Kawa Crosser

Erster Testride mit den neuen Kawasaki Crossern. KX250F und KX450F. Herrliches High-Tech in Grün.

Bitte springen - nicht drüberfahren!

Motocross Präsentationen sind oft eine grausame Angelegenheit. Denn anders als bei einer Rennstreckenpräsentation, ist hier das Scheitern des Journalisten auch ohne Stoppuhr offensichtlich. "Äh. Entschuldigen Sie. Auch der Doppelsprung darf gesprungen werden. Sie müssen nicht langsam drüber fahren." Auch diesmal hatte ich vorab schon etwas Angst vor der Vorstellung der neuen KX250F und KX450F auf der MX-Strecke in Kirchschlag.

Die fahrende Demütigung

Um den Druck auf die Journalisten noch weiter zu erhöhen, werden bei solchen Events auch immer ECHTE Rennfahrer eingeladen. Sie sollen eigentlich den schreibenden Fahrern Eindrücke aus dem Grenzbereich liefern. In Wahrheit sind sie jedoch nur zur Demütigung auf der Strecke.


NastyNils sucht den Fotographen!
   

NastyNils: "Bitte noch 2 Meter. Bitte nicht ins Flache!"

Willenlos am Lenker - Trotzdem schnell

In Kirchschlag war diesmal jedoch alles anders. Klarerweise waren die anwesenden MX-Henker wieder ein harter Schlag fürs Selbstvertrauen aber schon nach ein paar Runden mit der 250er und erstaunlicherweise auch mit der 450er fühlte ich mich richtig schnell.

Der Begriff "schnell" ist zwar ein dehnbarer Begriff, aber er spiegelt im Prinzip nur mein eigenes Empfinden wieder. Besonders mit der 250er gelangen mir trotz fehlendem Training und sicherlich nicht übermäßigem Talent erstaunliche Fahrmanöver. Es machte einfach richtig Spaß mit den grünen Offroad-Eisen richtig Feuer zu geben.

250er oder 450er? Fast gleiches Handling!

Die KX250F punktete bei mir in beinahe jeder Situation auf der Strecke. Im Kurveneingang erwischte ich damit fast jedes mal eine perfekte Linie. Das Vorderrad trieb auch dann nicht nach außen, als ich schon willenlos am Lenker baumelte.

Beim Umlegen dann die nächste Überraschung. Die 450er bot fast das gleiche Handling wie die 250er. Im Kurvenausgang dann das Heimspiel für die 250er: Perfekte Traktion durch das Zusammenspiel von Motor und Fahrwerk. Trotz schlampiger Sitzposition kann man sich ordentlich aus den Anlieger katapultieren.

Agil UND Stabil!

Der ewige Kompromiss zwischen Agilität und Stabilität scheint bei den neuen KX Modellen gut gelungen zu sein. Denn auch in Rillen oder im etwas tieferen Böden werden keine weiteren unnötigen Schweißperlen vergeudet.

Die Bremsen bissen gut, für meine Verhältnisse schon zu gut. Die anwesenden Rennfahrer freuten sich über den harten Druckpunkt und den festen Biss. Für die Blicke der Gegner wurden klarerweise Wave-Scheiben montiert.

 

450er nur für harte Jungs?

Für mein Fahrniveau war die 250er klarerweise die bessere Wahl. Die 450er ist zwar keine unfahrbare Bestie, aber man macht sich als Hobbypilot damit das Leben unnötig schwer. Wer also ohne Rücksicht auf irgendwelche Klassen angreifen möchte, liegt bei der 250er goldrichtig. Die durchtrainierten Profis an der Strecke waren aber von der 450er durch die Bank begeistert. Beinahe das gleiche Handling wie die 250er, aber gnadenlose Power am Steilhang. 

Rücksichtsloses Design

Als Rücksichtslos darf man wieder mal das neue Design der grünen Offroad-Geräte bezeichnen. Wer bis jetzt mit dem 2004er oder 2005er Modell super happy war, wird beim Eintreffen der ersten 2006er Modell im Fahrerlager ordentlich wimmern. Das Design darf als großer Wurf bezeichnet werden. Es darf aber geputzt werden! Denn nur wenn sie glänzen, sind die grün-schwarzen Plastics richtig geil.

   
KX250F in Action
   

MX-Profi Marco Schögler erklärt die KX Palette:

Marco Schögler steht für das Team Damianik in der ÖM Klasse MX1 am Start. Heuer fuhr er noch mit der KX 250 2 Takt und landete am Saisonende auf Platz 9. Erschreckend sein Trainingsaufwand: Täglich Sport und 3x wöchentlich auf der MX-Strecke! Wir wünschen eine gute Saison 2006.

KX125 - 125er 2-Takter

"In Wahrheit das beste Trainingsgerät für eine saubere Linie! Wir empfehlen jedem 80er Aufsteiger zuerst eine harte Saison mit einer 125er. Wer sich damit selbst kasteit und super Zeiten fährt, kommt mit einer 250er 4 Takter auf alle Fälle klar. Von den Kosten ganz zu schweigen."

KX250 - 250er 2-Takter

"Ich bin damit heuer die gesamte MX1 ÖM Saison gefahren und erreichte Gesamtrang 9. Die 2006er finde ich noch einmal deutlich besser. Sanfteres Ansprechverhalten und noch mehr Spitzenleistung. Man kann auch mit der guten alten 250er noch super Zeiten fahren. Wird jedoch auf höchstem Niveau gefahren, tut sich ein 450er 4T Pilot einfach leichter"

KX250F - 250er 4-Takter

"Das perfekte Bike für den Hobbypiloten. Super zu dosieren und verzeiht viele Fehler. Es fällt leicht damit schnell zu fahren. Allerdings hat die einfache Charakteristik des Eisens auch einen logischen Nachteil. Viele Fahrfehler werden vom Eisen geschluckt und man gewöhnt sich Schlampigkeiten nicht ab. Will man jedoch ein höheres Niveau erreichen, bleibt man dann an genau diesen Fehlern hängen."

NastyNils: "Das perfekte Eisen für chronische Trainingsverweigerer. Ich liebe es!"

KX450F - 450er 4-Takter

"Ich werde damit in der Saison 2006 in der ÖM angreifen. Das Motorrad ist gut gelungen. Bin vor allem vom Handling extrem überrascht. Fast kein Unterschied zur KX250F. Der Motor ist natürlich eine Wucht. Auch gegenüber den anderen 450ern viel Power."

 
Kawasaki KX450F - die wichtigsten Features
  • Sehr schlankes Design mit langen, schmalen Kühlern.
  • Polierte Einlasskanäle! Die unwürdige Polierarbeit in der Pfuscher-Werkstatt hat damit ein Ende.
  • Titan Ventile mit Aluminium Ventilteller und 2 Federn pro Ventil
  • Der Alurahmen besteht aus extrudierten, geschweißten und gegossenen Teilen. Optisch eine Wucht. Auch auf der Waage scheint die Performance zu passen. 99.8 kg Trockengewicht
  • Klassenstärkstes Bike! Harte Power.
  • Neue Alu-Schwinge
  • Leichte Details an allen Ecken und Enden. z.B.: Alu Motorschutz, Titan Fußraster und Fußrasterhalter

Motor:

  • Ventiltrieb: DOHC, 4 Ventile
  • Bohrung x Hub: 96,0 x 62,1 mm
  • Verdichtung: 12.0:1
  • Vergaser: Keihin FCR 40
  • Leistung: 56.4 PS @ 8.500 rpm
  • Drehmoment: 50.8 Nm @ 7.000 rpm
  • Getriebe: 4 Gang

Fahrwerk:

  • Federung vorne: 48mm Kayaba USD Telegabel mit Doppelkammer. 22-fach in der Druck und 20-fach in der Zugstufe einstellbar.
  • Federweg vorne: 315 mm
  • Federung hinten: Uni Trak Federungssystem mit einstellbarer Vorspannung, 22-fach low-speed und stufenlos high speed in Druck- und 22-fach in Zugstufe einstellbar.
  • Federweg hinten: 315 mm
  • Trockengewicht: 99,8 kg
 KX450F KX250F
Gesamtlänge 2185 mm 2160 mm
Radstand 1485 mm 1469 mm
Lenkkopfwinkel 27.1º 27.7º
Nachlauf 117 mm 119 mm
Gesamthöhe 1280 mm 1270 mm
Bodenfreiheit 345 mm 372 mm
Sitzhöhe 965 mm 960 mm
Trockengewicht 99.8 kg 92.5 kg
KX 450F vs. KX250F - Die Unterschiede
Die technischen Daten links, zeigen die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen den beiden Kawa-Crossern. Ein kleiner aber feiner Tausender Unterscheid beim Preis.

Preis KX250F: 7.299 Euro inkl. MwSt. und Nova

Preis KX450F: 8.299 Euro inkl. MwSt. und Nova

unverbindlich empfohlener Verkaufspreis Österreich!

   
Kawasaki KX250F - die Änderungen und Features im Überblick
  • Neuer Zylinderkopf (Kanäle und Verdichtung) und neuer Kolben
  • Erhöhung von Leistung und Drehmoment (+0,3 kW, +1,2 Nm)
  • Neuer Lichtmaschinenrotor und "Stick-coil" Zündspule
  • Schlankere aber effizientere Kühler für aggressivere Sitzposition
  • Neuer Alurahmen
  • Show Gabel mit closed Cartridge System
  • Bremsscheiben im Wave Design
  • Neue Uni-Trak Aufhängung hinten und neue Schwinge
  • Neuer Renthal Lenker
  • Alu Motorschutz
  • Neues Design (man fährt auch mit dem Auge)
  • Kawasaki Eigenentwicklung, die Kooperation mit Suzuki ist im Modelljahr 2006 beendet.
  • + dutzende Detailverbesserungen an Motor und Anbauteilen.

Motor:

  • Ventiltrieb: DOHC, 4 Ventile
  • Bohrung x Hub: 77.0 x 53,6 mm
  • Verdichtung: 13,5:1
  • Vergaser: Keihin FCR 37
  • Leistung: 43.4 PS @ 11.500 rpm
  • Drehmoment: 29.9 Nm @ 7.000 rpm
  • Getriebe: 5 Gang

Fahrwerk:

  • Federung vorne: 48mm Showa USD Telegabel mit Doppelkammer. 16-fach in der Druck- und Zugstufe einstellbar
  • Federweg vorne: 315 mm
  • Federung hinten: Uni Trak Federungssystem mit einstellbarer Vorspannung, 13-fach low-speed und stufenlos high speed in Druck- und 17-fach in Zugstufe einstellbar.
  • Federweg hinten: 300 mm
  • Trockengewicht: 92,5 kg

 

Vorsicht Technik: Closed Cartridge System

Sowohl die 250er als auch die 450er KX-F haben USD-Gabeln mit einem closed Cartridge System montiert. Bei einem closed Cartridge System gibt es in der Gabel im wesentlichen 2 getrennte Kammern. In einer Kammer befindet sich Zugstufe, Druckstufe und Mid-Speed mit dem Dämpferöl. In der anderen Kammer befindet sich die Feder mit einem eigenen Öl für die Schmierung der Buchsen. Das Dämpferöl muss nun nicht mehr für Schmierungszwecke vergewaltigt werden und es fällt wesentlich weniger Abrieb im Dämpferöl an. So kann man die Servicewechselintervalle 2-3x länger ansetzen als bei einer herkömmlichen Gabel. Das Ansprechverhalten bleibt auch über einen längeren Zeitraum sensibel. Klingt logisch.

   
Das Kawasaki Händlernetz - Klasse statt Masse

Kawasaki Österreich hat im Motocross Bereich ein relativ kleines Händlernetz. Doch die grünen Händler bieten dafür geballtes MX-Know How und jahrzehntelange Erfahrung. Allesamt Händler welche an vielen Wochenenden mit den Gummistiefeln durchs Fahrerlager stapfen, Racingteams betreuen, Rennserien unterstützen und Rennfahrern weiterhelfen. Großartige Truppe!


Magic Alois (Kawasaki Österreich), Ernst Helten (Seit kurzem wieder Kawa Händler Fa. Auner-OÖ), NastyNils (Opfer)


Horst Kaudelas Firmensitz in Unterstinkenbrunn (www.kaudela.at) klingt zwar nicht nach internationalem Flair, bürgt aber für MX-Qualität. Fundiertes Fahrwerks Know-How und viel MX-Strecken Erfahrung. Sein Sohn Horst erlebt ihn an der MX-Strecke als geduldigen Trainer!


Gerhard Damianik (www.damianik.at) betreibt seit langem einen grünen MX-Shop im niederösterreichischen Neunkirchen. Auch er kann auf viel praktische Erfahrung durch sein Engagement im MX-Sport zurückgreifen. Sein Damianik Team rund um Marco Schögler und Seppi Fally fährt beständig Spitzenresultate ein. In MX-Kreisen gilt er als Öhlins Kapazunda.


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Text: NastyNils
Photos: Herwig Peuker (www.herwigpeuker.com)

Bericht vom 07.10.2005 | 8.212 Aufrufe

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