KTM LC4 690 SM

kot fragt sich: Kann irgendwas noch mehr Spass machen? Der Josinger wird es nie mehr erfahren.

KTM LC4 690 Supermoto Test 2007

Wenn das nicht geil ist, kenne ich leider auch keinen Arzt mehr, der helfen könnte.

 
Und wieder so ein designtechnisches Sorgenkind, das viele Leser zu derben Kommentaren inspirierte.
Die grossen Kritikpunkte lauten Schnabel und Töpfe, wie bei einer Frau eben. Nur, das hier hält den Schnabel und die Töpfe sind hinten angebracht, die sieht man beim Fahren sowieso nicht. Was soll also die ganze Aufregung? Wie Martin "Die Wabe" Wabnegger feststellend bemerkte: "Wenn's erst einmal oben sitzen und fahren, wird ihnen der Auspuff ziemlich komplett egal sein." Tja Leute, 20 Jahre LC4, wie wir sie kannten, sind jetzt vorüber. Zeit für was Neues.

1987 erschien die erste LC4, damals mit der Nummer 600 hinter der Abkürzung für "liquid cooled 4-stroke". In den Neunzigern hat man die Modellreihe zunehmend in Richtung Dual-Purpose entwickelt und wollte dabei das beste aus zwei Welten vereinen. Schon 1994 brachte man aber eine LC4 Variante, die allein für den Gebrauch auf asphaltierten Strassen gedacht war, die Duke 620. Und jetzt, wieder 13 Jahre später, wird die LC4 neu überdacht, entwickelt, produziert. Die 690 soll eine neue Generation von Supermoto darstellen, distanziert vom Offroad-Ursprung. Eine Ära geht zu Ende, doch niemand muss weinen, alles wird besser.

 

KTM LC4 690 Supermoto Video - Bernd Hiemer Onboard !!

 

Testfahrt der neuen LC4 690 in und um Montbrio del Camp/Spanien. Video bitte vor dem Essen ansehen, bei den kranken Onboard Aufnahmen von Bernd Hiemer könnte einem leicht schlecht werden. Vielen Dank an ihn, dass er mit meiner professionell installierten Kamera (aufgeklebter Tankrucksack) einige Runden drehte!

Das Video gibt's auch gleich zum Downloaden. Einfach mit der rechten Maustaste hier klicken und "Ziel speichern unter" wählen.

 

Schnitt: Cimple Moritz 
Videodreh: kot 
Onboard Cam:kot, Bernd Hiemer (der schnellere)

 

Eigentlich schlanke Auspuffanlage. Nur die Endtöpfe sind aufgeblasen

 

Ich war auch nicht gerade erfreut, als ich die 690er zum ersten Mal sah. Ich weiss aber auch, dass uns die Designer beim Instinkt für zukünftige Mode und Designtrends ein ganzes Stück weit voraus sind und sie nicht immer das machen, was wir gerade mögen, sondern oft oder sogar meistens das, was wir mögen werden. Ein Objekt muss nicht sofort verstanden werden, das gilt besonders für derart radikale Dinge wie Motorräder von KTM. War ja immer schon so. Da hast du irgendwann mal in der Schule das T-Shirt über statt unter dem Sweater getragen und alle haben gelacht. Nach einiger Zeit trugen es alle so und leugneten vehement, sich jemals darüber lustig gemacht zu haben. 'Na heast ehrlich, ich hab den Auspuff von der 690er nie wirklich schirch g'funden.'
Mittlerweile bin ich ein ganz grosser Fan der neuen. Wartet nur mal ab, bis ihr einmal eine 690er vor euch auf der Strasse seht. Die zwei Ofenrohre schauen derart hart aus. S'a Wahnsinn!

Glücklicherweise sollte ich diesen Meilenstein in Spanien testen, in freier Wildbahn wie auf einer Kartstrecke. Eine weise Entscheidung, nur so kann Klarheit herrschen. Um diese Klarheit dann auch noch kristallklar zu polieren, hat man noch den Bernd Hiemer eingeladen. Wem das nichts sagt, dem sagen eventuell die Worte 'Supermoto Weltmeister 2007 Klasse S1' etwas. Fuhr letztes Jahr noch eine 630 SMR (ja, sowas gibt's) und wird heuer mit einer sicher nicht milderen 450 SMR an den Start gehen.

 

Info: Die KTM LC4 690 Supermoto bei der 1000PS Roadshow Probe fahren

Auch heuer wieder kann man bei den 1000PS Roadshows die Neuheiten der Saison 2007 kostenlos Probe fahren. Mit dabei ist auch die neue 690er Supermoto. Insgesamt fast 100 Motorräder stehen bei jedem Termin für euch zur Verfügung. Alle Infos und Termine unter www.1000ps.at/roadshows. Unsere deutschen Gäste müssen wir an dieser Stelle enttäuschen. Die Roadshows gibt es leider nur in Österreich.

Links: Ein Wheelie ist, wenn der Vorderreifen in der Höhe ist, die Entstehungsgeschichte interessiert niemanden. Mit der 690er ein Kinderspiel.
Rechts: Die spanische Fliege. Müheloses Kurvenwetzen bis zum Overkill auf unendlichen Serpentinen.

 

Die 690 in die Hand genommen freue ich mich zunächst über den Lenker für Männer. So weit musste ich die Arme glaube ich noch nie auseinander halten. Sehr sportlich und in Verbindung mit der weit vorne angesiedelten Sitzposition auch irgendwie sehr Macho, als würdest du dich mit den Händen auf einem Tresen abstützen, darüber beugen und fragen 'Is'n leicht?'. So sieht es zumindest so aus, als hättest du dein Motorrad voll und ganz im Griff.

Der Sitz ist für eine Supermoto ausladend breit, durch eine Geleinlage weich gepolstert und befindet sich nur mehr auf einer Höhe von 875 mm. Ah ja, weg vom Offroad-Ursprung, den brauchen wir ja jetzt nicht mehr, wir sind Asphalt Surfer.

 

Wer ruhig auf dem Platz sitzen bleibt und nicht ständig von links nach rechts und zurück rutscht, dem sind viele Kilometer ohne Verletzungen im Analbereich zuzutrauen. Sicher war es auch früher möglich, mit einer LC4 weitere Touren zu unternehmen. Leute wie der josinger haben das auch getan. 1800 Kilometer in 4 Tagen. Danach hat er eine Woche lang versucht, seine Männlichkeit wiederzubeleben. Ob er Erfolg hatte? Also Frauengschichten höre ich keine mehr von ihm.

Wer sich aber in einem extrem kurvenreichen Gebiet aufhält, wie wir in Spanien, wo keine 50 Meter vergehen, ohne dass die Strasse die Richtung ändert, der muss trotz Sitzkissen mit Abschürfungen und offenen Stellen im Gesässbereich rechnen. Da wird der Komfort schnell wieder zur Tortur, weil du im Gel der Sitzbank einsinkst und so Reibflächen entstehen. Ich bewege mich besonders viel am Motorrad - weil's einfach lustiger ist, nicht, weil's was bringen würde - und hatte am Abend so meine Probleme, das Dinner im Sitzen einzunehmen.

Nicht nur die Sitzbank erhöht den Fahrkomfort für den Einsatz in der weiten Welt, du hast nun nicht mehr diese prall gefüllten Hände und Unterarme, weil es dir das Blut Richtung Finger vibriert. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 150 ist alles im grünen Bereich. Allein die 13,5 Liter Tankinhalt werden öfter Pausen fordern.

 

KTM 690 - auch auf der Kartstrecke schnell.

 

Der Motor ist um ein ganzes Stück kultivierter geworden, springt an ohne sich zu beschweren und läuft sofort rund. Ist eine schöne Sache, viel wichtiger aber ist, dass er um 3 Kilo leichter und um ganze 20% stärker wurde. 63 PS liefert das neue Aggregat, dessen Bauch übrigens ein Hubraum von 653,7 Kubik füllt, bei 7.500 U/min. Auch unten hat man jetzt mehr Kraft zur Verfügung und einen besseren Durchzug. Die 65 Nm Drehmoment stehen schon rund 1000 Touren früher an, bei 6.550 U/min. In Summe heisst das Wheelie auch für ganz Unfähige (siehe Foto weiter oben) und Chef sein in Stadt und kurvigem Land. Die hydraulisch betätigte Kupplung ist easy-going, sodass man sie bald vergisst, meiner leicht irritierten Hand (ich hab da so ein Ziehen, Aua) bereitete sie keinerlei Probleme.

Besonders dankbar war ich für das Anti-Hopping der Kupplung. Wie oft bin ich im Känguru Modus Richtung Kurveneingang gehoppelt, wie oft fast gestürzt. Sehr oft. Nun konnte nichts mehr passieren. Das gnaden- wie sorglose Runtertreten der Gänge hat schon was und das Driften wird auch erheblich leichter. Ein ganz entscheidendes neues Feature das nun ab Werk mitgeliefert wird.

Was der stärkste Euro III homologierte Einzylinder Motor zu leisten im Stande ist, sollten wir bald erfahren. Früher war es schon eine Mutprobe, die 150er Marke zu durchstossen, wenn der Bock angefangen hat sich zu bewegen wie eine Marionette. Und jetzt sitzen wir auf der Neuen, lesen 190 am Tacho, alles ist ruhig und wir verstehen die Welt nicht mehr. Angeblich wurde von einem glaubwürdigen Zeugen auf dem Weg nach Deutschland schon die 2 an der Hunderterstelle abgelesen. Sehr irre, der sechste Gang war also unbedingt notwendig.

Ein richtig schnelles Motorrad, das beweglich ist wie eine ukrainische Bodenturnerin ergibt plötzlich einen ernsten Gegner für die Meisten, und zwar, was noch erschreckender ist, nicht nur mehr im eng gesteckten Kurvenwirrwarr, sondern auch in weiteren Radien. Man wird so manche bleiche Gesichter sehen, da werden nur die lachen, die auf der LC4 sitzen.

Damit die Power nicht without control bleibt, dafür sorgt bei der 690er vorne der Brembo Vierkolben-Radialfestsattel, der sich eine 320 mm grosse Bremsscheibe greift und hinten ein Brembo Einkolben-Schwimmsattel mit 240er Scheibe. Das bremst sehr gut und direkt. Das sollte man auch immer im Hinterkopf behalten.

 

Danke, ausreichend Grip vorhanden. Die Fussrasten streifen erst weiiiiiiit unten.

 

Den ersten Teil des Tests hat die 690 mit Bravour bestanden, die vielen Kilometer auf spanischen Asphaltschlangen, die irgendwie kein Ende zu haben schienen, waren ein Traum, wahnsinnig leiwand! Stundenlang nichts als Kurven auf einem Motorrad, das man mit Gedanken steuern kann.

Am Nachmittag wurden dann auf der Kartstrecke alle Fähigkeiten der neuen Supermoto (und unsere) bis zum Limit gefordert. Wunderlich war, dass trotz grosser Schräglagen kaum jemand mit den Fussrasten aufsetzte. Sehr sportlich. (Nur beim Hiemer Bernd hat die ganze Zeit etwas ganz schrecklich gekratzt.) Auf der Kartbahn wurde besonders deutlich, dass die 690 Supermoto für den Strasseneinsatz optimiert wurde. Agil aber nicht kippelig, stabil aber nicht träge. 152 fahrfertige Kilo liessen sich nicht zweimal in die Ecken bitten, man zeigte nur kurz vor und sie folgten nach. Was wirklich möglich war konnte uns nur Bernd Hiemer zeigen, wie man auf dem Video eindrucksvoll sehen kann. Da steht man daneben und denkt, was man denn eigentlich für ein kleines Nichts am Motorradplaneten ist.

 

Schaaatz! Ich fahr nur kurz mal in den Gegenverkehr.

 
Eigentlich ist die 690 SM ja keine Supermoto mehr, sie ist eine Street-Supermoto, oder eine supere Streetmoto. Man kann sie fahren wie eine Supermoto, oder wie ein Naked-Bike. Füsse auf den Rasten und nicht am Asphalt, Knie raus statt Bein vor, wie bei der grossen Schwester 950. Konnte man früher auch? Der Unterschied: Bleibt trotzdem stabil wie keine zuvor. Auch bei hohen Geschwindigkeiten. Und da die neue schneller geht als alle alten, ist das besonders wichtig.

Nach einem vollen Tag auf göttlichen Asphaltbändern bleibt ein Gedanke: Was könnte mehr Spass bringen? Nicht viel. (Sex ist trotzdem besser, armer Josinger). Trotzdem oder gerade weil ich soviel fahren konnte, wie noch nie bei einer Präsentation zuvor, fiel es mir besonders schwer der Spasskanone wieder Adieu zu sagen. Ich krieg jetzt noch Kabeln, wenn ich dran denk, dass sie am nächsten Tag von einem anderen Journalisten missbraucht wurde. Möchte ich mir gar nicht vorstellen. Man entwickelt da schnell einen gewissen Besitzanspruch. Auf der anderen Seite war ich froh, meinen wundgewetzten Hintern nach 400 Kilometer wieder entlasten zu können und mich dem günstigen (10 Euro) Pay-TV zu widmen, das übrigens um 23:45 abgeschaltet wurde. Ich war gebrochen, selten so eine Niederlage erlebt.

Eins steht fest: Ich muss mir nie wieder ein Überraschungsei kaufen. Die neue 690 Supermoto bringt 100% Spiel und Spannung, auf den Schoko wir gepfiffen, ist eh schlecht für die Sommerfigur. Darf eigentlich in keiner Funsport-orientierten Garage fehlen. Zumindest in meiner nicht. Wird sie auch nicht.

 

 REITWAGEN Tipp: Die KTM 690 Supermoto im April Heft

Berzerk bewegte die 690 auf der Strasse gar schonungslos und drehte hunderte Runden im Ulm'schen Fahrstil auf der Kartstrecke und bemerkte: Stabil und keine Sekunde langsamer. Allerdings musste er sich bei einigen
Mitstreitern nachher entschuldigen. Nicht mal den Bernd Hiemer liess er vorbei. Seine Geschichte nur im Reitwagen.

 
 

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Text: kot
Fotos: Peuker, Freeman, Montero

Bericht vom 16.03.2007 | 69.648 Aufrufe

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