Kawasaki KLX 250 Test

Was geht mit 22 PS? Was geht nicht? Der On-Offroad Test klärt auf.

Kawasaki KLX 250

Kawasaki KLX 250 Test


Der KLX 250 Test war ganz schön zeitaufwendig. Denn sie musste ihre Qualitäten in verschiedensten Umgebungen präsentieren. In der Stadt zum Beispiel fühlte sich die KLX 250 sofort zu Hause. Sie springt immer an, kann blitzschnell manövriert werden und zirkelt vom Büro zur Bank und dann noch zum Bäcker. Parkplatzsorgen hat man keine und kleine Hindernisse im urbanen Umfeld (Randsteine usw.) werden spielend genommen.

Der Weg ins Büro ist in meinem Fall gerade mal 25 km lang und somit ebenfalls ein perfektes Revier für die KLX. Das kurze Stück auf der Schnellstraße ist noch erträglich, auf der geschwungenen Landstrasse ist man mit 100 km/h gerade richtig unterwegs. Ungewohnt sind diesmal nur die neuen Gegner. Beim letzten Mal war ich zum Beispiel mit einer 1000er Fireblade unterwegs und mir fiel gar nicht auf, dass entlang dieser Strecke besonders viele hübsch verzierte GTIs ihr Unwesen treiben. Mit der KLX wird man leider leicht zum Opfer, wenn man in den Kurven das Herz nicht am rechten Fleck hat. Allzu viel Kurvenspeed sollte man aber den serienmäßigen Reifen nicht zumuten. Sie sind weder Fisch noch Fleisch, also weder im Gelände und schon gar nicht auf der Strasse richtig gut. Wer viel auf der Strasse fährt, dem empfehle ich den Battlewing von Bridgestone oder den Scorpion Trail von Pirelli. Dann macht es auch Sinn das Fahrwerk etwas straffer zu stellen und den Kurvenspeed zu steigern.

Beim Ausflug ins Gelände eröffnete mir die KLX 250 vollkommen neue Möglichkeiten. Zuletzt war ich zum Beispiel mit der Husaberg 570 unterwegs. Ein mörderisches Motorrad, das leider nur von Kennern geliebt wird. Passanten verachten sie ob des brutalen Sounds und der begleitenden Erdbewegungen beim Vorbeifahren. Mit der KLX 250 wird man hingegen freundlich gegrüsst. Sie wird nicht als Bedrohung aufgefasst und plötzlich kann man wieder dort Enduro fahren wo man sich schon lange nicht mehr hingetraut hat. Mit viel Respekt vor Mensch und Natur tuckert man mit der KLX über Stock und Stein und niemand hat ein Problem damit. Spuren im zarten Waldboden hinterlässt sie fast keine, die Staubentwicklung ist überschaubar und der Auspuffsound kann eigentlich nicht als Sound bezeichnet werden. Klar muss man schon ein wenig über den Dingen stehen um mit 22 PS und dem leisen Zwitschern im Rücken zufrieden zu sein. Doch wer auf Motorrädern schon viel erlebt hat, wird genau mit so einem Motorrad total zufrieden sein.

Die Offroadeigenschaften sind wirklich gut. Das Fahrzeug zeichnet sich durch Wendigkeit und Stabililtät gleichermaßen aus. Sie ist keine Sonderprüfungswaffe und daher nicht zur totalen Agilität getrimmt. Für Kurvenkombinationen auf Wald und Wiese ist sie aber trotzdem flink genug. Bei Spurrillen oder kleinen Bodenunebenheiten bleibt sie dank des gutmütigeren Chassislayouts aber stabiler als die meisten Renngeräte. Im Geschwindigkeitsbereich von 70-100 km/h gleitet man so sicher und komfortabel über Stock und Stein.

Die KLX gefiel mir im Gelände so gut, dass ich mir sofort eine für den Privatgebrauch gekauft habe. 4.999 Euro sind ohne Finanzierung zu packen und ich wage zu behaupten, dass ich mit der KLX in den nächsten 2-3 Jahren keine dramatischen Kursverluste hinnehmen muss. Denn genauso lange werde ich die wunderbar leise Enduro in meiner Garage behalten. Dann kommt hoffentlich mit der Elektro-KTM ein noch leiseres Gerät für noch mehr Spass direkt vor der Haustür.

Die Grenzen der KLX 250

Im Gelände stößt man mit der KLX 250 überall dort an ihre Grenzen, wo pure Leistung gefragt ist. Also bei langen Auffahrten mit tiefen Böden oder dann wenn man ohne Schwung schwierige Hindernisse erklimmen muss. Langweilig sind natürlich lange Vollgasetappen auf Sand oder feinem Schotter. Mit zugedrehten Federelementen könnte man auch mildere Motocrosspisten ausprobieren, dabei kommt aber eher mehr Mitleid als Freude auf.

Im öffentlichen Verkehr ist die KLX 250 auf der Autobahn fehl am Platz. Man muss sich auf er ersten Spur mit Bussen, Lieferwägen und Anhängerpiloten duellieren. Für den Weg zur Arbeit würde ich ca. 20 km auf der Bahn als erträglich bezeichnen, für mehr ist die KLX einfach das falsche Gerät. Auf den typischen Motorradstrecken wird man auf langen Bergaufstücken zum fahrenden Hindernis. Wer niemanden etwas zu beweisen hat, kommt halt etwas später ans Ziel, der Rest sollte zu mehr Hubraum greifen.

Kawasaki KLX 250 Video

Video: NastyNils
Schnitt: Volli

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Sie ist günstig und hat nur 22 PS sieht aber trotzdem nach einem Motorrad aus, auf das man stolz sein kann. Das niedliche Hecktascherl beherbergt das Verbandspaket und wie bei allen Enduros wirkt der Nummerntaferlträger etwas überdimensioniert.
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Es gibt zwei Teile an dem Motorrad die wirklich billig aussehen: Die Spiegel und der Lenker. Der Rest passt! Das Cockpit ist leicht und kompakt, aber trotzdem übersichtlich und gut ausgestattet. Anders als die meisten Wettbewerbsenduros ist die KLX mit einem Zündschloss und einem versperrbaren Tank so wie einem kleinen Helmschloss im Heck ausgestattet.
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Schalter und Bedienelemente wirken spartanisch, arbeiten aber zuverlässig. Die Bremse passt sowohl im Gelände als auch auf der Strasse.
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Vorne wie hinten können die Federlemente auf die Bedürfnisse des Fahrers angepasst werden. Die Güte der Fahrwerkskomponenten erreicht natürlich nicht jene von den Kawa Wettbewerbsmodellen, sind aber für Enduroausflüge bestens gerüstet. Die Schwinge macht einen vollwertigen Eindruck. Die KLX machte bei unserem Test übrigens eine ausgiebige Endurorunde mit. Komplett serienmäßig mit allen Teilen für die Zulassung am Motorrad. Es schepperte nix, es wackelte nix und nach der Reinigung sah alles wieder wunderbar gepflegt aus.
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Der Motor leistet ehrliche 22 PS. Ehrlich bedeutet bei Enduros: Diese Leistung ist im Zulassungsschein eingetragen, diese Leistung steht auch tatsächlich zur Verfügung. Die Abgaswerte passen und die Geräuschwerte ebenso. Insgesamt hat man also ein zuverlässiges und legales Paket zur Verfügung - mit 22 PS - nicht mehr und nicht weniger. Das KLX Logo darf auch die kleine 250er zurecht mit stolzer Brust tragen. Es zählt nicht die Leistung, sondern den Spaß den man mit dem Eisen hat. Und den hat man mit der 250er definitv genauso wie früher mit der 650er oder mit der aktuellen 450er.
Kawasaki KLX 250 Test
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Was die KLX besonders sympathisch macht: Sie war bei grauslichen Hindernissen meist der gleichen Meinung wie ich: "Das ist eine Nummer zu groß für mich!"

Grenzenlos jedoch die Möglichkeiten mit der KLX im Urlaub. Die perfekte Reisebegleitung nach Kroatien oder noch viel weiter. Mein Gefühl sagt mir auch, dass wir die KLX schon bald bei vielen Vermietstationen in südlichen Gefilden entdecken werden.

Kawasaki KLX 250 - Alternativen

Möchte man einen klassen Cityflitzer, konkurriert die KLX 250 mit der Ninja 250 von Kawasaki, sowie sämtlichen Rollern in der Preisklasse bis 5.000 Euro. Die Ninja 250 kann man auch für längere Touren verwenden und der Motor spuckt genau das Quentchen zusätzlicher Leistung aus, welches für ein Überleben auf der Autobahn notwendig ist. Die Roller sind praktischer, wirken nüchterner, erlauben aber logischerweise keine Ausflüge in die Schottergrube.

Im Endurobereich ist die Auswahl in dieser Preisklasse relativ bescheiden. Die WR 250 R von Yamaha kostet 2.000 Euro mehr, ist  aber auch um 2.000 Euro besser ausgestattet. Wers braucht kann damit auch Endurowettbewerbe fahren oder die Motocrosspiste attackieren. Eine XT 660 von Yamaha kostet 1.000 Euro mehr als die KLX und ist im Vergleich eigentlich ein Reisemotorrad. Im Gelände ist die KLX der XT überlegen und fühlt sich auch auf der Strasse quirliger an.

Am Gebrauchtmarkt findet man um 5.000 Euro Wettbewerbsenduros mit ein paar Jahren am Buckel. Besonders bei Enduros ist Gebrauchtkauf aber Vertrauenssache. Von der aufpolierten Leiche bis zum Garagenschnäppchen ist alles drinnen. Alltagstaugliche Enduros in einem guten Zustand gebraucht zu finden ist oft nicht leicht. Die Suzuki DR-Z 400 zum Beispiel wäre ebenso universell wie die KLX, in der 1000PS Gebrauchtbörse finden sich im Moment aber gerade mal 3 Motorräder. Hier muss man für ein 4 Jahre altes Eisen gleich viel kalkulieren wie für eine neue KLX.

Technische Daten Kawasaki KLX 250

Motor Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Einzylinder
Hubraum 249 cm³
Bohrung x Hub
72,0 x 61,2 mm
Verdichtungsverhältnis 11,0:1
Gemischaufbereitung Kraftstoffeinspritzung: Ø 34 mm x 1 (Keihin)
Zündung Digital
Starter Elektrisch
Getriebe Sechsganggetriebe
Rahmentyp Perimeter, hochfester Stahl
Radfederweg, vorn 255 mm
Radfederweg, hinten 230 mm
Reifen, vorn 3.00-21 51P
Reifen, hinten 4.60-18 63P
Bremse, vorn Scheibe, Ø 250 mm
Bremse, hinten Scheibe, Ø 240 mm
Tankinhalt 7,7 Liter
Abmessungen (L x B x H) 2.200 mm x 820 mm x 1.205 mm
Radstand 1.430 mm
Sitzhöhe 890 mm
Maximale Leistung 16 kW (22 PS) bei 7.500/min
Maximales Drehmoment 20,5 Nm bei 7.000/min
Gewicht fahrfertig 138 kg
Preis 4.999 Euro
 

Kawasaki KLX 250 Spezial - SM Umbau


Der Mann mit dem grünen Daumen, Gert Ivo von Gertmotors verleiht der KLX 250 extra pepp. Er ersetzt die Enduro Bereifung durch 17 Zoll Supermoto Patschen, und erschafft somit ein Funbike im wahrsten Sinne des Wortes für die urbane Umgebung. Die KLX schrumpft somit um ganze 4 cm in der Sitzhöhe, laut Gert sind aber nochmals weitere 4 cm mit geringen Umbaumaßnahmen möglich.
 
Nachdem die KLX das SM Studio verlassen hat steht sie auf 110/70 vorn und 140/70 hinten.

Bei Gertmotors bekommt man die KLX 250 im SM Trimm um 5890€ inkl. Typisierung, umgebauten Tacho und verkürzten Seitenständer. Wer schon eine KLX in der Garage hat, und lieber auf 17 Zoll unterwegs ist, dem kann Gert auch mit Sicherheit weiterhelfen.

Bericht vom 16.04.2009

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