Africa Eco Race Etappe 3: Navigations-Challenge in hartem Terrain

Österreicher Luca Seppele kämpft mit Navigation und genießt Dünen

Etappe 3 des Africa Eco Race bringt 440 Kilometer Sonderprüfung und schwierige Navigation. Luca Seppele muss ohne funktionierendes ICO und STELLA improvisieren, während die Chegaga-Dünen zum Highlight werden. Thomas Marini gewinnt und übernimmt die Führung.

Die dritte Etappe des Africa Eco Race führt von Tagounit nach Assa und zeigt eindrucksvoll, warum diese Rallye als eine der anspruchsvollsten Abenteuerveranstaltungen im Rallye-Raid gilt. Insgesamt stehen 514 Kilometer auf dem Programm, davon 440 Kilometer als gewertete Sonderprüfung. Die Strecke verlangt Fahrern und Maschinen alles ab: schnelle, aber raue Pisten wechseln sich mit den Dünen des Chegaga-Erg ab, ehe der Tag in extrem steinigen und felsigen Abschnitten endet. Mehrere komplizierte Navigationspassagen sorgen für Verfahrer und Zeitverluste, die Etappe wird dadurch nicht nur körperlich, sondern vor allem mental zur Herausforderung.

Chegaga-Dünen und harte Pisten prägen den Charakter der Stage

Die Mischung aus Highspeed-Tracks, tiefem Sand und felsigem Finale macht Etappe 3 zu einer klassischen Africa-Eco-Race-Prüfung. Gerade die Dünenpassage im Chegaga-Erg gilt als landschaftliches Highlight, fordert aber höchste Präzision. Gleichzeitig lauern in den schnellen Abschnitten zahlreiche Fallen im Roadbook, die selbst erfahrene Fahrer in Schwierigkeiten bringen können. Die Organisation spricht von einer selektiven und unberechenbaren Etappe, die den wahren Charakter der Rallye offenlegt: Wer Dakar erreichen will, muss nicht nur schnell sein, sondern auch sicher navigieren und sein Material schonen.

Im endlosen Dünenmeer gilt es den Überblick zu bewahren.
Im endlosen Dünenmeer gilt es den Überblick zu bewahren.

Luca Seppele kämpft ohne ICO und STELLA um Orientierung

Für den österreichischen Rallye-Fahrer Luca Seppele aus Kärnten wird der Tag zu einem echten Überlebenskampf im Navigationsdschungel. Motiviert gestartet, kann er zunächst sogar ein bis zwei Fahrer aufholen. Doch bereits am Morgen folgt der Schock: Sowohl sein ICO-Tripmaster als auch das STELLA-System fallen aus. Eine denkbar schlechte Kombination, denn beide Geräte liefern essenzielle Informationen für Kilometerstand, Kompassrichtung und Waypoints. Ohne diese Unterstützung wird die Navigation quasi unmöglich und die Gefahr, sich in der unübersichtlichen Wüstenlandschaft komplett zu verirren, wird nur zu real. Doppelt bitter für Luca, hatte er doch gestern schon Probleme mit dem ICO-System.

Am zweiten Tag in Folge hat Luca Probleme mit der Navigationstechnik.
Am zweiten Tag in Folge hat Luca Probleme mit der Navigationstechnik.

Luca muss mehrfach improvisieren, orientiert sich an Staubwolken oder versucht, andere Fahrer zu finden, denen er folgen kann. Doch oft ist niemand in Sicht, und er wartet, bis von hinten jemand aufschließt. Gerade in der Weite der Wüste kann ein falscher Kurs ohne Tripmaster und Navigationseinheit schnell kritisch werden. Umso größer ist die Erleichterung, als er schließlich das Biwak erreicht. In den letzten eineinhalb bis zwei Stunden findet er eine Gruppe von Fahrern mit ähnlichem Tempo und fährt relativ entspannt im Windschatten mit, um sicher ins Ziel zu kommen.

Dünen-Highlight mit der KOVE 450 EX

Trotz aller Probleme gibt es auch einen Moment, den Luca genießen kann: Rund 20 Kilometer Dünen sind Teil der dritten Stage. Gerade hier spielt die KOVE 450 EX ihre Stärken aus. Luca beschreibt, wie viel Spaß die Maschine im Sand macht, auch weil sie gegenüber der Standardversion mehr Leistung bietet. Für ihn wird diese Passage zur richtig tollen Erfahrung - ein kurzer Lichtblick an einem Tag, der sonst von Unsicherheit und Improvisation geprägt ist.

Dünen-surfen mit der Kove 450 Rally EX - ein Riesenspaß!
Dünen-surfen mit der Kove 450 Rally EX - ein Riesenspaß!

Im Biwak angekommen, heißt es regenerieren und warten: Selbst der Service-Truck lässt noch auf sich warten, Luca nutzt die Zeit für einen Snack und etwas Ruhe, bevor die Vorbereitungen für die nächste Etappe beginnen. Die Hoffnung ist klar, dass ICO und STELLA morgen wieder zuverlässig funktionieren.

Marini siegt und übernimmt die Gesamtführung bei den Motorrädern

An der Spitze der Motorradwertung setzt Thomas Marini ein Ausrufezeichen. Der Husqvarna-Pilot gewinnt die Etappe mit einer Gesamtzeit von 4:53:26 vor Kevin Gallas und Jean-Loup Lepan. Marini übernimmt damit auch die Gesamtführung, nur wenige Minuten trennen die Topfahrer. Die Favoriten fahren über weite Strecken gemeinsam und bestätigen die enorme Schwierigkeit der Navigation. Jean-Loup Lepan spricht von einer extrem roughen Strecke, Marini betont, wie wichtig Fokus in den schwierigen Passagen war. Auffällig ist aber, dass die einzylindrigen 450er Rallye-Maschinen in diesem anspruchsvollen Gelände keinen großen Vorteil gegenüber den schwereren Zweizylinder-Reiseenduros haben dürften. Abseits von Führendem Marini und dem drittplatzierten Lepan werden die Top 10 der Motorradwertung ausschließlich von Yamaha Tenere und Aprilia Tuareg Bikes gefüllt.

Die Zweizylinder-Reiseenduros sitzen den 450er Rallye-Bikes im Genick.
Die Zweizylinder-Reiseenduros sitzen den 450er Rallye-Bikes im Genick.

Ein besonderes Beispiel für den Geist des Africa Eco Race liefert die Szene um Noa Sainct, der ohne Benzin liegen bleibt. Honda-Fahrer David Fretigné stoppt und hilft mit einigen Litern aus, verliert dabei wertvolle Zeit - ein Moment echter Solidarität in der Wüste.

Africa Eco Race 2026 Gesamtwertung Motorräder nach Etappe 3

RangStartnummerFahrerMotorradKlasseZeitRückstand
130Thomas MariniHusqvarna 450 Rally4504:53:26
2171Kevin GallasYamaha Tenere 700+6505:01:19+7:53
3176Jean-Loup LepanKTM 450 Rally Replica4505:02:20+8:54
421Gautier PaulinYamaha Tenere 700+6505:03:13+9:47
51Jacopo CeruttiAprilia Tuareg 660+6505:04:34+11:08
62Alessandro BotturiYamaha Tenere 700+6505:07:37+14:11
76Marco MenichiniAprilia Tuareg 660+6505:19:15+25:49
8191Mike WiedemannYamaha Tenere 700 JYTR+6505:19:18+25:52
9109Antonio MaioYamaha Tenere 700+6505:19:39+26:13
10110Francesco MontanariAprilia Tuareg 660+6505:38:01+44:35
1194Valentin SertilhangesKTM 450 Rally4505:39:09+45:43
1295Amaury BaratinKTM 450 Rally4505:41:36+48:10
1399Van PeltHusqvarna 450 RR4505:48:40+55:14
14106Bertrand GavardYamaha Tenere 700+6505:49:46+56:20
15124Nicolas CharlierYamaha Tenere 700+6505:51:29+58:03
1650Hans DovlandKTM 450 RFR4505:53:00+59:34
17150Matthew GirdHusqvarna 450 FR4505:53:20+59:54
1880Roman KrejciKTM 450 Rally Replica4506:02:38+1:09:12
1913Alexandre AzinhaisKTM 500 EXC-F Fivard+4506:04:32+1:11:06
2096Lejon FokkemaHusqvarna 450 RR4506:07:46+1:14:20
2192Stephan SavelkoulsHusqvarna 450 RR4506:07:47+1:14:21
2217Matteo BottinoKove 800X Rally LS+6506:10:08+1:16:42
2312David FretignéHonda CRF 450 Rally4506:15:19+1:21:53
24121Sebastiano AntonelloKove 450 Rally4506:18:16+1:24:50
2540Stefano DogliottiKove 450 Rally EX4506:22:45+1:29:19
2628Boris WoltersHusqvarna 450 Rally4506:26:23+1:32:57
2791Dalle PalleKTM 450 EXC4506:34:22+1:40:56
28123Fabio LotteroKTM 500 EXC-F+4506:36:41+1:43:15
2934James SimoninHusqvarna 450 Rally Replica4506:38:17+1:44:51
3061Jim MoisaKTM 450 RFR4506:39:05+1:45:39
3119Luca SeppeleKove 450 EX+4506:41:24+1:47:58

Autos, SSV, Trucks und Historic: spannende Kämpfe in allen Klassen

Auch in den Vierrad-Kategorien bleibt es eng. Pol Van Pollaert gewinnt die Etappe vor Pierre Lafay, der jedoch die Gesamtführung übernimmt. In der SSV-Klasse liegt Lafay ebenfalls klar vorne. Bei den Trucks dominiert Gerrit Zuurmond weiter und baut seinen Vorsprung aus. In der Historic-Kategorie feiert Jorge Perez Companc erneut einen Sieg und beschreibt die Rallye als Familien-Traum auf den Spuren der alten Paris-Dakar-Legenden.

Auch auf vier Rädern spielt es sich beim Africa Eco Race ab.
Auch auf vier Rädern spielt es sich beim Africa Eco Race ab.

Africa Eco Race 2026 - Top 10 der Auto Wertung nach Etappe 3

RangStartnummerFahrerBeifahrerFahrzeugKategorieKlasseZeitRückstand
1205Pol Van PollaertAnthony PesMD OptimusT1T1.25:05:27
2251Pierre LafayStephane DenecheauCan-Am Maverick RSSV SeriesSSV35:06:36+1:09
3232Philippe LambilliotteFrançois BéguinMD OptimusT1T1.25:09:17+3:50
4236Andrea SchiumariniMaurizio GeriniCentury CR6T1T1.25:14:02+8:35
5215Christian FemontGregg DocxMini Cooper X-RaidT1T1+5:14:31+9:04
6299Martin BenkoMarek SykoraMCE5 T3M Taurus T3T3T3.15:17:09+11:42
7201David GerardPascal DelacourMD OptimusT1T1.25:18:46+13:19
8273William GrarreVincent FerriCan-Am Maverick X3T4T4.15:29:01+23:34
9200Vincent VroninksDave BerghmansRed-Lined VK56T1T1.15:29:10+23:43
10253Jerome CambierMarion AndrieuMMP FJT3T3.15:37:15+31:48

Ausblick: Die Rallye bleibt offen auf dem Weg nach Dakar

Etappe 3 bestätigt, wie selektiv und unberechenbar das Africa Eco Race ist. Zwischen Dünen, rauen Tracks und steinigen Prüfungen bleibt das Rennen in allen Klassen offen. Für Luca Seppele wird der Fokus nun darauf liegen, die Technikprobleme zu beheben und wieder mit voller Navigationsunterstützung angreifen zu können. Mit mehreren tausend Kilometern bis Dakar ist klar: Die härtesten Tage liegen noch vor den Teilnehmern, und jede Etappe schreibt ihre eigenen Geschichten.

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Bericht vom 29.01.2026 | 327 Aufrufe