Z 1000 in Weiß

Vorsicht, ein Trend geht um. Und er macht auch vor Legenden nicht Halt.

Kawasaki Z 1000

Die weisse Zett. Tabula Raser.

Machismo trifft auf Homoerotik. Die Z1000 in Pearl Crystal White.

Früher glitten im U4 die Goldfisch, heute tanzen die weissen Mäuse im Millenium. Unruhig zappeln sie in unmittelbarer Bodennähe über das Parkett. Die weißen Mäuse sind meist Lacoste Patscherl, mit Klettverschluß oder einfach zum Reinschlüpfen, weil Schuhezubinden so kompliziert ist. Im Rhythmus der weißen Mäuse oder auch nicht, fliegen ebenso weiße Tauben mit nur einem Flügel durch die Luft. Schirmkapperl war einmal, man trägt wieder voll, also oben geschlossen. Alles hat ein Ende, nur die Würschteln, die hier tanzen, haben zwei - und beide sind weiß. Wieso gerade weiß? Na weil so der Kontrast zum rot-braunen Teint am besten zur Geltung kommt.

Belächelt wird diese Gruppe, die wir bis vor Kurzem altmodisch als „Proleten“ bezeichneten, ob ihrer Kleider- und vor allem Farbwahl, wenngleich sie gerade bei letzterer ihrer Zeit ein ganzes Stück voraus war. Sicher könnte man jetzt behaupten, dass alles irgendwann (wieder) in Mode kommt, wenn man es nur lange genug trägt. Will man aber nicht. Denn sie waren zuerst da. Und es ist nicht mehr zu übersehen, dass der Trend der aktuellen Saison keine Farbe ist, sondern Weiß. Was bei der Kleidung teils ein ewiger Klassiker (weißes T-Shirt), teils ein hoffentlich ewig Gewesener (weiße Espandrillos; weiße Tennissocken mit weißen Birkenstocks in Kombi) bleiben wird, hat nun Produkte der verschiedensten Sparten erfaßt. Der Metrosex trifft uns verspätet mit voller Härte, nie gab es am Markt dermaßen viel, was Frauen gefällt.

Schönes Heck, schircher Popo. Motorrad schlägt Fahrer.

 

Z1000 Video

Dieses Video ist ein Muß. Erstmals ließen wir Outtakes einfliessen, die für einen ganz bestimmten 1000PS Mitarbeiter, dessen Namen Arlo ich nicht nennen möchte, etwas peinlich ausfallen könnten. Der weißen Lackierung der Z1000 kann dabei keinerlei Schuld zugesprochen werden, der Blue Oyster Clubkarte des Fahrers schon eher.

Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".

 

Schnitt: Volli
Videodreh: kot, KarolettaLambretta
 

 
Triumph setzte mit der weißen Speed Triple bereits im Jahr 2005 ein erstes Signal und zeigte damit allen, dass ein echter Streetfighter auch im Brautkleid seine Würde bewahren kann. Wichtig waren allerdings schon „damals“ die dunklen Flächen, die alles Licht schluckten anstatt es zu reflektieren und so ein Gleich- oder Gegengewicht schufen. Lange getraute sich keiner, es der Triple nachzumachen und so blieb sie die kommenden Jahre so exotisch wie am ersten Tag. Bis zum Jahr 2008, dem Jahr, in dem fast jedes Motorrad in Blüten-, Schnee-, Westen- oder Sonstwas-Weiß zu haben ist. Honda, Suzuki, Yamaha; sogar Ducati und KTM bieten ihre Modelle unter anderem in keiner Farbe an. Alles irgendwie O.K. Bis wir die weiße Z gesehen haben.

Die Z trägt das geistige und materielle Erbe einer Schreckensherrschaft in sich. Hochgerechnet müßte sie heute zwar 200 PS haben, aber die 125 PS können böse genug sein. So ein Monument des Grauens kann man nicht einfach weiß anmalen und einen Pavianarsch als Sitzpolster mittenrein setzen, denken wir beim Erstkontakt. Doch dann fallen uns die orange lackierten Speichen auf, die polierten Felgen, die einzigartigen Endtöpfe, die orange Gabel und der große, schwarze 1000er Herzmuskel und wir fangen uns wieder. Irgendwie schön. Irgendwie sehr schön. Weil es im Gegensatz zum Wesen der Z ein herrliches Understatement schafft und nicht zuletzt bei den Frauen gut ankommt.

Das erleichtert erstens die Argumentation vor Freundin oder Frau bei einer Kaufüberlegung, weil du sie von der rationalen (Wir hom jo ka Göd) in die emotionale (Na schee is de scho) Ebene ziehst. Und erhöht zweitens die Chancen bei der Anschaffung einer neuen Freundin oder Frau, weil du die Aufmerksamkeit von dir (Du gfoist ma net...) auf das Motorrad (...oba des Motorradl is schee.) lenkst. Soviel zum Thema "Motorräder, die das Leben leichter machen.

Mutig ja, anmutig nein. So soll es sein.

Autsch, das schmerzt. Die Z wird fahrsicher.

Das Einzige, was schon vorher weiß war.

Scharfkantig. Kann auch ein Weiß nicht sanfter machen.

Wunderbares Schuhwerk plus Bremserei.

Freundlich ist das nicht.

Blinker vereinen beide Motorradfarben in sich.

Augen auf, Kopf zu, damit nicht noch mehr rausfällt. Seltsamer als die Lackierung der Z ist die Montur des Fahrers.

Die Stefanmaschine sollte einige Tricks für das Video zeigen. Er stand aber völlig neben sich und wurde abgelehnt.

 
Irgendwie wird alles immer erst dann klar, wenn der Motor läuft. Weil erst unter dem Röcheln der extravaganten Auspufftüten der Blick wieder auf das Wesentliche gerichtet wird. Und das bedeutet, dass Äußerlichkeiten unwesentlich sind im Vergleich zu den inneren Werten. Wenn du in ureigenster Streetfighter Haltung im orangen Sitz bereit zur Attacke zum Sprung ansetzt, solltest du besser keinen Gedanken an die Farbe deiner Seitenverkleidungen verschwenden, sondern besser daran, was 10, 100 oder 1000 Meter vor dir auf dem Asphalt „steht“ und den Weg versperrt, auf den du gerade alle 125 Pferde auf einmal loslassen willst. Wer 125 PS nicht genug findet, der tut das nur so lange, bis sie anfangen loszutreten und man spürt, wie sehr sie das wollen. Schon eigenartig, wenn sich ein Wesen, so unschuldig weiß wie ein unendlich gütiges Einhorn, benimmt wie Cerberus' schlimmerer Bruder. Mit hat es auch schon immer am besten gefallen, mich in Anzug und Krawatte daneben zu benehmen. Weil es um den Kontrast geht. Wem es gar nicht gefällt, dem bleibt noch die grüne (Lime Green) oder schwarze (Metallic Diablo Black) Version. Aber wer will schon das tun und sein, was alle von ihm erwarten?

Und während wir uns gerade an die neue Helligkeit gewöhnen, sind uns die Tanzwütigen schon wieder einen Schritt voraus. Neon ist aus den Neunzigern auferstanden und erhebt sein schreckliches Gesicht. Wird es uns bald als Motorradlack entgegenstrahlen? Wir sollten damit rechnen.

   

 

 

Text: kot
Fotos: 1000PS, Kawasaki

Fazit: Kawasaki Z1000

Wer 125 PS nicht genug findet, der tut das nur so lange, bis sie anfangen loszutreten und man spürt, wie sehr sie das wollen.


  • tolle Performance
  • starker Motor
  • angenehmes Fahrgefühl.
  • Relativ schwer
  • Fahrwerk etwas kompliziert.

Bericht vom 30.04.2008 | 65.657 Aufrufe

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