530ccm große Reihenzweizylinder 46,5 PS. Die Rundenzeiten knabberten dann übrigens an der 2:30er Marke. Was wäre möglich wenn wir die beiden Ständer demontieren? Lassen wir das lieber!


Neue Bestzeit!

Adrenalin pur bot dann auch die Heimreise. In nur 53 Minuten fuhr ich mit dem Großroller vom Pannoniaring heim nach Forchtenstein ins nördliche Burgenland. Ein Bestwert der von mir auch mit Motorrädern nicht weiter unterboten werden kann. Warum ist der T-Max nur so schnell? Bei genauerer Betrachtung hat das Fahrzeug mit einem Motorrad mehr gemeinsam als mit einem Roller. Er hat eine richtige Schwinge – eine von der stabilen Sorte. Einen richtig steifen Rahmen und gute Bremsen. Die Unterschiede zum Motorrad sind im Antriebskonzept zu suchen wo dann im hektischen Stadtgestochere wieder die Rollervorteile zum Tragen kommen. Das Getriebe ist natürlich eines von der automatischen Sorte und der Motor ist gerade richtig dimensioniert. Die Bauart des T-Max bringt viele Vorteile in Sachen Sicherheit und Performance, es leidet dann aber etwas das Platzangebot zwischen den Beinen darunter. Unter der Sitzbank jedoch ist wieder ausreichend Platz für einen Helm bzw. einen großen Rucksack.


Im Straßenverkehr verwendeten wir den T-Max für Tagestouren bis maximal 300 km.
Auch längere Autobahnetappen sind kein Problem, nur die Geräuschentwicklungen vom Windschild sind dann bei 170 über eine längere Distanz sehr störend. Im Sattel eines echten Reisemotorrades gleitet man dann doch ruhiger über die Asphaltpiste. Toll jedoch der Wetterschutz vom Roller, welcher ihn quasi an 350 Tagen im Jahr einsatzfähig macht. Denn abseits der Alpen haben wir im Osten Österreichs echte Schneefahrbahn nur an sehr wenigen Tagen und auf nasser Strecke bleibt man mit dem T-Max trockener als auf den meisten Motorrädern. Nur die Spielereien sollte man dann im Sattel des sportlichen Scooters unterlassen. Denn durch die einfache Bedienbarkeit und die legere Sitzposition neigt man immer dazu das Teil zu unterschätzen und geht sehr früh und heftig ans Gas. Im Regen könnte es Dir dann jedoch so ergehen wie den meisten Gegnern an der Ampel – Du wirst vom T-Max überholt. Zumindest vom hinteren Teil der schnellen Fuhre.
 

Onboard mit dem T-Max am Pannoniaring.

Interessante Links:

Bericht vom 01.06.2012

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