Katalysator Corona

Veränderungen in der Motorradbranche

Die Einschränkungen im Handel und im gesellschaftlichen Leben haben großen Einfluss auf die Motorradbranche. Doch einige Veränderungen waren längst überfällig. Corona dient hier als Katalysator.

Aktuell sind Motorradgeschäfte in den meisten Ländern der Welt geschlossen. Auch in der D/A/CH Region dürfen Werkstätten geöffnet sein, die Schauräume und Verkaufsflächen jedoch nicht. Damit kommt eine Branche in Bedrängnis, welche ohnehin seit Jahren unter starkem Druck steht. Händler verdienten in den letzten Jahren gutes Geld mit ihren Werkstätten und Gebrauchtfahrzeugen, der Verkauf von Neufahrzeugen ist aber schon länger ihr Sorgenkind. Die Erwartungshaltung hinsichtlich Shopgestaltung durch die großen Hersteller ist groß. Investitionen lohnen sich oft nur für große Händler. Gut möglich, dass in der aktuellen Krise eine Entwicklung beschleunigt wird, welche bei einigen Marken längst überfällig ist: Die Straffung der Händlernetze. In Deutschland ist dieser Prozess teilweise schon weiter als in Österreich. Doch in Österreich aber auch in der Schweiz ist traditionell die Erwartungshaltung von Kunden etwas herausfordernder. Während eine Anreise zum nächsten Fachhändler in Deutschland von 1,5 Stunden als “OK” empfunden wird, ist das in Österreich und der Schweiz für viele Motorradkäufer undenkbar. Insofern sind dünnere Händlernetze in der Vergangenheit an den hohen Erwartungen der Endkunden gescheitert.

Schwierige Nachfolgersuche - Nun mehr denn je

Einige Fachhändler im deutschen Sprachraum werden in den nächsten Monaten ihr Geschäft schließen. Manche werden ihren Ruhestand vorziehen, andere werden in die Insolvenz gehen. Selbst für einigermaßen gesunde Betriebe wird es nun noch schwieriger werden eine Nachfolgerregelung zu finden. Diese traurigen Schicksale eröffnen aber auch Möglichkeiten für andere Fachhändler. Diese könnten ihre Verkaufsgebiete durch zusätzliche Filialen vergrößern. Größere und stärkere Händler könnten dann auch auf Augenhöhe den Herstellern gegenübertreten. Nach jeder Krise folgt auch wieder ein Aufschwung. Wer gut aufgestellt ist, wird davon profitieren können.

Online profitiert

Die aktuelle Situation sorgt an anderen Stellen jedoch für positive Effekte. E-Commerce Unternehmen können zum Teil von den Social-Distancing Maßnahmen profitieren. Und natürlich auch Online-Medien. Wir von 1000PS verzeichnen zum Beispiel auf der Website www.1000PS.de im Vergleichszeitraum 15. - 25. März 2020 vs 15 - 25. März 2019 einen dramatischen Anstieg der Nutzerzahlen. Das Plus bei den einzelnen Nutzern beträgt 75% (nun 368.000 in den 10 Tagen gegenüber 211.000).

Starke Nutzung von Social-Media

Noch spannender als diese Zahl ist jedoch die Analyse der “Quellen”. Also woher kommen die zusätzlichen User. Dramatisch sind dabei die Zuwachszahlen jener User, welche via Facebook zu uns kommen. Das kommt natürlich daher, dass die User nun mehr Zeit in den sozialen Netzwerken verbringen. Hier liegt unser Plus aktuell bei 700% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mut für die Branche können jedoch die Werte vom “Google Traffic” zu unseren Seiten machen. Denn diese sind ein Indikator dafür, ob das Interesse am Thema Motorrad hoch ist und nach wie vor nach Motorradthemen gesucht wird. Hier liegen wir mit +37% zwar unter den +75% aber in jedem Fall ist das Interesse hoch und stabil.

Zurückhaltung bei Kaufanfragen im Marktplatz

Anders verhält es sich aber leider mit den Kaufanfragen an die Händler. Die Anzahl der Kaufanfragen über unseren Marktplatz an Händler und Privatpersonen ist im betreffenden Zeitraum zurückgegangen - und das trotz steigender Nutzerzahlen. Doch auch das klingt logisch. Viele Käufer recherchieren im Moment, halten sich aber zurückhaltend was Besichtigungstermine oder Probefahrten betrifft. Dabei muss man jedoch nochmal betonen, dass viele Händler per Telefon und e-Mail erreichbar wären und auch die Werkstätten grundsätzlich offen haben.

Im Zuge der Berichterstattung zur Ducati Streetfighter V4 bekamen wir auch aktuelle Updates zur Situation auf Herstellerseite. Am Beispiel der Streetfighter hätte Ducati im Moment alle Teile vor Ort lagernd - das Nadelöhr ist jedoch die Produktion. Solange diese still steht, können klarerweise keine Fahrzeuge produziert und ausgeliefert werden. Ersatzteile können jedoch nach wie vor an die Händler geschickt werden. Die wichtigste Nachricht zum Schluss: Bis jetzt wurde keine einziger Kaufvertrag storniert. Obwohl hunderte Kaufverträge vorliegen und die Kunden vom Händler über die Lieferverzögerungen informiert wurden.

Abwartende Haltung bei den Endkunden

Ähnliche Szenarien werden sich bei anderen Marken und Herstellern abspielen. Dauern die aktuellen Einschränkungen in der Wirtschaft nicht länger als bis Juni, dann könnte die Branche mit einem blauen Auge davonkommen. Die Kunden werden sich in Geduld üben. Doch auf der anderen Seite wird nach der aktuell ruhigen Zeit im Sommer der wohl arbeitsintensivste Monat aller Zeiten auf sämtliche Betriebe zukommen. Denn sobald die Beschränkungen vorbei sind, möchten die Leute all jene Dinge welche sich nun in den letzten Monat verzögert haben, nachholen. Man muss kein Prophet sein um zu erahnen, dass man nach dem Ende der Einschränkungen mit Kapazitätsengpässen an allen Ecken und Enden zu kämpfen haben wird.

Servicearbeiten so rasch wie möglich durchführen lassen

Die Motorradhändler werden dann die Kapazitäten der Werkstätten benötigen, um die Fahrzeuge bereit für die Auslieferung zu machen. Daher ist es für Endkunden in jedem Fall ratsam, sämtliche Servicearbeiten aber auch Reifenmontagen und ähnliches noch vor dem Ende der Beschränkungen in den Werkstätten erledigen zu lassen. Denn danach werden die Termine knapp!

Gebrauchte und neue Motorräder

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Partner zeigen in der Krise ihr wahres Gesicht

Am Ende der ganzen Krise werden sich auch viele Beziehungen anders darstellen als vor der Krise. Die eine oder andere Ehe wird durch die nicht immer einfache gemeinsame Zeit in den eigenen 4 Wänden in die Brüche gehen. Doch auch einzelne Geschäftspartner zeigen in dieser Krise ihr wahres Gesicht. Viele Hersteller versuchen mit ihren Lieferanten, Medienpartnern und Händlern aber auch Endkunden einen gemeinsamen Weg zu finden, bei dem niemanden auf der Strecke bleibt. Es gibt aber auch jene, welche hier offenbar keinen Wert auf einen gemeinsame Zukunft legen. Diese Marken werden nachhaltig als Verlierer aus der Krise gehen. Sie werden es sein, welche das Vertrauen ihrer Händler, Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten verlieren und sie werden danach auch nicht vom Aufschwung profitieren.

Krise als Katalysator

Die Krise wird jedoch auch als Katalysator genutzt um längst fällige Veränderungen voranzutreiben oder um unliebsame Prozesse endlich umsetzen zu können. In Europa zum Beispiel sind den Herstellern die Kosten der einzelnen Landesorganisationen schon lange ein Dorn im Auge. In den einzelnen Märkten gibt es Mitarbeiter für Marketing und Vertrieb welche sich um regionale Initiativen kümmern. Sie betreuen Messen, Events aber auch Medienpartnerschaften mit regionalen Motorrad-Medien. Seit Jahren wird bei einigen Herstellern versucht diese Aktivitäten zu zentralisieren um lokal Kosten sparen zu können. Auf der Strecke werden dann regionale Events und Medien bleiben. Profitieren werden die amerikanischen Internetriesen. Wir von 1000PS versuchen hier eine kritische Größe zu erreichen, um hier auch für die Europazentralen der Hersteller ein relevanter Medienpartner zu werden. Gelingt uns das nicht, werden wir unsere Aktivitäten wieder auf Marktplatz und Homepageerstellung reduzieren.

So stehen aktuelle viele Unternehmen in der Branche vor gewaltigen Herausforderungen und Veränderungen. Die Branche wird in 1-2 Jahren deutlich anders aussehen als jetzt. Ich für meinen Teil hab hier eine klare Strategie um einen kühlen Kopf zu bewahren und werde sobald wie möglich wieder Energie tanken: Beim Motorradfahren! Hoffen wir gemeinsam auf einen milden Verlauf der Krise in Europa und auf einen gesunden und baldigen Saisonstart!

Coronavirus in der Branche

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Bericht vom 31.03.2020 | 4.716 Aufrufe

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