Kawasaki Z H2 als Einsteigermotorrad?!? - A2-Pilot auf 200PS-Bike

Wie gut lassen sich 200PS vom Anfänger beherrschen?

NastyNils prüft Redaktions-Neuzugang und Führerscheinneuling McGregor, also mich, im Zuge einer Feuerprobe. Letztes gefahrenes Motorrad: Honda CMX500 Rebel, 48 PS. Nächstes Motorrad: Kawasaki Z H2 mit 200PS! Kann das gutgehen? Die Kamera läuft, egal wie es ausgeht...

Gemütlich sitze ich früh morgends im Büro und gehe friedlich meiner redaktionellen Schreibarbeit nach. Es ist ein trüber Morgen mit leichtem Nieselregen. Ein guter Tag, um entspannt alte Berichte abzuarbeiten und sich in den Tiefen der 1000PS-Website zu verlieren. Doch es kommt ganz anders. Die Tür geht auf und plötzlich kommt Nils, der Chef höchstselbst, in Begleitung eines Kameramanns in das Redaktionsbüro. Was ist jetzt los? Statt einer Erklärung kriege ich nur einen Schlüssel mit kryptischem Symbol in die Hand gedrückt. "Das ist das Symbol der H2-Modelle von Kawasaki", wird mir erklärt. "Und jetzt wo du den großen Führerschein hast, kannst du ja auch endlich mal die leiwanden Sachen fahren. Also los geht's!" Jetzt wird mir etwas mulmig in der Magengrube. Ich soll 200 PS fahren? Noch nie bin ich auf etwas stärkerem als auf A2-Bikes, also mit 48 PS, gesessen. Mein letzter Ritt war auf einer Honda CMX500 Rebel, und selbst das ist schon einige Monate er. Doch alle meine Einwände nutzen nichts. Ich soll mich, sobald das Wetter aufklart, als würdiges Mitglied der Redaktion beweisen. Ob das gut geht?

Kawasaki Z H2 in der Stadt - Außer Lärm nichts gewesen?

Etwas später klart der Himmel auf und die Sonne kommt herauf. Ich versuche mich noch auf meinem Platz klein zu machen, doch es nutzt nichts. Mit kaum verhohlener Schadenfreude erklärt mir das Kamerateam, dass die Zeit gekommen ist. Mit zitternden Händen ziehe ich mir die Lederkombi an und stapfe mit weichen Knien die Stiegen hinunter. Dort steht sie, die Kawasaki Z H2! Schon von der Seite sieht sie mächtig und irgendwie böse aus. Je näher ich ihr komme, desto fieser wirkt sie. Mein Herz wummert in meinen Ohren, als ich mich in den Sattel schwinge. Angstschweiß rinnt mir das Rückgrat hinunter, während ich behutsam meinen Daumen auf den Starterknopf lege. 3... 2... 1... Zündung! 998 Kubik und ein mächtiger Kompressor erwachen dröhnend zum Leben. Inzwischen bin ich schon so sehr eingeschüchtert, dass ich mir nicht mal sicher bin, ob ich den Innenhof ohne Crash verlassen kann. Doch Jammern nützt auch nichts mehr, also los geht's. Vorsichtig die Kupplung kommen lassen, sanft Gas anlegen und... nichts! Absolut unspektakulär rollt die Z H2 los und lässt sich ganz unkompliziert und unaufgeregt bewegen. Während wir gemütlich Wiener Neustadt in Richtung Burgenland verlassen, wundere ich mich die ganze Zeit, wie es die wundersame Technik nur schafft, 200PS so zugänglich und zahm zu gestalten. Die Nervosität ist verflogen und ich denke mir: "Na ist eh alles easy." Doch da habe ich wohl vorschnell geurteilt.

Entfesslung der Kawasaki Z H2 auf der Landstraße

Auf der Landstraße zeigt die Z H2 dann erst, was in ihr steckt. Schon ab der unteren Mitte des Drehzahlbandes, bei ca. 4.000 Umdrehungen, erwacht das Ungetüm und der Kompressor zum Leben. 137 Nm Drehmoment schieben mächtig an und 200 PS sorgen auch für lang anhaltenden Schub. Sobald ich am Gasgriff mehr als nur 10% gebe, beschleunigt die Z H2 in wahnsinnigem Tempo in Richtung Führerscheinverlust. Aus Furcht vor Geschwindigkeitskontrollen und dem abhebenden Vorderrad traue ich mich gar nicht Vollgas zu geben. Doch obwohl Dreiviertel-Gas für mich das höchste der Gefühle ist, merke ich regelmäßig, wie ich wie ein Mädchen aufkreische. Dreht man beherzt am Gas zieht die Welt in Schlieren und Streifen an einem vorbei. Die Augen werden an die Rückseite des Kopfes gedrückt, der Magen rutscht in die Hose und die Arme werden langgezogen. Schnell mit den mächtigen Brembo-Systemen runterbremsen und mit der aufrechten Naked-Bike-Sitzposition einfach in die Kurve reindrücken. Obwohl sie mit 239 Kilogramm am Papier recht schwer im Vergleich zur Konkurrenz ist, ist sie trotzdem sehr agil und mühelos auf die Linie zu bringen. Auch die Gasannahme ist dank Elektronik wirklich sanft und eigentlich Einsteigerfreundlich.

Fazit: Ist die Kawasaki Z H2 Anfänger-gerecht?

Und genau so kann man den Großteil der Z H2 auch beschreiben: sanft und einsteigerfreundlich. Die Sitzposition ist sehr aufrecht und nicht übertrieben aggressiv. Bremsen, Bedienung und auch das entschleunigte Fahren funktionieren mühelos. Wäre das alles, so könnte man die Z H2 tatsächlich als Anfänger-gerechtes Motorrad bezeichnen. Doch so gezähmt und kontrolliert der Motor die Leistung auch wiedergeben kann, es bleiben brachiale 200 Pferde, die schon ab der Mitte des Drehzahlbandes hemmungslos losgallopieren. Nach 20 Minuten Fahrt brauchte ich einmal 15 Minuten um mich zu sammeln. Eine Fahrt auf der Z H2 ist eine unglaubliche Erfahnung und sollte von jedem, egal ob Anfänger oder nicht, einmal erlebt werden. Ich werde mich an meine Z H2-Fahrt mit Sicherheit noch lange zurückerinnern.

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Bericht vom 17.08.2020 | 37.393 Aufrufe

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