Yamaha WR 250 X

Mit 30 Pferden eine Stadt regieren. Das kann nur die Yamaha WR 250 X. Auch abseits des Gehsteigs.

Yamaha WR 250 X

Kleiner Outlaw, pfeift auf Vorschriften und Verbote.

„Geht ganz schön gut für eine 50er.“
Ein, sagen wir, sehr kräftiger Herr – ich schätze ihn auf mindestens 150 Kilo – quetscht sich am Wiener Gürtel mit seiner alten 600er-GSX-R zwischen den Autos durch, positioniert sich neben mir in Reihe eins an der Ampel und inspiziert die WR250X. Ich ignoriere ihn. Von oben herab. Es wird grün, er gibt alles. Ich auch. Auf den ersten Metern nimmt er mir nichts ab. Im vierstelligen Tourenbereich zieht er dann doch davon, quietscht sich an der nächsten roten Ampel ein. „Geht wirklich gut! Das muss eine 125er sein!“ Meint er. Noch einmal dasselbe Spiel. Angasen. Auch die nächste Ampel ist rot. Einbremsen. Da überreißt er endlich, dass da 250 auf dem Tank steht. Es wird grün. Er verschläft den Start. Ich nütze eine Lücke zwischen den Kolonnen. Und der GSX-R-ler ward nicht wieder gesehen. Der ist stecken geblieben.
 
Da passt kein Blatt Papier mehr zwischen Taferl und Strasse.

 

Hätte ich ihm was zum Thema Gewichtsvorteil erzählen sollen? Er mit geschätzten 150 Kilo auf einem ca. 200-Kilo-Bock (sein Outfit fiel sicher kaum ins Gewicht, Jeans, Leiberl und Turnböcke wiegen nicht viel), ich auf einer 136-Kilo-Gelse, mit 50 Kilo Lebendgewicht und vielleicht drei, vier Kilo Jacke, Hose, Handschuhe, Stiefel etc. Macht auf seiner Seite unterm Strich gut 350, 360 Kilo mit ca. 100 PS, auf meiner Seite ca. 190 Kilo mit 30 PS.

Aber nicht nur Kilos zählen. Auch die Leistung. 30 PS klingt nicht nach Power-Play. Eher nach Power-Dreh. Bei dem Hubraum. Obwohl. Die F hat immerhin 42 PS. Wie auch immer: Der Motor spricht fein und prompt an. Um dem Vortrieb auf größere Sprünge zu helfen, ist fleißig drehen – und schalten – angesagt. Das geht aber schnell ins Gefühl und man kommt ebenso schnell drauf, dass es durchaus genügt. In der Stadt. Da punktet die WR mit hervorragender Ausgewogenheit, bar jeglicher Kippeligkeit, unglaublicher Einlenkpräzision, unbeirrbarem Fahrwerk und glasklarer Bremsrückmeldung. In punkto Wendigkeit schlägt sie fast jeden Roller. Einziger „Nachteil“ diesen gegenüber: Null Stauraum. Zum Einkaufen muss man halt einen mehr oder weniger großen Rucksack mitnehmen. Und/oder ein Gepäcknetz, um etwas auf den Beifahrersitz zu schnallen. Denn da wird wohl selten ein Sozius Platz nehmen, da ist es nicht einmal auf Kurzstrecken gemütlich.

 
Schmal und leicht. Aber keine Soundkanone. Aus der Racing Abteilung.


Ein unschätzbarer Vorteil:
Nach dem Motto "small is beautiful" spielt die X besonders während der Rush Hour ihre schlanke Figur aus. Sie passt durch Kolonnen-Lücken, bei denen man sogar mit einem durchschnittlich gebauten Roller nichts riskieren will. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist die erhabene Höhe. Damit behält man nicht nur den Überblick, sondern liegt mit dem Lenker über den Rückspiegeln der meisten Autos. SUV’s ausgenommen natürlich, aber auch da spielt sie ein weiteres Atout aus: ihre Handlichkeit und Wendigkeit. Damit taucht man schnell einmal unter einem Hindernis durch. Und wenn gar nichts mehr geht, die Blechkolonne zu dicht zum Durchschlängeln steht, hüpft sie behände auch über Gehsteigkanten. Unter Vorsicht- und Rücksichtnahme auf Fußgänger und Radfahrer natürlich, zumal der Auspuffsound dezent, verhalten und eher nach Rasenmäher klingt. Angesichts eines undurchdringlichen Dauerstaus auf dem dicht verblechten Ring drückte sogar das Auge des Gesetzes selbiges zu. Selten so viel Spaß gehabt!
 

Um die Probe auf's Exempel zu machen, probierte ich auch ein bisschen Hausstrecken-Winkelwerk aus. Will man sich nicht auf eine lange Autobahnanfahrt einlassen – immerhin schafft sie 130 locker, und das ohne irgendeinen Windschutz - sondern schlägt sich durch's Gemüse, meistert sie auch das souverän. So lange die Geraden nicht zu lang und die Kurvenradien schön eng sind, muss man sich kaum hinten anstellen. Einzig: Längere Ausflüge verdaut auch der härteste Hintern nur schwer. Der Sitz ist zwar nicht ganz aus Holz, dafür schmal wie ein Schleifstein, was kürzer geratenen Menschen wiederum sehr entgegenkommt. Dadurch relativiert sich die Sitzhöhe von 895 Millimetern. Der Spritverbrauch limitiert die Etappen jedenfalls nicht auf ein kurzes Maß. Die X kommt mit 3,5 bis 4 Litern aus, man ist trotz kleinem Tank – 7,6 L – ein seltener Gast an der Zapfsäule.



Wunderschöne Details am Heck.

Stämmige 46er USD Gabel - voll einstellbar. Sieht nur spartanisch aus - Infocenter grande !

Yamaha WR 250X - technische Daten

Motorbauart Einzylinder-Viertakt, 4 Ventile
Kühlung Flüssigkeit
Hubraum 250 ccm
Bohrung x Hub 77 x 53,6 mm
Leistung (homologiert) 22,6 kW (30 PS) @ 10.000 U/min
Max. Drehmoment 23,7 Nm @ 8.000 U/min
Kompression 11,8:1
Schmierung Nasssumpf
Zündung TCI
Starter E-Starter
Getriebe Sechsgang
Gemischaufbereitung elektronische Einspritzung
Abgasreinigung Kat mit Lambdasonde, Sekundärluftsystem
Steuerung DOHC
Sekundärtrieb Kette
Kupplung Mehrscheiben, Ölbad, hydraulisch
Rahmen Alu-Semidoppelschleife
Schwinge Leichtmetall-Zweiarm
Federung vorne USD-Gabel, Ø 46 mm, voll einstellbar
Federung hinten Zentralfederbein, voll einstellbar
Federweg vorne / hinten 270 / 265 mm
Bremse vorne Doppelkolben-Sattel, Mono-Wave-Scheibe, Ø 298 mm
Bremse hinten Einkolben-Sattel, Mono-Wave-Scheibe, Ø 230 mm
Bereifung vorne / hinten 110/70 17; 140/70 17
Radstand 1.425 mm
Sitzhöhe 895 mm
Tankinhalt 7,6 Liter / x Liter Reserve
Gewicht 136 kg (fahrbereit)
Top-Speed Ca. 145 km/h
Preis 6.695 €

 

Text: beatrix keckeis-hiller, arlo
Fotos: volli, yamaha

Bericht vom 31.07.2008 | 116.310 Aufrufe

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