Royal Enfield Guerrilla 450: Zehn Händler, zehn Einzelstücke

Vom Cafe Racer bis zur Supermoto-Guerrilla

Zehn Händler bekamen dieselbe Royal Enfield Guerrilla 450 und ein Umbau-Budget von rund 1.500 Euro. Herausgekommen sind zehn Custombikes, die unterschiedlicher kaum auftreten könnten.

von Vicky_1000PS am 17.09.2026

Beim Glemseck 101 blieb es allerdings nicht beim Anschauen: Die Maschinen mussten auf der Achtelmeile gegeneinander antreten. Zusätzlich entschied das Publikum, welcher Umbau beim Style Contest am meisten überzeugte. Sämtliche Aufnahmen der zehn individuellen Guerrilla-450-Umbauten stammen von Fotograf Christian Berghöfer. Er präsentiert die unterschiedlichen Interpretationen der Guerrilla 450 in einer einheitlichen Bildsprache.


Royal Enfield Guerrilla 450 wird zum Custombike

Was passiert, wenn zehn Royal Enfield Händler dasselbe Motorrad bekommen, beim Umbau aber ihre eigenen Ideen verwirklichen dürfen? Genau das wollte Royal Enfield beim Projekt ”GRR/RACE powered by Busted Knuckles” herausfinden. Die Basis bildete in allen Fällen die Royal Enfield Guerrilla 450. Zehn deutsche Händler interpretierten den Roadster neu und präsentierten ihre Maschinen beim Glemseck 101 vom 4. bis 6. September 2026. Dabei reichte die Bandbreite von vergleichsweise klassischen Umbauten über Cafe-Racer-Elemente und auffällige Sonderlackierungen bis zu einer deutlich in Richtung Supermoto entwickelten Guerrilla. Eine zentrale Vorgabe gab es trotzdem: Das von Royal Enfield angesetzte Umbau-Budget lag bei rund 1.500 Euro. Unterstützung erhielten die Händler von Heidenau, Kickstarter und Remus.


Gleiche Leistung, unterschiedliche Konzepte

Beim Customizing kann schnell die Frage aufkommen, wer dem Motor noch ein paar zusätzliche Pferde entlockt. Beim GRR/RACE war das nicht der entscheidende Punkt. Die Motorleistung der Royal Enfield Guerrilla 450 blieb bei allen zehn Motorrädern unverändert. Auf der Achtelmeile sollten damit nicht unterschiedliche Leistungsstufen über Sieg oder Niederlage entscheiden. Laut Royal Enfield kam es beim Sprint vielmehr auf das Können der Fahrerinnen und Fahrer an. Das Ergebnis: Die ”GRReen Machine” von Tech & Sturm aus Duisburg holte sich den Sieg beim Rennen. Doch die schnellste Guerrilla war nicht gleichzeitig der Publikumsliebling. Parallel zum Rennen konnten Besucher des Glemseck 101 bei einem Online-Voting für ihren favorisierten Umbau stimmen. Beim Style Contest setzte sich die ”Indian Dream” von Ossa Racing aus Sonneberg durch. Zwei Wettbewerbe, zwei Sieger – und dazwischen acht weitere Interpretationen derselben Basis.


GRReen Machine: Siegerin auf der Achtelmeile

Die Nummer 01 kommt von Pott Rockets Tech & Sturm aus Duisburg und hört passenderweise auf den Namen ”GRReen Machine”. Optisch setzt sie auf eine grüne Metalflake-Sonderlackierung. Dazu kommen polierte Felgenflanken, ein neuer Sitzbezug, ein seitlicher Kennzeichenhalter, ein kleines Rücklicht, Windschild, polierte Seitendeckel und Startnummerntafeln. Als Reifen kommen Heidenau K60 Scout zum Einsatz, beim Auspuff setzt der Umbau auf Remus. Das Fahrwerk blieb serienmäßig. Die angegebenen Umbaukosten belaufen sich auf 1.600 Euro, der Preis des Einzelstücks wird mit 6.500 Euro angegeben. Vor allem aber kann die grüne Guerrilla einen Titel vorweisen: Sie gewann den Sprint auf der Achtelmeile.


Nummer 01: GRReen Machine von Pott Rockets Tech & Sturm (Foto: Christian Berghöfer)

Crazy Chicken: Die unbekanntere Guerrilla

Die Nummer 02 stammt von Royal Enfield Stuttgart und wird in der Übersicht der zehn Motorräder als ”Crazy Chicken” bezeichnet. Genannt werden farbliche Akzente an den Instrumenten und eine bunte Federoptik. Das zugehörige Spec Sheet führt das Motorrad noch als ”Unbenannt”. Als Reifen ist dort der CEAT Zoom Cruz F angegeben, der Auspuff stammt von Remus und das Fahrwerk blieb in Serie.


Nummer 02: Crazy Chicken von Royal Enfield Stuttgart (Foto: Christian Berghöfer)

Madras Madness: Babyblau und Pink statt Zurückhaltung

Deutlich konkreter wird es bei Nummer 03. Müller Motors aus Königswinter nennt seine Interpretation ”Madras Madness”. Bereits die Lackierung macht klar, dass Zurückhaltung hier nicht das Ziel war: Babyblau und Pink treffen auf eine Konturenzeichnung und Flat-Track-Elemente. Hinzu kommen Royal Enfield Scheinwerfergitter, Tachoverkleidung und Aluminium-Unterfahrschutz. Das Turn-by-Turn-Modul wurde entfernt, außerdem gehören Highsider-Lenkerendenspiegel und ein BMC-Sportluftfilter zum Umbau. Heidenau K73, Remus-Auspuff und das serienmäßige Fahrwerk komplettieren die technischen Eckdaten. Die Umbaukosten werden mit 1.400 Euro angegeben, der Preis des Motorrads mit 6.990 Euro. Die ”Madras Madness” wird allerdings noch ausdrücklich als ”Work in Progress” geführt.


Nummer 03: Madras Madness von Müller Motors (Foto: Christian Berghöfer)

Gambling Guerrilla: Casino-Look auf zwei Rädern

Bei Thiede Performance aus Murg fiel die Wahl auf ein anderes Thema. Die ”Gambling Guerrilla” trägt eine Smoke-Silver-Lackierung und eine schwarze Scheibe. Royal Enfield Ölwannenschutz und Motorschutzbügel werden mit Fußrasten, Lenkerendenspiegeln und Hebeln von Raximo kombiniert. Das namensgebende Detail findet sich an den Rädern: Die Felgen tragen ein Casino-inspiriertes Dekorset. Beim Reifen bleibt die Gambling Guerrilla mit dem CEAT Zoom Cruz F ausgestattet, hinzu kommen ein Remus-Auspuff und das serienmäßige Fahrwerk. Für den Umbau werden 1.500 Euro angegeben, der Preis liegt bei 6.390 Euro. Damit markiert sie zugleich das untere Ende der in den Unterlagen genannten Preisspanne der angebotenen Einzelstücke.


Nummer 04: Gambling Guerrilla von Thiede Performance (Foto: Christian Berghöfer)

Bayer Cafe Racing Edition: Guerrilla mit Lenkerstummeln

Dass die Guerrilla 450 auch eine deutlich klassischere sportliche Richtung einschlagen kann, demonstriert Motorrad Bayer aus Niederrieden. Die ”Bayer Cafe Racing Edition” trägt eine Candy-Red-Lackierung und bekommt ein Cafe-Racer-Fairing sowie Lenkerstummel. Geänderte Lenkergriffe und Hebel, Lenkerendenspiegel und eine Royal Enfield Sitzbank gehören neben zahlreichen weiteren Kleinigkeiten ebenfalls zum Umbau. Bereift ist die Cafe-Racer-Interpretation mit Heidenau K80, die Abgasanlage stammt von Remus. Das Fahrwerk bleibt serienmäßig. Mit 1.700 Euro Umbaukosten liegt sie leicht über dem angepeilten Budget von rund 1.500 Euro. Der angegebene Preis beträgt 7.990 Euro und bildet damit das obere Ende der in den Unterlagen genannten Preisspanne.


Nummer 05: Bayer Cafe Racing Edition von Motorrad Bayer (Foto: Christian Berghöfer)

Motokraft: Die Guerrilla entdeckt Supermoto

Einen deutlich anderen Weg schlägt Omega Kraftrad aus Braunschweig ein. Nummer 06 hört auf den Namen ”Motokraft” und trägt ihre Umbauidee ziemlich offen zur Schau. Das Rahmenheck wurde gecleant und die hinteren Fußrastenhalter entfernt. Hinzu kommen eine Eigenbau-Sitzbank und eine Supermoto-Maske. Die Tachohalterung wurde modifiziert, die vorderen und hinteren Kotflügel im Supermoto- beziehungsweise Cross-Stil angepasst. LED-Beleuchtung, Mini-Blinker, Kraftrad-Decals, Handschützer und Rückspiegel ergänzen den Umbau. Auch technisch hebt sich die Motokraft von vielen anderen Teilnehmern ab: Die Gabel wurde verlängert. Dazu kommen Dunlop Sportsmart MK4 und ein Mistral-Auspuff. Die Umbaukosten werden mit 1.500 Euro angegeben, ein Verkaufspreis ist nur auf Nachfrage erhältlich.


Nummer 06: Motokraft von Omega Kraftrad (Foto: Christian Berghöfer)

Mamba One: Aufgeräumtes Heck und Custom-Folierung

Nummer 07 stammt von Iwan Bikes aus Pfaffenhofen an der Ilm. Bei der ”Mamba One” liegt der Fokus unter anderem auf Lenker und Heck. ABM Riser und ein ABM Lenker werden mit LSL Spiegeln kombiniert. Dazu kommen ein Heckumbau, Mini-LED-Beleuchtung und ein seitlicher Kennzeichenträger. Für die individuelle Optik sorgt eine Custom-Folierung. Gleichzeitig bleiben auch Originalteile von Royal Enfield Teil des Konzepts: Windschild und Sitzbank stammen aus dem Royal Enfield Zubehör. Die Mamba One rollt auf Heidenau K80, verwendet einen Remus-Auspuff und behält das serienmäßige Fahrwerk. Für den Umbau werden 1.400 Euro genannt, der Gesamtpreis beträgt 6.500 Euro.


Nummer 07: Mamba One von Iwan Bikes (Foto: Christian Berghöfer)

Motospeed Guerrilla: British Racing Green und braunes Leder

Mit Nummer 08 schlägt Motospeed Bonsack aus Barchfeld eine klassisch anmutende Richtung ein. Die ”Motospeed Guerrilla” erhält eine British-Racing-Green-Lackierung, pulverbeschichtete Felgen und eine braune Leder-Sitzbank. Dazu kommt eine seitliche Ledertasche. Moderne Details fehlen trotzdem nicht. Highsider 3-in-1-LEDs übernehmen hinten die Beleuchtung, vorne werden Highsider Spiegel mit integrierten LED-Blinkern eingesetzt. Außerdem ist eine goldene DID-Kette verbaut. Verschiedene Royal Enfield Originalzubehörteile und weitere Detailänderungen gehören ebenfalls zum Paket. Der serienmäßige Auspuff wurde schwarz beschichtet, beim Reifen fiel die Wahl auf Heidenau K60 Scout. Die Umbaukosten betragen 1.500 Euro, der Preis wird mit 7.220 Euro angegeben.


Nummer 08: Motospeed Guerrilla von Motospeed Bonsack (Foto: Christian Berghöfer)

Indian Dream gewinnt den Style Contest

Die schnellste Guerrilla kam aus Duisburg, beim Publikum landete allerdings eine andere Maschine vorne. Die ”Indian Dream” von Ossa Racing aus Sonneberg wurde beim Online-Voting zum beliebtesten Umbau gewählt. Ihre blaue Sonderlackierung wird mit mehreren Anbauteilen kombiniert. Dazu gehören Royal Enfield Kühlergrill, Unterfahrschutz und Lampenschutzgitter. Lenkerendenspiegel, ein Raximo-Lenker, Kellermann ATTO 3-in-1-Leuchten hinten sowie Kellermann Blinker vorne verändern das Erscheinungsbild zusätzlich. Ein kurzer Kennzeichenhalter, Barracuda-Lenkergewichte und eine Abdeckung für die Bremspumpe werden ebenfalls genannt. Heidenau K60 Scout, Remus-Auspuff und Serienfahrwerk bilden die weiteren Eckpunkte. Die Umbaukosten liegen bei 1.500 Euro. Der Verkaufspreis ist auf Nachfrage erhältlich.


Nummer 09: Indian Dream von Ossa Racing (Foto: Christian Berghöfer)

Blue Flash: Noch eine Guerrilla mit Lenkerstummeln

Den Abschluss bildet die Nummer 10 von Motorrad Bläsing aus Fürstenwalde. ”Blue Flash” setzt wie die Bayer Cafe Racing Edition auf Lenkerstummel, interpretiert das Thema aber mit anderen Details. Verbaut sind LSL Lenkerstummel, Raximo Griffe, Armaturen und Fußrasten. Dazu kommen ein Custom-Bugspoiler, Lenkerendenspiegel, eine veränderte Sitzbank und ein Custom-Windschild aus Aluminium. Für den optischen Auftritt sorgt außerdem eine Effekt-Lackierung. Bereift ist die Maschine mit Heidenau K80, der Auspuff stammt von Remus und das Fahrwerk bleibt serienmäßig. Die Umbaukosten werden mit 1.500 Euro angegeben. Der Preis für das Einzelstück liegt bei 6.995 Euro.


Nummer 10: Blue Flash von Motorrad Bläsing (Foto: Christian Berghöfer)

Zehn Einzelstücke können gekauft werden

Die zehn Motorräder waren nicht nur Showbikes für das Glemseck 101. Alle zehn Guerrilla-450-Umbauten sind Einzelstücke und können auf Nachfrage über die jeweiligen Royal Enfield Händler erworben werden. Für die Maschinen mit angegebenem Preis reicht die Spanne laut Royal Enfield von 6.390 bis 7.990 Euro. Bei einzelnen Motorrädern wird der Preis nur auf Nachfrage genannt. Das GRR/RACE zeigt damit vor allem, wie unterschiedlich dieselbe Ausgangsbasis interpretiert werden kann. Cafe Racer, Supermoto-Einflüsse, British Racing Green, Metalflake oder Casino-Dekor – unter den zehn Motorrädern gleicht kaum eines dem anderen. Und auch die beiden Wettbewerbe lieferten unterschiedliche Ergebnisse: Während die GRReen Machine die Achtelmeile für sich entschied, holte sich die Indian Dream die Stimmen des Publikums.


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VICKY_1000PS

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