Honda CRF 450 R 2009

Honda is back. Mit einer komplett neuen Rakete will Honda die Vorherrschaft im MX-Himmel zurückerlangen.

Honda CRF 450 R  2009

Einspritzdüse statt Luftpumpe

Honda CRF450R

Beherrscht nicht nur den eingespritzten Tabletop.

 
Sie kam, sah, und siegte! Letztes Jahr hat die MX Szene einen entscheidenden Schritt in Richtung Zukunft gemacht. Die eingespritzten Bikes haben damit begonnen die Vergaser Bikes schön langsam abzulösen. Über Honda wurde lange gemunkelt, ob sie als erster damit auf dem Markt auftauchen würden, doch dieser Preis ging an die Gelben. Honda hat derweil fleißig seine Hausaufgaben gemacht und bringt heuer einen komplett neuen Crosser auf den Markt. Daß die neue Honda bestimmt sehr hohes Potential hat bewies Günther Schmidinger. Der Staatsmeister der kleinen MX2 Klasse ging mit dem Pressebike beim MX Open Finale an den Start und holte prompt den Tagessieg!

Mit der neuen CRF 450 R haben sich die Hondianer ganz schön aus dem Fenster gehängt. Die neue Rote hat ja nicht nur eine Einspritzanlage statt des Vergasers. Auch sonst blieb kaum etwas unberührt. Rahmen, Motor, Tank, alles neu. Und um ganze 1,8 kg leichter! Damit bestätigen die Japaner ihre Art Motorräder zu bauen. Auf einer Basis auf sehr hohem Nivea wird über viele Jahre ein immer besseres Motorrad auf- und ausgebaut.

Zuerst fallen die neuen Plastics auf. Sehr fesch, stilsicher ohne Ecken und Kanten, eben Everybodys Darling.  Allerdings auch nicht sehr gewagt. Eines sticht aber ins Auge. Die Spaltmasse der Plastiks sind sowas von genau und eng gearbeitet, dass es eine Augenweide ist. Honda Perfektion bis ins Detail.

Honda hat einen Plastiktank mit eingebauter Benzinpumpe verbaut, mit lediglich 5,7 l Fassungsvermögen. Durch die Einspritzung soll der Verbrauch soweit heruntergeschraubt worden sein, daß mehr Tankinhalt einfach nicht notwenig sei, um alle MX Rennen der Welt zu überstehen. Der Auspuff gewinnt sicher keinen Schönheitswettbewerb, soll er auch nicht. Wichtiger ist vielmehr, dass die Leistung damit mehr wird und der Lärm weniger. Das mit der Leistung funktioniert, mit dem Lärm auch, zumindest ein wenig.  Der Krümmer wird um den ganzen vorderen Motorblock herumgeführt, was etwas ungewohnt aussieht.

Fahrwerk, Bodywork
Honda setzt bei der Gabel voll auf Kayaba. Obwohl ja Showa zu Honda gehört wie Hänsel zu Gretel, haben sich die Testfahrer für Kayaba ausgesprochen. Ziel war es eben von Honda um jeden Preis das beste MX Bike vom Band zu lassen, ohne Rücksicht auf Kostenrechnung oder Beziehungen. Prima, das finden wir mal eine gute Entscheidung! Nachdem die letztjährige 450er eher auf der harten Seite anzusiedeln war, ist heuer eher das Gegenteil der Fall. Bei einem Kampfgewicht von knapp unter 80kg kommt man da schon mal an die Reserven, dennoch liegt alles im grünen Bereich. Die Gabel spricht fein an und ist sehr gut auf das Federbein abgestimmt. Je schneller man mit der Honda unterwegs ist, desto mehr Vertrauen gibt sie einem. Was die Gabel weniger mag sind kurze harte Bremswellen, da kommt doch etwas Unruhe zum Lenker durch. Zwar ist seit vorigem Jahr der Honda patentierte HESD Lenkungsdämpfer verbaut, und dieser verrichtet bessere Dienste als noch im Vorjahr, doch kam gelegentlich leichtes Lenkerflattern durch.
Perfekt liegt die Honda in Kurven, egal ob mit oder ohne Anlieger. Das ist und war immer schon Ihre Stärke. Sie tut einfach das, was man von ihr erwartet.
Die Ergonomie ist ebenfalls als perfekt zu beizeichnen. Egal wie blöd man sich auch stellen mag, ein Hängenbleiben mit Stiefel oder Hose an irgendeinem
Plastikteil gibt es nicht. Ebenso ist die Sitzbank sehr leiwand. Nicht zu weich und nicht zu hart, mit mörder Grip für die Unterflack!

Motor, Kupplung, Getriebe
Nicht nur das Gewicht wurde am neuen Motor reduziert, auch die Ölmenge wurde um 0,1 l herabgesetzt. Keine Angst, die Jungs wissen was sie tun, und bzgl. Haltbarkeit braucht man sich dazu sicher keine Gedanken machen. Der Motor erinnert von der Größe her mehr an ein MX2 Aggregat als eine 450er. Doch er hat es faustdick hinter den Ohren. Er zielt linear wie ein Gummiband bis in den Begrenzer (der übrigens nach oben geschraubt wurde). Von unten raus aber sehr human und nicht aggressiv, easy zu kontrollieren zieht die Honda richtig ab, baut tolle Traktion auf und man hat das Gefühl immer Herr der Lage zu sein. Der Traktionsgewinn ist auch auf die verlängerte Schwinge zurückzuführen.

Honda CRF450R
Honda CRF450R
Honda CRF450R
Honda CRF450R
 
Laut Aussagen von Günther und Andreas Schmidinger, die das Testbike bereits am Prüfstand hatten, ist die Leistung im unteren Drehzahlbereich angewachsen und selbst oben hat sie leicht dazu gewonnen. Die neue Honda besitzt ein breiter nutzbares Leistungsband als je zuvor. Das einzige Manko des Motors ist, daß er in engen und langsamen Turns leicht zum Absterben neigt. Klar kann man sich mit höherem Standgas
rüberretten. Die Schmidingers fahren mit einem Standgas von 3500 U/min., damit gibt's praktisch kein Absterben mehr, auch die Motorbremse wird damit reduziert und selbst bei einem Sturz läuft der Motor meist weiter.
Auch beim Anfahren oder beim Rollen durchs Fahrerlager geht es sehr rau zur Sache und die Honda reißt gehörig an der Kette. Sie will eben schnell bewegt werden und hasst langsames Dahinnudeln.
Vielleicht liegt es hier auch ein wenig an der Einstellung. Die lässt sich ab sofort mit einem HRC Settingkit um ca. 300,- selbst programmieren. Willkommen in der Zukunft!

Das Getriebe bekommt eine glatte 1. Die Gänge lassen sich so exakt und weich schalten wie bei kaum einem anderen Crosser. Geschmeidig auch ohne Kupplungseinsatz. Diese wird mit Seilzug betätigt. Vom Kraftaufwand ok, es gibt zwar leichtgängigere, sie fällt aber nicht negativ beim Fahren auf.

Fahreindruck
Beim Starten hat die Honda so Ihren Dickkopf. Es gelang selten die Honda beim 2. Kick zu starten, egal ob kalt oder warm. Außentemperatur 12°. Beim langsamen Dahinrollen im Fahrerlager ist Vorsicht geboten. Die Honda will auf Zug gehalten werden. Kommt man mit der Drehzahl zu weit in den Keller neigt sie zum Absterben. Doch erst mal auf dem Track geht die Sonne auf. Der Motor nimmt das Gas sehr geschmeidig an und dreht sauber aus. Kein Reissen oder unkontrolliertes ausbrechen. Bitte nicht denken, dass die Honda keine Power hat, sie bringt die Kraft einfach gut auf den Boden.

Die Kurven sind sowieso ein Genuß. Easy going, Carving Effekt! Hier kommen eben die reduzierten Massen voll zu tragen und die Honda spielt all ihre Stärken voll aus. Keine andere 450er lässt sich so einfach in der Luft bewegen wie die Honda. Hier hat man eher den Eindruck auf einer 250er zu sitzen, als auf einer 450er. Die klare Nummer 1 in der Luftherrschaft. Trotz Lenkungsdämpfer kommt gelegentlich Unruhe ins Fahrwerk, speziell beim Anbremsen von kleinen, harten Bremswellen. Doch die Honda gibt einem gleich ein vertrautes Gefühl, alles sitzt, alles passt, und das macht schnell. Je Honda desto schneller!
 

Honda CRF450R Honda CRF450R
 
Fazit
Die Honda ist ein kompromissloses Race Bike, dies sieht man schon alleine daran, daß man mit ihr aus der Kiste raus einen ÖM Lauf gewinnen kann. Honda hat nicht gekleckert um das beste MX Bike zu bauen. Für den Hobby-MX Freak, der vielleicht auch mal damit Cross Country fahren will, ist sie vielleicht noch nicht die absolute Nummer 1.
Das Potential hat sie auf alle Fälle. Jetzt liegt es an der Abstimmung, um sich klar von der Konkurrenz abzusetzen.
Dann steht die Honda wieder ganz oben.
   
Plus Minus
+ Fahrdynamik, Ergonomie
+ Motorbandbreite
+ Gewicht
+ Nr.1 in der Luft
+ Getriebe
- neigt bei niederen Drehzahlen zum Absterben
- tlw. leichtes Lenkerpendeln
- Startverhalten
 

   
Interessante Links:

Text: Edi-E, kot
Fotos: Edi-E

Fazit: Honda CRF450R

Mit der neuen CRF 450 R haben sich die Hondianer ganz schön aus dem Fenster gehängt. Die neue Rote hat ja nicht nur eine Einspritzanlage statt des Vergasers. Auch sonst blieb kaum etwas unberührt. Rahmen, Motor, Tank, alles neu. Und um ganze 1,8 kg leichter!


  • Positive Fahrdynamik und Ergonomie
  • Motorbandbreite
  • geringes Gewicht
  • leistungsfähiges Getriebe.
  • Suboptimales Startverhalten
  • teilweise leichtes Lenkerpendeln
  • neigt bei niederen Drehzahlen zum Absterben

Bericht vom 01.12.2008 | 59.355 Aufrufe

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