KTM 250 EXC-F

Die kleinste orange 4 Takter ganz groß. Dank vieler kleiner Veränderungen wird die 250er 4T von KTM zum echten Racer mit hohem Spaßfaktor.

KTM 250 EXC-F Testbericht

Auf den MX Strecken der Welt ziehen die kleinen 4 Takter den großen schön langsam das Fell über die Ohren und die Fahrer grinsen dabei noch entspannt aus dem Helm. In der Enduroszene schafften es die kleinen noch nicht ganz den großen die Show zu stehlen, irgendwie war die Leistung noch nicht so wie sie sein sollte um an den größeren Bikes vorbeizuziehen. Wir wollten sehen ob das neue Modelljahr den Durchbruch schaffen kann.
 

Der Test
Hardcore Enduroparadies Lunz, dort wo der Endurosport in Österreich die letzten 10 Jahre Groß wurde, und eine Crosscountry Strecke diente als Spielwiese um die kleine feine KTM anständig auf Herz und Nieren zu testen.
Das Bike ausladen aus dem Transporter, rein in die Panier, wie freue ich mich schon wieder auf die neue Saison! "Gentleman start your engines" ein kurzer Druck auf den roten Knopf und die KTM läuft. Die Startprüfung bei 5° Aussentemperatur hat sie mal völlig Problemlos gemeistert. Die butterweiche Kupplung gezogen, 1. rein und ab in den Wald. Die Kleine überrascht mich schon auf den ersten Metern. Die Gänge werden durchgerissen und selbst im 3. Gang steigt sie ohne Kupplung locker auf, wenn sich einem unerwartet Wellen und Hindernisse in den Weg stellen. Die Leistung ist dabei spielerisch zu kontrollieren, man ist nicht überfordert und hat immer genug Leistung, auch ohne Kupplungseinsatz, was beim Vorjahresmodell nicht immer der Fall war.
Durch die moderate Leistung gibt einem die KTM ein sehr vertrautes Gefühl und man traut sich auch gleich mehr zu. Weiters viel auf, dass mir die Unterarme lang nicht so zu schaffen machten, da ich weit lockerer unterwegs war als mit einem großen Bike.
Die Traktionsmaschine
Die nächste Überraschung gabs beim Steilhang. Bei einem der selektievsten Steilhänge der Österr. Rennszene sollte sich herausstellen, ob sie die Reifeprüfung schafft oder nicht. Zum Vergleich war eine 450er mit dabei. Auf den ersten Metern hatte ich schon die Hoffnung aufgegeben mit der 450er mithalten zu können, doch völlig unspektakulär zog mich die kleine KTM den Berg hinauf. Trotz Serien FIM Reifen gab sich die KTM kein Blösse und stürmte an der 450 vorbei, die vergeblich auf der Suche nach Traktion war. Wo ich schon selbst im Zweifel war, und mich auf einen kontrollierten Aufgabe einstellte, brachte mich die KTM bis auf den höchsten Punkt. Danke für die Horizonterweiterung! Leistung ist nicht immer der Schlüssel zum Erfolg.
Das Fahrwerk
Die 250er steckt ja bekanntlich in einem etwas kürzeren Rahmen was sie unheimlich agil und wendig macht. Doch kein Licht ohne Schatten. Durch die Agilität büßt sie ein wenig an Stabilität auf Highspeed Etappen ein. Ebenso kommt schon mal Unruhe in den Lenker wenn man in die Eisen geht und Anbremswellen versuchen einem das Leben schwer zu machen. Da gibts aber eine gute Investition im Powerparts Katalog welche eine unheimliche Ruhe ins Fahrwerk bingt und viel Angstschweiss erspart, Zauberwort "Lenkungsdämpfer"!
Die Gabel arbeitet unauffällig, spricht gut an und hat auch anständige Reserven, würde ich im guten Mittelfeld platzieren. Das PDS baute zwar super Traktion auf, gab einem aber gelegentlich einen Klaps auf den Hintern wenn man nicht aufmerksam ist und gröbere Wellen bewußt drückt. Das hat bei anderen 08er KTM Bikes schon besser funktioniert. Besonders gut gefiel uns das Gefühl am Vorderrad beim Kurvenfahren ohne Anlieger.
Bodywork, Kupplung, Bremse

Das Design ist man ja mittlerweile schon sehr gewohnt, das ganze Bike wirkt wie aus einem Guß. Die Qualität ist gestiegen, Dinge wie die abgefrästen Narben, Sechskantschrauben mit Innentorx, der Ständer mit größerer Aufstandsfläche, schwarze Felgen, das Dekor das sich nicht mehr ablösen kann, im Rahmen integrierte Kühlschläuche, dies alles sind Dinge die nicht über Nacht kommen und auch heute noch nicht bei allen Herstellern zu finden sind.
Die Sitzposition ist eindeutig ein großer Schritt nach vorne. Jetzt sitzt man viel neutraler am Bike und Positionswechsel gehen einfacher von der Hand.
Nachteil für kleinere Fahrer, generell ist die Sitzhöhe etwas gewachsen. KTM hat reagiert und eine niedrigere Sitzbank ins Powerpartsregal gestellt.
Über Kupplung und Bremse ist es leicht zu schreiben. Beide sind einfach das Maß der Dinge am Markt. Die leichtgängige hydraulische Kupplung hat einen perfekten Druckpunkt und geht Butterweich. Die Bremsen arbeiten einfach genial.
Der Tank mit 9,2 L sollte auch für 2h CrossCountry reichen. Am Heck befinden sich Griffrillen um das Motorrad aus jeder verzwickten Lage rausziehen zu können, hat aber einen Hacken, der Auspuff liegt zu nahe am Heck. Da wirds heiß unter den Fingernägel!
Der Motor/Getriebe

Zur Theorie, neue Auslassnockenwelle mit geändertem Timing für besseres Ansprechverhalten, andere Ventilfedern, geänderte Zündkurve, neuer Edelstahlkrümmer mit größerem Durchmesser. Wie auch immer, das wesentliche ist das sich die 08er im Welten stärker anfühlt als noch letztes Jahr. Die Letztjährige war zwar bei höheren Drehzahlen auch schon stark, von unten raus mußte aber die Kupplung ordentlich geschunden werden um auf Touren zu kommen. Dies ist jetzt anders, die KTM hat übers ganze Drehzahlband super Leistung und macht richtig Spaß. Leistung die Spaß macht.
Das Getriebe arbeitet auf hohem Niveau, die Gänge flutschen und das 6 Gang Getriebe paßt perfekt. Mit der Übersetztung 13/52 kann man jetzt auch ohne die Kupplung massiv zu fordern im Gelände mit dem 2. Gang bergauf anfahren.
Sehr sehr hoher Spaßfaktor

Ich war sicher noch etwas voreingenommen vom Modell 07 und erwartete einen ähnlichen Motor, doch am Ende kam es ganz anders und die kleine überraschte mit echter Power und so viel Spaß wie wir schon lange nicht mehr beim fahren hatten. Das schöne ist eben das man die 250er endlich mal echt Vollgas fahren kann, ohne gleich im Spital zu landen. Dieses Gefühl mit voll geöffneten Hahn um die Ecken zu ballern beschert einem eben ein unheimliches Glücksmomente, und das macht es eigentlich aus, möglichst viel Spaß zu haben. Der schöne Nebeneffekt dabei ist, dass man auch noch schnell ist. Auch wenn es oft täuscht und man das Gefühl hat nicht den Vortrieb zu haben wie auf einem großen Bike, die Stoppuhr sagt etwas anderes! Wahrscheinlich ist die 250er das eigentliche Volksbike, von jedem zu beherrschen, absolute Spaßmaschine und ausreichend Leistung für jedes Siegespodest im Land.
Leider hängt noch immer das Image des schwachen Mopeds auf den 250ern, doch wäre dies sicher die 1. Wahl für 99% aller Enduristen im Österreich. Ich bin überzeugt, es wird nicht mehr lange dauern, und auch in der Enduroszene setzten sich durch die laufende Weiterentwicklung die kleineren Hubräume durch.
Man fährt mit dem Bike und nicht umgekehrt!
 
 + toller kräftiger Motor
 + Kupplung, Bremse u. Ergonomie
 + wendig und agil
 
 - leicht nervöses Fahrwerk
 - Heckgriff zu nahe am Auspuff
 

Tipp zum perfekten Bike: Lenkungsdämpfer und Motorschutz
 

Technische Daten EXC 250 -F

Motorbauart Einzylinder, 4-Takt
Hubraum 248,6 ccm
Bohrung x Hub 76 / 54,8 mm
Kompresssion 12,8:1
Starter / Batterie Kickstarter/E-Starter / 12V 4 Ah
Getriebe 6 Gänge, klauengeschaltet
Vergaser Keihin FCR MX 39
Steuerung 4 V / DOHC mit Schlepphebeln
Schmierung Druckumlaufschmierung mit 2 Eaton Pumpen
Motorschmierung Motorex, vollsynthetisch, SAE 15W-50
Kühlung Flüssigkeitskühlung
Kupplung Mehrscheibenkupplung im Ölbad, hydraulisch betätigt
Zündung Kokusan digital
Rahmen Zentralrohrrahmen 25CrMo4 Stahl
Lenker Aluminium Ø 28/22 mm
Federung vorne WP USD Ø 48 mm
Federung hinten WP PDS Federbein
Federweg vorne / hinten 300 / 335 mm
Bremse vorne / hinten Scheibenbremsen 260 / 220 mm
Felgen, vorne / hinten 1,60 x 21"; 2,15 x 18" Excel
Bereifung vorne / hinten 90/90-21"; 120/90-18"
Radstand 1475 ± 10 mm
Bodenfreiheit unbelastet 380 mm
Sitzhöhe 925 mm
Tankinhalt ca. 9,2 Liter
Gewicht (ohne Benzin) ca. 105,7 kg
 

 

Text: Edi Ederer

Autor
karolettaLambretta

KAROLETTALAMBRETTA

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Bericht vom 31.03.2008 | 130.665 Aufrufe

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