Zurück im Rennen mit Startangst Slicks und Pokal

GH-Moto Oktober am Pannoniaring

Jahrelang bin ich keine Rennen gefahren, weil mir vor dem Start graute. Dann kam ein sonniger Oktobertag am Pannoniaring, eine fast leere Strecke und die Euphorie. Mit der Kawasaki ZX-6R ging es ins Hobbyrennen. Startangst, Traumstart, Prügel und ein Pokal.

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Ich habe es wieder getan. Jahrelang bin ich kein Motorradrennen gefahren, weil mir vor dem Start schlicht die Hose geflattert ist. Irgendwann um den 40. Geburtstag herum kam diese Angst, einfach so, ohne Vorwarnung. Die alten Herren, die mich davor gewarnt haben, habe ich immer als alte Säcke abgetan. Und jetzt? Jetzt bin ich selbst einer. Der Grund: Man denkt zu viel nach. Die Startaufstellung, die Ampel, das Gedränge vor der ersten Kurve, dieses ganze Szenario fühlte sich für mich irgendwie bedrohlich an. Doch diesmal kam alles anders, und schuld daran ist ein Termin, den ich euch seit Jahren ans Herz lege.


Der Geheimtipp mit Wettergarantie im Oktober

Ich schreibe immer wieder darüber, und trotzdem ist es noch ein Geheimtipp: die April- und die Oktober-Termine beim Veranstalter GH-Moto am Pannonia-Ring. Das sind quasi die Off-Season-Termine mit einer sogenannten Wettergarantie. Nach meinem Verständnis läuft das so: Du meldest dich an, und passt das Wetter dann nicht, bekommst du 90 Prozent des Ticketpreises zurück, die restlichen 10 Prozent bleiben für die Transaktionskosten der Online-Zahlung. Für mich war das Risiko damit überschaubar. Für unser internationales Publikum muss ich erklären, dass bei uns in Mitteleuropa die Rennstreckensaison normalerweise Mitte bis Ende Oktober vorbei ist. Doch damit tut man dem Wettergott Unrecht. Es gibt im Oktober immer wieder wunderschöne, windstille, sonnige Tage, an denen man perfekt Motorrad fahren kann. Wer sich das gönnt, wird belohnt!


Warum ein Oktobertag auf der Rennstrecke doppelt schmeckt

Ich mache das immer wieder einmal, weil es einfach richtig geil ist, im Oktober noch einmal das schöne Wetter zu nutzen und saubere Runden auf der Rennstrecke zu ziehen. Und irgendwie macht Motorradfahren dann noch mehr Freude, weil man eigentlich gar nicht mehr damit gerechnet hat. Es ist wie das letzte Stück Kuchen, das plötzlich doch noch in der Dose liegt. Natürlich mache ich das vom Wetter abhängig. Sind die Temperaturen fein, schiebe ich meine Kawa in den Bus. So auch diesmal, ab zum Pannonia-Ring. Wie üblich steht mein Motorrad perfekt vorbereitet bereit. Frische Reifen montiere ich gleich nach dem letzten Turn, damit ich beim nächsten Mal flexibel anreisen kann. Vorne fahre ich den Bridgestone V03, hinten den V02. Ist es besonders kalt, fahre ich gar nicht erst. Pflegeleichter geht es nicht.


Kawasaki ZX-6R mit Heizdecken auf Montageständern vor dem 1000PS Bus
Passt die Temperatur, wandert die Kawa in den Bus, frische Reifen sind schon seit dem letzten Turn montiert.

Fünfzig Fahrer und ich fühle mich wie ein Millionär

Auf der Rennstrecke herrschten geradezu paradiesische Verhältnisse. Normalerweise kaufen bei GH-Moto am Pannonia-Ring 200, 220 Leute ein Ticket. Diesmal waren gerade einmal 50 Fahrer in drei Gruppen am Start. Herrlich! So müssen sich Millionäre fühlen, die eine Rennstrecke exklusiv für sich buchen. Bei so wenigen Startern zieht sich das Feld sofort auseinander, und du fährst quasi immer allein um den Kurs. Kein Gedränge am Einlenkpunkt, kein Hinterrad vor der Nase, nur du, das Moped und der perfekte Asphalt. Mein Eindruck: Nie fühle ich mich sicherer, nie fahre ich schöner als an so einem Tag. Wer einmal so eine fast leere Strecke erlebt hat, versteht, warum ich immer wieder auf den Oktober spitze. Und genau diese Euphorie hat mich dann zu einer Dummheit verleitet, die sich gelohnt hat.


Kawasaki ZX-6R mit Heizdecken im Fahrerlager am Pannonia-Ring
Statt 200 Tickets nur 50 Fahrer in drei Gruppen, entsprechend viel Platz bleibt im Fahrerlager und auf der Strecke.

Der Schreck nach dem Qualifying fürs Supersport Rennen

Diesmal hat mich die Euphorie so gepackt, dass ich mich auch für das Hobbyrennen angemeldet habe. Es wurde eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Der große Schrecken kam mit den Qualifying-Ergebnissen: Ich war leider etwas zu schnell für das sogenannte Rookie-Race. Die Trennlinie zwischen den guten und den schnellen Piloten wurde ganz genau hinter mir gezogen. Also ging ich mit meiner Kawasaki ZX-6R mit schlechten Karten ins Supersport-Rennen. Die Leute vor mir sind im Qualifying deutlich schnellere Rundenzeiten gefahren. Ich bin außer Übung, weit weg von meinen früheren Bestzeiten und fahre am Pannonia-Ring mit der 600er aktuell gerade einmal 2:08er-Zeiten. Das passt für mich, ich habe meinen Fahrspaß dabei. Aber Hand aufs Herz: Letzter werden wollte ich auch nicht unbedingt. Ehrgeiz schläft eben nie ganz.


Ampel aus und plötzlich Vierter in der ersten Kurve

Dann fiel mir etwas ein. Früher war ich bei all meinen Rennen immer ein ausgezeichneter Starter, und auf der Bremse bin ich auch richtig gut. Und auch diesmal habe ich abgeliefert. Die Ampel sprang von Rot auf nichts. Ich zögerte noch kurz, weil ich auf ein grünes Licht wartete, das nie kam, dann habe ich kräftig eingeschenkt. Startreihe um Startreihe habe ich gutgemacht, und aus der ersten Kurve kam ich als Vierter heraus. Unglaublich! All die Jahre des Grübelns vor dem Start, und dann das. Alte Reflexe rosten offenbar langsamer als alte Nerven. Für diesen einen Moment hätte sich die ganze Anreise schon gelohnt.


Weit über meiner Gehaltsklasse in der ersten Runde

Das erinnert mich an meine Jugend, als ich auf Partys manchmal einen Aufriss gelandet habe, der einige Gehaltsklassen über mir lag. Sobald der Schönheit ihr misslicher Fehler bewusst wurde, wurde ich am nächsten Tag eiskalt abserviert. Ich hatte ganz klar einige Etagen über meiner Gehaltsklasse gewildert. Genau so fühlte ich mich hier in der ersten Runde. Die anderen haben mir gnadenlos den Hintern versohlt. Ich steckte mitten in einem Pulk, der einfach fünf Sekunden pro Runde schneller war. Ich habe die Ellbogen ausgefahren, ich habe spät gebremst, aber ich blieb chancenlos. Fünf Sekunden sind auf einer Runde keine Lücke, das ist ein Kontinent. Doch auch das gehört dazu: Wer vorn mitspielen will, muss es sich auch leisten können, zurückgereicht zu werden.


Pokale bis Platz fünf und ein Held vor der Familie

Glücklicherweise spendieren Hobbyveranstalter wie GH-Moto Pokale bis zum fünften Platz. Damit werde ich als absolut heldenhafter Superstar zu Hause vor Frau und Kindern einreiten. Klarerweise werde ich nicht verraten, wie viele Leute am Start waren. Es fragt auch nie jemand nach. Vielleicht, weil es sie nicht interessiert. Vielleicht aber auch, weil sie wirklich glauben, dass ich ein fantastischer Rennfahrer bin. Wie auch immer. Der Pokal steht, die Geschichte wird mit jedem Erzählen besser, und die fünf Sekunden pro Runde kennen nur ich und die Zeitnahme. Ehrlicherweise ist das auch der schönste Lohn eines Hobbyrennens: Man fährt heim mit etwas Glänzendem im Bus, und keiner verlangt den Beipackzettel. Für einen Mann mit Startangst ist das ein ziemlich gutes Comeback.


Siegerehrung mit Pokalen auf dem Podium am Pannonia-Ring
Pokale gibt es bei GH-Moto bis Platz fünf, und wie viele am Start standen, fragt zu Hause ohnehin niemand.

Warum ich auf Slicks fahre, obwohl ich langsam bin

Kritische Stimmen mögen anmerken, dass ich mit meinen Reifen etwas überdimensioniert unterwegs bin. Bridgestone V02 und V03 sind eher für die schnellen Piloten, die zehn Sekunden schneller fahren als ich. Mit diesem Gedankengang kann ich nichts anfangen. Nach meinem Kenntnisstand fährt unser Kollege Martin Bauer mit dem straßentauglichen Bridgestone RS12 am Pannonia-Ring 1:59, also deutlich schneller als ich, mit einem deutlich günstigeren Reifen. Trotzdem schätze ich in manchen Situationen einfach die Reserven des Slicks. Er hat die Präzision am Einlenkpunkt, er hat knallharte Traktion. Und nur weil ein anderer damit zehn Sekunden schneller fahren kann, heißt das nicht, dass ich nicht irgendwo in der Runde, in irgendeinem Belastungszustand, auch einmal nahe an die Gripgrenze komme. Mein Material, meine Entscheidung.


Hobby Slicks in Rijeka und der RS12 für gemütliche Tage

Darum fahre ich, wann immer es geht, die hochspezifizierten Slicks. Es gibt Ausnahmen. Hobby-Slicks, die günstiger und noch unkomplizierter in der Handhabung sind, nehme ich, wenn ich keinerlei Ambitionen auf gute Rundenzeiten habe und maximale Temperaturflexibilität will. Zum Beispiel bei einem Märztermin in Rijeka, wo es morgens noch kälter sein kann, das Fahrwerk nicht allzu straff eingestellt ist und ich sorgenfrei gemütlich im Kreis rolle. Oder wenn ich mit einem Naked Bike unterwegs bin und nur einen schönen Tag auf der Rennstrecke haben will. Dann verwende ich den Bridgestone RS12. Da fahre ich ohne Heizdecken, habe keinen Stress, reise mit dem Motorrad auf Achse an und mache mir einen entspannten Trackday. Das ist meine persönliche Sortierung, keine Gebrauchsanweisung für jeden Tag und jedes Wetter.


Bestes Material auch für eine Zehntelsekunde pro Runde

Wenn ich aber ambitioniert fahren will, nehme ich immer das bestmögliche Material, ganz egal, ob ich es ausreizen kann. Es reicht mir schon, wenn ich es in einer Zehntelsekunde der Runde voll ausreize. Genau für diesen Moment ist mir das Top-Produkt am Motorrad lieber. Und das ist für mich im Moment der V03 von Bridgestone vorne und der V02 hinten. Klingt nach Luxus für einen 2:08er-Fahrer? Mag sein! Doch wer einmal gespürt hat, wie der Vorderreifen am Einlenkpunkt genau dort bleibt, wo du ihn hingeschickt hast, der will dieses Gefühl nicht mehr hergeben. Das gilt für mich und meine Kawa an genau solchen Tagen, ohne Anspruch, für jeden anderen Fahrer zu sprechen. Jeder soll sich da sein eigenes Paket schnüren.


Quetscht die Saison aus, so weit ihr nur könnt

Warum diese Geschichte? Weil ich euch wachrütteln will, liebe Leute. Quetscht die Saison aus, so weit ihr könnt! Startet früh, fahrt lange, räumt das Motorrad spät weg. Das Klima ändert sich, und man kann früher anfangen und später Schluss machen, als man eigentlich glaubt. Klar, es ist mühsam, das Rennmotorrad einzuladen und alles zusammenzupacken. Es kostet Geld. Aber wenn du im Oktober bei tief stehender Sonne zufrieden im Fahrerlager sitzt und einen herrlichen Tag hinter dir hast, weißt du: Es hat sich gelohnt. Und wer weiß, vielleicht meldest du dich beim nächsten Mal sogar fürs Rennen an. Die Startangst fährt mit, aber sie sitzt nicht am Gasgriff. Wir sehen uns im Fahrerlager!


GH-MOTO Siegerpodest Fotos

Ergebnis Rennen Superbike - GH-MOTO Oktober Pannoniaring
Platz 1: Gergely Majsa, Platz 2: Hoppel Martin, Platz 3: Richman
Ergebnis Rennen Supersport
Platz 1: Wiesinger Kurt, Platz 2: Schindelars Patrick, Platz 3: Papp Dominik (rechts im Bild fehlt ein Typ, das ist der Fotograph - Ich)
Podest Rookie Race GH-MOTO Oktober 2026
Podest Rookie Race GH-MOTO Oktober 2026

GH-MOTO führt für die Saison 2027 einige tolle Änderungen ein. Es wird eine Klasse geben in der Motorräder wie die Aprilia 660, die ZX4RR oder die Daytona 660 perfekt aufgehoben sind. Und es wird auch eine wirklich mächtige Überraschung für die Klasse Supersport geben. Doch dazu mehr am 1. November auf der Seite von https://www.gh-moto.com/home.html


Bericht vom 19.10.2026 | 3.423 Aufrufe

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